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Neapel und Kampanien in der Literatur

Sprovieri und Gorki über Capri

Beim Hinausgehen sprachen wir über dies und jenes. Ich fragte ihn (Maxim Gorki), in welchem Verhältnis er zu Lenin stünde.

Meine Beziehung zu Vladimir Ulianov sind uralt, sagte er zu mir, sie gehen noch auf den antizaristischen Kampf zurück. Und lächelnd fügte er hinzu: Beide waren wir Futuristen! – Womit er meinte, daß sie beide für die Zukunft Rußlands gekämpft hatten.

Doch auf Capri hätte ihn Lenin böse getadelt. Wie denn, fragte ich. Er hat zu mir gesagt: Capri macht alles vergessen!

Wenn ich eines Tages die Insel verlassen werde, um nach Rußland zurückzukehren, dann sicher wegen dieses Satzes von Vladimir Ulianov und dem schlechten Gewissen, daß er mir eingeimpft hatte.

Giuseppe Sprovieri, 1906
Maxim Gorki, heute auf Capri begraben

Giuseppe Sprovieri war ein italienischer Futurist, der durch seine Galleria Futurista in Rom zu Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt wurde und in Kontakt mit den vielen wichtigen Persönlichkeiten der Zeit stand. Der letztendlich doch in Capri verstorbene Maxim Gorki vertraut Sprovieri in einem Gespräch sein ihm von Lenin eingeredete schlechte Gewissen ein, da laut Lenin der Einfluß der Insel Capri wohl den Geist oder die Seele zu verführen scheint und somit die politischen Ziele in den Hintergrund gestellt werden.

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.

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