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Neapel und Kampanien in der Literatur

Turgenews Entrüstung über eine verfehlte Besichtigung von Capri

Von deinem gerade angekommenen Brief erfahre ich, daß du etwa einen Monat in Neapel verbracht hast, die Ausgrabungen von Pompeji besichtigt hast, aber nicht ausreichend Zeit gefunden hast um Capri zu besichtigen. Und schämst du dich nicht?… Neapel ist schön, Pompeji ist sehr interessant, besonders für dich, da du dich so stark mit der Geschichte verbunden fühlst. Aber die Insel Capri ist ein Wunder! Und nicht weil sie die traumhafte blaue Grotte hat, sondern weil diese gesamte verwünschte Insel ein wahrer Tempel der Göttin Natur ist, eine Verkörperung der Schönheit. Ich war drei mal auf Capri, über lange Zeiträume, und ich sage dir: die Eindrücke werden mich bis in den Tod verfolgen. Warum hast du nicht die Möglichkeit genutzt diese Insel zu besichtigen? Ich verstehe es nicht! Siehst du, so seid ihr Russen; im Grade auch vor Venus gleichgültig entlangzulaufen, falls Venus sich in einer modernen Tracht präsentieren sollte. Doch solltest du wissen, daß die neue Generation der russischen Intellektuellen bald Capri zu ihrem neuen Wallfahrtsort ausküren werden, und, wer weiß, vielleicht werden wir dort mal eine große russische Kolonie aus Malern, Schriftstellern, etc. vorfinden.

Iwan Sergejewitsch Turgenew, 1871

Das blaue Wasser und die steilen Felsen von Capri

Iwan Sergejewitsch Turgenew (geb 1818 in Orjol, gest. 1883 in Bougival bei Paris) war ein russischer Schriftsteller. Ab 1855 lebte Turgenew mit nur kurzen Unterbrechungen im Ausland, besonders in Deutschland und Frankreich, aber auch in Italien und am Golf von Neapel, von wo aus er viel über sein Heimatland Rußland und andere Werke schrieb.

Turgenews Entrüstung über eine verfehlte Besichtigung von Capri an seinen russischen Freund Danilewski (ein Verfasser von historischen Romanen) ist enorm. Allerdings ist weiterhin die Anziehungskraft der Orte am Golf von Neapel komplett unterschiedlich. So bevorzugen manche Besucher eher die historischen Ausgrabungsstätten am Vesuv wie Pompeji, andere das faszinierende und lebendige Stadtleben Neapels, manche eher die Insel Ischia als Kurort zum einfachen entspannen. Die Insel Capri ist sicher eine Kraft der Natur und die steil herausragenden Kalkfelsen, Farbspiele und das Panorama in den Golf von Neapel geben ein beeindruckendes Naturschauspiel ab. Tatsächlich wird Capri in den kommenden Jahrzehnten nach dem Brief Turgenews viele Intellektuelle, Künstler und Schriftsteller anziehen, bis aus der Insel ab den 50er Jahren ein Treffpunkt für Prominente wird. Ein schöner Text über Capri und den Effekt, den sie auf Turgenew ausüben konnte.

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.

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Neapel und Kampanien in der Literatur

Sprovieri und Gorki über Capri

Beim Hinausgehen sprachen wir über dies und jenes. Ich fragte ihn (Maxim Gorki), in welchem Verhältnis er zu Lenin stünde.

Meine Beziehung zu Vladimir Ulianov sind uralt, sagte er zu mir, sie gehen noch auf den antizaristischen Kampf zurück. Und lächelnd fügte er hinzu: Beide waren wir Futuristen! – Womit er meinte, daß sie beide für die Zukunft Rußlands gekämpft hatten.

Doch auf Capri hätte ihn Lenin böse getadelt. Wie denn, fragte ich. Er hat zu mir gesagt: Capri macht alles vergessen!

Wenn ich eines Tages die Insel verlassen werde, um nach Rußland zurückzukehren, dann sicher wegen dieses Satzes von Vladimir Ulianov und dem schlechten Gewissen, daß er mir eingeimpft hatte.

Giuseppe Sprovieri, 1906
Maxim Gorki, heute auf Capri begraben

Giuseppe Sprovieri war ein italienischer Futurist, der durch seine Galleria Futurista in Rom zu Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt wurde und in Kontakt mit den vielen wichtigen Persönlichkeiten der Zeit stand. Der letztendlich doch in Capri verstorbene Maxim Gorki vertraut Sprovieri in einem Gespräch sein ihm von Lenin eingeredete schlechte Gewissen ein, da laut Lenin der Einfluß der Insel Capri wohl den Geist oder die Seele zu verführen scheint und somit die politischen Ziele in den Hintergrund gestellt werden.

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.

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Gastronomie in Kampanien

Die Weine aus Capri

Capri hätte grundsätzlich eine ganz außerordentliche Berufung zur Weinerzeugung. Leider wurde die Insel jedoch durch die übermässige Zerstückelung landwirtschaftlicher Gründe erheblich geprägt. Aufgrund Initiativen, die mit der Tourismusentwicklung in Verbindung stehen, musste sie in der Vergangenheit ausserdem die Abholzung vieler Weingelände und die mangelnde Stärkung der autochthonen Klonen in Kauf nehmen. Doch der mittlerweile jahrzehntelange überdauernde Turismus in Capri hat dem lokalen Wein andererseits auch in der Welt berühmt gemacht.

Geschützt seit 1977

Die von den Weinbauern an den Tag gelegte Anstrengung, ihre Weinberge auf den steil über dem Meer liegenden sonnigen Hochebenen, oft zusammen mit anderen Garten- oder Baumpflanzungen, zu pflegen, aber auch die Mühe der Weinerzeugungsbetriebe, die ihre Trauben für die Weinherstellung peinlich genau aussortieren, erlauben es heute noch, einen Wein zu produzieren, der ein würdiger Erbe des Weines ist, der vor zweitausend Jahren von Kaiser Tiberius schon geschätzt wurde und dem 1977 das Prädikat für kontrollierten Ursprung (DOC) verliehen wurde.

Weinernte der Cantina Scala Fenicia auf Capri
Der Rotwein aus Capri

Der Capri rosso DOC wird in Capri und Anacapri erzeugt und besteht aus mindestens 80% “Piedirosso” und der Rebsorte “Barbera” oder “Tintore”. Meist wird er ein Jahr in Eichenfässern gelagert: er hat eine ziemlich intensive rubinrote Farbe, ein angenehm duftbetontes Bukett und sein Geschmack ist trocken und würzig, hat aber auch einen charakteristischen bitteren Einschlag. Sein Gesamtalkoholgehalt darf nicht unter 11,5% liegen. Er ist ganz gut lagerfähig und wird bei Zimmertemperatur vorwiegend zu gekochten oder gegrillten Fleischgerichten oder würzigen Käsesorten serviert.

Der Weisswein aus Capri

Auch der Capri bianco DOC wird auf dem Gebiet der beiden capresischen Gemeinden erzeugt und aus den Trauben der Rebsorten “Greco” (50%), “Falanghina” (30%) und “Biancolella” oder “Santo Nicola” (20%) hergestellt. Er ist feurig strohfarben mit goldenen Refexen, hat ein charakteristisches und angenehmes Bukett und einen trockenen und frischen Geschmack, der vom leicht säuerlichen Einschlag stammt. Sein Alkoholgehalt liegt nie unter 11% und er wird ausschliesslich jung getrunken. Man serviert ihn mit einer Temperatur von 8-10 Grad als Aperitif oder zu leichten Vorspeisen aus Meeresfrüchten oder anderen Fischgerichten, die sein leichtes und delikates Bukett nicht überdecken. Gerne wird er auf Capri in den heissen Monaten auch zum Caprese-Salat, der Verbindung von Mozzarella und der lokalen sorrentiner Tomate, getrunken.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien