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Monumente der Stadt Neapel

Die Basilika von Santa Chiara in Neapel

Der religiöse Ordenskomplex und die Basilika von Santa Chiara in Neapel ist sicherlich eines der bedeutendsten Beispiele der gothischen Architektur im im Süden Italiens. Bei der Basilika von Santa Chiara ist es eine provenzalische Gothik, die auf der Architektur der romanischen zisterziensischen und den neuen Strukturen der Bettelorden basiert. Die Beschreibung umfasst nur die wichtigsten Monumente und Kappellen der Basilika, innerhalb der Kirche sind neben den Kappellen Beschreibungen nachzulesen.

Der Bau und die Einweihung der Basilika

Der Bau der Basilika von Santa Chiara begann im Jahr 1310 im Auftrag des Königs Robert von Anjou und seiner zweiten Ehefrau Sancha von Mallorca, die eine bemauerte franziskanische Zittadelle mit einer Basilika und einem Klarissenkloster für die Frauen sowie einem Kloster der Minderen Brüder für die Männer beinhalten sollte. Der Bau dieser Ordenskomplexes war einer der ersten innerhalb der Altstadt von Neapel und betraf ein Gebiet, das damals zwischen dem unteren Decumanus und den spätrömischen Mauern als periphär galt. Das Königspaar fühlte sich dem Heiligen Franziskus und der Heiligen Clara devot und benötigten eine Hofkappelle für die Bestattungen und die wichtigsten Zelebrationen der Königsfamilie. Die Arbeiten wurden erst von Architekt Gagliardo Primario und später von Lionardo di Vito durchgeführt. Die Kirche war ursprünglich dem Heiligen Körper Christi gewidmet (wegen des Wunders von Bolsena im Jahr 1264), wurde im Jahr 1330 dem Kult eröffnet und schliesslich 1340 offiziell eingeweiht. Diese Daten kennen wir auch Dank der 4 anjouinischen Inschriften in grossen gothischen Buchstaben zwischen der Basis und der ersten Etage des Kirchturms. Die Inschriften wurden mit einigen chronologischen Fehlern nach dem Erdbeben von 1456 und beim Wiederaufbau des Turms wieder eingesetzt.

Ein Fresko-Fragment gothischer Kunst mit der MAdonna del Cucito

Der Kirchturm

Der von der Basilika getrennte Kirchturm wurde ab 1338 errichtet, konnte aber wegen dem Erdbeben von 1456 nicht fertiggestellt werden. Nach seinem Zusammenbruch wurde er erst später wieder aufgerichtet und im Jahr 1604 fertiggestellt. Der viereckige Kirchturm wurde durch Marmorrahmen auf drei Etagen aufgeteilt. Der unterste Bereich besteht dabei aus Felsblöcken, während die oberen Bereiche aus Backsteinen mit tuskanischen (mittlerer Bereich) und ionischen (oberster Bereich) Lesenen errichtet wurde. Zwischen dem mittleren und der obersten Etage verläuft auch ein mit Metopen, Triglyphen und dem franziskanischen Symbol der überinander geschlagene Arme dekoriertem Gebälk. Der Kirchturm war übrigens auch Schauplatz von schweren Kämpfen. Das spanische Militär nutzte den Kirchturm für ihre Schweren Waffen um den Masaniello Aufstand zu unterdrücken (1647/48) und bombardierte die im Kirchturm gelagerte Familie Carafa während des sogenannten Macchia Putsches von 1701.

Der getrennt stehnde Kirchturm dr Basilika

Historische Events in der Basilika von Santa Chiara

Nach der Einweihung erlebt die Basilika und der religiöse Komplex von Santa Chiara in darauffolgenden Jahrhunderten eine recht stabile Zeit. Am 29. August 1344 wird in der Basilika Johanna I von Anjou als Königin gekürt und 38 Jahre später nach dem Mord durch ihren Cousin Karl III dem Volk ihr lebloser Körper präsentiert. Am 14. August 1571 erhält Johannes von Österreich von Papst Pius V hier das am Ende siegreiche Kommando über die christlichen Truppen in der Schlacht von Lepanto gegen die Ottomanen.

Ein Bild des Grabmahls von Robert von Anjou vor den Bombenangriffen im 2. Weltkrieg

Die barocke Erneuerung

Eine bedeutende stilistische Veränderung wird im 18. Jahrhundert durch die Barockisierung der Kirche unter Domenico Antonio Vaccaro ab 1742 beginnen. Die Fenster des Hauptschiffs wurden vergrössert, die gothische Balkendecke mit einem mit Stuck dekoriertem Bogen verkleidet. Ausserdem wurden zwei grosse Bögen hinzugefügt um die Kirchhalle vom Presbiteirum und den Chor für die Ordensbrüder an der Gegenfassade abzutrennen. Weiterhin wurden die Kirchwände mit buntem Marmor und Dekorationen in goldenem Holz verkleidet. Neue Bilder wurden der Basilika durch Francesco de Mura, Sebastiano Conca und Giuseppe Bonito hinzugefügt. Die barocke Erneuerung hält aber leider nur circa 2 Jahrhunderte bis zum fatalen Angriff der Allierten durch die Bombardierung der Kirche um 13.30 Uhr des 4. Augusts 1943 durch Flugattacken, bei dem die Kirche zwei ganze Tage ausbrennt, die barocke Dekoration fast komplett zerstört und die gothische Struktur stark beschädigt wird. Bei dem Brand von Notre-Damme in Paris kamen bei vielen Neapolitanern traurige Erinnerungen an den Brand der Basilika von Santa Chiara und dem Verlust der vielen Kunstwerke wieder hoch.Zwei Jahre nach dem Brand wurde im Jahr 1945 von Galdieri und Barberis dem Brand der Basilika auch das Lied “Munastero ‚e Santa Chiara” gewidmet, in dem der Trauer der Bevölkerung über die Folgen des Brandes besungen wird. Ab 1944 versucht Architekt Mario Zampino die Kirche in ihrem ursprünglichen provenzalischen gothischen Stil wieder herzustellen. Die Wiedereröffnung der Kirche fand am 3. August 1953, exakt 10 Jahre nach der Bombardierung, mit einer grossen Zerimonie statt.

Der Eingang zur Zittadelle nah der Piazza del Gesù in der Altstadt von Neapel

Die Fassade und der Eingangsbereich

Der Zugang in den Innenhof der Zittadelle durch die Mauer wurde durch einen gothischen Bogen mit einem Fingernagel aus Peperino und einer damals dekorierten Lünette gestaltet. Die Basilika hat hingegen eine gelbe Tufsteinfassade mit einer kleinen Vorhalle aus drei ogivalen Bögen aus Pipern, wobei der mittlere das Wappen der Sancha aus Mallorca zeigt, sowie einem ogivalem Gewölbe als Decke. Der Haupteingang hat seitliche Einlagen aus Porfid-, gelbem und Pietrasanta-Marmor und zeigt auch hier das Wappen der Sancha auf dem Hauptbalken. Die im Durchmesser 8 Meter messende Fensterrose wurde nach der Bombardierung wieder in die Fassade eingesetzt und ist in sechs kleine Kreise mit noch kleineren Kreisen aufgeteilt. Über der Fensterrose ist noch ein Opaion mit drei Rundungen zu sehen.

Die grosse Fensterrose der Fassade im Detail

Die Innenstruktur

Die Innenstruktur der Basilika von Santa Chiara basiert auf einem einzigen Schiff (82 Meter Länge, 29 Meter Breite und 46 Meter Höhe) mit einem Presbiterium ohne Absis. Die Aula wird durch einen ursprünglich aus Holz bestehendem Dachstuhl aus Zement sowie einem Tonnengewölbe im Presbiterium bedeckt. Die Aula hat jeweils 10 Kappellen auf jeder Seite mit 16 Meter hohen schmalen Zwillingsfenstern. Das Presbiterium hat vier runde Öffnungen sowie ein Viererfenster, das teilweise vom Grabmahl des Robert von Anjou verdeckt wird. Der Fussboden stammt von Ferdinando Fuga von 1762, wurde aber nach der Bombardierung reproduziert und mit einem anjouinisch/aragonesischem Wappen bedacht.

Die Gegenfassade

Die Kirche betretend befindet sich auf der linken Seite des Eingangs das Grabmahl der Penna Familie aus dem 15. Jahrhundert von Antonio Baboccio da Piperno. Das Werk wurde im Jahr 1627 in einen Altar verwandelt, wobei der Sarkophag in die zweite Kappelle des rechten Kirchenschiffs verlegt wurde und der Baldachin und eine in der Mauer integrierte Grabmahlsplatte hinterlassen wurden. Der Baldachin wird hinten von zwei Halbsäulen und vorne von zwei mit vegetalen Motiven dekorierten Säulen auf Löwen gestützt. Auf der Frontseite sind ein segnender Christus, eine Madonna der Verkündigung und der Erzengel Gabriel dargestellt. Auf der Rückwand zeigt ein anonymen Künstler (als Maestro di Penna bezeichnet) Fresken von einer von Giovanni und Onofrio Penna verehrten Jungfrau, eine Dreifaltigkeit sowie zwei Heilige. Auf der anderen Seite des Eingangs befindet sich das Grabmahl von Agnese und Clemenza von Duraz von einem unbekannten Künstler des 15. Jahrhunderts mit einer Darstellung der Beweinung Christi und zwei Engeln. Zwei Statuen des Glaubens und der Karitas die wie Karyatiden das Monument stützen. Die beiden hier begrabenen anjouinischen Prinzipessinen waren die Töchter von Karl von Anjou Herzog von Duraz und Schwestern der Königin Margherita von Duraz. Ursprünglich befand sich dieses Grabmahl neben den anderen anjouinischen königlichen Grabmählern im Presbiterium und wurde nach der Restaurierung in Folge des zweiten Weltkriegs an die Gegenfassafe verlegt.

Der Baldachin des Penna Grabmahls

Das rechte Kirchenschiff der Basilika von Santa Chiara

Die zweite Kappelle

Die zweite Kappelle ist den Heiligen Abt Agnello gewidmet und zeigt ein Fresko aus dem 14. Jahrhundert eines Bischofs (vielleicht Agnello) von einem unbekannten Künstler der Giotto-Schule, das sich ursprünglich im Kloster befand. Hier ist das Grabmahl des Antonio Penna von Antonio Baboccio da Piperno aus dem 14. Jahrhundert zu sehen, das sich ursprünglich unter dem Baldachin am Haupteingang befand. Das gothische Grabmahl zeigt ein Basrelief mit einer Mutter Gottes mit Kind, die Heiligen Paulus, Antonio und Onofrio und die Heiligen Hieronymus, Johannes den Täufer und Ignaz von Antochia.

Der Sarkophag des Antonio Penna
Die dritte Kappelle

Die dritte Kappelle ist dem heiligen Abt Benedikt gewidmet und zeigt ein gothisches Fresko von einem unbekannten Künstler mit der Darstellung des Benedikts. An der Wand ist ein schöner Sarkophag der del Balzo Familie zu sehen, der auf drei Reihen mit zwei je kleinen Säulen ein Basrelief mit einer Madonna mit Kind, zwei Ritter, der heiligen Katherina von Alexandria, dem Heiligen Petrus, Stefan und einem unbekannten Heiligen.

Der del Balzo Sarkophag aus dem rechten Kirchenschiff der Basilika von Santa Chiara
Die achte Kappelle

Diese Kappelle ist der Geburt Jesu gewidmet und beinhaltet das Bild der Anbetung der Hirten des Marco Pino aus Siena aus dem 16. Jahrhundert. Auf der linken Seite ist ein Fragment des Grabmahls des jung verstorbenen Ludovico von Duraz von Pacio Bertini aufgehängt worden

Der aus Siena stammende Marco Pino mit seiner Anbetung der Hirten
Die zehnte Kappelle

Die zehnte Kappelle hat eine besondere Bedeutung, da sie der königlichen Familie der Bourbonen angehörte und sie eine der beiden Kappellen ist, in der die barocke Dekoration nicht verbrannt ist. König Karl III wollte 1742 eine provvisorische Kappelle für die Königsfamilie innerhalb der Basilika von Santa Chiara. Im 14. Jahrhundert war diese Kappelle dem Heiligen Ludwig von Toulouse gewidmet und beinhaltete das berühmte Bild Der Heilige Ludwig von Toulouse kürt Robert zum König von Simone Martini, das heute in der Bildergallerie von Capodimonte ausgestellt ist und eines der wichtigsten Werke des Museums darstellt. Das Bild über dem Altar der Ungläubigkeit des Heiligen Thomas stammt von Girolamo Macchietti aus dem 16. Jahrhundert. Der aufwenige Sarkophag auf der linken Seite beinhaltet di Reste von Philipp, erster und mental behinderter Sohn von König Karl III dem Bourbonen, der im Alter von 30 Jahren verstorben ist. Die Struktur stammt von einer Zeichnung des Ferdinando Fuga und die Putten sind ein Werk des Giuseppe Sanmartino, der durch sein Werk des verschleierten Christus beeits einen wichtigen Status erreicht haben musste. Auf der rechten Seite der Kappelle liegen die Reste der bourbonischen Familie Ferdinando I,Francesco I mit seinen beiden Ehefrauen Maria Clementina von Habsburg und Maria Isabella von Spanien, Maria Teresa von Habsburg-Teschen(zweite Frau des Ferdinand II), Francesco II mit seiner Frau Maria Sophia von Bayern, dessen Tochter Maria Cristina Pia und Mutter Maria Cristina di Savoia. Neben der Kappelle sind ausserdem noch schöne Fragmente eines gothischen Freskos der Madonna del Cucito der senesischen Schule zu erkennen.

Das Grabmahl des Bourbonen Philipp mit Engelns des Sanmartino

Das Presbiterium

Im Presbiterium sind einige monumentale Grabmähler der anjouinischen Königsfamilie und nicht zuletzt das grösste königliche Grabmahl des italienischen Mittelalters zu besichtigen. Auf der rechten Seite des Presbiteriums befindens sich die beiden Grabmähler von Karl von Kalabrien und seiner 1331 verstorbenen zweiten Ehefrau Maria von Valois.

Das Grabmahl der Maria von Valois von Tino di Camaino
Die Grabmähler von Maria von Valois und Herzog Karl von Kalabrien

Dieses Grabmahl wurde lange Zeit als das Grabmahl der Königin Johanna I gehalten, gehört aber ihrer Mutter Maria von Valois an. Das Monument gilt, zumindest was die Skulptur und die Engel betrifft, als ein Werk des Tino di Camaino. An den beiden Enden des Sarkophags sind ein Engel, eine Maria der Verkündung und unter den Bögen Maria von Valois, Johanna I, Maria von Duraz, Maria von Anjou und Carlo Martello abgebildet. Auf den seitlichen Flächen werden hingegen die Heiligen Klara und Elisabeth dargestellt. Die Karyatiden des Monumets repräsentieren die Karitas und die Mässigung der Maria von Valois. Eine Madonna mit Kind schliesst die Spitze des Grabmahls ab. Links vom Grabmahl der Maria von Valois befindet sich das Grabmahl des Karl von Anjou Herzog von Kalabrien, das ebenfalls von Tino di Camaino mit Gehilfen und der Verwendung antiken Marmors aus Terracina und Rom errichtet wurde. Auf der Frontseite ist ein Basrelief mit dem Herzog auf dem Thron wird von seinen kirchlichen und weltlichen Funktionären geehrt zu sehen.Der Herzog ist als Statthalter und als oberster Reichsverwalter gekleidet und zu seinen Füssen trinken ein Wolf und ein Lamm aus der selben Schüssel. Die Karyatiden stützen auf Löwen und stellen die Gerechtigkeit, die Tapferkeit, die Mässigung, die Klugheit, den Glauben, die Hoffnung, die Karitas und eine weitere noch nicht identifizierte Tugend dar.

Das Grabmahl des Karl Herzog von Kalabrien

Das Grabmahl von König Robert von Anjou

Hinter dem Hauptaltar ist das von den Brüdern Giovanni und Pacio unter der Nachfolgerin Johanna I zwischen 1343 und 1345 und im zweiten Weltkrieg beschädigtem monumentalen Grabmahl des König Robert von Anjou zu erkennen. Es ist das grösste königliche Grabmahl des Mittelalters in Italien. Die alegorischen Figuren der Tugenden Hoffnung, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mässigung halten den Sarkophag mit einem Basrelief, das König Robert auf einem Bischofssitz darstellt. Zu seiner rechten Seite sind die Königin Sancha aus Mallorca, die Neffin Johanna I und Roberts zweiter Sohn Ludovico zu erkennen. Zu seiner linken Seite kann man seine erste Ehefrau Violante von Aragon, Karl von Kalabrien und Maria von Valois erkennen. Auf den Seiten des Sarkophags werden Ludovico von Duraz, Carlo Martelo (Sohn des Karl von Kalabrien) und die beiden Töchter des Carlo Martello repräsentiert. Auf der Sargplatte wird der liegende König Robert in einem franziskanischen Gewand abgebildet. Im Hintergrund sind ausserdem die Freien Künste des Triviums und des Quadriviums (Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Musik, Geometrie, Arithmetik und Astronomie) dargestellt. Auf der höchsten Stelle des Monuments ist König Robert auf dem Thron sitzend über der Aufschrift des Petrarca “Cernite Robertum Regem Virtutem Refertum” (Schaut zu König Robert reich an Tugenden) eingesetzt worden. Die Bombardierungen von 1943 haben einen Teil des Monuments leider zerstört: einige erhaltene Reste wie der Kopf der Madonna, König Robert kniet vor dem Heiligen Franziskus und ein Teil des dekorativen Marmortuche sind im Museo dell’Opera des Monumentalen Komplexes von Santa Chiara ausgestellt.

Das monumentale Grabmahl des Königs Robert von Anjou hinter dem Hauptltar
Das Grabmahl der Maria von Duraz

Auf der linken Seite des Prebiteriums ist das Grabmahl der Maria von Duraz zu erkennen. Maria war die Schwester der Johanna I. und die Ehefrau des Karl von Duraz. Der Baldachin wird von Spiralensäulen gehalten und der Sarkophag der Maria stützt auf den zwei Skulpturen der Hoffnung und Karitas und zwei Löwen, Der Sarkophag selbst ist mit einer Madonna mit Kind zwischen den Heiligen Paulus, Katherina von Alexandria, Maria Magdalena und Petrus dekoriert. An den Ober- und Unterteil wurden ein Erzengel Gabriel und eine Maria der Verkündigung angebracht. Auf den Seiten sind weiterhin eine Heiliger Georg und ein Zelebrierender zu sehen, über dem Sarkophag wird die liegende Verstorbene auf einer Sargplatte mit einem Kruzifix dargestellt.

Die Spiralensäulen am Grabmahl der Maria von Duraz
Der Hauptaltar

Der Hauptaltar mit 16 Spiralsäulen mit unterschiedlichen Kapitellen stammt aus dem 14. Jahrhundert von einem leider nicht bekannten Künstler. Das schöne Kruzifix ist ein schönes Beispiel erhaltener gothischer Kunst aus dem 14. Jahrhundert. Unter den Bögen aus drei Kreisen sollten ursprünglich kleine Statuen gestanden haben, von denen die 4 erhaltenen im Museo dell’Opera ausgestellt in, während in der Basilika nur noch die Basen zu erkennen sind. An dem höchsten Punkt des Altars halten Engel zwei Wappen der Königin Sancha aus Mallorca.

Das gothische Kruzifix am Hauptaltar der Basilika von Snta Chiara in Neapel

Das linke Kirchenschiff der Basilika von Santa Chiara

Die neunte Kappelle

Vom Altar aus kommend ist die neunte Kappelle der Heiligen Maria Francesca gewidmet. Auf der mittleren Wand ist ein Fries des sogenannten Maestro Durazzesco mit einem Christus, der Jungfrau Maria und dem Heiligen Johannes in drei Nischen zu sehen. Auf der linken Seite steht der Sarkophag des Giovanni Battista Sanfelice und andere Grabmähler aus der Familie des berühmten neapolitanischen Architekten Ferdinando Sanfelice und seinem Palazzo Sanfelice im Stadtviertel Sanità. Der Herzogs von Rodi Garganico liess sich in einem antiken römischen Sarkophag begraben, der auf einem seiner Landgüter gefunden wurde und aus dem 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus stammt. Auf dem Sarkophag ist der in der Änäis von Vergil und der Metamorphose von Ovid beschriebene Mythos von Protesilaus und Laudamia abgebildet. Auf dem Fussboden ist das Wappen der Familie abgebildet, auf der rechten Seite der Kappelle ist ein Basrelief aus dem 19. Jahrhundert der Giustina Monforte eingesetzt worden.

Der wiederverwendete Sarkophag aus der Antike
Die siebte Kappelle

Die dem Heiligen Franziskus von Assisi gewidmete Kappelle ist die weitere erhaltene barocke Kappelle der Basilika von Santa Chiara. Der adlige Girolamo del Balzo liess die Kappelle im 17. Jahrundert mit vegetalen Motiven, geometrischen Dekorationen, Marmorwänden, einer weiss/rot/blauen Kassettendecke mit viereckigen und oktagonalen Kassetten und Stuckarbeiten erneuern. In den Lünetten sind mit dem Abdruck der Stigmata und der Alegorie zur franzikanischen Demut Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus dargestellt. Die Statue des Heiligen Franziskus in der Nische in der zentralen Wand eingesetzt stammt von einem neapolitanischen Künstler aus dem 17. Jahrhundert. An den seitlichen Wänden sieht man die beiden Medaglions der Portraits von Battista und Beatrice del Balzo (rechts) und Isotta und Girolamo del Balzo (links). Auf der linken Seite ist ausserdem das Grabmahl des Raimondo del Balzo mit den drei Skulpturen der Tugenden Gerechtigkeit, Tapferkeit und Milde, die den Sarkophag mit der Skulptur des Verstorbenen mit 6 Falknern und einer Madonna mit Kind eines toskanischen Künstlers stützen. Auf der rechten Seite ist das im gleichen Stil gefertigte Grabmahl der im selben Jahr verstorbenen Ehefrau des Raimondo del Balzo Isabella Apia zu bewundern. Hier zeigen die Karyatiden die Tugenden des Glaubens, der Klugheit und Hoffnung und die liegende Verstorbene wird mit ihren Brautjungern gezeigt. Die Inschrift auf den Seiten erinnert an einige Verwandte der del Balzo Familie und an ihren Abstammung von einem der drei Heiligen Könige.

Die gothische Kunst am Grabmahl des Raimondo del Balzo
Die zweite Kappelle

Diese Kappelle ist den antonianischen Wundern gewidmet. Auf der linken Seite steht der schöne Sarkophag des Drugo Merloto auf zwei kleinen Säulen mit einem Basrelief mit 5 Oktagons und Wappen. Die Skulptur des Verstorbenen im Kriegsgewand wurde schräg liegend angebracht. Hinter der Skulptur sind ein Christus, der Heilige Franziskus und der Heilige Ludwig von Tolouse (Bruder des Königs Robert) auf Rauten zu erkennen. Der oberen Teil des Monuments wurde mit einer Madonna mit Kind zwischen zwei Heiligen und dem knienden Drugo Merloto dekoriert. Auf der rechten Seite der Kappelle ist der gothische Sarkophag aus dem 14. Jahrhundert mit der Darstellung der Jungrau Maria mit Kind, den Heiligen Agnes, Paulus, Catherina und Petrus. Auf der Rückwand sind noch Reste der gothischen Freskendekoration des 14. Jahrhunderts und Kleeblättern erhalten geblieben.

Der obere Teil im Detail des Grabmahls von Drugo Merloto

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

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Der Palazzo dello Spagnolo von Neapel

Der sogenannte Palazzo dello Spagnolo ist sicherlich einer der bekanntesten und bewunderten Paläste der Stadt Neapel, auch wenn er sich am Marktplatz der Vergini an der Hausnummer 19 im Viertel Sanità nicht selten hinter den vielen Marktständen versteckt wird. Der Palazzo dello Spagnolo wurde im Auftrag unter Graf von Poppano Nicola Moscati im Jahr 1738 errichten lassen nachdem er vom früh verstorbenen Vater Baron Aniello d’Orso seiner jungen Ehefrau zwei Gebäude als Erbe erhielt. Moscati muss von dem besonderen Treppengang des Palazzo Sanfelice stark beeindruckt gewesen sein, so das er die beiden Gebäude unter Architekt Ferdinando Sanfelice restaurieren und durch eine dem Palazzo Sanfelice ähnliche Treppe verbinden lassen wollte. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wird der Palazzo vom Spanier Tomaso Atienza aufgekauft, woher der Spitzname Palazzo dello Spagnolo (Palast des Spaniers) stammt. Unter Atienza wird eine weitere Etage hinzugefügt und die erste und zweite Etage mit Fresken dekoriert (die heute wegen den vielen Restaurierungen nicht mehr vorhanden sind).

Der Sanfelice Treppengang im restaurierten Palazzo dello Spagnolo

Die Geschichte

Bevor unter Murat zum Anfang des 19. Jahrhunderts die Brücke über dem Stadtviertel gebaut hatte, was letztendlich zu einer Isolation des Viertels geführt hat, wurde das Stadtviertel Sanità noch von bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit besucht und war ein eleganter Teil Neapels. Der Palazzo dello Spagnolo wurde oft von König Karl III der Borbonen, Freund des Grafen Moscati, besucht um die Pferde der Kutsche mit Ochsen auszutauschen um steilen Aufstieg von den Vergini zum Königspalast von Capodimonte zu bewältigen. Nach dem Besuch von König Umberto von Savoia im Jahr 1925 wird der Palazzo dello Spagnolo zum Nationalmonument Italiens erklärt. 1966 und nach dem Erdbeben im Jahr 1980 wurden Restaurierungen vorgenommen, während der Bildhauer Augusto Perez nach dem Erwerb einer Wohnung in den Jahren 1997 bis 2000 in seiner Wohnung einige der ursprünglichen Dekorationen wiederherstellen konnte.

Die heutige Fassade als Prospekt

Die Fassade

Die Fassade des Palazzo dello Spagnolo ist mit Wandpfeilern und Balkons mit Fenstern geschmückt. Die Fassade basiert auf drei Etagen, wobei an der später hinzugefügten dritten Etage noch der dekorative Rahmen des ehemaligen Dachs zu erkennen ist. Die Balkons der ersten Etage werden von Zierleisten und gebrochenen Tympana und die der zweiten Etage von kurvigen Elemente und Bögen dekoriert. Das Portal mit Pfeilern aus Piperngestein wird von Kartuschen und Voluten als Symbol der Adelsetage überragt.

Die Stuckarbeiten im Rococò Stil nach Francesco Attanasio sind erhalten geblieben

Der Innenhof

Im Innenhof angelangt fällt der Blick auf den, in diesem Fall anders als beim Palazzo Sanfelice restaurierten, Treppengang auf einer doppelten Rampe mit jeweils fünf Bögen pro Etage, die bis auf die letzte Etage symmetrisch verläuft. Hier sind auf den verschiedenen Etagen sogar noch die Lünetten mit florealen Motiven und Büsten im barocken Stil aus Stuck des Aniello Prezioso nach Projekt des Francesco Attanasio von 1742 erhalten geblieben. Die Treppe wird nur durch die Pfeiler erhalten um auf den Etagen und den Treppengängen einen besonderen Effekt aus Bögen, dekorierten Decken und Eingangsbereichen zu schaffen. Der sogenannte Falkenflügelstil der Treppe wurde hier als Treffpunkt des sozialen Lebens innerhalb der Bewohner und Besucher des Palastes konzipiert und mit Rococò-Stuckkreationen des königlichen Ingenieurs Francesco Attanasio verschönert, die von Aniello Prezioso umgesetzt wurden. Die Pipernmasken auf dem Treppengang haben die Funktion des Fackellöschers. Ursprünglich hatte der Palazzo auch einen Garten hinter dem zweiten Innenhof, der heute aber leider nicht mehr existiert.

Ein Pipernmaske als Fackellöscher

Das geplante Totò-Museum

Seit einigen Jahren ist es in Planung im Palazzo dello Spagnolo ein Museum über Totò einzurichten, dem bedeutendsten italienischen Komiker des 20. Jahrhunderts der ursprünglich aus dem Stadtviertel Sanità kam, doch bisher wurde dieses Projekt verschoben und bisher wurde zur Mahnung eine Maske von ihm auf eine der Büsten gesetzt.

Die Abendbeleuchtung zeigt die Architektur des Palazzos besonders detailliert

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Der Palazzo Sanfelice von Neapel

Der Palazzo Sanfelice befindet sich in der Via Sanità an der Hauptstrasse des gleichnamigen neapolitanischen Stadtviertels unter den Hausnummern 2 und 6. Die Geschichte des Palastes beginnt im Jahre 1713 oder 1714 mit der Entscheidung des neapolitanischen Architekten Ferdinando Sanfelice für sich und seine Frau Agata Ravaschieri di Satriano eine neue Residenz zu errichten. Die Bauarbeiten dauern circa 14 Jahre und integrieren teilweise vorbestehende mit neuen Strukturen, die durch eine gemeinsame Fassade mit zwei Portalen verbunden werden. Der Fussboden der Innenhöfe wurde erst nach dem Tod des Ferdinando Sanfelice durch seinen Sohn Camillo mit Vulkangesteinplatten des Vesuvs besetzt.

Ein Detail der Treppe im ersten Portal

Der erste Innenhof (Hausnummer 2)

Über den beiden Portalen wurden jeweils zwei Meerjungfrauen des Domenico Gadaleta unter dem Balkon der ersten Etage und Lobinschriften über den Sanfelice des Matteo Egizio eingesetzt. Die oberen Etagen der Fassade wurden mit Stuck dekorierten Fenstern und Büsten verschönert. So ähnlich sich die beiden Portale sehen, umso unterschiedlicher sind die Innenhöfe des Palazzo Sanfelice. Der Innenhof an der Hausnummer 2 zeigt eine mit einem achteckigen Stern besetzte Decke am Zugang und hat eine oktagonale Form. Die weichen Ecken dieses Innenhofs schaffen es dabei diesem eher kleinen Innenhof eine angenehme Weite zu geben. Eine Treppe mit einer Doppelrampe und einem aussergewohnlichen Verlauf führt zu den Wohnungen der beiden oberen Etagen.

Der Zugang zum zweiten Innenhof mit Blick auf den Treppengang und den Garten

Der zweite Innenhof (Hausnummer 6)

Der zweite Innenhof hat ein Portal mit einem Fresko mit dem Wappen und Waffen der Adelsfamilien des Ehepaars mit der berühmten und szenographischen Treppe im sogenannten Falkenflügel-Stil (wie beim Palazzo dello Spagnolo) mit jeweils 5 Bögen pro Etage. Die Stufen des Palazzo Sanfelice wurden zu Ehre seiner Ehefrau mit dem für Neapel ungewöhnlichen Schiefer verkleidet, da sie ursprünglich aus der Ortschaft Lavagna (auf italienisch Schiefer) an der ligurischen Küste stammte. Der rechteckige Innenhof und die beiden Seitenflügel existierten bereits und wurden vom Sanfelice aufgekauft. Das Werk des Sanfelice ist somit eine Erweiterung des Innenhofs bis in den am Hang gelegenen Garten und dessen Verbindung zum Innenhof durch die Erfindung eines besonderen Treppengangs.

Eine besondere Filmbeleuchtung zeigte die besondere Raumarchitektur des Sanfelice auf

Die Architektur

Die Umgebung des Palazzo Sanfelice war damals noch recht undicht besiedelt, so das der damalige Eindruck wohl der einer Mischung oder ein Übergang von einem Stadtpalast und einer Vorort-Villa gewesen sein könnte. Der Treppengang ist somit ein Meisterwerk der neapolitanischen Architektur des offenen Raumes. Die Idee eines vollendeten geschlossen Raumes wird zu Gunsten einer luftigen Räumlichkeit aufgegeben, die fast das Raumgefühl eines römischen Aquädukts in einer barocken Form aufkommen lässt. Der Palazzo Sanfelice wurde auch vom französischen Street Art Kuenstler Zilda ausgewählt um eines seiner Werke zu hinterlassen. Dieses ist auch vom Innenhof auf der rechten Seite des Treppenganges zu erkennen.

Die Inneneinrichtung

Während des 18. Jahrhunderts wurde bei der Beschreibung der Inneneinrichtung auch von Fresken des Francesco Solimena und die vier Skulpturen der Jahreszeiten des Giuseppe Sanmartino berichtet, die allerdings bereits bei der Übernahme im Jahr 1854 durch Francesco Capecelatro, Graf von San Lucido, bereits nicht mehr vorhanden gewesen sein sollen.

Street Art von Zilda im Palazzo

Die Besichtigung

Der Palazzo Sanfelice hat einen Portier, der innerhalb der Woche von 9-13 und von 16-19 Uhr (von 13 bis 16 Uhr ist Mittagspause) und am Samstag halbtags die Pforten öffnet um den Palazzo vom Innenhof aus besichtigen zu können. Bitte bedenken Sie das der Palazzo bewohnt ist und der Treppengang, mit oder ohne Anwesenheit des Portiers, nicht hinaufgestiegen werden darf um die Privatsphäre der Anwohner zu bewahren. Eine legale Besichtigung des gesamten Treppenbereichs ist auf Anfrage möglich: kontaktieren Sie mich dafür über meine Mailadresse info@napolitrip.com

Sofia Loren bei den Dreharbeiten von einem der vielen Filmen die im Palazzo gedreht wurden

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Die Kartause von San Martino in Neapel

An einem panoramischen Hang und in schönster Lage des wohlhabenden Stadtviertels von Neapel Vomero befindet sich mit der Kartause von San Martino eines der bedeutendsten und schönsten monumentalen religiösen Komplexe der Stadt. Der Zugang ins ehemalige Kloster beinhaltet auch den Eintritt in das Nationalmuseum von San Martino. Die Kartause breitet sich auf etwa 28000 Quadratmetern aus und verteilt sich auf 4 Ebenen, wobei etwa eine Hälfte aus geschlossen Räumen und eine andere Hälfte aus Kreuzgängen, Höfen sowie zusätzlich 7 Herktar Gärten besteht. Direkt neben der panoramischen Festung des Castel Sant’Elmo gelegen, kann eine Besichtigung der Kartause gut mit einem Spaziergang entlang der Einkaufsstrassen und den Jugendstilvillen des Stadtviertels Vomero kombiniert werden.

Der Ursprung

Die Kartause von San Martino wurde 19 Jahre nach der Kartause von Padula errichtet und ist damit die zweitälteste Kartause der Region Kampanien. Im Jahr 1325 lässt Karl von Anjou, Herzog von Kalabrien, durch den toskanischen Hofarchitekten Tino da Camaino auf dem Heiligen Erasmus gewidmeten Hügel für die Kartäusermönche die neue Kartause errichten. Nach seinem Tod wird das Bauwerk von seinem Assistenten Attanasio Primario beendet, der auch die Santa Chiara Kirche im historischen Zentrum errichten wird. Aus dieser ursprünglichen Bauphase der gothischen Architektur sind heute nur noch der unterirdische Bereich (der nur selten dem Publikum geöffnet wird) und einige katalanische Bögen im Refektorium erhalten geblieben. Auch wenn die Kartause bereits ab 1337 von 13 Mönchen bewohnt wurde, fiel die offizielle Einweihung erst unter Johanna von Anjou im Jahr 1368.

Das 16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert wird die Kartause erneuert und dem Heiligen Martin von Tours gewidmet. Unter dem toskanischen Bauleiter Giovanni Antonio Dosio wird der Kreuzgang der Prokuratoren, die neuen Zellen um dem grossen Kreuzgang, die Kappellen der Kirche, der Chor, die Sakrestei, das Refektorium und die neue Schatzkappelle errichtet. Aus dieser Zeit stammen auch die Dekorationen der bekannten Künstler Cavalier d’Arpino, seinem Bruder Bernardino, Belisario Corenzio, Giovanni Baglione, Lazzaro Tavarone, Andrea Lilli, Avanzino Nucci, Pietro Bernini, Michelangelo Naccherino und des Giovan Battista Caccini. Nach dem Tod des Dosio wird unter der Leitung des Giovanni Giacomo di Conforto noch die Zisterne des grossen Kreuzgangs eingerichtet.

Das 17. Jahrhundert

Unter der Direktion des aus Bergamo stammenden Architekten Cosimo Fanzago wird die Kartause von San Martino von 1623 bis 1656 ihren barocken Aspekt bekommen, der heute die Kartause charakterisiert. Unter ihm werden die Innenbereiche der Kirche, die Räumlichkeiten der Kirche und die Wohnung des Prior verändert. Ausserdem fügt Fanzago die Büsten über den Eingangen zu den Zellen, den Friedhof der Kartäuser und einige Skulpturen im grossen Kreuzgang der Kartause hinzu. Unter seiner Bauleitung werden bedeutende Künstler wie Massimo Stanzione, Luca Giordano, Jusepe de Ribera, Battistello Caracciolo, Paolo Finoglio, Guido Reni und Giovanni Lanfranco zur Arbeit an der Kartause gerufen.

Das 18. und 19. Jahrhundert

Unter Nicola Tagliacozzi Canale werden ab 1723 die letzten grossen Veränderungen an der Kartause von San Martino stattfinden. Die Dekorationen mit leicht orientalischen Einflüssen und die Fresken des Crescenzo Gamba und Domenico Antonio Vaccaro verändern die Wohnung des Priors. In der Kirche der Kartause arbeiten Francesco Solimena und Francesco de Mura an der Dekoration von zwei Kappellen. Während der parthenopeischen Revolution unter der Regie der Franzosen werden die Kartäuser 1799 verjagt, der Orden unterdrückt und die Kartause zum Stützpunkt des französischen Militärs. Nach einer kurzen Rückkehr der Kartäuser wird die Kartause von 1812 bis 1831 Sitz der Kriegsinvaliden. Nach der Vereinigung Italiens wird die Kartause von San Martino schliesslich ins Nationalmuseum von San Martino umgewandelt

Der Piazzale mit der Faruenkirche und dem Panorama auf die Altstadt und den Vesuv
Der Piazzale San Martino mit der Frauenkirche

Weil die Klausur der Kartäusermönche den Einlass der Frauen in die Kartause verbat, wurde auf dem Vorplatz des Piazzale San Martino von Giovanni Antonio Dosio 1590 eine für die Frauen gewidmete Kirche errichtet, die Chiesa delle Donne. Auf dem Portal dieser Kirche ist ein Basrelief aus Stuck aus dem 18. Jahrhundert zu sehen, auf dem ein Der Heilige Bruno betet in der Wüste von Chartreuse zu sehen ist (bei Grenoble unweit der Alpen wurde in einem kargen und kaum besiedeltem Gebiet die erste Kartause errichtet und nach ihrem Gebiet Chartreuse genannt). Diese Kirche hatte einen Garten, in dem sich die Frauen ausruhen und erfrischen konnten. Rechts von der Frauenkirche befindet sich der Einlass zur Kartause von San Martino mit der Kopie eines Hochreliefs (das Original befindet sich im Museum) mit dem Heiligen Martin von Tours teilt seinen Mantel mit einem Armen. Am Eingangsportal befinden sich ein Wappen der Anjou und die Darstellung des Heiligen Bruno von Köln, Gründer des Kartäuserordens. Heute ist der ehemalige Zugang der Ausgang des Museums von San Martino.

Der monumentale Kreuzgang mit Blick auf das Castel Sant’Elmo
Der monumentale Kreuzgang

Der heutige Zugang in zum Museum und der Kartause von San Martino befindet sich rechts vom ehemaligen Haupteingang. Nach dem Ticketbüro betritt man direkt den weiten monumentalen Kreuzgang, der von Giovanni Antonio Dosio und später Cosimo Fanzago umgesetzt wurde. Der Kreuzgang ermöglicht einen schönen Ausblick von unten auf die Struktur des nebenliegenden Castel Sant’Elmo. Nach rechts schauend kommt man in den Vorhalle der Kartause, nach links schauend zum kleinen Kreuzgang der Kartause, während gegenüber die Fassade der Kirche der Kartause zu bewundern ist, die wegen ihrer aufwendigen Einrichtung in einem gesonderten Artikel beschrieben wird.

Die Wappen der Stadtviertel im Prokuratorenkreuzgang
Der kleine Kreuzgang (Kreuzgang der Prokuratoren)

Dieser Kreuzgang wurde von Giovanni Antonio Dosio anstelle eines Gartens eingerichtet. Der Portikus und die Logen wurden aus Pipern und Marmor errichtet, an denen Wappen und Aufschriften der damaligen Stadtviertel aufgehängt wurden. In der Mitte des Kreuzgangs befindet sich ein Brunnen aus dem 17. Jahrhundert aus mit zwei Masken und zwei dorischen Säulen dekoriertem Pipern-Gestein von Felice de Felice. Die Dekoration des Fussbodens in Terracotta und dekorierten Maiolica-Fliesen stammt aus der Produktion des Giuseppe Massa des 18. Jahrhunderts.

Der Korridor des Cosimo Fanzago mit gotischen Architekturresten
Der Korridor des Fanzago

Der sogennante Korridor des Fanzago verbindet den kleinen Kreuzgang mit dem grossen Kreuzgang in einer L-förmigen Ausrichtung. Über diesen Korridor sind die Zugänge in das Refektorium, die Küche und im zweiten Teil den Wohnbereich der Priors zu erreichen. Die gothischen katalanischen Bögen aus dem 14. Jahrhundert haben sich hier erhalten können, da sie wahrscheinlich als Theke für die Lebensmittel aus der Küche verwendet wurden.

Das Refektorium der Kartause von San Martino von Neapel
Das Refektorium und die Küche

Das Refektorium der Kartause von San Martino wurde 1724 von Nicola Tagliacozzi Canale umgesetzt und diente den Mönchen für die wichtigsten religiösen Zelebrierungen. Die Einrichtung und der Maiolica-Fussboden stammen ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert, so wie das Bild der Hochzeit zu Kana von Nicola Malinconico von 1724. Eine Tür führte (heute nicht zugänglich) direkt in den Chiostrino, einem sekundären kleinen Kreuzgang aus dem 16. Jahrhundert. Gegenüber des Zugangs zum Refektorium tritt man in die ehemalige Küche der Kartause, die aus verschiedenen Räumen, Kochstellen, Öfen, Lagerräumen und freien und privaten Dienstzimmern bestand. Heute ist in den ehemaligen Räumen der Küche die Sektion der Krippen des Museums von San Martino ausgestellt. Der Korridor führt in den grossen Kreuzgang der Kartause von San Martino.

Der elegante grosse Kreuzgang der Kartause
Der grosse Kreuzgang

Der grosse Kreuzgang ist ein imponentes Beispiel der neapolitanischen Kunst des 17. Jahrhunderts. Der Ursprung dieses Kreuzgangs stammt aus dem 14. Jahrhundert, wird aber unter Dosio komplett erneuert ohne das Projekt zu Ende bringen zu können. Die Arbeiten wurden von Giovanni Giacomo Conforto weitergeführt und schliesslich erst unter Cosimo Fanzago zum Abschluss gebracht. Der grosse Kreuzgang aus weissem Marmor und Piperngestein besteht aus vier mal 15 Arkaden, die sich auf 64 Säulen im dorisch-toskanischen Stil stützen. Die Säulen wurden zudem mit halben Lisenen ausgestattet. Der schöne Fussboden mit geometrischen Motiven aus schwarzem und weissem Marmor entstammt einer Idee des Cosimo Fanzago. Die Räume der Mönche blicken auf den grossen Kreuzgang, während die kleinen Öffnung neben den Türen für die Lieferung der Speisen gedacht war.

Zwei der Büsten (Antelmo und Hugo) des Fanzago
Die Dekoration des grossen Kreuzgangs

Über den Türen liess Fanzago die Büsten von 7 Figuren einrichten: die Heiligen Hugo, Bruno, Antelmo von Belley, Kardinal Nicolò Albergati und der seelige Landuino stammen von Fanzago selbst, während die Heiligen Martin und Gennaro das Werk des Antonio Vaccaro sind. Die obere Etage wird von einer Brüstung begrenzt und ist mit Kugeln, Vasen und 8 Skulpturen aus weissem Carrara-Marmor dekoriert: die Jungfrau mit dem Kind, der auferstandene Christus sowie die heiligen Petrus, Paulus, Johannes dem Täufer, Martin, Bruno und Lucia. Die heilige Lucia war eine antike Skulptur aus dem 1. Jahrhundert nach Christus und wurde von Cosimo Fanzago stilistisch umgewandelt.

Der Friedhof der Kartause im grossen Kreuzgang
Der Innenhof und Friedhof des Kreuzgangs

Der zentrale oktagonale Brunnen in der Mitte des Innenhofs ist an eine grosse Zisterne gebunden, wurde vom Felice de Felice errichtet und mit grossen Masken und symbolischen Figuren dekoriert. Die dorischen Säulen stützen den Schmuck der drei kleinen Obelisken aus rosafarbenem Marmor des Gargano. Unter den Pflanzen des Kreuzgangs befinden sich noch einige Exemplare der japanischen Kamälien aus dem 18. Jahrhundert. Hinter einer Brüstung, auf der einige Knochen und Schädel aus Marmor liegen, ist der Friedhof der Kartäuser zu erkennen. Das Kreuz innerhalb des Friedhofs stammt aus der Zeit der Anjou und wurde dem 1363 verstorbenen Prior Don Pedro de Villa Mayna gewidmet. Auf den Wänden ist auch eine mechanische Uhr mit italischer Zeitmessung (unter dem Kirchturm) und eine vertikale Sonnenuhr, die den Mönchen sowohl das Datum (rote Linien) als die Stunden (blaue Linien) anzeigte. Von hier aus kann man die Kirchräume der Kartause von San Martino betreten, die in einem gesonderten Artikel beschrieben werden. Ausserdem kann man über den Kreuzgang der Prokuratoren die Zugänge zu den Räumlichkeiten des Nationalmuseums von San Martino, die Apotheke und die Gärten der Kartause von San Martino erreichen.

Die Apotheke

Die Apotheke der Kartause von San Martino wurde 1699 sowohl für die Klostergemeinde als auch für externe Besucher eröffnet. Die Apotheke wird normalerweise als Ausstellungsfenster verwendet, in dem restaurierende Objekte oder Modelle ausgestellt werden und ist sonst für Besucher nicht zugänglich. Das Fresko an der Decke der Apothere stammt von Paolo de Matteis von 1699 und zeigt den Heiligen Bruno der sich bei der Jungfrau für die kranke Menschheit einsetzt.

Der Garten der Kartause mit weiter Aussicht auf das Meer und die Stadt
Die Gärten der Kartause

Über den Vorhof der Kutschen können die Gärten der Kartause von San Martino erreicht werden. Der ganze 7 Hektar grosse Garten ist für Spaziergänge ideal und bietet eine weite Aussicht auf den Golf von Neapel und viele Monumente der Stadt Neapel. Die Gärten sind auf drei Ebenen strukturiert, wobei der oberste Teil aus dem Kräutergarten der Apotheke bestand, der mittlere Teil der Garten des Priors und der unterste Teil der grosse Weingarten der Mönche war. Die Kartause war lange Zeit in der Stadt für die Produktion der Hilfsmittel der Apotheke, für hervorragendes Brot aber auch den produzierten Wein bekannt. Eine Besonderheit ist die sogenannte Scala a calicò (Calicò-Treppe) des Cosimo Fanzago, die den Wohnbereich des Priors mit der mittleren Ebene des Gartens verbund. Sie besteht aus einer doppelten Rampe, die sich trennt und wieder vereint um den Eindruck einer Spirale zu vermitteln.

Informationen zur Kartause von San Martino von Neapel

Öffnungszeiten: Von Donnerstag bis Dienstag (Mittwochs geschlossen) von 8.30/19.30, Sonntags und Feiertags bis 17 Uhr. Einige Bereiche der Kartause können nur zu den an der Kasse ausgeschilderten Uhrzeiten besichtigt werden. Ständig geoffnet sind die Kreuzgänge, die Gärten, der Krippenbereich und der Bootsbereich (bis 14 Uhr) des Museums, die Räume des Priors und der Vorhof der Kutschen.

Eintrittspreise: 6€ Erwachsene; 2€ 18-24 jährige EU-Bürger; unter 18 Eintritt frei

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

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Monumente der Stadt Neapel

Die Katakomben des San Gennaro in Neapel

Die Katakomben des San Gennaro wurden im Jahr 2006 dem Publikum wieder eröffnet und können am Zugang neben der Basilika dell’Incoronata del Buon Consiglio an der Via Capodimonte besichtigt werden. Im Zentrum von Neapel unter dem Hang von Capodimonte innerhalb des Viertels Sanità konzentrieren sich mindestens 9 antike Bestattungsgebiete, die sich damals ausserhalb der antiken Stadtmauern befanden. Unter ihnen sind die Katakomben des San Gennaro die wichtigsten und bekanntesten der Stadt Neapels und die grössten des Süden Italiens. Die Katakomben des San Gennaro gelten als eines der beeindruckendes Beispiele des frühen christlichen Kults in Italien.

Bau auf zwei verschiedenen Leveln und der Ursprung

Die Katakomben des San Gennaro sind auf zwei nicht parallel gebauten Leveln errichtet worden, die als untere und obere Katakombe bezeichnet werden. Beide Etagen haben im Vergleich zu anderen Katakomben zum Beispiel den römischen überraschend weite Ausmassen. Einer der Gründe ist sicher der leicht zu verarbeitende und resistente gelbe Tuffstein der Stadt Neapel, in denen die Katakomben eingesetzt wurden. Die Gesamtausmassen der Katakomben des Gennaro betragen 5800 Qm mit etwa 3000 Bestattungen unter denen sich über 500 Nischengräber befinden. Der antikste Teil der Katakomben stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus und befindet sich in der unteren Katakombe. Wahrscheinlich stammt dieser Bereich von einer frühzeitigen christlichen Familie der römischen Oberschicht, die später der christlichen Gemeinschaft der Stadt Neapel zur Verfügung gestellt wurde.

Die oberen Katakomben des San Gennaro, auch Basilica adiecta genannt

Die obere Katakombe

Die Besichtigung der Katakomben des San Gennaro beginnt in der oberen Katakombe, die sofort den Eindruck einer Stadt der Toten gibt: eine Reihe von Nischengräbern der wohlhabenden Christen, sowie Wand- und Bodengräber (formae) die in verschiedene Bereiche aufgeteilt wurden. Die Katakomben sind eine ausgehöhlte statt einer erbauten Architektur, die ihre Besucher sofort in eine besondere Atmosphäre mitreisst und durch viele Mosaike und dekorierte Wandfresken besticht. Die obere Katakombe besteht aus einem Bestattungsbereich des 3. Jahrhunderts nach Christus, in dem einige Malereien aus der heidnischen Zeit vor der Einrichtung dieser Katakombe (2. Jahrhundert nach Cristus), die ersten christlichen Malereien des Süden Italiens im pompejanischen Stil aus dem 3. Jahrhundert nach Christus bis hin zu Malereien im byzathinischen Stil aus der benedektinischen Zeit des 9. Jahrhunderts zu sehen sind.

Das Grab der Familie des Theotecnus

Unter den Nischengräbern gehört die Dekoration des Grabes der Familie des Theotecnus sicherlich zu den interessantesten. Auf einem Wandfresko aus dem 6. Jahrhundert des Arcosoliums sind die drei Angehörigen dieser wohlhabenden Familie dargestellt. In der Mitte ist die im Alter von 2 Jahren und 10 Monaten verstorbene Tochter Nonnosa, auf der rechten Seite der mit 65 Jahren verstorbene Vater Theotecnus und links die im Alter von 45 Jahren und in schwaren Trauerkleidern gekleidete verstorbene Mutter Ilaritas zu sehen, was darauf hinweisen sollte das Ilaritas als Witwe und somit zuletzt verstorben ist. Auffällig ist hier das die Dekoration auf drei Schichten gefertigt wurde, da bei jedem Todesfall die Dekoration erneuert werden musste. Die feine Kleidung und der getragene Schmuck, abgesehen von der Einrichtung dieser teuren Grabkammer und seiner Dekoration, weisen auf den Wohlstand dieser Familie hin. Später wurde ein Teil der Wand dieser Grabkammer eingerissen um dem Arcosolium des verstorbenen Proculus Platz zu machen. Die Darstellungen des Proculus und der Familie des Theotecnus weisen beide auf einen stilistisch nordafrikanischen Einfluss hin.

Die Dekoration des Grabmahls des Theotecnus

Die antikste Darstellung des San Gennaro

Ebenfalls in der oberen Katakombe ist auch die antikste Darstellung des San Gennaro auf einem Arcosloium aus dem 5. Jahrhundert zu sehen. Die Kunstform weist auch hier auf einen nordafrikanischen Einfluss hin, während der Heilige mit der Aufschrift “Santo Martyri Janario” identifiziert wird und zusammen mit einer Frau mit dem Namen Cominia sowie ihrer Tochter Nicaziola dargestellt wird.

Die Darstellung des San Gennaro aus dem 5. Jahrhundert

Weitere besondere Grabdekorationen

Faszinierend sind auch die Arcosolia aus dem 5. und 6. Jahrhundert, auf denen wahrscheinlich Diakoninnen neben der erzählenden Bitalia sowie der mit zwei offenen Evangelien (was nur den Bischöfen erlaubt war) neben den Heiligen Petrus und Paulus dargestellten Cerula auf raffinierten Fresken dargestellt sind. In einer weiteren Grabkammer sind zwei dekorierte gegenüberliegende Arcosolia aus dem 6. Jahrhundert mit dem Heiligen und Petrus und Heiligen Gennaro sowie dem Heiligen Paulus mit dem verstorbenen Lorenzo zu erkennen.

Die Basilika der Bischöfe

In der oberen Katakombe befindet sich im Bereich vor der Crypta der Bischöfe die sogenannte Basilika der Bischöfe, die ihren Ursprung zu Beginn des 6. Jahrhunderts haben soll. Anfangs war die Basilika der Bischöfe eine kleine Aula mit einem Altar auf der Höhe des Oratoriums des San Gennaro. Als der Zuspruch der Anhänger immer grösser wurde, musste auch die Basilika erweitert werden und das gesamte zentrale Ambulacrum integriert werden. Der neue Bereich auf 50 Meter Länge und 12 Meter Breite mit drei Gängen wurde Basilica adiecta oder Basilica maior genannt und wurde durch einen dreifachen Bogen in der Mitte und einer Nische mit einem Hakenkreuz als Zeichen der aufgehenden Sonne charakterisiert. In einer Nische ist auch das Symbol für Jesus Christus auf griechisch (IC XC) und das griechische Wort NIKA (Jesus Christus siegt) zu erkennen. Diese Basilika konserviert Malereien vom 4. bis ins 6. Jahrhundert und im Gewölbe sind auf ovalen Schildern die Büsten der ersten Bischöfe Neapels dargestellt.

Die Basilika der Bischöfe mit verschiedenen offenen Grabstellen

Die Crypta der Bischöfe

Die Crypta der Bischöfe liegt auf der westlichen Seite der Basilika und beinhaltete die Reste von 14 neapolitanischen Prälaten des 5. und 6. Jahrhunderts nach Christus. In dieser weiten Grabkammer befinden sich auf zwei Leveln 10 Gräber und 8 Arcosolia, in denen einige Bischöfe durch Mosaike oder Wandfresken dargestellt wurden. Unter anderem lagen hier die neapolitanischen Bischöfe Giovanni I (der die Reliquien des San Gennaro in diese Katakomben brachte), Giovanni II und der vom Wandalen Jenserich vertriebene Bischof von Karthago Quodvultdeus (“das was Gott möchte”), der in seinem Grabmahl mit einer dunklen Hautfarbe und einem mit einem Kreuz und den 4 Evangelistensymbolen versehenen Codex dargestellt wird. Im 9. Jahrhundert bringt der Bischof Giovanni IV die Reliquien in die Basilika Stefania, die später in die heutige Kathedrale von Neapel umgewandelt wird.

Ein Blick in die Crypta der Bischöfe der Katakomben des San Gennaro

Die Erweiterungen der oberen Katakombe

Die Erweiterungen der oberen Katakombe beginnen ab dem 5. Jahrhundert nach Christus nachdem die Reliquien des San Gennaro hierher gebracht wurden und die Katakomben nach San Gennaro benannt wurden. Innerhalb kürzester Zeit werden die Katakomben des San Gennaro zu einem beliebten Pilgerziel und Bestattungsort. Der Bedarf nach neuen Grabkammern und Gängen steigt kontinuirlich um nah am beliebten Heiligen bestattet werden zu können.

Die Geschichte des San Gennaro

San Gennaro wurde um 272 n. Chr geboren und wird als Bischof von Benevent wegen seinem christlichen Glaube gefangen genommen und im Jahr 305 in Pozzuoli enthauptet. Seine Amme Eusebia sammelt sein Blut in drei Ampullen (dessen Verflüssigung bis heute in der Kathedrale von Neapel stattfindet) und bringt diese mitsamt seinen Kopf nach Neapel, während der Rest seines Körpers in der Gegend von Marciano bei Pozzuoli beigesetzt wird. Seine Reliquien werden zum Anfang des 5. Jahrhunderts durch Bischof Giovanni I in diese Katakomben gebracht, die seitdem seinen Namen tragen. Während einer Belagerung der Stadt Neapel raubt der longobardische Fürst von Benevent Sico I die Reliquien nach Benevent, wo sie bis zu der Verlagerung ins Kloster von Montevergine im Jahr 1156 bleiben werden. Erst 1497 kehren die Reliquien des Heiligen Dank des Erzbischofs Alessandro Carafa und dem Kardinal Oliviero nach Neapel zurück und in den Succorpo (Crypta) der Kathedrale von Neapel gebracht, die in dieser Gelegenheit durch Malvito erneuert wird und bis heute ein Meisterwerk der reifen Renaissance im Süden Italiens verbleibt. San Gennaro ist seit 472 Schutzpatron von Neapel und die Popularität stieg besonders nach seiner Hilfe bei der Pest-Epidemie im Jahr 1527 und dem heftigen subplinianischen Ausbruch des Vesuvs des Jahres 1631.

Das Grabmal des San Gennaro in der Crypta der Basilica adiecta

Das Grabmahl des San Gennaro

Das Grabmahl des San Gennaro konnte bei den Ausgrabungen im Jahr 1969 als Grabkammer unter der Basilika der Bischöfe Dank einer Homile des 8. Jahrhunderts und einer Stelle des Chronicon Episcoporum Neapolitanorum, der wichtigsten Geschichtsquelle der neapolitanischen Kirche aus dem 9. Jahrhundert, erkannt werden. Für das Grabmahl des San Gennaro wurde der Tuffstein unter der Basilika der Bischöfe ausgehölt und der Zugang zu seiner Grabkammer zugemauert. Das Grabmahl war von auf drei Schichten gemalten Wandfresken umgeben: die oberste Schicht aus dem 9. Jahrhundert zeigte San Gennaro mit seinen ermordeten Wegbestreitern Eutichete, Procolo, Sosso, Festo und Desiderio (diese Fresken sind heute in der unteren Katakombe ausgestellt), während auf der zweiten Schicht aus dem 6. Jahrhundert San Gennaro zwischen dem Vesuv und dem Monte Somma dargestellt wird,

Das obere Vestibül

Der Zyklus der frühchristlichen Malereien im Tonnengewölbe des oberen Vestibüls, praktisch der Übergang in die unteren Katakomben, stellen einen Übergang vom Heidentum in das Christentum und eine malerische Einleitung für die neuen möglichen Christen dar. Auf den Fresken des Gewölbes sieht man im pompejanischen Stil gemalte Granatäpfel, Amoretten neben Adam und Eva, David und Goliath, einen Christus Pantokrator und drei Frauen die im Fluss Steine Waschen um einen Turm zu bauen. Diese Darstellung ist ein seltenes Beispiel aus dem auf griechisch geschriebenen “Dritten Vision des Hirten des Hermas” aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Die drei Frauen symbolisieren die Tugenden der Glaubens, der Hoffnung und der Nächstenliebe, während die Steine für die Christen stehen, die mit ihrer Taufe die Kirche (der Turm) für die Gläubigen aufbauen.

Die Dekoration im pompejanischen Stil des Vestibüls

Die unteren Katakomben und die Basilika des Sant’Agrippino

Von hier aus kann man die unteren Katakomben erreichen, die um die Basilika des heiligen Agrippino errichtet wurden. Diese kleine Basilika wurde errichtet um die Reliquien des sechsten Bischofs und ersten Schutzpatron von Neapel zu beherbergen, die im 3. Jahrhundert nach Christus in die Katakomben gebracht wurden. Um die Basilika mit einem einzigen Kirchenschiff, einer erhöhten Absis und einer in den Tuff gemeisselten Kathedra zu schaffen wurden einige Bereiche des Friedhofs des 2. Jahrhunderts entfernt. Der Altar wurde teils in den Tuffstein gemeisselt und teils mit Backstein erbaut. Dabei wurde er mit einer Öffnung versehen, in der die Reliquien des Heiligen Agrippino eingesetzt wurden und von den Gläubigen angefasst werden konnten. Auf der südlich gelegenen Wand ist ein Wandfresko aus dem frühen Mittelalter erhalten geblieben, auf dem ein Bischof mit einem orientalischen Mönch zu erkennen ist. Heute werden hier zu besonderen Anlässen noch Messen gehalten.

Die Basilika des Heiligen Agrippino, erster Schutzpatron der Stadt Neapel

Die Ädikulae

Die unteren Katakomben wurden also um die kleine Basilika des Heiligen Agrippino mit 6 Meter hohen Decken und auf mit drei weiten Ambulacren errichtet. Das zentrale Ambulacrum war ursprünglich mit Fresken dekoriert, von denen leider nur wenige Überreste erhalten geblieben sind. Im Rücken der Absis ist die Darstellung einer Büste des Christus zu erkennen und einige dekorative Reste sind auch noch im Gewölbe des unteren Vestibüls zu sehen. Im frühen Mittelalter wurden ausserdem zwei Ädikulae eingesetzt, dessen Funktion bis heute ungewiss bleibt. In einer der beiden Ädikulae, auch die Ädikula der Jungfrauen genannt, wurde in den zentralen Pfeiler aus Tuffstein eingesetzt und im 11. Jahrhundert mit einem Wandfresko mit den 5 Heiligen Katherina, Agatha, Eugenia, Juliana und Margareta versehen.

Das Taufbecken

In den unteren Katakomben ist auch noch das von Bischof Paolo II gewollte Taufbecken aus dem Jahr 762 zu sehen. Paolo II fand in den Katakomben des San Gennaro während des Ikonoklasmus Zuflucht und verlegt seinen Bischofssitz hierher. Ursprünglich war das Taufbecken komplett mit Marmorplatten besetzt.

Das Taufbecken aus dem 8. Jahrhundert in den unteren Katakomben

Der langsame Verfall der Katakomben

Im 9. und 10. Jahrhundert werden in den Katakomben des San Gennaro noch einige der neapolitanischen Herzöge bestattet, unter ihnen Cesario Console (im Jahr 878), Stefano und Stefano III. Nachdem die Reliquien der Heiligen aus Sicherheitsgründen in die Stadt gebracht wurden, beginnt aber eine lange Phase des Verfalls. Im 17. Jahrhundert werden noch einige Adlige in den Katakomben des San Gennaro bestattet um daraufhin recht schnell wieder in Vergessenheit zu geraten. Einige europäische Reisende der Grand Tour des 18. Jahrhunderts berichten von einem Besuch der Katakomben des San Gennaro, was zeigt das die Erinnerung an diesen Ort bewahrt geblieben ist. Im zweiten Weltkrieg nutzt die Bevölkerung die Katakomben des San Gennaro als Zufluchtsort vor den Bombenangriffen, ähnlich wie bei den anderen Zugängen des unterirdischen Neapels.

Ein Bild aus dem Jahr 1887 mit zwei Besuchern und einem Begleiter

San Gennaro Extra Moenia

Die Besichtigung der Katakomben des San Gennaro endet in der Basilika des San Gennaro Extra Moenia. Diese frühchristliche Kirche aus dem 5. oder 6. Jahrhundert war die erste dem Schutzpatron von Neapel gewidmete Kirche. Später wird sich der Aspekt der Kirche wegen den Erneuerungen unter den Aragonesen im 15. Jahrhundert und der barocken Verkleidung aus dem 18. Jahrhundert stark verändern. In der faschistischen Zeit Italiens wurde die Kirche ihrer Dekoration entkleidet und in die Grundform der aragonesischen Struktur auf drei Schiffen zurückgebracht. Aus der frühchristlichen Zeit ist dabei noch die halbrunde Absis auf zwei korinthischen Säulen zu erkennen. Die Bögen und die Pfeiler der Kirche sind hingegen ein typisches Beispiel der unter den Aragonesen nach Neapel gebrachten katalanischen Architektur. Die Basilika wurde erst als Krankenhaus für die Pestkranken, dann als Pflegeheim für die Armen und schliesslich als Lager für das nebenan gelegene Krankenhaus San Gennaro dei Poveri genutzt. Seit der Wiedereröffnung im Jahr 2008 finden hier manchmal Events oder Ausstellungen statt.

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

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