Kategorien
Uncategorized

Der Männerbereich der Forumsthermen von Herkulaneum

Die zentralen oder Forumsthermen von Herkulaneum

Die Forumsthermen von Herkulaneum haben ihren Namen wegen ihrer unmittelbaren Nähe zum Forum. Es ist nicht genau erwiesen wann diese gegründet wurden, es wird aber eingeschätzt das sie zum Anfang des 1. Jahrhunderts n. Chr mit Beihilfe von öffentllichen Geldern errichet wurde und vorher existierende Bauten ihr weichen mussten. Die Thermen wurden von dem Erdbeben 62 n. Chr beschädigt und bei der Erneuerung vor dem Vesuvausbruch mit neuen Fresken bedacht.

Der Männerbereich

Der Männerbereich der Forumsthermen von Herkulaneum kann über den Cardo III besichtigt werden. Ein enger Flur führt auf die Palestra (Sportplatz), der auf Ziegelsäulen und Pfeiler in Opera Mista basiert, die beide mit schwarz-weissem Stuck besetzt wurden. Die beiden Flurwände waren urpsrünglich im vierten Stil dekoriert. Vom Sportplatz führen zwei Türen jeweils in eine Latrine und in den Umkleideraum (Apodyterium). In der mit einem Fussboden in Opus Spicatum versehenen Latrine ist noch der Abflusskanal zu erkennen, aus dem das Wasser des Frigidariums (Kaltwasserbecken) ablief. Neben der Latrine befindet sich ein weiteres kleines Zimmer mit einem Fenster, in dem sich vielleicht der Wächter aufhalten konnte.

Der Umkleideraum der Männerthermen

Der Umkleideraum (Apodyterium) vom Männerbereich der Forumsthermen von Herkulaneum wurde durch ein rechteckiges Fenster von der südlichen Seite aus beleuchtet und ist sechs Meter breit und 12 Meter lang. Die Decke besteht aus einem Tonnengewölbe und der Fussboden ist mit verschiedenen Marmorsorten (Ardesia-, weisser und Cipollinomarmor) besetzt. Der Marmor der Wände wurden von den borbonischen Ausgrabungen entnommen, heute sind noch die rot-weissen Freskendekorationen erkennbar. Am Ende des Umkleideraums befindet ein weiterer Raum mit einem Labrum und den Resten eines Beckens, das ursprünglich mit Marmor verkleidet war und wohl zur Purifizierung des Körpers diente. In diesem Raum wurden 1932 vier Skelette mit goldenem Schmuck entdeckt, von denen einer auf der linken Seite des Körpers verkohlt aufgefunden wurde.

Der Fussboden des Umkleideraums mischt verschiedene Marmorsorten und in der Decke sind die Kannellierungen durch die Ausmassen des Raumes besonder gut sichtbar
Das Frigidarium

Auf der linken Seite des Umkleideraums führt eine Tür ins rechteckige Kaltwasserbecken (Frigidarium), dessen Wände bei der Renovierung vor dem Ausbruch mit roten Fresken mit Kerzenständern, Vasen und Szenen von Sportveranstaltungen versehen wurde und durch eine Öffnung in der Kuppeldecke beleuchtet werden konnten. Die Kuppeldecke des Frigidariums wurde elegant in Grau und Hellblau mit Meerestieren dekoriert. Einige Stufen führen in das Frischwasserbecken, das nur ein Meter tief war und einen Umfang von 4 Metern hatte. Dieses war grün und blau dekoriert und die Öffnungen für die Wasserzufuhr und den Abfluss innerhalb des Beckens sind heute noch gut erkennbar.

Das Farbintensive Frigidarium war elegant aber spielerisch eingerichtet
Das Tepidarium

Das Tepidarium (der lauwarme Bereich der Thermen) vom Männerbereich der Forumsthermen von Herkulaneum hat ebenfalls die grosszügigen Ausmassen von 12×6 Metern des Umkleideraums und wurde durch eine Fensteröffnung erhellt. Die Sitze und Ablageflächen für die Kleidung sind noch sichtbar, während die schönsten erhaltenen dekorativen Elemente mit rotem Stuck und einer Linie mit Palmen und verschiedenen Blättern am unteren Gewölbe zu erkennen sind. Auf dem in das Hypokaustum (Fussbodenheizung) eingebrochenen Fussboden ist ein von vier Delfinen umgebener Triton zu erkennen, der in seinen Händen eine Schiffssteuer und einen Fruchtkorb hält.

Das Triton Mosaik des Tepidariums, teilweise wegen der Gewichts der vesuvianischen Materialien eingebrochen
Das Calidarium

Der Fussboden am Zugang des Calidariums (die römische Dampfsauna) wurde durch die Darstellung eines Rings mit zwei Strigila (Schabeisen) und einem Aryballos (Vase für Salben) verschönert. Die Decke ist leider grösstenteils eingebrochen, der weite Fensterbereich konnte sich hingegem gut erhalten. Im südlichen Teil ist eine Art Absis zu sehen, in der Stuckdekorationen und ein Podium für das Labrum (von den borbonischen Ausgrabungen entnommen) erkennbar sind. Auf der nördlichen Seite wurde das grosse Becken für warme Bäder aus weissem Marmor mit Stufen eingesetzt. Die mit gelben und roten Fresken dekorierten Wände waren ebenfalls am unterem Rand mit weissem Marmor besetzt, der bei den borbonischen Ausgrabungen entfernt wurde. Der schwarz-weisse Mosaikfussboden drückt eine einfache und klassische Eleganz aus. Die weisse Platte aus Luni-Marmor an der östlichen Wand wurde möglicherweise von den pyroklastischen Strömen des Vesuvs vom Forum entrissen und daraufhin fälschlicherweise hier angebracht.

Das Podest des Calidariums der Thermen von Herkulaneum, bei dem ein Wasserbecken (Labrum) durch ein kleines Fenster beleuchtet wurde.
Der Ofen und der Brunnen

Ein Flur führt vom Umkleideraum in den Funktionsbereich mit dem Ofen und einem Brunnen, der eventuell bei Ausfällen des Aquädukts verwendet wurde. Der Brunnen aus Opus Incertum ist zwei Meter breit und 13 Meter tief. Das Wasser konnte entweder manuell oder über einen Mechanismus mit Bronzekissen und eine Antilia (Luftpumpe) über Eimer entnommen werden. Der Ofen heizte insgesamt drei Heizkessel und wurde leider ohne jegliche Instrumente gefunden, die wohl ebenfalls von den Borbonen entnommen wurden. Die Öffnungen sind aus Tufstein und konnten durch die bei den Ausgrabungen gut erhaltenen Turflügel aus Eisen geschlossen werden. Dieser Raum war interessanterweise ebenfalls dekoriert und es sind noch gelbschwarze Linien erkennbar, die rechteckige Freskenbereiche eingegrenzt hatten.

Fragen Sie bei mir eine individuelle Führung mit Informationen zu den Besonderheiten des antiken Herkulaneums an und kontaktieren Sie mich an meine Mail info@napolitrip.com. Allgemeine Informationen zu den Tickets und den Ausgrabungen von Herkulaneum finden sie hier.

Kategorien
Uncategorized

Das Sacellum der Augustalen von Herkulaneum

Das Sacellum der Augustalen von Herkulaneum befindet sich am am nordwestlichen Ende der Insula VI an der Kreuzung zum Decumanus Maximus der antiken Stadt. Das Gebäude des Sacellums ist rechteckig ausgelegt und hat neben einem Haupteingang über einen Flur zum Decumanus Maximus an dem noch verkohlte Holzreste zu sehen sind noch einen Seiteneingang aus grossen Pipernsteinblöcken am III. Cardo. Die Aussenfassade vom Sacellum der Augustalen war ursprünglich in Gips und weisser Farbe besetzt, von denen bis heute noch einige Reste zu erkennen sind.

Der Augustalenkult

Mit dem Übergang von der Republik zur Kaiserzeit verbreitet sich auch der Kult des ersten Imperators nach der orientalischen Tradition, in der die Vergötterung einer lebendigen Person im Vergleich zur römischen Tradition bereits vorhanden war. Für einen Liberto (freigelassenen Sklaven) war die Position des Augustalen die einzige erlaubte Möglichkeit, über ein öffentliches Amt in eine höhere soziale Position zu kommen. Der Sacellum der Augustalen wurde noch während der Lebenszeit des Augustus errichtet. Auf der Marmortafel ist eine Widmung an Augustus durch zwei freigelassene Brüder zu lesen.

Die restaurierte Marmortafel mit der Widmung an Augustus

Die Innenstruktur

Die Innenstruktur des Sacellum der Augustalen besteht aus einem grossen Saal, der durch vier tuskanische Säulen in drei Bereich geteilt wird. Die Säulen basieren auf einer schmalen Pipernsteingründung und enden mit einem mit Stuck besetzten Echinus und Abakus aus Pipernstein und hatten wohl auch die Funktion einen zentralen Leuchter zu halten. Eine von massiven Holzbalken getragene (die massiven verkohlten Balken sind heute noch zu sehen) und mit einer Schicht von Ziegelsteinen im Fischgrätenstil besetzten Decke bedeckt das Sacellum der Augustalen und formt eine Terrasse mit einem Fussboden aus Estrichmörtel. Der obere Bereich war wahrscheinlich über eine externe Treppe erreichbar, die heute nicht mehr erhalten ist. Erst später wurde der ab den beiden hinteren Säulen bis zur Wand gehende und über zwei Stufen zu erreichende leicht erhöhte sakrale Bereich des Sacellums hinzugefügt. Die beiden Nebenzimmer wurde wohl zur gleichen Zeit eingerichtet, im linken Bereich ist noch die erhaltene Trennwand aus Opus craticium des Dienstzimmers mit einem Bett gefunden, auf dem einer der wenigen Verstorbenen innerhalb der Stadt gefunden wurde.

Im zentrum der Sacellums ist der elegante sakrale Bereich zu sehen

Der sakrale Bereich

Das Sacellum wurde sicher während der letzten Jahrzehnte vor dem Ausbruch erneuert, da der Innenbereich komplett mit Fresken im sogenannten vierten Stil und mit einem eleganten Fussboden in Opus Sectile eingerichtet wurde. Das zentrale Bild ist unter von Säulen gehaltenen Architraven mit Freksen mit geometrischen Motiven, Blumenghirlanden und goldenen Decken eingesetzt. Die Seitenwände sind mit tragischen Masken und kleinen Miniaturbildern im unteren Bereich und Darstellungen von Fenstern mit geflügelten Viktorien im oberen Bereich sowie architektonischen Elementen im mittleren Bereich dekoriert. Auf der rechten Seitenwand ist ein Bild mit Herkules und Acheloo, Erführer seiner geliebten Deianira auf der linken Seitenwand ist Herkules mit der römischen Trias Juno, Minerva und Jupiter (als Regenbogen) zu sehen. Der elegante Fussboden aus Opus Sectile mit geometrischen Motiven sowie die Marmordekoration der unteren Seitenwände mit verschiedenen Marmorsorten, unter ihnen einige aus Afrika, geben uns eine etwaige Vorstellung über die ursprüngliche Eleganz des Sacellum der Augustalen von Herkulaneum. An der Rückwand des zentralen Innenbereichs war wahrscheinlich eine Skulptur eingesetzt. Das Fresko einer Krone aus Eichenblättern an der zentralen Wand lässt an ein Bild des Augustus (ähnlich wie im Palatin in Rom) erahnen, da ihm bei seiner Divinifizierung das Recht auf die Krone gegeben wurde.

Die aufwendige Dekoration im IV. Stil mit Herkules vor der Trias

Besonderheiten des Sacellum der Augustalen

Auf einer der Säulen am Eingangsbereich wurden zudem die Namen drei Personen eingeritzt, die vielleicht Kandidaten auf das Amt der Augustalen gewesen sein konnten. Innerhalb des Sacellums der Augustalen wurden einige bedeutende Skulpturen gefunden, die wohl der politischen Propaganda dienten. Neben den Skulpturen des Augustus, Claudius und Titus wurden weitere aus der Familie des Marcus Nunius Balbus wie dessen Mutter, Vater und Ehefrau gefunden. Ausserdem wurde ein runder Holztisch mit der Darstellung von Windhunden als Tischbeine, ein Trinkgefäss, eine Muschel und ein Fritillus (Würfelturm) ausgegraben.

Im Sacellum der Augustalen konnten die massiven Holzbalken konserviert werden

Weitere Informationen

Fragen Sie bei mir eine individuelle Führung mit Informationen zu den Besonderheiten des antiken Herkulaneums an und kontaktieren Sie mich an meine Mail info@napolitrip.com. Allgemeine Informationen zu den Tickets und den Ausgrabungen von Herkulaneum finden sie hier.

Kategorien
Uncategorized

Die Casa dei Cervi in Herkulaneum

Die Casa dei Cervi von Herkulaneum wurde wahrscheinlich innerhalb der Zeit des Claudius errichtet und gehörte wohl Q. Granius Verus, ehemaliger Duovir und Decurio der Stadt bis 61 n. Chr. Der Hinweis stammt von einem intakten verkohlten Brot mit dem Aufdruck “Celer, Sklave des Q. Granius Verus“ in Verbindung mit der auf dem Decumanus Maximus gefundenen Liste der Augustalen, auf dem jener Celer aufgeführt wurde. In der Casa dei Cervi von Herkulaneum wurde bereits in der borbonischen Zeit gegraben und bei viele Fresken in den Königspalast von Portici gebracht (heute im Archäologischen Museum von Neapel). Freigelegt wurde die Casa dei Cervi schliesslich unter der Direktion des Amedeo Maiuri zum Anfang des 20. Jahrhunderts.

Der Eingangsbereich

Der Eingang zur Casa dei Cervi liegt auf dem Cardo V direkt am Zugang zum Hafen und misst eine beeindruckende Fläche von ca. 1090 Quadratmetern. Der kleine Eingangsflur führt in ein mit architektonischen Elementen im vierten Stil dekorierten Atrium, das in diesem Fall kein Impluvium hat und als Zugang zu den anderen Räumen seine Funktion als zentralen Lebensraum verliert. Das Atrium fungiert also als Zugangsraum zum Triklinium, zwei Cubiculae sowie den oberen Bereich durch eine Treppe am Eingangssflur des Hauses.

Das Mosaik im Eingangsbereich der Casa dei Cervi

Das Triklinium

Das Triklinium ist mit schwarzen Flächen mit roten Rahmen und einem Fries mit architektonischen Elementen dekoriert, während der Fussboden in Opus Sectile mit buntem Marmor mit einer Vielzahl von geometrischen Figuren als einer der elegantesten der gesamten vesuvianischen Ausgrabungen gilt. Laut Maiuri erscheint der Fussboden wegen der Verwendung einer Vielzahl von Motiven und Marmorsorten nicht als wirklicher geometrischer Stil. Neben dem Triklinium befinden sich weitere aus den Cryptoportikus gerichtete Zimmer mit ähnlich eleganten Fussböden, die mit der Darstellung von Säulen und Architekturformen dekoriert sind. Neben und hinter dem Triklinium befindet sich ein elegantes Cubiculum, ein Oecus mit ähnlich reichen Fussböden in Opus Sectile als auc, Lagerräume, eine Latrine und die Küche des Hauses.

Eines der im Haus gebliebenen Fresken des Stilllebens

Der Cryptoportikus und der Garten

Der Cryptoportikus ist der Dreh und Angelpunkt der Casa dei Cervi und wurde besonders aufwendig und kostspielig eingerichtet. Der Fussboden besteht aus schwarzen und weissen kleinen Mosaiken und an den Gängen hingen ursprünglich 60 Fresken mit Szenen von Putten, Stillleben und architektonischen Elementen. Die meisten von ihnen sind wegen ihrer Schönheit heute im Archäologischen Museum von Neapel ausgestellt. Einige Fenster öffnen sich auf den Garten des Hauses um den Cryptoportikus zu beleuchten. Laut Maiuri könnte der Cryptoportikus die ehemalige Struktur eines Peristils mit der Verwendung von geschlossenen Fluren statt eines offenen Säulengangs übernehmen, Im Garten wurden runde Tische und verschiedene Skuplturen entdeckt, unter anderem die ausgestellten Kopien des betrunkenen Herkules, dem Satyr mit einem Weinsack und den von Hunden angegriffenen Rehen. Über dem zentralen Zugang vom Garten zum Cryptoportikus ist ein Portal mit Glasmosaiken und Muscheln zu sehen, die einen Oceanus, Putten und Meerestiere abbilden. Laut Maiuri müsste die Einrichtung des Oecus bzw. panoramischen Sommertrikliniums vor den bourbonischen Ausgrabungen ursprünglich aufwendiger gewesen sein als wir sie heute sehen.

Eine Kopie des Herkules im Garten der Casa dei Cervi

Das Tablinum

Der Garten führt in das Tablinum des Hauses, das leider fast komplett die Wanddekorationen verloren hat. Das Tablinum befindet sich direkt über der Stadtmauer Herkulaneums unter einem Pavillon auf in weiss und rot dekorierten Pfeilern und bot ein Panorama über den Golf von Neapel. Neben dem Tablinum befanden sich zwei rechteckige Gärten und zwei elegante Diaetae (eines mit einem Fussboden in opus sectile), von denen ein Fenster auf das Meer und eines in den Garten gerichtet war. Laut Jashemski waren die Marmorstatuen des kleinen Eros, die heute an die Skulptur des Nonius Balbus am Hafen angebracht wurden, wohl ursprünglich Teil der Dekoration einer dieser beiden Gärten und vom Vesuvausbruch in den Hafen geworfen worden. Der letzte Teil der Terrasse war unbedeckt und wurde als Solarium verwendet um mit einer frischen Meeresluft spazieren zu können.

Das panoramisch an der Stadtmauer gelegene Tablinum von Herkulaneum

Weitere Besonderheiten

Neben einigen Alltagsgegenständen wie dem angesprochenen verkohlten Brot, Lampen, Glassbehältern, kleinen Skulpturen, Gewichten, Parfumflakons, Rufglöckchen, eine Halskette oder Würfeln wurde hier interessanterweise eine Badewanne aus Bronze gefunden, die als selten gilt da die römische Kultur normalerweise Öffentliche Bäder bevorzugte. Laut Pagano und Prisciandaro stammt ein wunderschönes Basrelief einer dionysischen Prozession mit drei Figuren ebenfalls aus der Casa dei Cervi.

Fragen Sie bei mir eine individuelle Führung mit Informationen zu den Besonderheiten des antiken Herkulaneums an und kontaktieren Sie mich an meine Mail info@napolitrip.com. Allgemeine Informationen zu den Tickets und den Ausgrabungen von Herkulaneum finden sie hier.