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Monumente der Stadt Neapel

Der Palazzo dello Spagnolo von Neapel

Der sogenannte Palazzo dello Spagnolo ist sicherlich einer der bekanntesten und bewunderten Paläste der Stadt Neapel, auch wenn er sich am Marktplatz der Vergini an der Hausnummer 19 im Viertel Sanità nicht selten hinter den vielen Marktständen versteckt wird. Der Palazzo dello Spagnolo wurde im Auftrag unter Graf von Poppano Nicola Moscati im Jahr 1738 errichten lassen nachdem er vom früh verstorbenen Vater Baron Aniello d’Orso seiner jungen Ehefrau zwei Gebäude als Erbe erhielt. Moscati muss von dem besonderen Treppengang des Palazzo Sanfelice stark beeindruckt gewesen sein, so das er die beiden Gebäude unter Architekt Ferdinando Sanfelice restaurieren und durch eine dem Palazzo Sanfelice ähnliche Treppe verbinden lassen wollte. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wird der Palazzo vom Spanier Tomaso Atienza aufgekauft, woher der Spitzname Palazzo dello Spagnolo (Palast des Spaniers) stammt. Unter Atienza wird eine weitere Etage hinzugefügt und die erste und zweite Etage mit Fresken dekoriert (die heute wegen den vielen Restaurierungen nicht mehr vorhanden sind).

Der Sanfelice Treppengang im restaurierten Palazzo dello Spagnolo

Die Geschichte

Bevor unter Murat zum Anfang des 19. Jahrhunderts die Brücke über dem Stadtviertel gebaut hatte, was letztendlich zu einer Isolation des Viertels geführt hat, wurde das Stadtviertel Sanità noch von bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit besucht und war ein eleganter Teil Neapels. Der Palazzo dello Spagnolo wurde oft von König Karl III der Borbonen, Freund des Grafen Moscati, besucht um die Pferde der Kutsche mit Ochsen auszutauschen um steilen Aufstieg von den Vergini zum Königspalast von Capodimonte zu bewältigen. Nach dem Besuch von König Umberto von Savoia im Jahr 1925 wird der Palazzo dello Spagnolo zum Nationalmonument Italiens erklärt. 1966 und nach dem Erdbeben im Jahr 1980 wurden Restaurierungen vorgenommen, während der Bildhauer Augusto Perez nach dem Erwerb einer Wohnung in den Jahren 1997 bis 2000 in seiner Wohnung einige der ursprünglichen Dekorationen wiederherstellen konnte.

Die heutige Fassade als Prospekt

Die Fassade

Die Fassade des Palazzo dello Spagnolo ist mit Wandpfeilern und Balkons mit Fenstern geschmückt. Die Fassade basiert auf drei Etagen, wobei an der später hinzugefügten dritten Etage noch der dekorative Rahmen des ehemaligen Dachs zu erkennen ist. Die Balkons der ersten Etage werden von Zierleisten und gebrochenen Tympana und die der zweiten Etage von kurvigen Elemente und Bögen dekoriert. Das Portal mit Pfeilern aus Piperngestein wird von Kartuschen und Voluten als Symbol der Adelsetage überragt.

Die Stuckarbeiten im Rococò Stil nach Francesco Attanasio sind erhalten geblieben

Der Innenhof

Im Innenhof angelangt fällt der Blick auf den, in diesem Fall anders als beim Palazzo Sanfelice restaurierten, Treppengang auf einer doppelten Rampe mit jeweils fünf Bögen pro Etage, die bis auf die letzte Etage symmetrisch verläuft. Hier sind auf den verschiedenen Etagen sogar noch die Lünetten mit florealen Motiven und Büsten im barocken Stil aus Stuck des Aniello Prezioso nach Projekt des Francesco Attanasio von 1742 erhalten geblieben. Die Treppe wird nur durch die Pfeiler erhalten um auf den Etagen und den Treppengängen einen besonderen Effekt aus Bögen, dekorierten Decken und Eingangsbereichen zu schaffen. Der sogenannte Falkenflügelstil der Treppe wurde hier als Treffpunkt des sozialen Lebens innerhalb der Bewohner und Besucher des Palastes konzipiert und mit Rococò-Stuckkreationen des königlichen Ingenieurs Francesco Attanasio verschönert, die von Aniello Prezioso umgesetzt wurden. Die Pipernmasken auf dem Treppengang haben die Funktion des Fackellöschers. Ursprünglich hatte der Palazzo auch einen Garten hinter dem zweiten Innenhof, der heute aber leider nicht mehr existiert.

Ein Pipernmaske als Fackellöscher

Das geplante Totò-Museum

Seit einigen Jahren ist es in Planung im Palazzo dello Spagnolo ein Museum über Totò einzurichten, dem bedeutendsten italienischen Komiker des 20. Jahrhunderts der ursprünglich aus dem Stadtviertel Sanità kam, doch bisher wurde dieses Projekt verschoben und bisher wurde zur Mahnung eine Maske von ihm auf eine der Büsten gesetzt.

Die Abendbeleuchtung zeigt die Architektur des Palazzos besonders detailliert

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

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Monumente der Stadt Neapel

Die Basilika der Santa Maria della Sanità in Neapel

Die Basilika der Santa Maria della Sanità liegt am Hauptplatz des lebendigen Viertels Sanità, das während der griechischen und römischen Zeit Kampaniens das Gebiet der Nekropole Neapels war. Auch im frühchristlichen Zeitalter behält das Tal diese Funktion, so das die ersten christlichen Katakomben hier ihren Ursprung fanden. Innerhalb der Basilika befindet sich der Zugang in die Katakomben von San Gaudioso, sicherlich einer der faszinierendsten Bereiche des unterirdischen Neapels. Die Freilegung einer Schlammlawine nach einem starken Gewitter führte 1569 zu dem Fund des aus dem 5. oder 6. Jahrhundert stammenden Fresko der Madonna mit dem Christkind auf dem Schoss, das von dem Volk sofort stark verehrt wurde und viele Leute anzog. Bis heute ist das Bild die älteste Darstellung der Mutter Gottes der Stadt Neapel und eines der Gründe der Entwicklung des Viertels zum Ende des 16. Jahrhunderts.

Der Bau der Basilika durch den Dominikaner-Orden

Im Jahr 1577 traut der Theatiner und Kardinal von Neapel Paolo Burali d’Arezzo die verlassenen Katakomben von San Gaudioso mit der Auflage nicht weiter graben zu dürfen oder Marmor zu entfernen dem Dominikaner-Orden an. Die Dominikaner des Viertels Sanità nehmen in dieser Zeit eine Erneuerung ihres Ordens vor und widmen sich der Austerität, einem armen Dasein, dem Studium und dem grossen Andrang der Bevölkerung, die das beliebte frühchristliche Bild bewundern wollen. Die Erneuerung des Konvents beginnt bereits 1588, die neue Basilika der Santa Maria della Sanità wird von dem aus Neapel stammenden dominikanischen Architekten Fra Giuseppe Nuvolo ab 1602 um die die frühchristliche Kirche mit dem marianischen Bild errichtet. Die Basilika der Santa Maria della Sanità wird mit Hilfe von zahlreichen Spenden aus der Bevölkerung im Jahr 1610 fertig gestellt und zum dominikanischen Gegenmodell des nicht erneuerten dominikanischen Ordens der Basilika von San Domenico in der Altstadt von Neapel.

Die Unterdrückung des Ordens unter Napoleon

Das napoleonische Jahrzehnt der Stadt Neapel zum Anfang des 19. Jahrhunderts führt zur Unterdrückung des dominikanischen Ordens und mit der Entscheidung die Brücke über das Tal der Sanità zum Königspalast von Capodimonte zu bauen wird ein erheblicher Teil des Konvents zerstört, der bis dahin zu einem der schönsten Italiens des dominikanischen Ordens galt. Nach dem Tod Murats wird die Kirche an die Franziskaner abgegeben und nach der Vereinigung Italiens entscheidet die Stadt Neapel in der Basilika der Santa Maria dell Sanità bis 1915 den Sitz des Neapolitanischen Verein der Philanthropie einrichten zu lassen.

Die Fassade

Die Fassade der Basilika der Santa Maria della Sanità hat eine in klare visuelle Bereiche aufgeteilte Fassade mit einen imponenten Kirchturm von 1612-14. Die Stuckarbeiten der Fassade stammen von Gennaro Troise und Domenico de Marco aus den Jahren 1709/10 während der brühmte Maiolica-Fliesen Produzent Gaetano Massa um 1719 die Einrichtung der Maiolica-Uhr und die Fliesendekoration der Kuppel vornimmt. Aus der franziskanischen Zeit der Kirche stammen die Skulpturen vom Heiligen Franziskus und des Petrus von Alcantara aus dem Jahr 1837 neben dem Eingangsbereich.

Die Innenstruktur

Die Struktur der Basilika der Santa Maria della Sanità basiert wahrscheinlich auf dem Modell des Petersdoms von Bramante und sieht eine weniger ausgeprägten Kuppel vor, die erst später mit Maiolica-Fliesen versehen wird. Sie gilt als eines der wichtigsten Monumente der katholischen Gegenreform und ist praktisch ein Kunstmuseum mit Bildern, Marmorwerken und Dekorationen des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Innenstruktur basiert auf einem griechischen Kreuz und einem für die katholische Gegenreform kargen und sauberen doppelfarbigen (Grau und Weiss) Innenbereich, der auf die Tracht der Dominikaner und die Reform dieses Ordens hinweist. Die Farben im Innenbereich der Basilika stammen vom erhöhten eindrucksvollen Presbiterium, der Kanzel und der Altarstafel. Auf der linken Seiten des Transepts kann man die oktagonale Sakrestei betreten, die im Normalfall leider nicht zugänglich ist. Der Fussboden ist grösstenteils aus Terracotta und zeigt in verschiedenen Punkten Marmordekorationen und Grabmähler auf.

Die Struktur der Basilika der Santa Maria della Sanità

Der Eingangsbereich

Neben dem Eingangsbereich der Basilika der Santa Maria della Sanità sind zwei Weihwasserbecken aus der Mitte des 17. Jahrhunderts im Stil des Vaccaro mit dominikanischen Wappen in die Wände eingesetzt. Der Blick fällt sofort auf die szenographische symmetrische Doppeltreppe in Flaschenform, die wie eine Hülle die frühchristliche Kirche mit den Katakomben von San Gaudioso eindeckt. Die Verwendung von vielen Marmorsorten, Holz, Dekorationen und den Fresken der Absis werden durch die helle Grau-Weisse Dekoration besonders hervorgehoben.

Die symmetrische Treppe in einer Scherenform umschlingt die Crypta der Basilika

Das rechte Kirchenschiff

  • Die erste Kappelle des rechten Kirchenschiffs der Basilika der Santa Maria della Sanità ist dem heiligen Nikolaus gewidmet und zeigt mit dem Bild Der Heilige Nikolaus zwischen den Heiligen Ceslaus von Breslau und Louis Beltran von 1671 eines der fünf Bilder des Luca Giordano dieser Kirche. Am Altar ist ein Bild der Heiligen Veronika aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zu sehen.
  • Die zweite Kappelle ist Petrus von Verona gewidmet und bewahrt das Bild des Giovanni Balducci Das Martyrium von Petrus aus Verona von 1610 auf. Der florentinische Maler Balducci ist sehr lange in Neapel aktiv und liegt in den Katakomben dieser Kirche begraben.
  • Die dritte Kappelle des Heiligen Vinzenz Ferrer zeigt das Bild des Luca Giordano Vinzenz Ferrer predigt dem Volk. Diese Kappelle ist innerhalb der Basilika der Santa Maria della Sanità besonders wichtig, da der San Vincenzo Kult in Neapel bereits seit dem 15. Jahrhundert verbreitet ist und sich diese Kirche besonders um seinen Kult mit Prozessionen und weiteren Feierlichkeiten kümmert. Im Stadtviertel Sanità ist die Basilika daher allgemein unter dem Namen der San Vincenzo Kirche bekannt. Neben der Kapelle steht die von den Franziskanern 1806 hergebrachte verehrte Skulptur des Heiligen Vinzenz Ferrer, im Volksmund wegen des Aussehens auch O Munacone (Der Mönch) genannt, die zu einer Erneuerung der Kappelle und der Einsetzung des Gitters von Gennaro Parente von 1886 führte.
Der Heilige Nikolaus, der Heilige Ceslaus von Breslau und Louis Beltran von Luca Giordano

Weiter im rechten Kirchenschiff

  • Die vierte Kappelle ist der Rosenkranzmadonna gewidmet. Das zentrale Bild der Madonna del Rosario stammt aus von Giovan Bernardo Azzolino von 1612. Leider wurden erst im Jahr 1990 zwölf der 15 kleinen Bilder mit den Misteri geklaut, so das neben dem Hauptbild nur noch Der ewige Herr und Die Episode der Verurteilung der Albigenser erhalten blieben. Das Bild gehört zu einem der wichtigsten Produktionen des Azzolino und vermischen einen von Caravaggio erlernten Naturalismus mit seinem traditionellen späten Manierismus. Rechts vom Altar ist das ursprünglich in der Sakrestei hängende und restaurierte Bild Der Heilige Domenikus verteilt den Rosenkranz von Giovanni Balducci aus dem Jahr 1623 su sehen.
  • Die fünfte Kappelle ist der Heiligen Katharina von Alexandrien gewidmet und hat einen schönen Marmoraltar von 1734 von G.B. Massetti. Das Bild der Mystischen Heirat der Heiligen Katharina stammt von Andrea Vaccaro.
  • In der sechsten Kappelle ist ein weiteres Bild von Andrea Vaccaro aus dem Jahr 1659 mit Die Heilige Katharina aus Siena erhält die Stigmata über einem Altar von 1727 von Nicola Tammaro zu sehen.
  • Die siebte Kappelle inglobierte 1940 die zwei vorherigen Kappellen und ist der Madonna del Buon Consiglio gewidmet. Das Bild von Luca Giordano mit dem Heiligen Pius V. und Albertus Magnus stammt aus dem Jahr seiner Heiligsprechung 1672 und war ursprünglich in der ihm gewidmeten und inglobierten Kappelle.

Der Hauptaltar

Die beiden symmterischen sogenannten Scherentreppen waren eigentlich von Fra Nuvolo im lokalen Pipern-Gestein gefertift und wurden erst 1679 durch Vincenzo Pempinella mit Marmor verkleidet. Die szenographischen Treppen führen zum Podium des Presbiteriums mit dem mit buntem Marmor besetzten Hauptaltar im Rococò Stil des 18. Jahrhunderts. Das Ziborium aus vergoldetem Kupfer und Bergkristallen war ursprünglich und bis ins 18. Jahrhundert mit Silberskulpturen und Edelsteinen besetzt und stammt vom domenikanischen Ordensbruder Azaria aus dem Jahr 1628. Dieses Werk ist leider das einzig erhaltene von den vielen, die der für seine Silberarbeiten bekannte Ordensbruder eigentlich für die Basilika der Santa Maria della Sanità erschaffen hatte. Die Madonna della Sanità aus Marmor stammt vom florentiner Michelangelo Naccherino aus dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts und wurde 1711 von Arcangelo Guglielmelli und Cristoforo Schor in die barocke Verkleidung mit Engeln und Putten eingesetzt. Schor arbeitete als Bühnenbildner unter Gianlorenzo Bernini in Rom und ist fast ausschliesslich in Neapel aktiv, wo er sterben wird. Die Orgel wurde von d’Ambrosio in den Jahren 1779 bis 1786 hergestellt und ist weiterhin funktionierend, während der Holzchor im Presbiterium von de Nubila geplant und von Bozzaotra, Cecere und vielen Ordensbrüdern von 1618 bis 1620 umgesetzt wurde. Die Dekoration der Absis mit der Glorie des Ewigen Herrn ist von Crescenzio Gamba aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Der Hauptaltar mit der Skuptur von Michelangelo Naccherino

Die Crypta und die Katakomben von San Gaudioso

Unter den beiden Rampen der Treppengänge des Hauptaltars öffnet sich der von Guglielmelli und Schor im Jahr 1708 mit Stuck-Gardinen dekorierte Eingang zur Crypta der Basilika der Santa Maria della Sanità. Der Hauptaltar der Crypta aus dem Jahr 1628 bewahrt die Reliquien des Heiligen Antero auf (der als Papst nur 2 Monate im Amt war), des Heiligen Vito und des Heiligen Ippolito. Die Fresken der 10 Altare stammen von vom Solimena beeinflussten Bernardino Fera, der die Martyrien der den jeweiligen Altar gewidmeten Heiligen darstellen. An der Gegenfassade auf dem Altar der linken Seite wurde 1991 glücklicherweise eine byzanthinische Madonna mit Heiligen aus dem 9. Jahrhunderten gefunden, die von einem Bild des San Gennaro aus dem 19. Jahrhundert verdeckt wurde. Auf dem Fussboden und den Wänden sich noch Grabmahle und Inschriften aus dem 5. bis ins 19. Jahrhundert zu erkennen. Hier war ursprünglich der Zugang in die Katakomben des San Gaudioso, die mit einem separaten Artikel behandelt werden.

Die Crypta unter der symmetrischen Treppe des Hauptaltars

Das linke Kirchenschiff

  • Vom Altar aus kommend sehen wir im linken Kirchenschiff das Grabmahl des 1802 gestorbenen Gennaro Marciano von Angelo Viva und die szenographische Kanzel, eine der schönsten der Stadt Neapel, in verschiedenen Marmorsorten von Dionisio Lazzari aus dem Jahr 1678.
  • Die erste Kappelle vom Altar aus kommend ist dem Heiligen Sakrament gewidmet, wurde im 19. Jahhundert erneuert und beinhaltet die Exstase der Magdalena von Luca Giordano aus dem Jahr 1672 und die beiden Bilder aus dem 18. Jahrhundert von unbekannten Künstler des Heiligen Lazarus und der Heiligen Marta. Der zentrale Altar von Piero Antonio Valentino stammt von 1660 und hat ein elegantes Marmorziborium von 1668, in der die Szene der Heiligen Katharina von Alexandrien die sich weigert die Idole anzuerkennen aus Schmucksteinintarsien von 1661 eingesetzt wurde. Das schöne hölzerne Kruzifix ist aus dem 17. Jahrhundert von einem nicht bekannten Künstler.
  • Die nebenan liegende Kappelle ist Thomas von Aquin gewidmet. In ihr steht der frühchristliche Bischofssitz aus dem 6.-10. Jahrhundert aus der Crypta der Heiligen Märtyrer, auf der sich die Wöchnerinnen gesessen haben um einen Schutz zu erlangen. Der Altar der Bernini-Kultur stammt von Giuseppe Bastelli von 1741, während das Bild von Pacecco de Rosa von 1652 Thomas von Aquin erhält das Zingulum der Keuschheit zeigt.
Die Kanzel der Basilika der Santa Maria della Sanità, Dionisio Lazzari 1678

Sakrestei

Auf der rechten Seite führt eine Tür in die von Giovan Battista di Pino mit einer seltenen Eingravierung mit der Sgraffiti Technik bemalte Vorsakrestei mit dem Motiv der Entsendung des Heiligen Geistes an die dominikanischen Ordensbrüder, Grotesken in den Gewölben und einem Bild des Viertels Sanità auf der Tür dekoriert wurde. Von der Vorsakrestei kann man den kleinen für Fra Nuvolo typischen elyptischen Kreuzgang betreten, der teilweise restauriert wurde und stark von dem Bau der Brücke beeinflusst wurde. Ein weiterer Zugang führt in die 1633 errichtete Schatzkammer mit Fresken der Heiligen Dominikaner von Giovanni Balducci und einem monumentalen Treppengang, der zu den erhaltenen Resten der Konvents führt.

Die grosse Sakrestei besteht aus einem oktagonalen Ambiente mit einem Maiolica-Fussboden von Gaetano Massa von 1732, der bei der Restaurierung in den 70er Jahren entfernt wurde, Holzschränken zur Aufbewahrung der Kleider und der Silberstücke und einem 1728 von der Fürstin Borgia Cariati in Auftrag gegebenen bunten Marmoraltar. Im elyptischen Kreuzgang sind die Reste der Dekoration des di Pino mit der Geschichte des Dominikaner-Ordens mit Grotesken, Blumen und Putten im Gewölbe zu sehen. Laut dem lokalen berühmten Schriftsteller jener Zeit Carlo Celano war di Pino der einzige, der die Technik der helldunklen Sgraffiti beherschte. Ursprünglich umfasste die Dekoration insgesamt eine Fläche von 400 Qm inklusive eine der bedeutendsten Apotheken Neapels, die weiterhin hinter der Brücke auf der Via Sanità zu besichtigen ist.

Reste der Dekoration des Di Pino in der Sakrestei

Zurück im Linken Kirchenschiff

  • Sobald man die Vorsakrestei verlässt befindet sich auf der rechten Seite des linken Kirchenschiffs der Basilika der Santa Maria della Sanità das Bild des Erzengel Michel von Filippo Donzelli aus dem 17. Jahrhundert und das Bild Die Kreuzigung der heiligen franziskanischen Märtyrer und Jesuiten 1587 in Nagasaki aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
  • Die grosse Kappelle der Beschneidung wird von einem Gitter aus dem 18. Jahrhundert geschützt und beinhaltet das Bild der Beschneidung von Vincenzo Forlì aus den Jahren 1610 bis 1612, das in einem schönen goldenen Holzrahmen eingesetzt ist und wohl ursprünglich von Caravaggio gemalt werden sollte. Der Altar aus dem 19. Jahrhundert konserviert im Ziborium die silberne Türklappe mit dem Guten Hirten. Auf dem Altar der Seite sind zwei Bilder aus dem 17. Jahrhundert der Heiligen Luzia von de Magistro und die Madonna mit dem Christkind und Engeln zu sehen,
  • Die dritte Kappelle des linken Kirchenschiffs ist der Verkündigung gewidmet, die hier von Giovan Bernardo Azzolino 1629 gemalt wird. Eine Besonderheit dieser Kappelle ist der gut erhaltene reiche Maiolica-Fliesen Fussboden von Massa von 1725, der uns eine Idee gibt wie die Kirche im 18. Jahrhundert ausgesehen haben muss. Auf den seitlichen Wänden der Kappelle hängen mit der Santa Margherita aus der Città di Castello und der Heiligen Margherita aus Ungarn zwei Bilder von unbekannten Malern aus dem 18. Jahrhundert.
  • Die zweite Kappelle ist dem Heiligen Hyazinth gewidmet mit einem schön eingerahmten weiteren Bild des Luca Giordano mit der Mystischen Hochzeit der Heiligen Rosa, das wohl nach ihrer Heiligsprechung im Jahr 1671 gemalt wurde.
  • Die erste Kappelle der Familie Lantaro ist dem Heiligen Blasius gewidmet und wurde von 1654 bis 1656 mit Stuck- und Marmorarbeiten von Francesco Antonio Valentino und Fresken des Agostino erneuert. Erhalten blieb wegen den Restaurationen im 19. Jahrhunderten mit dem Heiligen Blasius zwischen den Heiligen Antonino und Raimondo nur das letzte Werk des Beltrano, der 1656 an der grossen Pestwelle in Neapel starb.
Luca Giordano, die mystische Hochzeit der Heiligen Rosa

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Neapel und Kampanien in der Literatur

Roger Peyrefitte im Friedhof Fontanelle

„Als ich das erste Mal die Katakomben von S. Gennaro besuchen wollte, wandte ich mich, an einer Kreuzung plötzlich meines Weges nicht mehr sicher, an einen freundlich blickenden Passanten. Er wies mir eine Richtung, die offensichtlich nicht stimmen konnte. “Sie liegen nicht dort?” fragte ich und zeigte in die andere Richtung. “Ah”, meinte er, “die Katakomben von S. Gennaro! Ich dachte, Sie wollten zu den wahren Katakomben!” Sogleich versuchte ich, Genaueres über diese unerwartete Auskunft zu erfahren; dann bat ich S. Gennaro um Verzeihung und begab mich zu den “wahren Katakomben”…

Ich ging in einem Zug von Frauen und Mädchen, die Laternen trugen, deren Lichter noch nicht angezündet waren. Händler verkauften sie am Wegrand. Die Gesichter waren feierlich: Man spürte, daß diese Lampions nicht für fröhliche Zwecke bestimmt waren. Am Ende der Prozession tauchte die Kirche auf, das Ziel unserer Prozession. Von dort gelangte man in die Katakomben…

Aufgereihte Schaedel im Friedhof Fontanelle in Neapel

Hinter einer Nische bot sich mir ein Schauspiel dar, das mich sofort gefangennahm. Es glich weder den aufgeschichteten Mumien der Kapuzinergruft in Palermo noch den zierlichen Knöchelchen, die in der römischen Kapuzinerkirche der Unbefleckten Empfängnis die feinsten Arabesken bilden. In zwei breiten Gängen von etwa zehn Metern Höhe und hundert Meter Tiefe reihten sich Tausende von Totenschädeln aneinander und allerlei andere Knochenteile, die von unzähligen Laternen erleuchtet wurden. Schwarze Holzkreuze hoben sich in kalkweisser Umrahmung von den Wänden ab. Inmitten dieses makabren Dekors, ein wenig erhellt vom Lichteinfall der Maueröffnungen, irrten die Menschen wie Schatten umher, knieten nieder, beteten.

…Die Knochenhaufen, die sich längs der Gänge auf einer Art Gehsteig stapeln, sind nicht sehr hoch. In einem der Gänge jedoch hat man vor der Wand einen Triumphbogen errichtet – den Triumphbogen des Todes. Dieser Todesfries ist umgeben von einem Blumenmeer. Manche Knochen sind in Glaskästchen eingeschloßen. Mitunter krönt eine Laterne einen Schädel wie der Heilige Geist den Kopf der Apostel. Manchmal sind Lichter im Innern der Schädel, was ihnen einen diabolischen Ausdruck verleiht.

Im ersten, von einem Altar geteilten Gang steht eine Krippe. Es ist tatsächlich eine rührende Idee, daß man zum Bild des Todes jenes von Hoffnung und Leben gesellte. Die Figuren der Krippe sind menschengroß und bilden das Pendant zu einem pathetischen Christus am Eingang. Hinter diesem Altar, der den letzten Teil des Ganges verbirgt, spielte sich eine seltsame Szene ab: Eine Gruppe von Frauen drängte einen Mann, der vor drei großen, im Boden verankerten Kreuzen gestikulierte, er solle Gebete vortragen. Hier, am Fuße dieses Kalvarienbergs, zelebrierte man den wahren Totenkult.

Lebensgrosse Krippe im Fontanelle Friedhof

Dieser Kult hatte im übrigen nichts von Tragik oder Magie. Der “Vorbeter”, ein junger Mann, dessen Stimme man ebenso einem Prediger wie einem neapolitanischen Sänger zuschreiben konnte, war voller Lebenslust. Er verrichtete seine beinahe rituelle Arbeit noch mit echter Hingabe: Wer ein Gebet bei ihm bestellen wollte, setzte sich auf ein kleines Bänkchen neben ihm, als sollte ein Orakel befragt werden. Anfangs rührte er sich nicht, dann, ganz allmählich, gerieten Kopf und Arme in Bewegung, und sein Rosenkranz bimmelte wie ein Glöckchen. Ein Pater Noster und ein Ave Maria leiteten das Gebet ein; es folgte eine Reihe ganz persönlicher Anrufungen und Formeln: “Teure Geister, teure Tote, erbarmt Euch unser! Wir bitten Euch um den Segen für Arbeit, Beruf und Geschäft. Wir sind nicht anspruchsvoll: Wir bitten um nichts als Brot und Zwiebeln.” Pane e cipolla waren sein panem et circenses. Seine Stimme erbebte in einem leichten Tremolo, was den Zuhörer zumindest innerlich erheitern und die “teuren Geister” im Jenseits erweichen sollte. Aber auch anderes gehörte zu den Aufgaben des Mannes: Gegen zusätzliche Spenden segnete er neuerworbene Totenschädel…

Doch Rechte fordern Pflichten. Eine Frau, die ihren Schädel nicht fand, bat, ganz außer sich, den “Vorbeter” um Hilfe. “Es ist ein gelber stark leuchtender Schädel”, sagte sie. Beide machten sich auf die Suche. “Da haben wir ihn”, rief der “Vorbeter” triumphierend und kramte das verlorene Objekt hervor. Er hielt ihn der Besitzerin hin, gab gratis seinen Segen und kehrte zu seinen Kunden zurück. Doch mit welcher Liebe umsorgte die Frau ihren ersehnten Schädel. Sie pustete den Staub von ihm, polierte ihn mit dem Taschentuch, küßte und liebkoste ihn, setzte ihn dann behutsam auf ein Kissen, das sie mitgebracht hatte, und zündete mehrere Lichter davor an.

Die Wahl eines Schädels wird nicht leichtgenommen: Suchenden Auges schlendert man langsam durch die Gänge, an den traurigen Knochenresten entlang. Plötzlich bleibt man stehen, bückt sich und greift einen Totenschädel heraus, auf dem noch kein Name zu lesen ist. Man beschaut ihn von allen Seiten, um Festigkeit und Resonanz zu prüfen. Dann dreht und wendet man ihn, betastet, wiegt und beschnuppert ihn, als handle es sich um eine Melone. Schließlich folgt die Zeremonie der Reinigung. Ich habe junge Frauen beobachtet, die ganz in hausfraulicher Manier vorgingen: Sie bürsteten und scheuerten ihren Schädel mit Alkohol und Ätznatron. Hatten sie ihn zweimal richtig eingerieben, glänzte er wie eine neue Münze. Ein Wächter mit Schirmmütze geht diese Gänge auf und ab, gibt Ratschläge und beschafft notwendiges Werkzeug. Ich hörte, wie er von einem ganz in schwarz gekleideten Mann gefragt wurde, ob er über einen Damenschädel verfügte. “Momentan ist kein einziger frei!” antwortete er. “Doch wir erwarten für morgen einige Skelette, da müßte etwas dabei sein.” Eben hatte er einer Frau bei ihrer Wahl beigestanden, als das kleine Mädchen, das mit ihr war, protestierte: “Mama, ich mag diesen Kopf nicht, ich will einen mit Zähnen.” Kinderschädel sind nicht zu finden. “Alle wollen einen” sagte der Wächter. “Ich habe mindestens zehn Vorbestellungen.“

Roger Peyrefitte, 1952

Roger Peyrefitte (geb. 1907 in Castres, gest. 2000 in Paris) war ein französischer Schriftsteller und Diplomat. Die Beschreibung des Kults, Totenschädel in Neapel und speziell im Fontanelle Friedhof in der Sanità zu adoptieren, wird mit vielen Details beschrieben. Auch heute findet man noch den Kirchenaltar mit Sitzbänken und einer Krippe im Hintergrund, umgeben von Totenschädeln. Der Kult der Adoption fand speziell während und nach dem zweiten Weltkrieg großen Anhang: den Schädel wurde die Rückkehr der Ehemänner erbeten, im Gegenzug betete man für einen Einzug der Seele des Schädels vom Fegefeuer in den Himmel. Das Pflegen und die Anfragen an den im Fontanelle Friedhof adoptierten Schädel veränderten sich aber auch im Laufe der Jahre, speziell in den schwierigen Zeiten der Nachkriegszeit wurde, wie in diesem Text zu lesen, auch nur ein wenig Brot und Zwiebeln erfragt. Der Kult wurde von der katholischen Kirche verboten und im Fontanelle Friedhof illegalerweise weitergeführt. Der Hinweis auf Vorbestellungen von Kinderschädeln, unschuldige Wesen und daher sehr beliebt, weist auf einen recht starke Verbreitung des Kults im neapolitanischen Volk zu Anfang der fünfziger Jahre hin.

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.