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Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Die Epoche der Etrusker und Griechen in Kampanien

Die erste griechische Stadt Italiens – Cumae

Mit der Ansiedlung der Griechen in Kampanien zu Ende der Eisenzeit wird Kampanien in unsere Geschichtsschreibung integriert. Bereits seit vielen Jahrhunderten betreiben die Völker Griechenlands Handel mit den italischen Bewohndern,doch etwa um 750 v. Chr siedeln Griechen aus Chalkida und Kyme der Insel Eubea in Lacco Ameno auf der heutigen Insel Ischia an und nennen ihre Siedlung Pithecusa. Von hier aus gründen sie schliesslich die wahrscheinlich antikste Stätte der Magna Graecia, Cumae, um von hier aus ihre Kultur zuerst lokal und dann durch die Kontakte und den Handel innerhalb der nächsten Jahrhunderte bis nach Latium und Etrurien auszubreiten.

Die Gründe der Kolonnialisierung Italiens

Die Gründe der Gründungen von Städten in Süditalien sind sehr vielfältig, liegen wohl besonders an einer mangelnden Versorgung von Nahrungsmitteln in den immer weiter wachsenden griechischen Städten, als auch an um den Handel mit den Metallen zu erleichtern und so strategische Stützpunkte zu errichten. Die Wahl des Golfes von Neapel für die erste feste Kolonnie, dem nördlichsten Gebiet im Vergleich zu den vielen darauffolgenden peloponesischen Siedlungen im Rest Süditaliens, ist emblematisch: eine fruchtbare Landschaft mit einer strategischen Nähe zu Elba und Sardinien für den Handel mit dem Volk Etrusker in Kampanien von wichtigen Metallen und Mineralien mit griechischen Gütern.

Die Tempel von Paestum

Die griechischen Kolonnien Kampaniens

Auf dem Territorium der cumanischen Griechen werden am Golf von Neapel dann Parthenope (etwa 680 v. Chr.), Dikearchia duch Flüchtlinge aus Samos, die akzeptiert und integriert werden (das heutige Pozzuoli, 531 v. Chr.) und Neapolis (um 500 v. Chr.) gegründet. Weiter im Süden, am Delta des Flusses Sele, gründen die mächtigen Griechen aus dem kalabresischen Sybaris um 600 v. Chr Posidonia (das heutige Paestum) und erbauen dort die bis heute beeindruckend erhaltenen grossen Tempel. Etwa um 540 wird schliesslich noch Elea, das heutige Velia, von den vor den Persern flüchtenden Griechen aus Phokaia gegründet. Diese schöne und tüchtige Stadt am Meer unweit vom Kap Palinuro ist in seiner Blütezeit vor allem wegen seiner Philosophie-Akkademie um Xenophanes, Parmenides und Zenon bekannt. Die Griechen Kampaniens sind also ausschliesslich ionischem und achaischem (Paestum) Ursprungs.

Die Kolonnien de Griechen in Kampanien

Dabei folgen die Griechen in Kampanien bei der Siedlung ihrer Städte ein immer wiederkehrendes Schema: sie bevorzugen nicht allzu ausgedehnte Flachlandgebiete in der Nähe des Meeres als auch von Hügeln oder Bergen und meiden somit das Inland, in dem weiterhin die italischen Völker leben. So konnten sich die griechischen Kolonnien selbst versorgen und über das Meer Handel treiben. Man kann heute ausschliessen, das die Städte der Griechen in Kampanien als rein strategische oder militärische Basen fungieren, denn obwohl der Handel mit der Heimat priviliegiert wurde sind die neuen Kolonnien wirtschaftlich autonom und politisch frei. Nach der Gründung gibt es klare Regeln zur Versorgung und der Organisation der politischen und religiösen Normen, denn meist waren die neuen griechischen Städte strikter und genauer organisiert als die eigentliche Heimatstadt. Die Unterschiede der griechischen Siedlungen Süditaliens zur Heimat vergrössern sich auch durch den ständigen Kontakt mit den vielen italischen Völkern, wie zum Beispiel den Oskern Kampaniens. In Süditalien wird der Einfluss der griechischen Kultur historisch einen immensen Impakt haben.

Der Einfluss der Etrusker

Neben den griechischen Siedlungen an der Küste wird die Kolonialisierung Kampaniens in dieser Zeit auch von den Etruskern im Inland begleitet. Für die Etrusker wird Kampanien eine Grenzregion werden, die der etruskischen Welt aber ermöglicht direkten Kontakt mit anderen und speziell der griechischen Kultur aufzubauen. Diese haben ihr Zentrum in Capua und breiten sich von Teano bis zum südlich von Salerno gelegenen Fluss Sele aus. Capua wird dabei bereits im 9. Jahrhundert v. Chr. gegründet und trägt mit weiteren kleinen etruskischen Zentren, wie zum Beispiel Nola und dem heutigen Pontecagnano, zur Entstehung einer sehr entwickelten gemeinschaftlichen und ländlichen Kultur in den Tälern des Inlands von Kampaniens bei.

Die Etrusker in Italien
Die Erweiterung Etruriens bis nach Kampanien

Die etruskischen Siedlungen Kampaniens

Die Etrusker werden ähnlich wie in der Erweiterung der Emilia Siedlungen von lokalen Völkern ubernehmen und vor-urbane Siedlungen aufbauen, die ein Siedlungsgebiet mit einer primitiven politischen Verwaltung und eine separate Nekropole bilden. Die Siedlungen der Etrusker in Kampanien basieren wohl auf einer Agrarkultur, dem Handel mit den lokalen Stämmen und Griechen sowie den Handelskontakten mit den etruskischen Zentren in Mittelitalien. Die etruskischen Zentren befinden sich am Fluss Volturnus bei Teano im Norden Kampaniens, in Capua nicht weit vom griechischen Cumae (das später zu einer der wichtigsten vorrömischen Städte Italiens heranwachsen wird), in Nola im Inland des Vesuvs, in Nuceria (heute Nocera) unweit von Pompeji (das vielleicht auch etruskischen Ursprungs ist), vielleicht an der sorrentiner Halbinsel und dem heutigen Cava de Tirreni sowie dem letzten strategischen Stützpunkt Pontecagnano am Sele-Tal südlich von Salerno. Speziell in Pontecagnano aber auch in Nola befinden sich Museen, in denen man heute die etruskische Kunst Kampaniens besichtigen kann.

Die Vertreibung der Etrusker durch die Griechen

Die fortgeschrittene etruskische Kultur hat in Kampanien zwar Handelsbeziehungen zu den Griechen, doch andererseits verteidigen die Griechen ihre Vormachtstellung an der Küste und begrenzen den Handel der Etrusker auf den Wegen durch das Inland. Diese Vormachtstellung werden die Griechen in Kampanien in den beiden grossen Kriegen mit den Etruskern im Jahre 540 v. Chr durch den Tyrann Aristodemos von Cumae und endgültig im zweiten Krieg im Jahre 474 v. Chr durch die Unterstützung von Syrakus verteidigen und die Etrusker nach Jahrhunderten von kulturellen Einfluss aus Kampanien vertreiben.

Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens

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Gastronomie in Kampanien

Die Apfelsorte Mela Annurca

Geschichte und Name des Apfels

Eines der bedeutendsten Produkte des fruchtbaren Bodens Kampaniens ist die sogenannte „Mela Annurca“, die „Königin der Äpfel“, die seit der Antike bekannt ist. So bekannt, das man sie sogar auf einigen pompejanischen Wandmalereien, wie zum Beispiel im Haus der Hirschen in Herkulaneum, deutlich erkennen kann: schon Plinius der Ältere, ein aufmerksamer Beobachter der Natur, beschreibt ihre charakteristischen Eigenschaften und bezeichnet sie als mala orcula (da sie im Gebiet der Campi Flegrei, rings um den „orco“, also dem Eingang der Unterwelt, angebaut wurde).

Aussehen des Annurca Apfels

Aussehen und Geschmack der Annurca

Der Apfel „annurca“ zeichnet sich durch seine kleine bis mittlere Grösse (wobei die grossen weitaus beliebter sind), seine abgeflachte und rundliche Form und seine grundlegende grüne, im Laufe der Reifung immer mehr ins rosa oder granatrote gehende Farbe aus. Die Schale ist glänzend, glatt, dünn, aber sehr resistent, mit kleinen und kaum sichtbaren Lentizellen. Das Fruchtfleisch ist weiss und fest, kompakt, beinahe knackig, saftig, zuckersüss, aromatisch und duftend. Die Nachfrage nach dieser Apfelsorte ist auch in Österreich, Deutschland und Holland hoch, denn dort wird er gerne zur Herstellung von Cidre verwendet.

Konservierung und Besonderheiten

Die beschriebenen Qualitäten des Apfels bleiben auch nach einer langen Aufbewahrungsphase unverändert erhalten. In der Tat kann man die „annurche“, obwohl sie bereits im Oktober geerntet werden, auch noch im August des darauffolgenden Jahres perfekt konserviert und im selben qualitativen Zustand wie im Oktober auf dem Markt kaufen. Die „annurche“ weisen einen hohen Zellulosegehalt auf, der vor allem in der Schale enthalten ist und der ihre verdauungsfördenden Fähigkeiten belegt. Da sie ausserdem nachweislich die Aufnahme von Glykose fördern, sind sie besonders für Diabetiker geeignet. Sie enthalten auch eine grosse Menge an Vitamin C und andere Substanzen und haben ausserdem nachweislich antirheumatische, harntreibende und belebende Wirkung. Sie ist in der Tat vor allem bei älteren Menschen besonders beliebt. Der Annurca-Apfel ist auch circa 10 mal reicher an Kalium, Calcium und Magnesium als alle anderen Äpfel, die in Verbindung mit den anderen Mineralien und den Tanninen eine antioxidative Wirkung haben und die Regeneration der Haut fördern. Das Abendessen mit einer guten „mela annurca“ und einem Glas Asprinio abzuschliessen, verspricht eine gute Verdauung. Dank neuester Untersuchungen wird der „annurca“ auch eine positive Wirkung auf den Cholesterin-Spiegel und gegen Haarausfall zugeschrieben.

Die Ernte und der Reifeprozess

Um sicher zu sein, das die Äpfel mit dem richtigen Reifegrad geerntet wurden, konzentrieren die Bauern ihre ganze Aufmerksamkeit auf das Geräusch, das die Äpfel verursachen, wenn sie in die traditionelle Holzkisten gefüllt werden. Sie können je nach mehr oder weniger hohl klingenden Klang feststellen, wie lange die Äpfel einwandfrei aufbewahrt werden können. Da die Ernte wegen dem kurzen Stiel jedoch vorzeitig erfolgen muss, sind die Früchte noch grün und man muss sie notgedrungen auf der Erde liegend nachreifen lassen. Einst verteilte man die „annurche“ auf dem Boden ausgelegten Hanfschichten. Da in der gesamten Gegend heute kaum noch Hanf produziert wird, hat man die Hanfschicht durch Piniennadeln oder Holzabfällen ersetzt, auf denen die Äpfel sorgfältig in ein, zwei oder maximal drei Reihen aufgeschichtet werden, wobei immer die blasseste Seite der Früchte der Sonne zugewandt wird. Während sie in den darauffolgenden 2-3 Monaten die Äpfel regelmässig von Hand gewendet werden (und die faulen aussortiert), wird auch dafür gesorgt, das die Äpfel vor direktem Sonnenlicht oder Hagelschauern geschützt sind. In den Abendstunden werden die „annurche“ mit Wasser bespritzt, um eine niedrige Temperatur zu garantieren und die Äpfel vor dem austrocknen und runzelig werden zu schützen. Durch den unvermeidlichen Verbleib in den Apfelgärten zur Nachreifung vor dem Verkauf wird auch garantiert, das an den „annurche“ im Gegensatz zu anderen Früchten keinerlei Reste von Düngemitteln zurückbleiben. Man kann also beruhigt nicht nur das Fruchtfleisch, sondern auch die Schale mitessen, die besonders viele Nährstoffe erhält.

Verwendung des Annurca Apfels

Obwohl die „mela annurca“ am liebsten roh genossen wird, haben sich in den letzten Jahren auch viele Desserts um diese Apfelsorte entwickelt. Vom Apfelkuchen bis zu Apfelscheiben auf Blätterteig oder auch mit Füllungen im Ofen gegart wird die „annurca“ immer beliebter bei den leidenschaftlichen Köchen. In der Gegend um Neapel und Caserta ist der Annurca-Likör, der aus den Samen und Schalen des Apfels hergestellt wird, seit vielen Jahren eine valide fruchtige Variante zum berühmteren Limoncello.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien

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Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Die ersten Siedler Kampaniens

Von der Steinzeit zur Bronzezeit

Funde an den Küsten (speziell auf Capri, der sorrentiner Halbinsel, bei Camerota und Paestum) und im Inland (in Guardia Sanframondi, Gesualdo, den alburner Bergen und Montemiletto) bezeugen heute, das die Region Kampanien bereits seit der Altsteinzeit vom Menschen besiedelt ist. Weitere sichere Spuren findet man in Kampanien auch noch aus der Jungsteinzeit (dem Neolitikum), der Kupferzeit (Äneolithikum) und besonders der Bronzezeit.

 
Gefundes Grab der Bronzezeit im Museum von Avellino

Die Gaudo-Kultur und der Einfluss aus Mykene

Eine lokale Besonderheit der Kupferzeit ist die sogenannte Gaudo-Kultur, benannt nach einer ausgegrabenen Nekropole bei Paestum. Weitere kleinere Nekropolen entdeckte man noch bei Pontecagnano, Eboli, Buccino, Piano di Sorrento sowie Mirabella Eclano. Diese Kultur zeichnet sich speziell durch Grubengräber aus, bei denen man einen Zugang zu kleinen Höhlen mit Kollektiv-Gräbern hat. Oft beinhalten diese Gräber auch Keramiken, die Verbindungen mit Kulturen aus dem nord-östlichen Mittelmeer erahnen lassen. Zahlreiche Siedlungen der apenninischen Kultur aus der Bronzezeit gab es ähnlich wie im Rest Italiens auch in Kampanien. Hinzu kommen dabei erhebliche Einfuhren von mykenischen Waren aus der Zeit vom vierzehnten bis zum zwölften Jahrhundert vor Christus.

Longola und San Paolo Belsito

Eine Besonderheit stellen allerdings die archäologischen Reste von Longola bei Poggiomarino und von San Paolo Belsito bei Nola dar: ein Ausbruch des Vesuvs begräbt um 1700 v. Chr.  die beiden Siedlungen um sie ähnlich wie Pompeji zu konservieren. Leider sind beide Ausgrabungsstätten momentan nicht zu besichtigen. Dabei wird Longola als Venedig der Bronzezeit bezeichnet, denn die gesamte Siedlung wurde auf Holzstämmen und kleinen verbundenen Inseln auf dem Fluss Sarno gebaut. Einen Wiederaufbau der Hütten von San Paolo Belsito kann man heute dafür im interessanten archäologischen Museum von Nola besichtigen.

Longola, venedig der bronzezeit

Die Entwicklung der neuen Kulturen in der Eisenzeit

Die Völker und Kulturen fangen an sich während der Eisenzeit mehr und mehr zu unterscheiden: während die sogenannte Zivilisation der Grubengräber der Opici vor allem bei Cumae, im Sarno-Tal (in dem auch Sarraster wohnen), in der Valle Caudina und bei Avella leben, siedeln im Süden Kampaniens, besonders im Vallo di Diano bei Sala Consilina, die Enotrier mit ihrer Kultur und dem Ritual der Einäscherung an. Aber auch nördlich des Flusses Volturno entwickeln die Ausoner eine eigene Kultur und in den Hochebenen der Gebiete bei den Flüssen Sele und Ofanto findet man Spuren einer Zivilisation mit typischen Einflüssen der Kulturen der Adriaküste.

Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens