Kategorien
Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Die Epoche der Hohenstaufer im Süden Italiens

Durch die Vermahlng des normannischen und saufischem Geschlecht wird zum Ende des 12. Jahrhunderts die Epoche der Hohenstaufer im Süden Italiens. Es ist bis heute eine der am meisten untersuchten Zeitraeume in der Geschichte Italiens.

Friedrich wird zum König von Sizilien

Die Normannen profitieren von der Abwesenheit des Friedrich Barbarossa, der mit seinen Kreuzzügen beschäftigt ist und davon, das Heinrich VI und Konstanze vom Krieg gegen Heinrich dem Löwen in Deutschland abgelenkt sind. Somit finden sie im Jahr 1189 eine Einigung mit Papst Clement III, Tankred in Palermo als neuen König von Sizilien zu küren um die normannische Vormachtstellung in Süditalien zu bewahren. Eine versuchte Unterwerfung der sizilianischen Armee durch Heinrich VI. mit Unterstützung der pisanischen Flotte scheitert 1191, doch wird Tankred bereits 1194 sterben. Nach zwei großen Aufständen in Sizilien gegen die zu harte Regierungsform des Heinrich VI, kürt Heinrich schließlich nur ein Jahr vor seinem unerwarteten Tod seinen Sohn Friedrich 1196 zum König von Sizilien. Es beginnt die Zeit der Hohenstaufer im Süden Italiens.

Otto IV. und die Schlacht von Bouvines
Die Schlacht von Bouvines

Zwei europäische Mächte waren damals an der Kontrolle des Handels im Mittelmeerraum interessiert. Das sächsische Reich um Heinrich VI und Otto IV von Brunswick sowie der Vatikanstaat, der unter der Auflage der Treue des Königreich Siziliens zum Vatikan und gegen die islamischen und byzanthinischen Widersacher der römischen Kirche Friedrich II. unterstützt. Otto IV. versucht nach seiner Kürung als Kaiser des heiligen römischen Reiches sein Reich in Italien und im süditalienischen Königreich von Sizilien zu erweitern. Im Bündnis mit der englischen Armee kämpft Ottos Armee gegen die Armeen des Friedrich II und Philip II von Frankreich und erleidet in Bouvines bei Lille im Jahr 1214 eine verheerende Niederlage. Die Schlacht von Bouvines gilt als eine der blutigsten des gesamten Mittelalters und für viele Historiker als einer der Ausgangspunkte zur französischen Übermacht in den folgenden Jahrhunderten in Europa sowie Wegbereiter des Aufstiegs von Friedrich II in Süditalien.

Friedrich II. wird Kaiser

Im Jahr 1212 kehrt Friedrich nach Deutschland zurück um als König gekürt zu werden. Nach dem Sieg in Bouvines wird die Zeremonie wiederholt um 1220 als Kaiser des heiligen römischen Reiches gekürt zu werden. Bei dieser Gelegenheit verspricht Friedrich dem Papst Innozenz III einen Kreuzzug zu führen. Doch als Innozenz III stirbt, wird Friedrich von Gregorius IX gewarnt exkomuniziert zu werden, falls der Kreuzzug nicht durchgezogen werden sollte. Friedrich II. Taktik ist es aber, einen Krieg zu vermeiden um mit Sultan Malik al Kamil einen Frieden und die christliche Kontrolle über Jerusalem und Nazareth auszuhandeln. Noch im selben Jahr wird Friedrich II. als König von Jerusalem gekürt.

Friedrichs Rückkehr nach Sizilien

Friedrich II kehrt nach acht Jahren Abwesenheit nach Sizilien zurück. Bei seiner Abwesenheit wurden Feudalherrschaften verändert oder auch vergrößert und Teile Siziliens strebten eine Unabhängigkeit an. Friedrich wird mit seinen verbündeten Baronen hart und autoritär durchgreifen, in dem er Ländereien und Gebäude verbrennen und seine Opposition praktisch aushungern lässt. Die normannischen Gesetze werden wieder in Kraft gesetzt und hohe Steuern eingetrieben.

Der Stupor Mundi, Friedrich II der Hohenstaufer
Die Konstitutionen von Melfi

Im Zuge dieser Lage beruft Friedrich II seine Experten zusammen um seinen Staat neu zu organisieren: die sogenannten Konstitutionen von Melfi aus dem Jahr 1231 soll die bürokratische Verwaltung, die Justiz, die produktiven Aktivitäten wie die Minen, Salinen, die Landwirtschaft und die Seidenherstellung regulieren. Die Konstitutionen richtet sich an dem zentralisierenden Machtgefüge der Normannen aus, bei der alle Stadträte vom König nominiert und somit die lokalen Autonomien stark reduziert werden. Die Funktionäre sind keine Vassallen mehr, sondern bezahlte Bürokraten, wobei ihre Nominierung stark von der Position innerhalb der feudalen Hierarchie abhängt. Trotz der Vermischung der Verwaltungs- und Justizkompetenzen bei den Funktionären, bei denen es nicht selten zu Unregelmässigkeiten kam, sind sich viele Historiker einig, das die Verwaltung des Reiches von Sizilien die politische Struktur vieler anderer Länder antizipiert – allerdings mit einem fatalen Unterschied: Friedrich II bedient sich, wie bereits vorher schon die Normannen, an den bürgerlichen Klassen nur um Steuern einzutreiben und schafft ein sich Monopol  über den gesamten Aussenhandel seines Reiches. Dabei werden ganze Siedlungen unter Friedrich II zerstört und Teile der Bevölkerung wegen Unhorsam gegenüber der zentralen Staatsgewalt der Hohenstaufer ins Exil geschickt.

Kontraste mit der Kirche und Aufstieg Palermos

Gegenüber den kirchlichen Gütern ging Friedrich II mit Konfiszierungen und einer Blockade der Autonomie des religiösen Gerichts streng zu. Die Kirche musste nun bei jeder zivilen oder finanziellen Kontroverse vor das staatliche Gericht. In den Jahren 1239 bis 1250 werden im Königreich von Sizilien viele Anhänger des Papstes verhaftet. Palermo wird zu jener Zeit eines der wichtigsten Kulturzentren Europas, dessen Einwohnerzahl von manchen sogar auf 250000 Menschen geschätzt wird. Palermo wäre somit in jener Zeit eine der größten Städte der Welt gewesen.

Zentralisierungsprozesse im Handel unter Friedrich

Der Zentralisierungsprozeß unter Friedrich II des Königreichs von Sizilien führt zu erstmaligen Einführungen in Europa von Monopolen im Salz, Eisen, Kupfer, Seiden, Seilen oder im Pechhandel. Ohne die Unterstützung der bisher immer aktiven Handels- und Produktionskraft der süditalienischen Händler und Häfen wurde die wirtschaftliche Kraft des Südens Italiens letztendlich geschwächt. Die Entscheidung sich von der sozialen bürgerlichen Kräften abzusondern und hohe Steuern einzutreiben führt ebenfalls zu häufigen Aufständen. Die vielen Abgaben für den Erwerb von Wein, Fleisch, Öl, Käse als auch die Beschlagnahmung der Güter von Schuldnern und die Inhaftnahme dieser war für viele schwer tragbar. Viele Bürger mussten ebenfalls unbezahlte Arbeit leisten um Festungen und öffentlichen Bauten finanzieren zu können.

Die Niederlage von Fossalta und der Tod des Friedrich

Bei einer der zahlreichen Attacken der italienischen Welfen wird Friedrich in Fossalta bei Modena 1249 eine verheerende Niederlage erleiden. Nach seinem Rückzug nach Apulien wird er dort im folgenden Jahr sterben und seinem Sohn Konrad das Erbe über sein Reich überlassen.

Der überraschende Tod von Konrad und der Fall von Manfred

Das Ende der Vorherrschaft der Hohenstaufer im Süden Italiens beginnt mit dem unerwarteten Tod von Konrad; sein junger Sohn Konradin und sein Bruder Manfred werden von 1254 bis 1266 das Königreich von Sizilien regieren und versuchen den jakobinischen Teil der Bevölkerung zu stärken und gegen die päpstliche Macht aufzubringen. Die beiden aus Frankreich stammenden Päpste Urban IV (1261-1264) und Clemens IV (1265-1268) schliessen ein Abkommen mit dem mächtigen Karl I., Graf von Anjou und der Provence und Bruder vom König Ludwig IX von Frankreich. Die Anklage das Manfred sich mit den Arabern verbünden würde bietet dem Vatikan den Vorsatz ihn zu exkommunizieren und Karl I von Anjou mit etwa 30000 Männern nach Süditalien durchmarschieren zu lassen, ohne dabei auf jakobinische Widersacher zu treffen. Manfred fällt tödlich in der Schlacht von Benevent im Jahr 1266.

Konradin und das Ende der Hohenstaufer

Der Versuch der Sizilianer mit dem 16 jährigen Konradin die Krone zurückzuerobern, scheiert in der Schlacht von Tagliacozzo im Jahr 1268. Konradin wird auf der Piazza Mercato des neuen Machtzentrums Neapel geköpft. Zum ersten Mal wird innerhalb Europas ein christlicher König von einem anderen christlichen König geköpft. Die Dynastie der Hohenstaufer im Süden Italiens wird durch diesen symbolischen und brutalen Akt beendet.

Zusammenfassung

Friedrich II gilt für viele als Vorläufer des modernen Staatsoberhaupts und stellt eine Verbindung zwischen Mittelalter und Moderne dar. Seine Vorstellung eines Imperiums kann dabei als mittelalterlich, seine Öffnung zur kulturellen Integration als modern eingestuft werden. Sein königlicher Hof wird zu einem kulturellen und wissenschaftlichen Treffpunkt der verschiedenen Sprachen und Kulturen und führt zu einer Erneuerung der süditalienischen Literatur. In Sizilien entsteht eine Dichtungsschule, bei der wohl zum ersten Mal ein vulgäres Italienisch statt dem Latein verwendet wurde. Das von ihm gegründete Studium Neapolis in der Stadt Neapel ist die erste staatliche Universität Europas.

Idealistische Ziele eines Reiches

Friedrich II tendiert dazu, seinem absolutem Staat sehr idealistische kulturelle Ziele zu geben, die sicher keine Unterstützung im reaktionären Verhalten der römischen Kirche finden konnten, jedoch auch kein Gehör in der aufsteigenden bürgerlichen Klasse fand. Einige deutsche Historiker sehen in dem Hohenstaufer Friedrich einen Held und ersten Widersacher Roms und des Papstes, einen Kämpfer der freien Denkens und Vorläufer der Renaissance oder des illuminierten Absolutismus des 18. Jahrhunderts. Sein ganzes Leben lang versucht Friedrich sein politisch-kulturelles Ideal eines kosmopolitischen und pluralistischen christlichen Reiches aufleben zu lassen, während sich in anderen Ländern die zentralen Staaten und die komunalen bürgerlichen Autonomien durchsetzen.

Starke Zentralisierung

Friedrich hatte somit zwei schwere Hürden zu überwinden: auf der einen Seite die teokratische und integralististische Kirche, auf der anderen Seite die Komunen Norditaliens, die ihre städtische Autonomie nach dem Kampf gegen Barbarossa verteidigen wollten. Anders als der byzanthinische Basileus, der mit der orthodoxen Kirche verbündet war, strebte Friedrich einen Staat auf dem normannischen Modell an, bei dem eine Kommunikation mit der Kirche vermieden wurde. So ist die Neuorientierung des süditalienischen Staates der Hohenstaufer antifeudal und staatlich, wobei die Staatsstruktur als persönliches Eigentum ohne jegliche Autonomie gesehen wurde. Somit war das Königreich der Hohenstaufer in Italien mehr auf die Persönlichkeit von Friedrich II zugeschnitten als auf die aufsteigenden sozialen Kräfte des Reiches. In dieser Hinsicht blieb Friedrich eher dem normannischen Modell treu, das sich mehr auf die Zentralisierung als auf die Stärkung der städtischen Wirtschaft und deren Handelsklassen konzentriert hat.

Kampanien in der Zeit der Hohenstaufer

Bei der Übernahme der Hohenstaufer im Jahr 1196 wird ein Teil der Stadtmauern der Stadt Neapel abgerissen und die neapolitanische Bevölkerung gegen die Hohenstaufer aufgebracht, da die auf Handel basierte Stadt somit ihre so wichtige Verteidigungsanlage verlor. Erst unter Friedrich II. wird ein neuer Dock und ein Hafen mit höheren Kapazitäten errichtet. Doch die Region Kampanien und die Hohenstaufer werden sich trotz der Gründung des Studium Neapolis nie stark zusammenfinden.

Das Studium Neapolis, die erste staatliche Universität

Die heutige Universität Napoli Federico II, die nach seinem Gründer benannt ist, gilt als erste staatliche und nicht-religiöse Universität Italiens und der Welt. Sie wurde 1224 als Studium Neapolis durch einen staatliche Entschluß eröffnet um dem staatlichen Verwaltungspersonal und Dirigenten der Hohenstaufer eine exklusive Ausbildung zu ermöglichen und Juristen auszubilden, die bei der staatlichen Organisation und der Durchsetzung der Gesetze mithelfen können. Die Wahl Neapels als Gründungsort hatte wohl kulturelle (die Stadt hat eine lange juristische Tradition) als auch geographische Gründe. Bei der Organisation des Studiums werden die beiden lokalen Juristen Pier delle Vigne und Taddeo da Sessa erheblich mitwirken. Das Studium konzentriert sich auf die Lehre des Rechtswesens, der Freie Künste, der Medizin und Theologie. Theologie wird im Konvent von San Domenico und unter anderem auch von Thomas von Aquin von 1271 bis 1274 gelehrt. Die Struktur und Organisation des Studiums wird sich unter der gesamten Dynastie der Anjou kaum verändern.

Die heutige Fassade der Uni Federico II in Neapel
Pier delle Vigne

Eine bedeutende Persönlichkeit in der Epoche der Hohenstaufer im Süden Italiens war der 1190 in der Region Kampanien (in Capua) geborende Pier delle Vigne, der als gebildeter Schriftsteller, Politiker und Meister der ars dictandi des Königreich von Sizilien galt. Wahrscheinlich genoss er eine Ausbildung an der Universität von Bologna. Seine ruhmreiche Zeit beginnt, als er im Jahr 1220 Notar von Friedrich II. wird und mit anderen dictatores die offizieller Verfasser der Rundschreiben der Kaisers an die Bevölkeung wird. Diese Rundschreiben gelten als Musterbeispiele des aus dem aus Frankreich stammenden stilus supremus, der sowohl vom Vatikan als auch von dem Königshof von Friedrich II angeeignet wurde. Pier delle Vigne stand im ständigen Kontakt mit Theodor aus Antokya und weiteren Wissenschaftlern, seine Briefe beinhalteten oft theologische und philosophische Konzepte. Er gilt als aktiver Mitgründer der ersten staatlichen Universität, dem Studium Neapolis, als auch als Mitverfasser der Konstitution von Melfi von 1231, einem der wichtigsten legislativen Kodexe des Mittelalters. Bei seinem Aufenthalt in England im Jahr 1235 verheiratet er Friedrich mit seiner neuen Frau Isabella, der Schwester von König Heinrich III., im Jahr 1239 wird er Logoteta und Pronotar und erreicht damit eine der wichtigsten Positionen innerhalb des Königshofs.

Taddeo da Sessa

Taddeo da Sessa war ein aus Sessa Aurunca stammender Jurist und entstammt der Diktierschule aus Capua. Als Rechtsexperte ist Taddeo da Sessa eine Vertrauensperson von Friedrich II. und wird unter ihm oberster Chef der territorialen Verwaltungsaufteilung und Botschafter des Kaisers. Zusammen mit Pier delle Vigne verteidigt er Friedrich II. vor dem Konzil von Lyon (erfolglos, denn Friedrich wird dennoch exkommuniziert).

Unterstützung für Karl von Anjou

Nach dem Tod des Friedrich, erhebt Neapel einen großen Aufstand um sich von den Hohenstaufern im Süden Italiens zu befreien und um Riccardo Filangieri als neuen Podestà einzusetzen. Die Stadt Neapel erklärt sich unter der Gutheissung von Papst Innozenz IV. als autonome Kommune. Erst 1253 wird Kaiser Konrad IV Neapel zurückerobern, nur 7 Monate vor seinem unerwarteten Tod. Die Stadt Neapel ernennt sich wiederum zur autonomen Stadt und unterstützt Karl von Anjou mit zahlreichen Soldaten und einer hohen Summen von Geldern um sich von der Dynastie der Hohenstaufer befreien zu können.

Das architektonische Erbe: Die Porta di Capua

Die Porta di Capua, oder auch Porta delle due Torri genannt, war eine 1234 von Friedrich II. gewollte und von Architekt Niccolò di Cicala 1240 beendete monumentale Verteidingungsarchitektur, die in Capua über dem Fluss Volturno gebaut wurde und der wichtigste Zugang der aus dem Norden zur sogenannten Terra di Lavoro.

Die Bedeutung

Friedrich liess sich von zwei von ihm besichtigten monumentalen antiken Triumphbögen inspirieren: dem Triumphbogen von Augustus in Rimini und dem Triumphbogen von Konstantin am Kolosseum in Rom. Aus politischer Sicht zeigt der Triumphbogen eine Art imperiale Vision des Friedrich II. auf, die sich als Konkurrent zum nahen Vatikanstaat darstellt und dessen Ikonographie gewollt auf das symbolische Thema der Gerechtigkeit basiert. Die beiden bärtigen und mit einem Lorbeerkranz geschmückten Skulpturen der Porta di Capua werden mit den beiden kampanischen Juristen und Vertraunspersonen des Friedrich II. Taddeo da Sessa und Pier delle Vigne identifiziert. Die Bedeutung des Tors weist auf einen Zugang zum juristisch gerechten Staat des Friedrichs im Kontrast zur universellen religiösen Macht des Papstes hin. Laut dem Historiker Abulafia könnte das Portal eine symbolische Projektion der Konstitutionen von Melfi darstellen, da es ab 1234 wenige Jahre nach den Konstitutionen errichtet wurde.

Die Porta di Capua damals
Die Struktur

Der Historiker Riccardo di San Germano beschreibt in seiner Cronaca das Friedrich II. zwei Kirchen abreissen liess und die Baukosten des Tors von den Gemeinden zwischen Capua und Mignano getragen werden mussten. Das Tor wurde ursprünglich auf drei Ebenen erbaut und mit einer zentralen Figur von Friedrich II. und zwei bärtigen und mit einem Lorbeerkranz geschmückten Skulpturen von den beiden bedeutenden Juristen und Vertraunspersonen des Friedrich II., Taddeo da Sessa und Pier della Vigna Skulpturen dekoriert. Auf der untersten Etage symbolisiert die Skulptur einer Frau die Treue von Capua, indem sie ihren Brustkorb öffnet und einen imperialen Adler vorzeigt. Der artistische Einfluß auf den unter Alphons V. von Aragon gebauten Triumphbogen im heutigen Castel Nuovo in Neapel ist unverkennbar.

Sukzessive Veränderungen

Der Triumphbogen von Capua wurde in den letzten Jahrhunderten zwei mal verändert: der spanische Vizekönig von Neapel Fernando Alvarez de Toledo modernisiert im 16. Jahrhundert die Verteidigungsstruktur und im zweiten Weltkrieg wird die römische Brücke vor dem Tor von den Bombenangriffen zerstört. Die Basen der Türme und wenige Reste der Brücke sind noch zu erkennen, während die erhaltenen Skulpturen, unter anderem die kopflose Skulptur von Friedrich II., im Museo Campano von Capua aufbewahrt werden. Von seinem Kopf ist noch eine Kopie von Tommaso Solari aus dem 18. Jahrhunders zu besichtigen. Eine Besichtigung des leider recht unbekannten, aber sehr interessanten Museo Campano in Capua ist sehr zu empfehlen.

Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens

Kategorien
Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Das frühe Mittelalter in Kampanien und die Langobarden

Das frühe Mittelalter in Kampanien ist von einer regionale Krise und dem Verfall des weströmischen Imperiums geprägt. Von einem wirtschaftlichen und demografischen Rückgang betroffen, verschlimmert sich mit den barbarischen Invasionen der Westgoten unter Alarich und den nordafrikanischen Vandalen, die im Jahre 456 Capua verwüsten. Schlimme Folgen hat auch der sich fast ausschließlich auf dem Territorium Kampaniens ausgetragene lange Krieg der Gothen mit den Byzantinern.

Die Byzanthinisch-langobardische Verbündung gegen die Goten

Das Inland Kampaniens und besonders die Gegend um Benevent werden von den Langobarden bevölkert, da sich die Byzanthiner zur Zeit der gotischen Kriegen mit ihnen verbünden. Der letzte König der Goten Teja fällt um 552 n. Chr. auf kampanischem Boden und die restliche Besatzung der Ostgoten versucht bei Conza im heutigen Irpinien letzten Widerstand zu leisten. Der byzanthinische General Narses wird von den Langobarden ausschlaggebend geholfen, um die Ostgoten endgültig zu besiegen. Auch aus Verteidigungsgründen ermöglicht Narses den Langobarden das Gebiet um Benevent zu besetzen: der Grundstein der Ansiedliedlung und der Geburt des Herzogtums von Benevent ist gelegt und Zotto wird um 568 n. Chr. erster Herzog von Benevent.

Langobardische Autonomie und Ausbreitung unter Zotto

Nach dem Sieg gegen die kaiserlichen byzanthinischen Truppen unter Baduar erreicht das Herzogtum der Langobarden unter Zotto in recht kurzer Zeit eine Autonomie von Byzanz. In nur 10 Jahren von 570-580 n. Chr. erobert Zotto das gesamte Inland Kampaniens, das die Byzanthiner durch weitgehend fehlende Verteidigungsmittel schwer verteidigen konnten. Das Herzogtum von Benevent erweitert den langobardischen Einfluß über weite Teile Süditaliens.

Kulturelle Trenung innerhalb der Region Kampanien

Die ehemalige römische Provinz Kampanien, die mittlerweile nur noch das Gebiet der Küste am Golf von Neapel beinhaltet, wird somit im Jahr 590 abgeschafft und durch die Herzogtümer von Neapel und Rom ersetzt. Weitere Stützpunkte werden von den Byzanthinern in Gaeta, Sorrent, Amalfi und Salerno gesichert. Nach Jahrhunderten der politischen Einheit innerhalb Kampaniens unter dem römischen Imperium entwickelt sich nun parallel eine italisch-griechische Kultur an der Küste und eine italisch-langobardische Kultur im Inland Kampaniens.

Die kulturelle Integration der Langobarden im Süden Italiens

Anders als in Norditalien erfolgt die Eroberung des Südens nicht durch eine Strategie oder einer Masseneinwanderung aus Pannonien. Es kommen vorüberwiegend Söldner und Krieger in den Süden, die durch Bandenbildung Raub und Überfälle tätigen, da sie ja ursprünglich von den Byzanthinern bezahlt wurden, um die gotische Plage zu beheben. Selbst Herzog Zotto könnte ursprünglich ein Bandenchef der langobardischen Söldner gewesen sein. Dadurch ist der langobardische kulturelle Einfluß zwar weniger intensiv als im Norden Italiens, andererseits ist die kulturelle Integration mit der in der großen Überzahl stehenden lokalen Bevölkerung wohl einfacher. Die Grabmähler der Longobardia Minor scheinen diese These zu bestätigen.

Die Herzogtümer von Benevent und Spoleto in Mittel- und Süditalien

Die von den Langobarden besetzten Gebiete in Mittel- und Süditalien werden mit dem Namen Langobardia Minor bezeichnet und beinhalten die Herzogtümer von Spoleto und Benevent. Während das norditalienische Langobardia Maior in verschiedene und wechselnde Herzogtümer und Gastale aufgeteilt wird, behält die Langobario Minor über den gesamten Zeitraum des langobardischen Reichs (568-774) in den beiden Herzogtümern von Spoleto und Benevent eine erhebliche istitutionelle Stabilität. Auch wenn sich die Herzogtümer von Spoleto und Benevent strukturell an das langobardische Reich von Pavia binden, wird in jenem Zeitraum eine weitreichende Autonomie gegenüber der Zentralregierung genossen (und von 574 bis 584 sogar eine komplette Unabhängigkeit).

Die Langobarden und Byzanz
Große Spannungen im 7. Jahrhundert mit Byzanz

Besonders zu Anfang ihrer Ausbreitung üben die Anfangs eher kriegerischen Langobarden enormen Druck auf die byzantinischen Küstenstädte aus. Zwar schaffen sie es nicht Neapel, Sorrent und Amalfi einzunehmen, doch fallen Capua, Nocera und im Jahre 630 sogar die erste Hafenstadt Salerno in ihre Hände. Selbst wenn man in Vergangenheit wohl den Einfluß der Langobarden meist als zu kritisch und negativ betrachtet hat, kann man heute kaum bestreiten das das sechste und das siebte Jahrhundert wohl zu den schwierigsten der Geschichte Kampaniens gehört.

Ein Herzog aus Benevent als König der Langobarden

Unter Grimoald wird im Jahre 662 sogar ein beneventanischer Herzog König der Langobarden, doch seine Herrschaft wird im Endeffekt eine erste starke Abhängigkeit Benevents gegenüber der zentralen Gewalt bedeuten. Unter Grimoald wird die Separation von Pavia und Benevent beibehalten und die beiden Throne an zwei seiner Söhne verteilt.

Die Konversion der Langobarden zum Christentum und das Aufblühen der benedektinischen Kultur

Erst gegen Ende des 7. Jahrhunderts entspannt sich der Druck zwischen den Byzanthinern und den Langobarden wohl Dank der Konversion der Langobarden zum Christentum durch den beneventanischen Bischhof Barbato. Die christliche Konversion bildet schließlich auch die Grundlage des Aufblühens des lokalen benediktinischen Mönchtums, des Wiederaufbaus des im Jahre 581 von Zotto, dem ersten langobardischen Herzog von Benevent, schlimm verwüsteten Klosters von Montecassino, als auch der Gründung der Abteien von San Vincenzo al Volturno im heutigen Molise und Santa Sofia in Benevent. Der kulturelle Einfluß der benedektinischen Mönche ist enorm: eindeutiges Zeichen hierfür ist die Erfindung der sogennanten Buchschrift Beneventana.

Die Abtei von San Vincenzo al Volturno
 
Die Rivalität zwischen der Londobardia minor und maior im 8. Jahrhundert

Nachdem das Herzogtum von Benevent den Byzanthinern im Laufe der vorherigen 150 Jahren große Gebiete entzogen hat und sich die Grenzen stabilisiert haben, entwickelt sich das das langobardische Reich Norditaliens und nicht mehr Byzanz zum neuen Hauptrivalen. König Liutprand versucht in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts mehrmals eigene Kandidaten auf die Throne von Benevent und Spoleto zu bringen. Sein Nachfolger Rachis erklärt die Herzogtümer von Benevent und Spoleto sogar als Fremdgebiete, die man ohne königliche Erlaubnis nicht mehr besuchen darf.

Der Einfluß der Franken in der langobardischen Kultur

Die langobardischen Herzogtümer Süditaliens (Longobardia minor) entwickeln sich im Laufe der Jahrzehnte immer unabhängiger von den Langobarden Norditaliens und der Hauptstadt Pavia, so daß Benevent unter Arich dem Zweiten im Jahre 774 zum Fürstentum aufsteigt. Das Herzogtum von Benevent bleibt somit selbst nach der Eroberung des langobardischen Reichs durch Karl dem Grossen im Jahr 774 noch in langobardischer Hand, auch wenn der Thron nun von Fürsten fränkischem Ursprungs besetzt wird.

Die Entwicklung der langobardischen Hafenstadt Salerno

Nachdem Arich II seinen Hof nach Salerno verlegt, entwickelt sich nun erstmals auch eine wichtige langobardische Hafenstadt mit einer veränderten Stadtstruktur, einer großen Burg und neuen Stadtmauer. Salerno wird die Langobarden zwar nicht zu einer Seemacht aufrichten, doch entsteht zumindest eine neue Rivalität zwischen ihr und der tradtionsbewussten und konservativeren Hauptstadt Benevent. Das langobardische Reich Süditaliens wird bei seiner weitesten Expansion fast ganz Kampanien, Molise, die Basilicata sowie Teile Apuliens und Kalabriens beinhalten. In Sizilien, Neapel, Gaeta und der amalfitanischen und sorrentinischen Halbinsel bleibt hingegen der byzanthinische Kultureinfluß erhalten.

Kultureller Wachstum und Geburt des Fürstentums von Salerno

Der einflussreichste Fürst von Benevent wird Sico I., Eroberer von Neapel, von wo er die Reliquien des heiligen Januarius rauben und nach Benevent bringen wird. Das 9. Jahrhundert wird trotz vieler Probleme kulturell das bedeutendste des Fürstentums von Benevent, in dem auch die beeindruckende Santa Sofia-Kirche noch unter Arich II errichtet wird. Zwar gibt es nach dem Königsmord an Sicard im Jahr 851 durch den Einfluß von Ludwig II dem Deutschen eine Trennung in zwei Fürstentümer: neben dem Fürstentum von Benevent wird das Fürstentum von Salerno geboren, das einen erheblichen Teil des zentralen und südlichen Gebiets des langobardischen Herzogtums von Benevent übernimmt und nun endgültig autonom wird. Dem neuen Fürstentum von Benevent hingegen bleibt ein erheblicher Teil Apuliens, die Region Molise und der Sannio erhalten.

Erhaltene Autonomie und Einfluss der beneventanischen Kirche

Interessanterweise bleibt nach dem Fall des langobardischen Reichs das Herzogtum von Benevent, später Fürstentum, faktisch das einzige langobardische Gebiet, das über fast 300 Jahre eine eigene Autonomie bewahren wird, trotz der Aufteilung einiger Gebiete im Jahr 851. Die kulturelle Autonomie der voherigen Jahrhunderte ist somit die Konsequenz der politisch-geographischen Situation jener Zeit. In der beneventanischen Kirche entwickelt sich als Gegenpol zum gregorianianischem Chor ein Gesang mit eigenem Stil und Rhythmus, der alsbeneventanischer Gesang bekannt wird. In diesem Kontext entwickelt sich auch die bereits erwähnte Schriftform “beneventana”, die für die Wiedergabe der lateinischen Sprache bestimmt ist und sich im langobardischen Süditalien stark verbreitet.

Die Schriftform „Beneventana“
Ansiedlung der Sarazener und Geburt des des dritten langobardischen Fürstentums Capua

Die Sarazenen entwickeln sich von ihrer Rolle als Söldner recht schnell zu einer autonomen Kraft und siedeln sich in Licosa (845), Agropoli (882) und am Garigliano (von 883 bis 915) an. Von hier aus planen sie regelmäßige Angriffe und machen große Teile Süditaliens unsicher. Die regional historisch wichtige Stadt Capua fällt in eine tiefe Krise und wird schließlich im Jahre 841 von einem Angriff der Sarazenen stark beschädigt. Erst im Jahre 856 wird Capua in einer neuen und sicheren Lage wieder neu aufgebaut (das antike Capua kennt man heute unter Santa Maria Capua Vetere) um sich im Laufe des zehnten und elften Jahrhunderts zu einem von Salerno und Benevent unabhängigen weiterem langobardischen Fürstentum zu entwickeln. Durch die andauernden Übergriffe der Sarazenen und die verschiedenen politischen Trennungsprozesse (wie im Falle von Salerno und Capua) beginnt im 9. Jahrhundert in Süditalien eine langsame Zergliederung der langobardischen Einheit, allerdings werden die drei Fürstentümer gemeinsam die kulturelle Identität der Langobarden in Kampanien noch bis zur endgültigen Übernahme der Normannen von Salerno im Jahr 1077 wahren.

Erscheinung der Normannen am Golf von Neapel

Um das Jahr 1000 erscheinen in Süditalien normanische Krieger, die je nach Bezahlung und Lohn von den Mächtigen als Söldner eingestellt werden um lokale Streitereien für sich zu entscheiden. Eine wichtige Persönlichkeit ist die Familie Hauteville unter Robert Guiskard, der die Fürstin von Salerno Sichelgaita heiraten wird. Im Jahre 1027 schenkt Herzog Sergius IV von Neapel dem Normannen Rainulf Drengot und seinen Söldnern die Grafschaft von Aversa, als Dank zu ihrer Unterstützung in einem der Kriege gegen das langobardische Fürstentum von Capua. In Aversa unweit von Neapel wird somit der erste normannische Vorposten Süditaliens geboren.

Übernahme von Benevent durch den Vatikan

Der Untergang des Fürstentums von Benevent wird im 11. Jahrhundert immer sichtbarer: im Jahr 1022 nimmt der Kaiser Heinrich II. die Hauptstadt Benevent ein, muss allerdings voreilig nach Deutschland zurückkehren. Durch den Einmarsch der Normannen kurze Zeit später ist das Ende des Fürstentums besiegelt. Robert Guiskard nimmt Benevent im Jahr 1053 ein und ordnet die ehemalige langobardische Hauptstadt dem Vatikan unter. Bis 1081 ernennt der Vatikan noch einige Fürsten, daraufhin wird das Fürstentum endgültig aufgelöst. Ab 1230 bis zur Vereinigung Italiens im Jahr 1860 wird Benevent dauerhaft vom Vatikanstaat regiert.

Italien im Jahr 1000
Das elfte Jahrhundert: goldenes Zeitalter von Salerno

Das Fürstentum von Salerno erhält über längere Zeit eine aktive Rolle. Guaimario IV, Fürst von Salerno von 1027 bis 1052, erweitert das Fürstentum weit über die bisherigen Grenzen: Amalfi, Sorrent, Gaeta und große Teile Apuliens und Kalabriens sind nun Teil des salernitanischen Reiches. Salerno träumt davon ganz Süditalien in seinem Fürstentum zu vereinigen und auf den hergestellten Münzen wird der Begriff Opulenta Salernum geprägt. Der Handel von Salerno erlebt im 10. und 11. Jahrhundert ein goldenes Zeitalter und auch die medizinische Hochschule von Salerno wird die berühmteste medizinische Einrichtung ganz Europas jener Zeit.

Ende des letzten langobardischen Fürstenturms von Kampanien

Doch auch Salerno muss sich mit den Normannen und Robert Guiskard messen. Die Stadt wird ab dem Jahr 1076 belagert, nach 8 Monaten eingenommen und im Jahr 1078 Hauptstadt des normanischen Reiches an Stelle der vorherigen Hauptstadt Melfi. Der letzte langobardische Fürst Gisulf II wird Salerno verlassen und nach Sarno (nach einer kurzen Flucht nach Rom) ins Exil geschickt. In diesen Jahren ersetzt die Namensgebung Terra Laboris (aus einem Dokument von 1092) nun den vorherigen Namen Campania, die auch unter den Normannen beibehalten wird.

Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens

Kategorien
Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Die Romanisierung Kampaniens

Rom erobert Kampanien

Von 343 bis 290 vor Christus konzentriert sich Rom fast ohne Unterbrechungen auf die drei Kriege mit den Samnitern im Süden Italiens und speziell in Kampanien. Am Ende des dritten samnitischen Krieges gewinnen die Römer, trotz einiger harter Rückschläge wie den demütigenden sogenannten “Forche Caudine” im Jahr 321 v. Chr, den Widerstand und werden durch den Bau der Via Appia und der Einführung der Civitas sine suffragio (Bürgerschaft ohne Stimmrecht) in den eroberten Städten Capua, Cumae und Acerra sowie durch die Alleanz mit Neapel erstmals Einfluss auf die regionale Kultur ausüben. Nur 15 Jahre später versuchen die Samniter sich nochmal im Pirrus-Krieg bei Maleventum (nach dem Krieg von Rom in Beneventum umgetauft) erfolglos von der römischen Dominanz zu befreien.

Kolonien, Unterdrückung und der zweite punische Krieg

Die Entstehung von römischen Kolonien in Cales (334), Suessa (313), Sinuessa (296), Paestum (273) und Beneventum (268) sowie darauf folgende in Salernum, Volturnum, Liternum und Puteoli (194) führen zu einer großen Beschleunigung der romanisierung der lokalen Kultur. Außerdem kolonialisiert Rom Picentia (Pontecagnano) und das Gebiet zwischen Eburum (Eboli) und Salernum mit dem ribellischen Volk der Picener im Jahre 268 v. Chr. Die anfängliche römische Besatzung ist sehr unterdrückend und fast alle besetzten Siedlungen entscheiden sich dafür im zweiten punischen Krieg im Jahr 216 v. Chr. gegen Rom zu kämpfen. Selbst das sicher geglaubte Verbündete Capua zieht gegen Rom in den Krieg und wird nach der erneuten Niederlage 5 Jahre später mit der Konfiszierung des eigenen Territoriums hart bestraft.

Die Anbindung an den römischen Handelsraum durch die Via Appia und die Via Popilia

Ab dem zweiten punischen Krieg folgt eine stabile, kriegsarme und kontinuirliche Entwicklung des kampanischen Territiums, auch wenn Rom noch starken Druck ausübt und manchmal ganze Territorien eingenommen werden. Die Anlegung der Via Appia zwischen Rom und Capua im Jahre 312 v. Chr., später noch über Beneventum und Venosa bis Brindisi führend, sowie der Via Popilia (zuvor Capua Rhegium) aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus, integriert Kampanien komplett in das weite Straßennetzwerk und somit den Handelsraum des gesamten römischen Imperiums. Die kampanische Urbanisierung der bereits existierenden Städte folgt der typischen wirtschaftlichen, sozialen und architektonischen Stadtentwicklung des 2. Jahrhunderts v. Chr., während neue römische Kolonien wie Pozzuoli, Salerno, Volturno und Literno gegründet werden.

Der Golf von Pozzuoli, vorher Golf von Cumae genannt
Entsumpfung und Wasserzisternen

Das Gebiet im Norden Kampaniens und am Golf von Neapel wird neu organisiert indem Gebiete entsumpft werden und andere durch Zisternen und hydraulischen Infrastrukturen ständig mit Wasser versorgt werden. Durch typisch römische Limitationen (Vermessungen) werden einige Agrarflächen nun an Kriesveteranen oder reiche römische Bürger verteilt, die an die Hauptstraßen wie die Via Appia und Via Latina gebunden sind um ein effizientes Handelsnetz mit den Häfen zu schaffen.

Die Landwirtschaft als Entwicklungsstrategie

Die Nutzung der Landwirtschaft wird durch ein System von sowohl residenzialer als auch rustikalen Villen vorangetrieben, die sich auf die Produktion konzentrieren, nicht selten aber auch repräsentative Räume vorzeigen können. Nicht ohne Zufall untertreicht Cato auch literarisch durch sein “De agricoltura” die legendäre Fruchtbarkeit der Gegend um den Golf von Neapel und gibt uns auch viele Hinweise über die Produktivität des Handwerks dieser Gegend: Cales und Minturno sind berühmt für die Qualität der Eiseninstrumente, Capua und Nola für die Amphoren und Metallvasen, Sessa Aurunca für Körbe und Wagen. Weiterhin die Olivenpressen von Pompeji, Nola und Rufrae, die Seile Capuas, sowie Venafro für die Ziegel, Seile für Weinpressen und Schaufeln. Die Keramik Neapels des Types “Campana A” gilt als die beliebteste des westlichen Mittelmeerraumes und die Häfen der um 194. v. Chr gegründeten neuen Hafenstädte von Pozzuoli und Salerno wachsen von Jahr zu Jahr. Viel Interesse hat auch der, im Vergleich zu den anderen Regionen Italiens, frühreife (bereits im 2. Jahrhundert v. Chr) Isis-Kult und der Einfluss der ägyptischen Kultur erweckt. Es ist wahrscheinlich, das die Häfen Kampaniens also bereits in jenem Jahrhundert eine wichtige Rolle für Rom gespielt haben, auch weil der Hafen von Ostia erst 2 Jahrhunderte später erbaut wurde. Somit wird das 2. Jahrhundert v. Chr. die Zeit der Gründung vieler Landwirtschafts und Produktionsvillen in Kampanien, dessen Produkte immer beliebter und geschätzter werden und sich mit einer hervorragender Infrastruktur für den Import und Export bedienen können.

Aufstände und Stimmrecht

Die kampanischen Städte haben bis dahin kein römisches Stimmrecht und werden den römischen Bürgern untergeordnet. Zwei große Aufstände der kampanischen Bevölkerung finden mit dem sozialen Krieg in den Jahren 90-89, sowie dem Zivilkrieg in den Jahren 83-82 v. Chr statt. Beide werden gegen das bereits übermächtige gewordene römische Imperium unter Cornelius Sulla verloren, dennoch werden den Verlierern dieses Mal Rechte zugesprochen, indem viele nun als offizielle römische Kolonialstädte akzeptiert werden und somit zum ersten Mal die lokalen Institutionen nach römischem Vorbild wählen dürfen. Der ethnische Ursprung der Städte Kampaniens kriegt in dieser Zeit  einen starken römischen Impuls und die lateinische Sprache wird immer wichtiger. Unter Sulla werden weitere römische Veteranenkolonnien in die Städte Nola, Abella (Avella), Abellinum (Avellino), Capua, Pompeji und Puteoli (Pozzuoli) gesiedelt.

Augustus von Prima Porta (20-17 v. Chr.), aus der Villa Livia
Die Campania Felix und Augustus

Die komplette Eingliederung in das römische Imperium, in Form der Kulte, Kultur und der lateinischen Sprache, findet schließlich während der Jahrtausendwende unter Augustus statt, der Kampanien zusammen mit dem Latium in seiner Reform zur Regio I und somit zur wichtigsten Provinz des Imperiums aufwertet. In dieser Zeit werden in Kampanien grandiose öffentliche Bauten finanziert, wie zum Beispiel die Küstenstraße Richtung Norden “Via Domitiana”, die “Via Traiana” als neue Verbindung zwischen Beneventum und Apulien, oder auch das kampanische Aquädukt, das in der Piscina Mirabilis nahe dem wichtigen Militärhafen am Kap Misenum endet und über zwei Rahmen eine Länge von über 160 Kilometer aufweist und teilweise unterirdisch verläuft (wie heute noch im unterirdischen Neapel zu sehen ist). Somit werden die Städte Kampaniens ständig mit frischem Trinkwasser versorgt, sind an die wichtigsten Straßen angebunden, haben eine priviligierte und sichere Position für den Handel durch ihre Häfen sowie ein besonders mildes Wetter und fruchtbare Böden für die Landwirtschaft. Es ist die Zeit der Campania Felix, in der die Region Kampanien und speziell das Gebiet um Pozzuoli, Neapel und Baia das Luxusgebiet des römischen Imperium wird und die Städte stark aufgewertet und modernisiert werden.

Capua

Das ehemals etruskisch und dann samnitische Capua wird im zweiten punischen Krieg berühmt, als Hannibal hier überwintert und seine Armee sich dem Genuß der Stadt widmet anstatt gegen das in dem Moment fast wehrlose Rom zu ziehen und den Krieg sieghaft zu beenden. Nach einer harten Strafe wächst Capua (das heutige Santa Maria Capua Vetere) in kurzer Zeit zu einer beeindruckenden Stadt an. Cicero ernennt es im 1. Jahrhundert v. Chr. das “Altera Roma”, also ein zweites Rom und vergleicht es mit Karthago und Korinth, während Ausonius es unter die zehn wichtigsten Städte des Imperiums aufführt. Der Name der Region Kampaniens stammt nach einigen Historikern vom Namen Capua: das Gebiet um Capua, “capuano” und schließlich “campano”. In Capua liegt heute noch das nach dem Kolosseum größte Amphitheater des römischen Imperiums, Reste eines Hadrian-Triumphbogens, Reste der Hauptzisterne des lokalen Aquädukts, dem größten Criptoportikus der Region (heute leider nicht zu sehen wie viele antike Reste unter der Stadt), die Votivgaben des italischen Kultes der “Mater Matutae” (im Museum von Capua zu besichtigen) sowie eine unterirdische Kultstätte, die dem ägyptischen Gott Mitra gewidmet wurde. In der Geschichte wird Capua nochmal durch den Aufstand der Gladiatoren und Sklaven unter Spartakus bekannt, der von Rom unterschätzt wird und die Hauptstadt lange Sorgen bereiten wird. Heute kann man besonders in dieser Gegend die Wiederverwendung von antiken Materialien und Säulen in den Kirchen und den Wohnhäusern betrachten.

Der sogenannte Tempel des Serapis von Pozzuoli, urspruenglich Marktplatz unweit des Hafens
Pozzuoli

Pozzuoli wird der Haupthandelshafen des römischen Imperiums für das Getreide aus Alexandria, Waren aus dem Orient, Griechenland und Spanien sowie Standpunkt vieler Otiumsvillen der römischen Oberschicht. Die Stadt wird mit wichtigen Monumenten wie dem Amphitheater Flavio (dem drittgrößten des Imperiums), dem Macellum (Marktplatz), einem geschützten Hafen mit einer etwa 300 Meter langen Anlegestelle, dem Stadium von Antonino Pio, dem kleinen und grossen Amphitheater, dem Augustus-Tempel, einem großen Stadtzentrum sowie einer beeindruckenden Zahl von Thermen und Zisternen bedacht.

Neapel

Neapel erreicht sehr früh um 326 v.Chr. einen Friedenspakt (Foedus Neapolitanum) mit Rom und kriegt daher vorteilhafte Bedingungen in den darauffolgenden Jahrhunderten zugestanden. Auch im zweiten punischen Krieg unter Hannibal bleibt Neapel ihrer Verbündung mit Rom treu und wird daraufhin Municipium Romanum nach der Lex Iulia. Erst beim Zivilkrieg kämpft Neapel für Mario und gegen Cornelius Sulla. Die Folge ist wohl eine Abwertung des neapolitanischen Hafens zu Gunsten von Pozzuoli, auch wenn Neapel sich speziell in diesem Jahrhundert wie weitere Städte der Region trotzdem prächtig weiterentwickeln wird. Die griechische kulturelle Autonomie bleibt daher in Neapel besonders stark und weiterhin kommen Künstler und Rektoren aus Griechenland nach Neapel, so daß Nero selbst noch im 1. Jahrhundert n. Christus im Theater von Neapolis vor dem lokalen Pubblikum auf griechisch singt um sich für seinen Gastauftritt in Griechenland vorzubereiten.

Neapel Unterirdisch mit einer Wasserzisterne

Heute sind in Neapel neben den Fundstücken im archäologischen Museum noch Reste von drei immensen Thermen (Im Kloster von Santa Chiara, an der Piazza Municipio und der Carminiello ai Mannesi unweit vom Dom), die eine beachtliche Ausbreitung der Stadt beweisen. Wegen den Arbeiten an der Metrohalte “Municipio” wird momentan auch der antike Hafen ausgegraben, der in die neue Haltestelle integriert werden soll und somit auch als Museum fungieren soll. Neapel und speziell das Viertel Posillipo wird durch den Erhalt der griechischen Kultur und Dank dem milden Klima auch Treffpunkt der römischen Oberschicht, unter anderem auch der berühmte Geniesser Lukullus, und viele luxuriöse Villen am Meer bestimmen das Bild der traumhaften Küste Neapels, speziell seit mit der Crypta Neapolitana unter Augustus eine direkte Verbindungsstraße durch den Tuffstein nach Pozzuoli und den Phlegräischen Feldern gebaut wird. Den Berichten nach wird in Neapel in der Villa von Brutus Ehefrau wohl auch der Mord an Julius Caesar geplant. Heute ist neben dem unter der heutigen San Lorenzo Kirche gelegene antike Marktplatz und den imposanten Säulen der San Paolo Maggiore Kirche vorallendingen das in Neapel unterirdisch verlaufene Aquädukt beeindruckendt erhalten. Durch den Tuffstein verlaufend und mit hunderten von Zisternen und Schächten belegt, war die antike Wasserversorgung noch bis ins 19. Jahrhundert aktiv und ist bis heute bei Zugängen zum unterirdischen Neapel noch sichtbar.

Benevent, Details des Triumphbogens von Trajan
Benevent

Benevent war eine italische Stadt (Malies), die von den Römern wegen der demütigenden Niederlage gegen die Samniter in dieser Gegend in Maleventum getauft wurde. Erst als die Römer den Pirrus-Krieg hier im Jahr 275 v. Chr. entscheidend für sich entscheiden, wird die Stadt in Beneventum umgetauft. Benevent wird durch die strategische Position, auf der Via Appia in Richtung Brindisi gelegen und nach Trajan auch Angelpunkt in Richtung Bari durch die Via Traiana, in relativ kurzer Zeit ein wichtiges Handels-, Hirten- und Landwirtschaftszentrum. Wegen der strategischen Position siedelt Rom mehrmals Kolonnien von Veteranen nach Benevent und die Stadt wird im dritten und vierten Jahrhundert nach Capua wohl die zweitgrößte der Region Kampanien. Bis heute ist die Stadt für ihren Hexenkult der “Janare” bekannt (der Ursprung könnte von Gott Janus stammen), der sicher einen antiken Ursprung hat und sich in den Jahrhunderten verändert. Der in Italien sehr bekannte Likör “Strega” (Hexe) wird in Benevent zubereitet und oft für die Herstellung von Süßwaren verwendet (oft als Alternative zum Amaretto). Heute ist uns in Benevent der wohl besterhaltenste Triumphbogen der römischen Geschichte erhalten geblieben, der Triumphbogen des Trajan. Außerdem wurde das antike Theater wiederentdeckt, das Platz für 15000 Zuschauer bot (für ein normales Theater sehr beachtlich) und ist vor allem wegen dem starken Einfluss der ägyptischen Kultur bekannt: im Museum sind 25 Skulpturen des Isis-Tempels zu besichtigen, während in der Stadt noch eine Skulptur des Bue Api und ein Obelisk des Isis-Tempels erhalten geblieben sind.

Paestum

Paestum wird von den Luxusliebenden Griechen aus Sibaris in Kalabrien gegründet, wohl auch um einen Hafen am tyrrhenischem Meer zu haben ohne die gesamte südliche Küste Italiens zu umsegeln. Paestum, ursprünglich Posidonia genannt und dem Meeresgott Poseidon gewidmet, überlebt die Zerstörung von Sibaris im Jahre 510 v. Chr. und hat seine Blütezeit wohl in der darauffolgenden Zeit bis zum Jahr 440. v. Chr., da die Jahrzehnte darauf von Kontrasten mit der italischen Bevölkerung der Lukaner geprägt sind, die Paestum schließlich übernehmen werden. Die Wichtgkeit und die lebendige Produktion Paestums bleibt erhalten und schließlich von Rom im Jahr 273. v. Chr. erobert. Berühmt wird Paestum wegen der Herstellung von Parfum und speziell der Herstellung und Nutzung der lokalen Rosen, die von vielen antiken Schriftstellern erwähnt wird. Die römische Struktur Paestums ist größtenteils aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., bei der vorallendingen die Infrastruktur und die Wasserversorgung verbessert wird. Wegen der Treue zu Rom darf Paestum bis ins 1. Jahrhundert nach Christus eigene Münzen herstellen und wird mit einem großzügigem Forum mit Capitolium, einem Gymnasium und einem Amphitheater bedacht.

Paestum, Perspektive durch die Saeulen des sogenannten Poseidontempels

Einzigartig erhalten bleiben die drei großen dorischen Tempel (die sog. Basilica, der Ceres-Tempel und der Neptun-Tempel), die für viele Kunsthistoriker und Archäologischen als absolutes Paradebeispiel der griechischen Architektur in Süditalien gelten. Die Tempel sind Athena und Hera gewidmet, die hier auch noch in der rōmischen Epoche besonders verehrt wird und dessen Tempel als Kultort genutzt werden. Im 20. Jahrhundert werden die Nekropolen ausgegraben, die heute im Nationalmuseum von Paestum neben den Ausgrabungen zu besichtigen sind: neben vielen italischen Gräbern und römischen Dekorationen ist das Grabmahl des “Tauchers”, bei der ein griechisches Grabmahl den Übergang vom Leben zum Tod darstellt, sicher der beeindruckendste Fund.

Baiae

Baia liegt nordwestlich von Pozzuoli und kurz vor Cumae innerhalb der phlegräischen Felder am Zugang zum Hades der Griechen, dem Averner See, und dem Lucrino-See, die von den Römern unter Augustus von einer Orakel-Stätte in einem Militärhafen, dem Portus Iulius, umgewandelt wurde. Erst nach dem epokalen Sieg gegen Sextus Pompeius und der Versandung des Hafens wird der Militärstützpunkt nach Kap Misenum verlegt und Baiae schließlich zum absoluten Luxusort des römischen Imperiums, der von vielen Schriftstellern der Antike als Ort der Sünde beschrieben wird. Selbst Julius Caeser hat im ersten Jahrhundert v. Chr. hier eine immense Otiumsvilla bauen lassen (heute unter dem aragonesischen Schloß des Museums der phlegräischen Felder) und Horaz umschreibt Baiae mit den Worten das “Kein Ort der Welt glänzender als der Golf von Baiae schimmere”. Die Anzahl der Thermalanlagen, vermischt mit den natürlichen Seen, dem heissen Thermalwasser der phlegräischen Felder und einer großen Anzahl von Luxusvillen verlocken viele Senatoren und Imperatoren wie Nero oder Claudio in diese blühende Stadt. Interessanterweise hat der lokale starke Bradisismus (der Senkung oder Erhöhung der Erdplatte) Teile des antiken Baias und den Portus Iulius versenken lassen, so daß sie im Mittelalter oder während des Baubooms des 20. Jahrhunderts nicht verändert oder zerstört werden konnten.

Der Averna See heute

Heute kann man Reste des antiken Baias im archäologischen Museum der phlegräischen Felder besichtigen oder als Taucher oder mit einem Boot mit Glasboden (bei ruhigem Meer) das versunkene Baiae unter dem Wasser erkundigen. Weitere Reste sind die restlichen Thermalanlagen am Averner See und den immensen Thermen von Baiae gegenüber dem heutigen Hafen.

Velia

Velia (Elea bei den Griechen) wird um 540 v. Chr von den Fokäern auf dem Grund einer vorher lokalen oenotrischen Siedlung gegründet und hier entwickelt sich durch den Äskulap-Kult sehr frühzeitig eine medizinische Wissenschaft. Unter Parmenides und Zenon wird die eleatische Philosophieschule gegründet, die von Velia aus einen großen Beitrag zur westeuropäischen Kultur beitragen wird. Auch der Handel blüht in der antiken Hafenstadt des Cilento und eigene Münzen werden produziert. Unter Rom ist Velia wegen dem hohen Lebensstandard und dem milden Klima bekannt, auch weil der versandende Hafen und damit der Handel durch den Bau der Via Popilia im Jahr 132. v. Chr nach Rhegium (Reggio Calabria) an Bedeutung verliert. Persönlichkeiten wie Cicero, Horaz oder Paulus Emilius verbringen hier mehrere Monate um sich zu erholen, während Brutus nach dem Mord an Julius Caeser nach Velia flüchtet. Die philosophisch-medizinische Wissenschaft wird weitergeführt und es ist nicht unwahrscheinlich daß der Untergang Velias durch die ständigen Angriffe der sarazenischen Piraten durch die Flucht der Mediziner auch der Anfang der medizinischen Hochschule von Salerno bedeutet, der ersten medizinischen Fakultät der Welt, die sicher schon im frühen Mittelalter aktiv und bisher ungewissen Ursprung hat. Die archäologischen Reste haben sich überraschend gut erhalten und heute sind die Porta Rosa, die Porta Marina, die Reste der Medizinschule, das antike Hafengebiet, die hellenistischen und die römischen Thermen, die Agorà, die Akropolis mit ihrem Theater, das archaische und das südliche Wohngebiet des antiken Velias zu besichtigen.

Pompeji, der Apollo Tempel
Pompeji

Ohne den Fund Pompejis und der anderen Ausgrabungen am Vesuv wäre viel Wissen über das Leben in einer römischen Stadt ansonsten der Phantasie überlassen gewesen. Pompeji wurde im 7. oder 6. Jahrhundert wohl von der lokalen oskischen Bevölkerung gegründet und von den Etruskern aus Nocera übernommen. Glücklich am Fluß Sarno gelegen, entwickelt sich Pompeji für die Städte des Inlands zu einem strategischen Binnenhafen, der zuerst von den Samnitern und dann den Römern übernommen wird. Unter Rom entwickelt sich Pompeji weiter und wird Teil der beliebten Campania Felix, in der die römische Oberschicht gerne ihre Otiumsvillen bauen, dennoch hat Pompeji keine strategische Wichtigkeit im Vergleich zu Capua, Neapelis und besonders Puteolis (Pozzuoli). Man kann sich heute jedoch kein klares Bild über Rom machen, wenn man nicht auch Pompeji gesehen hat, da die letzten Jahrhunderte auch stark von der römischen Architektur, Kunst, Mode und den Bräuchen geprägt war. Diese Details sind heute in Rom kaum sichtbar, doch durch den Ausbruchs des Vesuvs untergegangenen und wiederentdecktem Pompeji heute einzigartig erhalten. Vor dem Fund Pompejis und Herkulaneums war das römische Privathaus nur durch die Beschreibungs Vitruvs und anderer Schriftsteller vorstellbar, während sie hier in verschiedenen Formen vorzufinden sind. Eine Auflistung der Sehenswürdigkeiten würde jeglichen Raum sprengen und eine begleitete Besichtigung der Ausgrabungen ist für jeden Liebhaber der Kultur der Antike zu empfehlen.

Mosaike aus Herkulaneum, Sommertriclinium des Haus des Skeletts
Herkulaneum

Der Legende nach durch Herkules bei seiner Rückkehr aus Spanien gegründet, war Herkulaneum wohl eine Siedlung der einheimischen Osker aus dem 7. Jahrhundert v. Chr um wie Pompeji schließlich griechisch-etruskisch, samnitisch und dann römisch zu werden. Anders als Pompeji wurde Herkulaneum nicht von der heissen Asche und den Bimssteinen verbrannt, da es im Westen des Vesuvs gelegen war. Herkulaneum geht in kürzerster Zeit durch einen pyroklastischen Strom von vulkanischem Schlamm unter und ist somit erheblich besser erhalten geblieben. Herkulaneum war dabei eine vornehmere und kleinere Residenzstadt für wohlhabende Bürger, in der der Handel weniger wichtig war und besonders die Ruhe und das angenehme Klima genossen wurde, denn Herkulaneum lag direkt am Meer. Eine geführte Besichtigung Herkulaneums und der vielen besonders gut erhaltenen Reste ist sehr zu empfehlen, selbst wenn man schon in Pompeji gewesen ist.

Oplontis

Vom antiken Oplontis haben wir heute wenig Notizen. Auf der Tabula Peutingerana wird sie als Stadt mit dem Zeichen eines Kurorts markiert, die unweit von Pompeji gelegen haben mußte. Das antike Oplontis liegt somit wohl weiterhin unter der aktuellen Stadt Torre Annunziata, während ein erheblicher Teil der Villa Poppea, der beeindruckenden Otiumsvilla der pompejanischen zweiten Ehefrau von Kaiser Nero, Poppea Sabina, zu besichtigen ist. Die Ausgrabungen von Oplontis kennen somit nur wenige Kampanienreisende, eine Führung ist aber durch den Prunk der imperialen Villa Poppea eine hervorragende Abrundung zum Thema Luxus am Golf von Neapel in der römischen Kaiserzeit.

Wandfresko im zweiten Stil aus Boscoreale, heute im archaeologischen Museum von Neapel
Stabiae – Boscoreale – Sorrentum – Liternum

Liternum ist eine der ältesten römischen Kolonien in Kampanien und wurde als Wohnort von Scipio Africanus gewählt, der hier auch begraben wird. Heute ist in dem Gebiet um Licola allerdings nur ein Teil des Forums ausgegraben. Die Reste des antiken Sorrentum sind in der aktuellen Stadt Sorrento integriert und in der Ausrichtung der römisch gegliederten Altstadt wiederzuerkennen. Eine Besonderheit sind auch die Reste der Otiumsvillen an der sorrentinischen Küste, unter anderem die für Bäder genutzte Villa des Pollio Felice oder auch die Villa di Pipiano. Stabiae und das heutige Boscoreale waren Villengebiete des Ager Pompejanus: im heutigen Castellammare di Stabia sind davon momentan nur zwei Villen, die Villa San Marco und die Villa Arianna, zu besichtigen während in Boscoreale viele der Fundstücke der ausgegrabenen antiken Vorortvillen Anfang des 20. Jahrhunderts an internationale Museen wie das Louvre oder das Metropolitan verkauft wurden. Momentan ist hier leider nur die Villa Regina neben dem Antiquarium von Boscoreale zu besichtigen, die einen Eindruck in das Leben einer Villa Rusticae, also einer Villa die sich auf die Verwertung von gastronomischen Produkten konzentrieren, geben sollen.

Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens

Kategorien
Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Die Epoche der Etrusker und Griechen in Kampanien

Die erste griechische Stadt Italiens – Cumae

Mit der Ansiedlung der Griechen in Kampanien zu Ende der Eisenzeit wird Kampanien in unsere Geschichtsschreibung integriert. Bereits seit vielen Jahrhunderten betreiben die Völker Griechenlands Handel mit den italischen Bewohndern,doch etwa um 750 v. Chr siedeln Griechen aus Chalkida und Kyme der Insel Eubea in Lacco Ameno auf der heutigen Insel Ischia an und nennen ihre Siedlung Pithecusa. Von hier aus gründen sie schliesslich die wahrscheinlich antikste Stätte der Magna Graecia, Cumae, um von hier aus ihre Kultur zuerst lokal und dann durch die Kontakte und den Handel innerhalb der nächsten Jahrhunderte bis nach Latium und Etrurien auszubreiten.

Die Gründe der Kolonnialisierung Italiens

Die Gründe der Gründungen von Städten in Süditalien sind sehr vielfältig, liegen wohl besonders an einer mangelnden Versorgung von Nahrungsmitteln in den immer weiter wachsenden griechischen Städten, als auch an um den Handel mit den Metallen zu erleichtern und so strategische Stützpunkte zu errichten. Die Wahl des Golfes von Neapel für die erste feste Kolonnie, dem nördlichsten Gebiet im Vergleich zu den vielen darauffolgenden peloponesischen Siedlungen im Rest Süditaliens, ist emblematisch: eine fruchtbare Landschaft mit einer strategischen Nähe zu Elba und Sardinien für den Handel mit dem Volk Etrusker in Kampanien von wichtigen Metallen und Mineralien mit griechischen Gütern.

Die Tempel von Paestum

Die griechischen Kolonnien Kampaniens

Auf dem Territorium der cumanischen Griechen werden am Golf von Neapel dann Parthenope (etwa 680 v. Chr.), Dikearchia duch Flüchtlinge aus Samos, die akzeptiert und integriert werden (das heutige Pozzuoli, 531 v. Chr.) und Neapolis (um 500 v. Chr.) gegründet. Weiter im Süden, am Delta des Flusses Sele, gründen die mächtigen Griechen aus dem kalabresischen Sybaris um 600 v. Chr Posidonia (das heutige Paestum) und erbauen dort die bis heute beeindruckend erhaltenen grossen Tempel. Etwa um 540 wird schliesslich noch Elea, das heutige Velia, von den vor den Persern flüchtenden Griechen aus Phokaia gegründet. Diese schöne und tüchtige Stadt am Meer unweit vom Kap Palinuro ist in seiner Blütezeit vor allem wegen seiner Philosophie-Akkademie um Xenophanes, Parmenides und Zenon bekannt. Die Griechen Kampaniens sind also ausschliesslich ionischem und achaischem (Paestum) Ursprungs.

Die Kolonnien de Griechen in Kampanien

Dabei folgen die Griechen in Kampanien bei der Siedlung ihrer Städte ein immer wiederkehrendes Schema: sie bevorzugen nicht allzu ausgedehnte Flachlandgebiete in der Nähe des Meeres als auch von Hügeln oder Bergen und meiden somit das Inland, in dem weiterhin die italischen Völker leben. So konnten sich die griechischen Kolonnien selbst versorgen und über das Meer Handel treiben. Man kann heute ausschliessen, das die Städte der Griechen in Kampanien als rein strategische oder militärische Basen fungieren, denn obwohl der Handel mit der Heimat priviliegiert wurde sind die neuen Kolonnien wirtschaftlich autonom und politisch frei. Nach der Gründung gibt es klare Regeln zur Versorgung und der Organisation der politischen und religiösen Normen, denn meist waren die neuen griechischen Städte strikter und genauer organisiert als die eigentliche Heimatstadt. Die Unterschiede der griechischen Siedlungen Süditaliens zur Heimat vergrössern sich auch durch den ständigen Kontakt mit den vielen italischen Völkern, wie zum Beispiel den Oskern Kampaniens. In Süditalien wird der Einfluss der griechischen Kultur historisch einen immensen Impakt haben.

Der Einfluss der Etrusker

Neben den griechischen Siedlungen an der Küste wird die Kolonialisierung Kampaniens in dieser Zeit auch von den Etruskern im Inland begleitet. Für die Etrusker wird Kampanien eine Grenzregion werden, die der etruskischen Welt aber ermöglicht direkten Kontakt mit anderen und speziell der griechischen Kultur aufzubauen. Diese haben ihr Zentrum in Capua und breiten sich von Teano bis zum südlich von Salerno gelegenen Fluss Sele aus. Capua wird dabei bereits im 9. Jahrhundert v. Chr. gegründet und trägt mit weiteren kleinen etruskischen Zentren, wie zum Beispiel Nola und dem heutigen Pontecagnano, zur Entstehung einer sehr entwickelten gemeinschaftlichen und ländlichen Kultur in den Tälern des Inlands von Kampaniens bei.

Die Etrusker in Italien
Die Erweiterung Etruriens bis nach Kampanien

Die etruskischen Siedlungen Kampaniens

Die Etrusker werden ähnlich wie in der Erweiterung der Emilia Siedlungen von lokalen Völkern ubernehmen und vor-urbane Siedlungen aufbauen, die ein Siedlungsgebiet mit einer primitiven politischen Verwaltung und eine separate Nekropole bilden. Die Siedlungen der Etrusker in Kampanien basieren wohl auf einer Agrarkultur, dem Handel mit den lokalen Stämmen und Griechen sowie den Handelskontakten mit den etruskischen Zentren in Mittelitalien. Die etruskischen Zentren befinden sich am Fluss Volturnus bei Teano im Norden Kampaniens, in Capua nicht weit vom griechischen Cumae (das später zu einer der wichtigsten vorrömischen Städte Italiens heranwachsen wird), in Nola im Inland des Vesuvs, in Nuceria (heute Nocera) unweit von Pompeji (das vielleicht auch etruskischen Ursprungs ist), vielleicht an der sorrentiner Halbinsel und dem heutigen Cava de Tirreni sowie dem letzten strategischen Stützpunkt Pontecagnano am Sele-Tal südlich von Salerno. Speziell in Pontecagnano aber auch in Nola befinden sich Museen, in denen man heute die etruskische Kunst Kampaniens besichtigen kann.

Die Vertreibung der Etrusker durch die Griechen

Die fortgeschrittene etruskische Kultur hat in Kampanien zwar Handelsbeziehungen zu den Griechen, doch andererseits verteidigen die Griechen ihre Vormachtstellung an der Küste und begrenzen den Handel der Etrusker auf den Wegen durch das Inland. Diese Vormachtstellung werden die Griechen in Kampanien in den beiden grossen Kriegen mit den Etruskern im Jahre 540 v. Chr durch den Tyrann Aristodemos von Cumae und endgültig im zweiten Krieg im Jahre 474 v. Chr durch die Unterstützung von Syrakus verteidigen und die Etrusker nach Jahrhunderten von kulturellen Einfluss aus Kampanien vertreiben.

Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens