Informationen über den Vesuv sowie den bis heute dicht besiedelten Orten am Hang des explosiven Vulkans und ihren Ausgrabungen.

Nekropole von Pompeji mit Vesuv
Die Nekropole von Pompeji mit dem Vesuv im Hintergrund

Der Vesuv

Im Osten von Neapel erhebt sich der Vesuv, auch vulkanischer Komplex Somma-Vesuv genannt, der mit seinen beiden Spitzen dem Golf von Neapel seinen unverwechselbaren Aspekt gibt. Obwohl der Vesuv weit nicht zu den grössten Vulkanen gehört, ist er wohl seit einigen Jahrhunderten der am meist besuchteste und studierteste der Erde.
Wegen seiner zentralen Lage am Golf von Neapel zwischen Neapel, der sorrentiner Halbinsel und der Amalfiküste und der unmittelbaren Nähe zu den Ausgrabungen bietet sich das vesuvianische Gebiet auch als idealer Ausgangspunkt fuer Ausflüge am Golf von Neapel an. Lesen Sie hier meine Tipps wo man am besten am vesuvianischen Gebiet übernachten kann.

Neapel, Stadt am Meer und am Vulkan Vesuv

Ein explosiver Vulkan

In der Antike hatte der Vesuv längst nicht die Berühmtheit des Etnas und war eher wegen der Qualität des dort angebauten Weines bekannt. Heute gilt der Vesuv als gefährlichster Vulkan der Welt, da er auf dem europäischen Festland als explosiver Vulkan direkt in der dicht besiedelsten Region Europas liegt. Das vulkanologische Observatorium des Vesuvs des 19. Jahrhunderts war das erste der Welt und bis heute ist der Vesuv auch der am stärksten beobachtete Vulkan der Welt. Der von Plinius beschriebene Ausbruch ist die erste detailllierte Beschreibung einer Naturkatastrophe unserer Menscheitsgeschichte. Goethe hat sich ohne technologische Hilfsmittel drei Mal auf den Vesuv gerafft, italienische und internationale Persönlichkeiten wie Fucini oder Tschechow waren von seiner Magie fasziniert.

Risiken und Massnahmen

Heute macht der Vesuv trotz eines schlafenden Zustandes seit 1944 noch keine grossen Sorgen, da er vor den beiden letzen explosiven Ausbrüchen mindestens 3 Jahrhunderte schlief und momentan noch dazu tendiert, die leichten Erdbeben von Jahr zu Jahr zu vermindern. Vor wenigen Jahrzehnten gab es noch 1000 yeilweise intensive Erdbeben während man heute noch auf 200 Erdbeben pro Jahr kommt. In der Hoffnung das der Vulkan noch weitere Generationen schläft und nicht vorher erweckt wird seit den 90er Jahren der Nationalpark langsam erweitert und neben dem kompletten Baustopp von Wohneinrichtungen auch einige illegal gebauten Häuser abgerissen, um die Dichte der Bevölkerung zu verringern. Nur so wird man in der Zukunft eine Evakuirung der Bevölkerung erleichtern.

Die Piennolo Tomate des Vesuvs

Die Fruchtbarkeit des Bodens und die vesuvianische Landwirtschaft

Die wenigsten neapolitaner würden wohl auf ihren Vesuv verzichten, da er neben der Gefährlichkeit das unverkennbare Wahrzeichen der Region Kampanien darstellt und der vesuvianische Boden seit jeher zu beeindruckenden Risultaten in der Landwirtschaft führt. Die besondere Position, die Fruchtbarkeit des Bodens und die klimatischen Konditionen des Gebiets am Vesuv hat seit der Antike viele Menschen angezogen. Die Nähe zu den schon damals dicht besiedelten Orten wie Neapel, Herkulaneum, Pompeji, Nola, Nocera oder Stabiae und den verschiedenen Landgütern und Villen hat somit zu einem grossen Anbaugebiet und einer florierenden Agrarwirtschaft geführt.

Die Agrarprodukte des vesuvianischen Gebiets, wie zum Beispiel die vesuvianische Aprikose, die Piennolo-Tomate, die San Marzano Tomate, die Artischocke aus Schito, die Steckrübenkohlsorte Friarielli, der renommierte Nußlikör oder auch die lokalen Weine, wie zum Beispiel der Lacryma Christi del Vesuvio, werden daher seit jeher von vielen Feinschmeckern besonders verehrt. Die Mischung aus aktiven und teilweise jahrhunderte andauernden ruhenden Phasen hat dabei dazu geführt, das die Bevölkerung sich den verschiedensten Konditionen anpassen musste und teilweise der Anbau erneuert werden musste oder durch die verschiedenen Bodenmaterialien zu verschiedenen Produkten und Besonderheiten geführt hat.

Der Nationalpark des Vesuvs: seine Flora und Fauna

Die 22 vesuvianischen Gemeinden zählen zusammen circa siebenhunderttausend Einwohner auf etwa 300 Quadratkilometern Fläche, wobei der Nationalpark des Vesuvs davon 80 Quadratkilometer einnimmt. Seit der Anerkennung im Jahre 1995 ist sind die Pflanzengattungen weiterhin gestiegen und zählen heute fast tausend verschiedene erwiesene Arten, von denen allein bereits 22 Orchideensorten. Besonders stark sichtbar ist die lokale Schirmpinie, der rosafarbene Baldrian, sowie die von Mai bis Juli stark blühenden drei gelben Ginstersorten. In der vesuvianischen Fauna hat man ausser den Füchsen bis heute etwa hundert Vogelgattungen und über fünfzig Schmetterlingstypen finden können. Leider gab es im Juli 2017 nach Monaten ohne Regen und teilweise extremer Hitze einen verheerenden Waldbrand, dessen Folgen bis heute noch nicht komplett ausgemessen werden konnten.

Die Kraterwand des Monte Somma

Wandern am Vesuv. Die Routen ab Terzigno, Somma Vesuviana, Ottaviano und Herkulaneum

Die zum Inneren gewandte Seite des Vesuvs, an der alten Kraterwand des Somma und ohne Blick auf das Meer, ist bis heute international kaum bekannt. Dabei ist gerade die Aussenseite der alten Kraterwand kaum von den Lavaflüssen betroffen worden und bietet einen soliden vulkanischen Boden mit einer üppigen Natur. Ab hier gehen die meisten Wanderwege des Monte Somma entlang. Neben den Wanderwegen durch entalng der alten Kraterwand bietet die Wanderung auf die Punta Nasone einen beeindruckenden Blick auf den Krater des Vesuvs aus wenigen hunderten Metern Entfernung. Die meisten Wege starten ab den Ortschaften Somma Vesuviana, Ottaviano, Herkulaneum, Terzigno oder Sant’Anastasia, wo es auch neben der Madonna del Rosario von Pompeji den zweiten wichtigen Wallfahrtsort der Region zu besichtigen gibt: die Madonna dell’Arco mit dem byzanthinischen Bild der schwarzen Madonna in der Kulisse des traumhaften Altars.

Treppe und Innenraum des Koenigspalastes von Portici

Die vesuvianischen Villen und der Königspalast von Portici

Nach der Entscheidung von Karl I. dem Borbonen einen Königspalast in Portici am damals noch aktiven Vesuv zu bauen, um einen passenden Ort für die Ausgrabungsstücke erst aus Herkulaneum und dann aus Pompeji herzurichten, folgen viele Adlige seinem Beispiel und lassen sich von bekannten Architekten aufwendige Villen am Hang des Vesuvs erbauen. Die heute als goldene Meile bekannte Küstenstrasse ab Barra bis Torre Annunziata zählt 121 luxuriöse Villen des 18. und 19. Jahrhunderts, von denen manche heute in akzeptablen und auch schlechtem Zustand sind, andere hingegen bereits restauriert wurden und in vollem Glanz erscheinen. Die Ausrichtung der Villen, die meist mit wunderschönen Gärten, Treppen, Logen und einem Belvedere ausgestattet sind, ist daher meist je nach Lage in einer Richtung zum Meer und in anderer Richtung zum damals feuerspeiendem Vesuv angelegt worden. Eine Parallele kann man hierbei mit der Antike ziehen, als in wohlhabenden Zeiten Kampaniens wegen der traumhaften Aussicht ebenfalls viele Villenbauten berühmter Leute, die Villen des Otiums, am Hang des Vesuvs erbaut wurden.

Eine antike Maske in Herkulaneum

Herkulaneum damals und heute

Bekannt für die frische Brise da am Hang vom Vesuv in Richtung Norden gerichtet, war das antike Herkulaneum im Vergleich zu Pompeji eine weniger chaotische und vornehme Residenz-Stadt. Das berühmtesten Beispiel der vornehmen Villen ist die leider nicht besichtbare aber einzig erhaltene Bibliothek der Antike, die nach den Papyrus-Rollen gefundene benannte Villa dei Papiri. Die nach dem legendären Stadtgründer Herkules benannten Stadt wurde in einem besseren Zustand ausgegraben, da der Ausbruch im Jahr 79 n. Chr. keine heissen Materialien auf die Stadt runterregnen liess, sondern sie in wohl wenigen Minuten durch eine pyroklastische Wolke mit heissem vulkanischen Schlamm bis zu 25 Meter tief begräbt. Dieser Zustand führte dazu das besonders die Hausarchitektur und die Gebrauchsgegenstände selbst aus Holz nicht verbrannt sind und bis heute besonders gut erhalten wurden und daher einen besseren Überblick über die Lebensweise der antiken Bevölkerung ermöglicht. Neben dem lokal berühmten Flohmarkt von Resina gibt es auch zwei der bekanntesten und vesuvianischen Villen am Corse Resina: die prächtige Villa Campolieto und nicht unweit von ihr die beeindruckende Villa Favorita.

Schmuck und Lavaverarbeitung in Torre del Greco

Torre del Greco ist der Ort, von dem der Grossteil der Besucher des Vesuvs von der Autobahnausfahrt in Richtung Nationalpark und Krater des Vesuvs fahren. Weniger bekannt ist die lokale Schmuckverarbeitung aus Korall und Muscheln, auch Kamee genannt, die oft auch in Kombination mit vulkanischen Materialien verarbeitet zu Schmuckstücken verarbeitet werden. Dank einer stark verankerten Tradition dieser Kunst seit dem Anfang des 19. Jahrhundert findet heute über die Hälfte der international stark überwachten Korallverarbeitung am Vesuv und speziell in Torre del Greco statt. Dank einer spezialisierten Fertigung findet auch ein grosser Anteil der weltweiten Verarbeitung von Muscheln zu Schmuck in und um Torre del Greco statt. Neben einigen interessanten vesuvianischen Villen, unter Ihnen die Villa delle Ginestre des italienischen Dichters Giacomo Leopardi, ist nach Reservierung auch das lokale Museum der Korallverarbeitung zu besichtigen, während die meisten lokalen Betriebe ohne Anmeldung besichtigt werden können.

Torre Annunziata und die Ausgrabungen von Oplontis

In Torre Annunziata, Sitz der ehemaligen Waffenfabrik der Borbonen und berühmt für die herausragende Pastaherstellung, kann man die Ausgabungsstätte von Oplontis besichtigen: die Villa der Poppea. Die Villa ist die grösste bis heute ausgegrabene römische suburbane Villa und war wohl im Besitz der Poppea Sabina, die zweite Ehefrau des Imperators Nero. Beeindruckend ist neben den Innenräumen mit Thermalbereich und aufwendigen Wandmalereien auch die Grösse des im Garten angelegten Badebeckens, das den historischen Quellen nach manchmal mit Eselsmilch gefüllt wurde und zu dem Mythos des luxuriösen Lebens in der Antike am Golf von Neapel beigetragen hat.

Das Amphitheater von Pompeji

Die Ausgrabungen von Pompeji

Die Ausgrabungen von Pompeji sind die berühmtesten Ausgrabungen Italiens und für viele auch die beeindruckendsten: zusammen mit dem Colosseum in Rom ist Pompeji die meist besichtigste Kulturstätte des Landes. Auch wenn viele Bilder und Skulpturen heute im archäologischen Museum von Neapel aufbewahrt werden, beeindrucken die Häuser, Bilder und Kunstwerke der im 1. Jahrhundert nach Christus verschütteten Stadt fast jeden Besucher bis heute. Besonders in Pompeji ist bis heute sichtbar, warum diese Region in jener Zeit “Campania Felix” genannt wurde und von den wohlhabenden Römern als bevorzugtes Feriengebiet ausgewählt wurde. Die kulturelle Mischung seit der Gründungszeit von lokalen Einwohnern, Etruskern und Griechen hatte sich zu in dieser Zeit bereits stark mit dem römischen Kultureinfluss vermischt. Durch den Ausbruch den Vesuvs wurde dieser historische Moment erhalten und macht diese Ausgrabungen weiterhin zu einem der beliebtesten und interessanten Kulturstätten Italiens und Europas.

Die Basilika der Madonna del Rosario von Pompeji

International nicht so bekannt, doch bei den gläubigen Italienern ist die Basilika von Pompeji mit der Madonna del Rosario einer der berühmtesten Wallfahrtsorte des Landes. Die Basilika in der Nähe des Eingangs der Ausgrabungen bei der Porta Anfiteatro mit dem berühmten Bild der Madonna der Luca Giordano-Schule hatte im Jahre 2015 auch den Papst Franziskus zu Gast und zieht jedes Jahr Milionen von Gläubigen und Neugierigen an diesen Ort.

Boscoreale: das Antiquarium und die Villa Regina

In Boscoreale neben Pompeji kann man im Antiquarium eine Ausstellung über den Menschen und das Ambiente im vesuvianischen Gebiet besichtigen. Das Antiquarium gilt in Italien als wichtig eingestuft und wurde direkt neben einem der ausgegrabenen Landgüter der Antike errichtet: die Villa Regina, von der auch ein Modell im Antiquarium zu sehen ist. Seit dem Jahr 2017 hält die Circumvesuviana-Bahn unweit von diesen bisher leider noch unbekannten und interessantem Museum.

Castellammare di Stabia

Castellammare liegt fast in Form einer Theaterkulisse direkt vor dem Lattari-Gebirge der sorrentiner Halbinsel mit Blick auf den Vesuv. Die lange Promenade mit Strand und 17 verschiedenen Thermalquellen hat Castellammare di Stabia seit Generationen bei den Einheimischen sehr beliebt gemacht. Der Ort, nach dem Schloss über dem Meer und der antiken Stadt Stabiae benannt, bietet auch ein lokales Antiquarium und die Ausgrabungen von zwei römischen Luxusvillen: die Villa San Marco und die Villa Arianna. Auch der moderne Yachthafen mit Restaurants und die Seilbahn auf den Monte Faito, wo man aus weit über 1000 Metern Höhe man nach einem Spaziergang zur Madonna dei Lattari einen der schönsten Blicke auf den gesamten Golf von Neapel inklusive der Inseln Capri und Ischia geniessen kann.

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