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Der Männerbereich der Forumsthermen von Herkulaneum

Die zentralen oder Forumsthermen von Herkulaneum

Die Forumsthermen von Herkulaneum haben ihren Namen wegen ihrer unmittelbaren Nähe zum Forum. Es ist nicht genau erwiesen wann diese gegründet wurden, es wird aber eingeschätzt das sie zum Anfang des 1. Jahrhunderts n. Chr mit Beihilfe von öffentllichen Geldern errichet wurde und vorher existierende Bauten ihr weichen mussten. Die Thermen wurden von dem Erdbeben 62 n. Chr beschädigt und bei der Erneuerung vor dem Vesuvausbruch mit neuen Fresken bedacht.

Der Männerbereich

Der Männerbereich der Forumsthermen von Herkulaneum kann über den Cardo III besichtigt werden. Ein enger Flur führt auf die Palestra (Sportplatz), der auf Ziegelsäulen und Pfeiler in Opera Mista basiert, die beide mit schwarz-weissem Stuck besetzt wurden. Die beiden Flurwände waren urpsrünglich im vierten Stil dekoriert. Vom Sportplatz führen zwei Türen jeweils in eine Latrine und in den Umkleideraum (Apodyterium). In der mit einem Fussboden in Opus Spicatum versehenen Latrine ist noch der Abflusskanal zu erkennen, aus dem das Wasser des Frigidariums (Kaltwasserbecken) ablief. Neben der Latrine befindet sich ein weiteres kleines Zimmer mit einem Fenster, in dem sich vielleicht der Wächter aufhalten konnte.

Der Umkleideraum der Männerthermen

Der Umkleideraum (Apodyterium) vom Männerbereich der Forumsthermen von Herkulaneum wurde durch ein rechteckiges Fenster von der südlichen Seite aus beleuchtet und ist sechs Meter breit und 12 Meter lang. Die Decke besteht aus einem Tonnengewölbe und der Fussboden ist mit verschiedenen Marmorsorten (Ardesia-, weisser und Cipollinomarmor) besetzt. Der Marmor der Wände wurden von den borbonischen Ausgrabungen entnommen, heute sind noch die rot-weissen Freskendekorationen erkennbar. Am Ende des Umkleideraums befindet ein weiterer Raum mit einem Labrum und den Resten eines Beckens, das ursprünglich mit Marmor verkleidet war und wohl zur Purifizierung des Körpers diente. In diesem Raum wurden 1932 vier Skelette mit goldenem Schmuck entdeckt, von denen einer auf der linken Seite des Körpers verkohlt aufgefunden wurde.

Der Fussboden des Umkleideraums mischt verschiedene Marmorsorten und in der Decke sind die Kannellierungen durch die Ausmassen des Raumes besonder gut sichtbar
Das Frigidarium

Auf der linken Seite des Umkleideraums führt eine Tür ins rechteckige Kaltwasserbecken (Frigidarium), dessen Wände bei der Renovierung vor dem Ausbruch mit roten Fresken mit Kerzenständern, Vasen und Szenen von Sportveranstaltungen versehen wurde und durch eine Öffnung in der Kuppeldecke beleuchtet werden konnten. Die Kuppeldecke des Frigidariums wurde elegant in Grau und Hellblau mit Meerestieren dekoriert. Einige Stufen führen in das Frischwasserbecken, das nur ein Meter tief war und einen Umfang von 4 Metern hatte. Dieses war grün und blau dekoriert und die Öffnungen für die Wasserzufuhr und den Abfluss innerhalb des Beckens sind heute noch gut erkennbar.

Das Farbintensive Frigidarium war elegant aber spielerisch eingerichtet
Das Tepidarium

Das Tepidarium (der lauwarme Bereich der Thermen) vom Männerbereich der Forumsthermen von Herkulaneum hat ebenfalls die grosszügigen Ausmassen von 12×6 Metern des Umkleideraums und wurde durch eine Fensteröffnung erhellt. Die Sitze und Ablageflächen für die Kleidung sind noch sichtbar, während die schönsten erhaltenen dekorativen Elemente mit rotem Stuck und einer Linie mit Palmen und verschiedenen Blättern am unteren Gewölbe zu erkennen sind. Auf dem in das Hypokaustum (Fussbodenheizung) eingebrochenen Fussboden ist ein von vier Delfinen umgebener Triton zu erkennen, der in seinen Händen eine Schiffssteuer und einen Fruchtkorb hält.

Das Triton Mosaik des Tepidariums, teilweise wegen der Gewichts der vesuvianischen Materialien eingebrochen
Das Calidarium

Der Fussboden am Zugang des Calidariums (die römische Dampfsauna) wurde durch die Darstellung eines Rings mit zwei Strigila (Schabeisen) und einem Aryballos (Vase für Salben) verschönert. Die Decke ist leider grösstenteils eingebrochen, der weite Fensterbereich konnte sich hingegem gut erhalten. Im südlichen Teil ist eine Art Absis zu sehen, in der Stuckdekorationen und ein Podium für das Labrum (von den borbonischen Ausgrabungen entnommen) erkennbar sind. Auf der nördlichen Seite wurde das grosse Becken für warme Bäder aus weissem Marmor mit Stufen eingesetzt. Die mit gelben und roten Fresken dekorierten Wände waren ebenfalls am unterem Rand mit weissem Marmor besetzt, der bei den borbonischen Ausgrabungen entfernt wurde. Der schwarz-weisse Mosaikfussboden drückt eine einfache und klassische Eleganz aus. Die weisse Platte aus Luni-Marmor an der östlichen Wand wurde möglicherweise von den pyroklastischen Strömen des Vesuvs vom Forum entrissen und daraufhin fälschlicherweise hier angebracht.

Das Podest des Calidariums der Thermen von Herkulaneum, bei dem ein Wasserbecken (Labrum) durch ein kleines Fenster beleuchtet wurde.
Der Ofen und der Brunnen

Ein Flur führt vom Umkleideraum in den Funktionsbereich mit dem Ofen und einem Brunnen, der eventuell bei Ausfällen des Aquädukts verwendet wurde. Der Brunnen aus Opus Incertum ist zwei Meter breit und 13 Meter tief. Das Wasser konnte entweder manuell oder über einen Mechanismus mit Bronzekissen und eine Antilia (Luftpumpe) über Eimer entnommen werden. Der Ofen heizte insgesamt drei Heizkessel und wurde leider ohne jegliche Instrumente gefunden, die wohl ebenfalls von den Borbonen entnommen wurden. Die Öffnungen sind aus Tufstein und konnten durch die bei den Ausgrabungen gut erhaltenen Turflügel aus Eisen geschlossen werden. Dieser Raum war interessanterweise ebenfalls dekoriert und es sind noch gelbschwarze Linien erkennbar, die rechteckige Freskenbereiche eingegrenzt hatten.

Fragen Sie bei mir eine individuelle Führung mit Informationen zu den Besonderheiten des antiken Herkulaneums an und kontaktieren Sie mich an meine Mail info@napolitrip.com. Allgemeine Informationen zu den Tickets und den Ausgrabungen von Herkulaneum finden sie hier.

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Das Haus des Neptun und Amphitrite in Herkulaneum




Das Haus des Neptun und Amphitrite ist im Vergleich zu den meisten Häusern der pompejanischen und herkulanensischen Oberschicht mit 200 Quadratmetern eher klein, in architektonischer Hinsicht aber sehr raffiniert geplant um die Räumlichkeiten zu optimieren und Lichtspiele einzusetzen. Die eher schattige Position des Hauses und das Fehlen eines Gartens wurde durch Lichtquellen über dem zentralen Atrium und das Sommertriklinium elegant gelöst. Das Sommertriklinium beeindruckt durch die damals sehr teuren Mosaike aus Glaspaste mit Jagdszenen und dem zentralen Mosaik des Neptun und Amphitrite, heute eines der Wahrzeichen der Ausgrabungen von Herkulaneum. Ausserdem war das Haus mit raffinierten Fresken, Marmorplatten und Einrichtungsgegenständen geschmückt, die teilweise im Archäologischen Museum von Neapel ausgestellt werden.

Die Freskendekoration des Sommertrikliniums
Die obere Etage und der Eingangsflur

Das obere Stockwerk wurde durch eine Treppe eines Cubiculums erreicht und ist durch den Bruch der Mauer von der Strasse aus zu betrachten. Man kann hier noch einen erhaltenen Marmortisch, Reste eines Bronzebetts, Wanddekorationen im vierten Stil und eine Kochstelle erkennen. Im Eingangsbereich (Fauces) sind noch seltene Freskenreste im zweiten Stil und ein Fussboden in Opera Caementizia mit einigen Wasserleitungen aus Blei zu erkennen. Die Tür führt in eine von zwei Fenstern beleuchtete Küche mit einer Kochstelle und einer Latrine.

Das Geschäft

Das Geschäft an der Strasse, mit dem Haus durch einen engen Flur verbunden und daher wohl vom Besitzer des Hauses verwaltet, war eine Cauponae und damit auf Wein in Verbindung mit kleinen Snacks spezialisiert. Das Geschäft ist eines der am besten erhaltenen des vesuvianischen Ausgrabungen und konserviert noch die Holzbrüstung, die Holzlagerschränke für Amphoren, verschiedene Gebrauchsgegenstände und die Steintheke mit den Doli (Behältern), in denen noch Reste von Kichererbsen und Saubohnen entdeckt wurden.

Das Geschäft mit den erhaltenen organischen Resten und der oberen Etage
Das Atrium und Tablinum

Das Atrium des Hauses des Neptun und Amphitrite konserviert nur noch wenige Freskenreste. Das Impluvium besteht aus Marmor und im Lararium reinkommend auf der linken Seite war ursprünglich mit bemalten Marmorplatten dekoriert, auf dem noch die Unterschrift des Künstlers Alexandros aus Athen zu sehen ist (heute im Archäologischen Museum von Neapel aufbewahrt). Alexandros aus Athen ist derselbe Künstler des Werks der Astragaloispieler (ebenfalls im Museum von Neapel) und es ist möglich, das auch dieses Werk ursprünglich vom Haus des Neptun und der Amphitrite stammte. Die beiden Platten des Alexandros aus Athen waren ursprünglich bunt dekoriert und wurden von der Hitze des vesuvianischen Ausbruchs beschädigt. Die beiden im archäologischen Museum von Neapel ausgestellten Bilder zeige Phoebe im Versuch Leto und Niobes zu versöhnen und Ileiria und Aglaia, wie sie mit Astragaloi spielen. Gegenüber ist noch eine weisse Marmorplatte auf dem Fussboden zu sehen, auf der eine Arca (Schatztruhe) eingesetzt war. Um das Atrium sind noch einige Räumlichkeiten zu erkennen, in denen Reste der Dekoration im vierten Stil mit Naturelementen, Tieren und weiblichen Figuren zu erkennen sind. Die Zimmer hinten dem Geschäft wurden teilweise als Lagerräume verwendet, unter anderen sind in einem noch die Reste einer Säule erhalten geblieben.

Eine detaillierte Nachbildung des Bildes der Astragolaispieler, heute in Neapel aufbewahrt
Das Tablinum

Über das Atrium ist auch das Tablinum erreichbar, das im vierten Stil mit roten und gelben Flächen mit mythologischen dekoriert war. Unter ihnen ist noch eine Szene mit zwei Frauen zu erkennen, bei der eine hellblaue Kleidern und eine Amphore auf dem Knie trägt. Der Fussboden besteht aus einem eleganten weissen Mosaik mit schwarzen Linien. Ein weites Fenster schafft eine Verbindung mit dem eleganten Sommertriklinium. Ein parallel laufender enger Flur führt ins Sommertriklinium und wurde mit einem Adler, einer Ziege und einem Pferd dekoriert.

Das Sommertriklinium
Das Sommertriklinium

Das Triklinium ist der grösste Raum des Hauses und wurde sowohl als Lichtquelle als auch als eleganter Garten gedacht. Im Zentrum ist ein Becken aus Marmor zu erkennen während auf der linken Seite ein Nymphäum mit drei Nischen eingerichtet wurde. Die zentrale Nische des Nymphäums besteht aus einer halbkreisigen Form, wahrscheinlich beinhaltete sie eine Statue, die beiden seitlichen Nischen haben einen eckigen Grund mit einer Cipollinomarmor Säule, auf denen ursprünglich Leuchter aufgestellt wurden. Das Nymhäum wurde mit teuren Mosaiken aus Glaspaste und Muscheln dekoriert und zeigt floreale Motive als auch Jagdszenen, die einen Bezug auf den legendären Stadtgründer Herkules (Hunde und Rehe) haben. Auf dem Nymphäum wurde ein Trichter eingesetzt, der den Brunnen mit Wasser versorgen sollte und mit Theatermasken dekoriert wurde. Das restliche Ambiente wurde mit Fresken besetzt, die einen Garten mit Pflanzen, Vögeln, Tieren, Reben, Bechern und Becken darstellen. Die zentrale Wand zeigt eines der berühmtesten Mosaike aus Glaspaste, das in Herkulaneum entdeckt wurde und dem Haus seinen Namen gibt: das Mosaik des Neptuns mit Amphitrite. Nach Maiuris Einschätzung war auf der Säule mit Efeublättern wie auf den Wandmalereien gezeigt wohl ebenfalls ein Becken aufgesetzt. Die elegante Wand wurde wahrscheinlich in den Jahren vor dem Ausbruch erneuert um ein eleganteres Ambiente zu schaffen. Auf dem Boden sind noch die Zeichen der drei eingesetzten Betten zu erkennen, während der kleine Bereich neben dem Nymphäum wohl von Musikanten verwendet wurde, die die Gäste während des Gastmahls die Gäste bespielen sollten. Der Fussboden wurde durch die heisse Masse des Vesuvausbruchs teilweise deformiert.

Das Nymphäum des Hauses des Neptun und Amphitrite

Fragen Sie bei mir eine individuelle Führung mit Informationen zu den Besonderheiten des antiken Herkulaneums an und kontaktieren Sie mich an meine Mail info@napolitrip.com. Allgemeine Informationen zu den Tickets und den Ausgrabungen von Herkulaneum finden sie hier.

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Events, Ausstellungen und News

Ausstellung Materie. Das unverbrannte Holz von Herkulaneum bis zum 31.12.23 in Portici

Die Ausstellung Materie. Das unverbrannte Holz von Herkulaneum artikuliert sich in den Räumlichkeiten der Adelsetage des Königspalastes von Portici. Dem Besucher soll nicht nur der wundersame Erhalt der Holzreste von Herkulaneum, sondern mit 120 bisher nie vorher ausgestellten Funden eine Beziehung zur Lebensweise der Bevölkerung in der antiken Stadt aufgebaut werden. Die Ausstellung wurde vom Archaeologischen Park von Herkulaneum mit Hilfe des historischen Partners Packard Humanities Institute organisiert und stellt viele einige absolute Highlights unter den ausgegrabenen Holzresten (wie die Holzdecke des Casa del Rilievo di Telefo oder die Möbel mit Elfenbeinverkleidung aus der Villa dei Papiri) aus.

Neben der Ausstellung ist der botanische Garten des Palastes von Portici eine lohnenswerte Ruheoase

Der Vergleich mit der Hebanon-Sammlung

Neben der Aufarbeitung des Vesuvausbruchs wird die Verarbeitung der gefundenen Holzreste Herkulaneums analysiert und mit der Hebanon-Sammlung aus dem 19. Jahrhundert verglichen. Die Agrarinstrumente der antiken Bevölkerung scheinen in ihrer Verarbeitung und Funktion mit den Instrumenten des 19. Jahrhunderts verblüffend ähnlich. Da leider wenig Literatur über die römischen Tischler und Schreiner existiert, bietet der Fund der erhaltenen Holzinstrumente in Herkulaneum die Möglichkeit diese genauer zu studieren.

Die Holzverarbeitung in Herkulaneum

Die Holzverarbeitung der Möbel und der Strukturen im antiken Herkulaneum basierte überwiegend auf Verzahnungen und Verriegelungen. Bei der Verriegelung ist die Technik der Zapfenverbindung besonders bei Elementen mit 90 Grad Ecken weit verbreitet. Nägel und Kleber wurden zum Fixieren der Bindungselemente verwendet, wobei neben der vielen Metallelemente bei Tischbeinen in Herkulaneum auch mehrere Holztischbeine gefunden wurden, die mit Hilfe von Drehmaschinen gefertigt wurden.

Die elegante Verarbeitung eines Holzschreins aus dem antiken Herkulaneum

Die Holzdecke des Hauses des Telephus-Reliefs

Der dritte Ausstellungsraum ist den Werkstücken gewidmet, die eine besonders feine Holzverarbeitungstechnik aufweisen können, wie die ca. 250 Fragmente der Holzdecke der Casa del Rilievo di Telefo. Diese konnte dem Vesuvausbruch beeindruckenderweise standhalten und stellt ein erhaltenes Unikum der antiken Welt dar. In diesem Fall ist das Holz nicht verkohlt und praktisch “lebendig” und weist verschiedene Farbpigmente auf. Dieser weltweit einzigartiger Fund gibt uns Aufschluss über die antike Holzverarbeitung einer Kassetten-Unterdecke des 1. Jahrhunderts nach Christus und ihrer antiken Farbdekoration. Die Analyse der erhaltenen Farbpigmente zeigt eine farbige Decke mit lebendigen Blau-, Rot-, Grün- und Weisstönen. Der zentrale Bereich der Underdecke war dabei mit einer dünnen Schicht von Goldblättern verziert. Dank des komplexen Studiums bei den Ausgrabungen konnte die wahrscheinliche originelle Position der Fragmente zugeordnet und damit eine Rekonstruktion der Decke organisiert werden. Das dekorative Schema der Decke passt stilisitisch in die augusteische Zeit.

Die beeindruckend gut erhaltene Decke mit Farbpigmenten

Die Holzverarbeitung in der Marine Herkulaneums

Der nächste Ausstellungsbereich bezieht sich auf die Meeresnähe der antiken Stadt Herkulaneum. Der in den 80er und 90er Jahren ausgebrabene Hafenbereich ist heute die einzige erhaltere Hafenbereich der römischen Antike. Neben den ausgegrabenen Skeletten wurden hier Reste von Booten, wie auch erhaltene Marine- und Fischermaterialien aus Kork, Holz, Seile und Leder gefunden. Eine der ausgegrabenen Boote wurde in die Mitte des Raums in einem fiktiven Meer mit einem vertikalen Hebewerk und einem Schiffsbug gesetzt. Das kleine Fischerboot wurde neben der Therme in der nordwestlichen Insula der Stadt gefunden und weist darauf hin das manche Thermalbereiche zwischen dem Erdbeben und dem Ausbruch noch als Bootsdepot verwendet wurden. Das Fischerboot konnte nur teilweise dem Ausbruch standhalten und muss ursprünglich grösser gewesen sein. Neben dem Fischerboot ist ein schöner erhaltener Schiffsbug mit einem rotbemalten Schlangenkopf ausgestellt, das vom Stil auch in einigen pompejanischen Fresken zu sehen ist und aus dem selben Areal des Bootsfundes kommt. Aus diesem Areal kommt übrigens auch der vorhin angesprochene Hebewerk ausgegraben, das wahrscheinlich verwendet wurde um die Boote auf das Land zu ziehen und bis heite noch die Axe und die Seitenflügel um das Seil zu sammeln erhalten konnte.

Die gefundenen Reste einen Bootes aus Herkulaneum

Der multimediale Bereich und integrierte Tickets

Am Ende der Ausstellung zeigt eine Videoprojektion auf sechs Schirmen die Details der ausgestellten Stücke mit einer Beschreibung auf englisch, lateinisch und italienisch. Eine Geräuschkulisse soll dem Besucher die Funktion des Fundstückes hervorrufen. Die Besucher können sowohl das Ticket für die Ausstellung von 5€ als auch ein integriertes Ticket für 15 Euro erwerben. Dieses bietet auch die Möglichkeit den Königspalast, den Botanischen Garten des Palastes und die Ausgrabungsstätte von Herkulaneum zu besichtigen.

Informationen zur Ausstellung Materie. Das unverbrannte Holz von Herkulaneum
  • Wann: Von Dezember 2021 bis zum 31. Dezember 2023
  • Uhrzeiten: 9.30-19 Uhr. Um 17.30 Uhr letzter Einlass. Montags geschlossen.
  • Preise: 5 Euro Ausstellung, 15€ integriertes Ticket mit den Ausgrabungen von Herkulaneum
  • Wo: Koenigspalast von Portici an der Via Università 100 in Portici

Weitere Infos über Events, Ausstellungen und News in Neapel und Kampanien findet ihr in meinem Blog.

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Die Casa del Bicentenario in Herkulaneum

Die Casa del Bicentenario im antiken Herkulaneum trägt diesen Namen da sie unter Amedeo Maiuri im Jahre 1938 exakt 200 Jahre nach den ersten offiziellen Ausgrabungen durch die Borbonen ans Licht gebracht wurde.

Die Struktur der Casa del Bicentenario

Die Struktur der Casa del Bicentenario stammt aus der julisch-claudischen Zeit und wurde wohl nach dem Erdbeben 62 n. Chr erneuert. Neben neuen Fresken wurde die obere Etage in kleine Wohnungen unterteilt und anscheinend untervermietet. Insgesamt hatte das Haus eine Grundfläche von ca. 600 Quadratmetern und wurde fast komplett in Opus Reticulatum aus gelbem Tufstein errichtet. Der Haupteingang befand sich direkt am Decumanus Maximus der antiken Stadt Herkulaneum und daher überrascht es nicht, das die Inneneinrichtung sehr aufwendig und elegant war. Der Eingangsflur besteht aus einem aufwendigen Mosaikfussboden, der auch in weiteren Teilen des Hauses zu sehen ist.

Die Fresken mit mythologischen Darstellungen und bacchischen Figuren

Das Atrium

Das Atrium der Casa del Bicentenario hat mit einer Höhe von 5.50 Metern eine spürbar niedrigere Höhe als anderen Atrien im antiken Herkulaneum. In der Mitte ist ein von einem eleganten Mosaikfussboden umgebenen Marmorimpluvium zu sehen. Die Freskendekoration ist typisch für den vierten Stil mit architektonischen Elementen und Tieren sowie der Verwendung von weissem Fries. Das Atrium bietet Zugang zu vier Schlafzimmern (cubiculae), wobei bei einem noch Reste eines erhaltenen Klapptür eines Holzgitters zu erkennen sind, das wohl die unter einem Architrav einer Kassettendecke die (nicht erhaltenen) Bilder der Vorahnen geschützt haben soll, sowie ein zur Strasse gerichtetes Geschäft, ein Triklinium (Essraum) und dem Tablinum des Hauses.

Die elegante Blumendekoration der Fresken erinnern auch an die augusteische Zeit

Das Tablinum

Das Tablinum der Casa del Bicentenario kann erst über zwei Seitenflügel (alae) erreicht werden und besitzt einen sehr eleganten Fussboden aus weissen Mosaiken mit schwarzem Rahmen und einem von eleganten schwarz-weissen geometrischen Motiven umrundeten zentralen Bereich aus Opus Sectile. Auf den Wänden wurden Fresken im Vierten Stil mit mythologischen Szenen angebracht, die von roten Rahmen und Amoretten umrundet werden. Von den Szenen sind Pasifae und Dedalus sowie Mars und Venus bis heute erhalten geblieben. Eine Untersuchung hat ergeben, das die Bilder bereits vor dem Ausbruch restauriert wurden und mit Ockergelb angereichert wurden, das letztendlich durch eine chemische Reaktion durch die heissen in den heutigen rötlichen Farbton umgewandelt wurden.

Der elegante Opus Sectile Fussboden des Tablinums

Die obere untervermietete Etage

Vom Atrium aus führt eine Treppe in die obere Etage der Casa del Bicentenario. In einem Raum wurden hier zwei Einkerbungen gefunden, von der eine vertikal und die andere horizontal verläuft. Für die meisten Archäologen ist es die Halterung einer Tafel, die Amedeo Maiuri damals als ein eventuelles Kruzifix mit einer Bank zum Beten gehalten hatte. In einem anderem Raum wurden Wachstafeln ausgegraben, auf denen der 75 n. Christus Begonnene und noch nicht vollendete Prozess von einer Hausherrin gegen eine Freigelassene beschrieben wird. Auf diesen Tafeln ist auch von jenem L. Cominius Primus die Rede, der im Prozess vielleicht als Richter involviert war und für manche zum Hausherren der Casa del Bicentenario gehalten wird. Von der Strasse aus führt eine Treppe zu einem nach dem Erdbeben 62 n. Christus eingerichtete Wohnung, die von dem etruskischen Freigelassenen M. Helvius Eros bewohnt wurde. Neben einem Lararium mit einem Füllhorn und Schlangen wurde nämlich auch der Siegel aus Bronze seiner Freilassung gefunden.

Das Foto eines scheinbar christlichen Symbols, doch wohl nur eine Halterung an der Wand

Der Garten

Das Peristilium ist sowohl von Atrium über einen Flur als auch von Tablinum und Triclinium erreichbar gewesen. Der zentrale Garten hat zwei Säulengänge und bietet einen Zugang zu zwischen Oecus und die Küche des Hauses. Der Garten wurde nach einer aufmerksamen Untersuchung der verbrannten Pflanzen durch die Archäobotaniker so wieder hergestellt, wie er damals wohl ausgesehen hat. Vor dem Ausbruch hat das Haus einige Veränderungen erlebt, wie das umwandeln von Wohnraum in Geschäfte und das Isolieren der ersten Etage, um aus ihr eine Mietwohnung zu gestalten.

Der Rosengarten wird nach dem antiken Original wieder angelegt

Weitere Informationen

Fragen Sie bei mir eine individuelle Führung mit Informationen zu den Besonderheiten des antiken Herkulaneums an und kontaktieren Sie mich an meine Mail info@napolitrip.com. Allgemeine Informationen zu den Tickets und den Ausgrabungen von Herkulaneum finden sie hier.

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Das Sacellum der Augustalen von Herkulaneum

Das Sacellum der Augustalen von Herkulaneum befindet sich am am nordwestlichen Ende der Insula VI an der Kreuzung zum Decumanus Maximus der antiken Stadt. Das Gebäude des Sacellums ist rechteckig ausgelegt und hat neben einem Haupteingang über einen Flur zum Decumanus Maximus an dem noch verkohlte Holzreste zu sehen sind noch einen Seiteneingang aus grossen Pipernsteinblöcken am III. Cardo. Die Aussenfassade vom Sacellum der Augustalen war ursprünglich in Gips und weisser Farbe besetzt, von denen bis heute noch einige Reste zu erkennen sind.

Der Augustalenkult

Mit dem Übergang von der Republik zur Kaiserzeit verbreitet sich auch der Kult des ersten Imperators nach der orientalischen Tradition, in der die Vergötterung einer lebendigen Person im Vergleich zur römischen Tradition bereits vorhanden war. Für einen Liberto (freigelassenen Sklaven) war die Position des Augustalen die einzige erlaubte Möglichkeit, über ein öffentliches Amt in eine höhere soziale Position zu kommen. Der Sacellum der Augustalen wurde noch während der Lebenszeit des Augustus errichtet. Auf der Marmortafel ist eine Widmung an Augustus durch zwei freigelassene Brüder zu lesen.

Die restaurierte Marmortafel mit der Widmung an Augustus

Die Innenstruktur

Die Innenstruktur des Sacellum der Augustalen besteht aus einem grossen Saal, der durch vier tuskanische Säulen in drei Bereich geteilt wird. Die Säulen basieren auf einer schmalen Pipernsteingründung und enden mit einem mit Stuck besetzten Echinus und Abakus aus Pipernstein und hatten wohl auch die Funktion einen zentralen Leuchter zu halten. Eine von massiven Holzbalken getragene (die massiven verkohlten Balken sind heute noch zu sehen) und mit einer Schicht von Ziegelsteinen im Fischgrätenstil besetzten Decke bedeckt das Sacellum der Augustalen und formt eine Terrasse mit einem Fussboden aus Estrichmörtel. Der obere Bereich war wahrscheinlich über eine externe Treppe erreichbar, die heute nicht mehr erhalten ist. Erst später wurde der ab den beiden hinteren Säulen bis zur Wand gehende und über zwei Stufen zu erreichende leicht erhöhte sakrale Bereich des Sacellums hinzugefügt. Die beiden Nebenzimmer wurde wohl zur gleichen Zeit eingerichtet, im linken Bereich ist noch die erhaltene Trennwand aus Opus craticium des Dienstzimmers mit einem Bett gefunden, auf dem einer der wenigen Verstorbenen innerhalb der Stadt gefunden wurde.

Im zentrum der Sacellums ist der elegante sakrale Bereich zu sehen

Der sakrale Bereich

Das Sacellum wurde sicher während der letzten Jahrzehnte vor dem Ausbruch erneuert, da der Innenbereich komplett mit Fresken im sogenannten vierten Stil und mit einem eleganten Fussboden in Opus Sectile eingerichtet wurde. Das zentrale Bild ist unter von Säulen gehaltenen Architraven mit Freksen mit geometrischen Motiven, Blumenghirlanden und goldenen Decken eingesetzt. Die Seitenwände sind mit tragischen Masken und kleinen Miniaturbildern im unteren Bereich und Darstellungen von Fenstern mit geflügelten Viktorien im oberen Bereich sowie architektonischen Elementen im mittleren Bereich dekoriert. Auf der rechten Seitenwand ist ein Bild mit Herkules und Acheloo, Erführer seiner geliebten Deianira auf der linken Seitenwand ist Herkules mit der römischen Trias Juno, Minerva und Jupiter (als Regenbogen) zu sehen. Der elegante Fussboden aus Opus Sectile mit geometrischen Motiven sowie die Marmordekoration der unteren Seitenwände mit verschiedenen Marmorsorten, unter ihnen einige aus Afrika, geben uns eine etwaige Vorstellung über die ursprüngliche Eleganz des Sacellum der Augustalen von Herkulaneum. An der Rückwand des zentralen Innenbereichs war wahrscheinlich eine Skulptur eingesetzt. Das Fresko einer Krone aus Eichenblättern an der zentralen Wand lässt an ein Bild des Augustus (ähnlich wie im Palatin in Rom) erahnen, da ihm bei seiner Divinifizierung das Recht auf die Krone gegeben wurde.

Die aufwendige Dekoration im IV. Stil mit Herkules vor der Trias

Besonderheiten des Sacellum der Augustalen

Auf einer der Säulen am Eingangsbereich wurden zudem die Namen drei Personen eingeritzt, die vielleicht Kandidaten auf das Amt der Augustalen gewesen sein konnten. Innerhalb des Sacellums der Augustalen wurden einige bedeutende Skulpturen gefunden, die wohl der politischen Propaganda dienten. Neben den Skulpturen des Augustus, Claudius und Titus wurden weitere aus der Familie des Marcus Nunius Balbus wie dessen Mutter, Vater und Ehefrau gefunden. Ausserdem wurde ein runder Holztisch mit der Darstellung von Windhunden als Tischbeine, ein Trinkgefäss, eine Muschel und ein Fritillus (Würfelturm) ausgegraben.

Im Sacellum der Augustalen konnten die massiven Holzbalken konserviert werden

Weitere Informationen

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