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Monumente der Phlegräischen Felder

Der archäologische Park des Unterwasser Baia

Die vor 2400 Jahren bestehende Küstenlinie von Baia ist wegen dem Bradysismus der Phlegräischen Felder untergegangen und ist heute im archäologischen Park des Unterwasser Baia zu besichtigen. Der aktuelle Hafen war damals ein Teil des Festlands, dessen damals als Lacus Baianum bekannte Bucht von der Punta Epitaffio bis zur Punta del Castello verlief. Der Name Baia stammt entweder von der beliebten Bucht oder von dem Steuermann des Odysseus Baios ab, der der Legende nach hier verstarb und begraben wurde.

Die Entdeckung

Die Entdeckung des Unterwasser Baia geschah während des zweiten Weltkriegs Dank einiger Luftaufnahmen der Amerikaner, bei dem ein Teil des antiken Portus Julius unter dem Wasser erkannt werden konnten. Die ersten wahren archäologischen Untersuchungen des Unterwasser Baia begannen allerdings erst 1960, als die Pisoni Villa, das Nymphäum des Imperators Claudius sowie eine grosse Anzahl von Säulen, Pfeilern und Fussböden entdeckt wurden. Seit 1984 ist auch eine topographische und graphische Aufnahme des Reliefs des Unterwasser Baia im Gange, die zu überraschenden Ausmassen herangewachsen ist. Neben den luxuriösen Villen wurden auch viele Reste des Handelshafens von Pozzuoli unter dem Wasser entdeckt.

Römischer Luxusort der Antike

Die ersten römischen Ansiedlungen stammen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, während im 1. Jahrhundert nach Christus Baia sich zur Luxusortschaft der römischen Imperiums entwickelte und sich die teuren Villen durchgehend von Pozzuoli bis nach Cuma an dieser Küstenlinie häuften. Die meisten Villen dieses Gebiets waren mit einer beeindruckend luxuriösen Einrichtung, als auch mit Thermen und Becken für die Fischzucht ausgestattet. Am Ende der römischen Republik war Baia bereits als das kleine Rom bekannt. Dafür war hier nicht die politische Macht oder die Grösse der Stadt entscheidend, sondern die Gegebenheit das die bedeutendsten römischen Persönlichkeiten ihren Urlaub oder ihre letzten Lebensjahre in Baia verbrachten und somit üppige Luxusvillen errichtet wurden. Die Ortschaft Baia strahlte mit ihrer Bucht, den Thermalquellen und der üppigen Vegetation an den Hügeln einen starken Reiz auf die römische Elite aus, die mit einem Panorama auf den Golf von Neapel begleitet wurde. Der Ausspruch des Horaz „Nullus in orbe sinus Baiis praelucet amoenis“ (Nicht übertrifft den Glanz des Golfes von Baia) war ein Ausspruch der römischen Vorliebe zu dieser begehrten Ortschaft.

Die Landschaft im antiken Baiae

Die in 10 Meter unter dem Meeresspiegel liegende ehemalige römische Küstenlinie mit den vielen untergeganenen Gebäuden zeigt wie der Meeresspiegel am Gebiet der Phlegräischen Felder im Vergleich zur Antike abgesunken ist. Die ehemals dicht besiedelte Küstenlinie mit einem Teil der wichtigsten römischen Infrastrukturen und Gebäude sind somit im Laufe der letzten 2000 Jahre versunken, woher auch der Spitzname des Unterwasser-Pompejis stammt. Die römischen Gebäude wurden auf einer weiten sandigen Bucht zwischen dem Meer und der westlichen Seite des Baianus Lacus errichtet. Die ehemalige Küstenlinie war dabei allerdings etwa 160-180 Meter von der heutigen Punta Epitaffio in südlicher Richtung entfernt und weitete sich in Richtung Osten bis zur Grenze zum Hafen von Pozzuoli aus, so das der damals grössere Lucriner See vom Meer abgetrennt wurde. Später wurde noch ein etwa 200 Meter langer und 32 Meter breiter Kanal hinzugefügt, der von dieser Bucht in den Golf von Pozzuoli führte. An dieser antike Küstenlinie war ein aneinanderreihen von Hafenbecken, Fischzuchtsbecken und Bootsanlegestellen zu privaten Villen, die nicht selten direkt am Meer lagen. Die grossen Schutzportale der Meeresvillen des antiken Baia sind heute nur weniger Meter unter dem Meer zwischen der Punta Epitaffio und dem Castello Aragonese zu erkennen.

Die vulkanische Gegend im Norden vom Golf von Neapel und die Bucht von Baia

Die Pisoni Villa

Die Pisoni Villa konnte Dank einer Bleifistel mit der Aufschrift Lucio Pisone identifiziert werden. Die Pisoni waren eine wohlhabende und einflussreiche römische Familie, in dessen Villa angeblich ein Komplott gegen Nero aufgespürt werden konnte. Aus diesem Grund wurde sie konfisziert und in den imperialen Besitz übernommen. Der Ursprung der Villa stammt aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und wurde sowohl im gleichen als im nächsten Jahrhundert restauriert. Die Pisoni Villa hatte zwei Anlegestellen und liegt etwa 130 Meter südöstlich der Punta Epitaffio. Die Position dieser Anlegestellen und der Mole der Villa weisen darauf hin, das ein erheblicher Teil des Gebäudes über dem Wasser errichtet und mit aus einem zementifizierten Konglomerat gefüllten Holztrichtern gestützt wurde. Die archäologischen Reste reichen fast bis zu 200 Meter von der Küstenlinie weg und bestätigen die Schriften des Horaz, der von dem Übermut der Villenbesitzer und von Säulen berichtet, die dort stünden wo vorher noch Wellen aufschlugen. Der zentrale Kern der Villa misste eine Länge von 95 mal 65 Meter Breite, während die gesamte Villa Ausmassen von 160 mal 120 Meter hatte und Becken für die Fischzucht besass. Heute sind unter dem Wasser auch Säulenreste der Gartenterrasse, ein grosser Brunnen sowie ein Thermalbecken zu erkennen.

Das Nymphäum des Imperators Claudius

Das an der Punta Epitaffio 1969 entdeckte Nymphäum aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. aus der Zeit des Imperators Claudius war wegen der Qualität und den Ausmassen der gefundenen Skulpturen (die heute im Archäologischen Museum der Phlegräischen Felder aufbewahrt werden) eine sensationelle Entdeckung im Unterwasser Baia. Der Rechteckige 18 mal 10 Meter grosse Raum hat eine halbrunde Absis mit der Funktion eines Speisezimmers (Tricliniums) an der hinteren Wand. Der gesamte Raum war mit Marmor verziert mit einem grossen zentralen Becken. An den Seiten waren jeweils vier mit Statuen versehene Nischen. Die Absis und die Nischen waren ausserdem mit Steinen verkleidet, um zusammen mit dem Wasserkanal und dem Becken die Atmosphäre einer Grotte herzustellen. Die Skulpturengruppe der Absis ist leider nicht komplett erhalten geblieben und stellte wohl die Episode des unter Polyphem gefangenen Odysseus mit seinem Gefolge dar. Erhalten geblieben ist die Skulptur des Odysseus während er Polyphem den Wein anbietet und ein Kollege mit einem Weinkrug, während die zentrale Skulptur des Polyphem leider nie gefunden werden konnte. Aus den seitlichen Nischen sind 4 der 8 Skulpturen in einem recht guten Zustand erhalten. Zwei von ihnen zeigen einen jungen Dionysos, eine ist eine Antonia Minor mit einem Diadem und einem beflügelten Jungen sowie einer weiteren jungen delikaten weiblichen Skluptur, die von manchen als die jung verstorbene Tochter des Claudius, von anderen als seine Frau Claudia Octavia gehalten wird. Im archäologischen Museum der Phlegräischen Felder wurde der Raum des Nymphäums mit den Originalskulpturen nachgebildet während unter dem Wasser die Originale mit Kopien ausgetauscht wurden.

Die Kopie der sogenannten Antonia Minor

Die Prothyrus Villa

Ein Prothyrus ist in der römischen Architektur ein Eingangsbereich zwischen der Tür und dem Atrium des Hauses. Die Wände des Atriums und einigen weiteren Räumen dieser Villa waren mit Marmor und Fussböden mit musiven Mosaiken verkleidet, von denen einer weiterhin ca. 6 Meter unter dem Wasserniveau zu erkennen ist. Dieser Fussboden ist aus schwarzen und weissen Mosaikteilchen und zeigt ein hexagonales Design. Die Villa hatte eine Fassade von circa 120 Metern Länge und vielen Geschäften entlang der Strasse. Der grosse Garten wir mit Skulpturen (einige wurden ins Museum gebracht) geschmückt und hatte einen eigenen Thermalbereich, der sich bis an den Strand zog. Ausserdem hatte die Villa noch ein 110 mal 80 Meter grosses Hafenbecken, Anlegestellen, Fischzuchtsbecken, Pavillons und Molen.

Das hexagonale Design des Mosaikfussbodens

Die Besichtigung des archälogischen Parks des Unterwasser Baia

Der Park des Unterwasser Baia wurde im Jahr 2002 eingerichtet und ist seit 2007 ein geschützter Marinepark, der nur in Begleitung von offiziellen Sub-Centern besichtigt werden darf. Eine weitere weniger intensivere aber einfachere Alternative ist die Nutzung eines Bootes mit Glasboden mit Blick auf die archäologischen Reste von oben. Viele der archäologischen Funde wurden wegen ihrem Werts ins archäologische Museum der Phlegräischen Felder gebracht und durch Kopien ersetzt. Ich biete ebenfalls Führungen und Ausflüge ins Unterwasser Baia an, sowohl als Bootsausflug als auch in Zusammenarbeit mit den lokalen Snorkeling Unternehmen an. Diese können auch mit den anderen Sehenswürdigkeiten der Phlegräischen Felder wie den Thermen von Baia, der Piscina Mirabilis, Cumae oder auch Pozzuoli für einen Tagesausflug verbunden werden.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Phlegräischen Felder finden Sie in auf meinem Blog.

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Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Die Romanisierung Kampaniens

Rom erobert Kampanien

Von 343 bis 290 vor Christus konzentriert sich Rom fast ohne Unterbrechungen auf die drei Kriege mit den Samnitern im Süden Italiens und speziell in Kampanien. Am Ende des dritten samnitischen Krieges gewinnen die Römer, trotz einiger harter Rückschläge wie den demütigenden sogenannten “Forche Caudine” im Jahr 321 v. Chr, den Widerstand und werden durch den Bau der Via Appia und der Einführung der Civitas sine suffragio (Bürgerschaft ohne Stimmrecht) in den eroberten Städten Capua, Cumae und Acerra sowie durch die Alleanz mit Neapel erstmals Einfluss auf die regionale Kultur ausüben. Nur 15 Jahre später versuchen die Samniter sich nochmal im Pirrus-Krieg bei Maleventum (nach dem Krieg von Rom in Beneventum umgetauft) erfolglos von der römischen Dominanz zu befreien.

Kolonien, Unterdrückung und der zweite punische Krieg

Die Entstehung von römischen Kolonien in Cales (334), Suessa (313), Sinuessa (296), Paestum (273) und Beneventum (268) sowie darauf folgende in Salernum, Volturnum, Liternum und Puteoli (194) führen zu einer großen Beschleunigung der romanisierung der lokalen Kultur. Außerdem kolonialisiert Rom Picentia (Pontecagnano) und das Gebiet zwischen Eburum (Eboli) und Salernum mit dem ribellischen Volk der Picener im Jahre 268 v. Chr. Die anfängliche römische Besatzung ist sehr unterdrückend und fast alle besetzten Siedlungen entscheiden sich dafür im zweiten punischen Krieg im Jahr 216 v. Chr. gegen Rom zu kämpfen. Selbst das sicher geglaubte Verbündete Capua zieht gegen Rom in den Krieg und wird nach der erneuten Niederlage 5 Jahre später mit der Konfiszierung des eigenen Territoriums hart bestraft.

Die Anbindung an den römischen Handelsraum durch die Via Appia und die Via Popilia

Ab dem zweiten punischen Krieg folgt eine stabile, kriegsarme und kontinuirliche Entwicklung des kampanischen Territiums, auch wenn Rom noch starken Druck ausübt und manchmal ganze Territorien eingenommen werden. Die Anlegung der Via Appia zwischen Rom und Capua im Jahre 312 v. Chr., später noch über Beneventum und Venosa bis Brindisi führend, sowie der Via Popilia (zuvor Capua Rhegium) aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus, integriert Kampanien komplett in das weite Straßennetzwerk und somit den Handelsraum des gesamten römischen Imperiums. Die kampanische Urbanisierung der bereits existierenden Städte folgt der typischen wirtschaftlichen, sozialen und architektonischen Stadtentwicklung des 2. Jahrhunderts v. Chr., während neue römische Kolonien wie Pozzuoli, Salerno, Volturno und Literno gegründet werden.

Der Golf von Pozzuoli, vorher Golf von Cumae genannt
Entsumpfung und Wasserzisternen

Das Gebiet im Norden Kampaniens und am Golf von Neapel wird neu organisiert indem Gebiete entsumpft werden und andere durch Zisternen und hydraulischen Infrastrukturen ständig mit Wasser versorgt werden. Durch typisch römische Limitationen (Vermessungen) werden einige Agrarflächen nun an Kriesveteranen oder reiche römische Bürger verteilt, die an die Hauptstraßen wie die Via Appia und Via Latina gebunden sind um ein effizientes Handelsnetz mit den Häfen zu schaffen.

Die Landwirtschaft als Entwicklungsstrategie

Die Nutzung der Landwirtschaft wird durch ein System von sowohl residenzialer als auch rustikalen Villen vorangetrieben, die sich auf die Produktion konzentrieren, nicht selten aber auch repräsentative Räume vorzeigen können. Nicht ohne Zufall untertreicht Cato auch literarisch durch sein “De agricoltura” die legendäre Fruchtbarkeit der Gegend um den Golf von Neapel und gibt uns auch viele Hinweise über die Produktivität des Handwerks dieser Gegend: Cales und Minturno sind berühmt für die Qualität der Eiseninstrumente, Capua und Nola für die Amphoren und Metallvasen, Sessa Aurunca für Körbe und Wagen. Weiterhin die Olivenpressen von Pompeji, Nola und Rufrae, die Seile Capuas, sowie Venafro für die Ziegel, Seile für Weinpressen und Schaufeln. Die Keramik Neapels des Types “Campana A” gilt als die beliebteste des westlichen Mittelmeerraumes und die Häfen der um 194. v. Chr gegründeten neuen Hafenstädte von Pozzuoli und Salerno wachsen von Jahr zu Jahr. Viel Interesse hat auch der, im Vergleich zu den anderen Regionen Italiens, frühreife (bereits im 2. Jahrhundert v. Chr) Isis-Kult und der Einfluss der ägyptischen Kultur erweckt. Es ist wahrscheinlich, das die Häfen Kampaniens also bereits in jenem Jahrhundert eine wichtige Rolle für Rom gespielt haben, auch weil der Hafen von Ostia erst 2 Jahrhunderte später erbaut wurde. Somit wird das 2. Jahrhundert v. Chr. die Zeit der Gründung vieler Landwirtschafts und Produktionsvillen in Kampanien, dessen Produkte immer beliebter und geschätzter werden und sich mit einer hervorragender Infrastruktur für den Import und Export bedienen können.

Aufstände und Stimmrecht

Die kampanischen Städte haben bis dahin kein römisches Stimmrecht und werden den römischen Bürgern untergeordnet. Zwei große Aufstände der kampanischen Bevölkerung finden mit dem sozialen Krieg in den Jahren 90-89, sowie dem Zivilkrieg in den Jahren 83-82 v. Chr statt. Beide werden gegen das bereits übermächtige gewordene römische Imperium unter Cornelius Sulla verloren, dennoch werden den Verlierern dieses Mal Rechte zugesprochen, indem viele nun als offizielle römische Kolonialstädte akzeptiert werden und somit zum ersten Mal die lokalen Institutionen nach römischem Vorbild wählen dürfen. Der ethnische Ursprung der Städte Kampaniens kriegt in dieser Zeit  einen starken römischen Impuls und die lateinische Sprache wird immer wichtiger. Unter Sulla werden weitere römische Veteranenkolonnien in die Städte Nola, Abella (Avella), Abellinum (Avellino), Capua, Pompeji und Puteoli (Pozzuoli) gesiedelt.

Augustus von Prima Porta (20-17 v. Chr.), aus der Villa Livia
Die Campania Felix und Augustus

Die komplette Eingliederung in das römische Imperium, in Form der Kulte, Kultur und der lateinischen Sprache, findet schließlich während der Jahrtausendwende unter Augustus statt, der Kampanien zusammen mit dem Latium in seiner Reform zur Regio I und somit zur wichtigsten Provinz des Imperiums aufwertet. In dieser Zeit werden in Kampanien grandiose öffentliche Bauten finanziert, wie zum Beispiel die Küstenstraße Richtung Norden “Via Domitiana”, die “Via Traiana” als neue Verbindung zwischen Beneventum und Apulien, oder auch das kampanische Aquädukt, das in der Piscina Mirabilis nahe dem wichtigen Militärhafen am Kap Misenum endet und über zwei Rahmen eine Länge von über 160 Kilometer aufweist und teilweise unterirdisch verläuft (wie heute noch im unterirdischen Neapel zu sehen ist). Somit werden die Städte Kampaniens ständig mit frischem Trinkwasser versorgt, sind an die wichtigsten Straßen angebunden, haben eine priviligierte und sichere Position für den Handel durch ihre Häfen sowie ein besonders mildes Wetter und fruchtbare Böden für die Landwirtschaft. Es ist die Zeit der Campania Felix, in der die Region Kampanien und speziell das Gebiet um Pozzuoli, Neapel und Baia das Luxusgebiet des römischen Imperium wird und die Städte stark aufgewertet und modernisiert werden.

Capua

Das ehemals etruskisch und dann samnitische Capua wird im zweiten punischen Krieg berühmt, als Hannibal hier überwintert und seine Armee sich dem Genuß der Stadt widmet anstatt gegen das in dem Moment fast wehrlose Rom zu ziehen und den Krieg sieghaft zu beenden. Nach einer harten Strafe wächst Capua (das heutige Santa Maria Capua Vetere) in kurzer Zeit zu einer beeindruckenden Stadt an. Cicero ernennt es im 1. Jahrhundert v. Chr. das “Altera Roma”, also ein zweites Rom und vergleicht es mit Karthago und Korinth, während Ausonius es unter die zehn wichtigsten Städte des Imperiums aufführt. Der Name der Region Kampaniens stammt nach einigen Historikern vom Namen Capua: das Gebiet um Capua, “capuano” und schließlich “campano”. In Capua liegt heute noch das nach dem Kolosseum größte Amphitheater des römischen Imperiums, Reste eines Hadrian-Triumphbogens, Reste der Hauptzisterne des lokalen Aquädukts, dem größten Criptoportikus der Region (heute leider nicht zu sehen wie viele antike Reste unter der Stadt), die Votivgaben des italischen Kultes der “Mater Matutae” (im Museum von Capua zu besichtigen) sowie eine unterirdische Kultstätte, die dem ägyptischen Gott Mitra gewidmet wurde. In der Geschichte wird Capua nochmal durch den Aufstand der Gladiatoren und Sklaven unter Spartakus bekannt, der von Rom unterschätzt wird und die Hauptstadt lange Sorgen bereiten wird. Heute kann man besonders in dieser Gegend die Wiederverwendung von antiken Materialien und Säulen in den Kirchen und den Wohnhäusern betrachten.

Der sogenannte Tempel des Serapis von Pozzuoli, urspruenglich Marktplatz unweit des Hafens
Pozzuoli

Pozzuoli wird der Haupthandelshafen des römischen Imperiums für das Getreide aus Alexandria, Waren aus dem Orient, Griechenland und Spanien sowie Standpunkt vieler Otiumsvillen der römischen Oberschicht. Die Stadt wird mit wichtigen Monumenten wie dem Amphitheater Flavio (dem drittgrößten des Imperiums), dem Macellum (Marktplatz), einem geschützten Hafen mit einer etwa 300 Meter langen Anlegestelle, dem Stadium von Antonino Pio, dem kleinen und grossen Amphitheater, dem Augustus-Tempel, einem großen Stadtzentrum sowie einer beeindruckenden Zahl von Thermen und Zisternen bedacht.

Neapel

Neapel erreicht sehr früh um 326 v.Chr. einen Friedenspakt (Foedus Neapolitanum) mit Rom und kriegt daher vorteilhafte Bedingungen in den darauffolgenden Jahrhunderten zugestanden. Auch im zweiten punischen Krieg unter Hannibal bleibt Neapel ihrer Verbündung mit Rom treu und wird daraufhin Municipium Romanum nach der Lex Iulia. Erst beim Zivilkrieg kämpft Neapel für Mario und gegen Cornelius Sulla. Die Folge ist wohl eine Abwertung des neapolitanischen Hafens zu Gunsten von Pozzuoli, auch wenn Neapel sich speziell in diesem Jahrhundert wie weitere Städte der Region trotzdem prächtig weiterentwickeln wird. Die griechische kulturelle Autonomie bleibt daher in Neapel besonders stark und weiterhin kommen Künstler und Rektoren aus Griechenland nach Neapel, so daß Nero selbst noch im 1. Jahrhundert n. Christus im Theater von Neapolis vor dem lokalen Pubblikum auf griechisch singt um sich für seinen Gastauftritt in Griechenland vorzubereiten.

Neapel Unterirdisch mit einer Wasserzisterne

Heute sind in Neapel neben den Fundstücken im archäologischen Museum noch Reste von drei immensen Thermen (Im Kloster von Santa Chiara, an der Piazza Municipio und der Carminiello ai Mannesi unweit vom Dom), die eine beachtliche Ausbreitung der Stadt beweisen. Wegen den Arbeiten an der Metrohalte “Municipio” wird momentan auch der antike Hafen ausgegraben, der in die neue Haltestelle integriert werden soll und somit auch als Museum fungieren soll. Neapel und speziell das Viertel Posillipo wird durch den Erhalt der griechischen Kultur und Dank dem milden Klima auch Treffpunkt der römischen Oberschicht, unter anderem auch der berühmte Geniesser Lukullus, und viele luxuriöse Villen am Meer bestimmen das Bild der traumhaften Küste Neapels, speziell seit mit der Crypta Neapolitana unter Augustus eine direkte Verbindungsstraße durch den Tuffstein nach Pozzuoli und den Phlegräischen Feldern gebaut wird. Den Berichten nach wird in Neapel in der Villa von Brutus Ehefrau wohl auch der Mord an Julius Caesar geplant. Heute ist neben dem unter der heutigen San Lorenzo Kirche gelegene antike Marktplatz und den imposanten Säulen der San Paolo Maggiore Kirche vorallendingen das in Neapel unterirdisch verlaufene Aquädukt beeindruckendt erhalten. Durch den Tuffstein verlaufend und mit hunderten von Zisternen und Schächten belegt, war die antike Wasserversorgung noch bis ins 19. Jahrhundert aktiv und ist bis heute bei Zugängen zum unterirdischen Neapel noch sichtbar.

Benevent, Details des Triumphbogens von Trajan
Benevent

Benevent war eine italische Stadt (Malies), die von den Römern wegen der demütigenden Niederlage gegen die Samniter in dieser Gegend in Maleventum getauft wurde. Erst als die Römer den Pirrus-Krieg hier im Jahr 275 v. Chr. entscheidend für sich entscheiden, wird die Stadt in Beneventum umgetauft. Benevent wird durch die strategische Position, auf der Via Appia in Richtung Brindisi gelegen und nach Trajan auch Angelpunkt in Richtung Bari durch die Via Traiana, in relativ kurzer Zeit ein wichtiges Handels-, Hirten- und Landwirtschaftszentrum. Wegen der strategischen Position siedelt Rom mehrmals Kolonnien von Veteranen nach Benevent und die Stadt wird im dritten und vierten Jahrhundert nach Capua wohl die zweitgrößte der Region Kampanien. Bis heute ist die Stadt für ihren Hexenkult der “Janare” bekannt (der Ursprung könnte von Gott Janus stammen), der sicher einen antiken Ursprung hat und sich in den Jahrhunderten verändert. Der in Italien sehr bekannte Likör “Strega” (Hexe) wird in Benevent zubereitet und oft für die Herstellung von Süßwaren verwendet (oft als Alternative zum Amaretto). Heute ist uns in Benevent der wohl besterhaltenste Triumphbogen der römischen Geschichte erhalten geblieben, der Triumphbogen des Trajan. Außerdem wurde das antike Theater wiederentdeckt, das Platz für 15000 Zuschauer bot (für ein normales Theater sehr beachtlich) und ist vor allem wegen dem starken Einfluss der ägyptischen Kultur bekannt: im Museum sind 25 Skulpturen des Isis-Tempels zu besichtigen, während in der Stadt noch eine Skulptur des Bue Api und ein Obelisk des Isis-Tempels erhalten geblieben sind.

Paestum

Paestum wird von den Luxusliebenden Griechen aus Sibaris in Kalabrien gegründet, wohl auch um einen Hafen am tyrrhenischem Meer zu haben ohne die gesamte südliche Küste Italiens zu umsegeln. Paestum, ursprünglich Posidonia genannt und dem Meeresgott Poseidon gewidmet, überlebt die Zerstörung von Sibaris im Jahre 510 v. Chr. und hat seine Blütezeit wohl in der darauffolgenden Zeit bis zum Jahr 440. v. Chr., da die Jahrzehnte darauf von Kontrasten mit der italischen Bevölkerung der Lukaner geprägt sind, die Paestum schließlich übernehmen werden. Die Wichtgkeit und die lebendige Produktion Paestums bleibt erhalten und schließlich von Rom im Jahr 273. v. Chr. erobert. Berühmt wird Paestum wegen der Herstellung von Parfum und speziell der Herstellung und Nutzung der lokalen Rosen, die von vielen antiken Schriftstellern erwähnt wird. Die römische Struktur Paestums ist größtenteils aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., bei der vorallendingen die Infrastruktur und die Wasserversorgung verbessert wird. Wegen der Treue zu Rom darf Paestum bis ins 1. Jahrhundert nach Christus eigene Münzen herstellen und wird mit einem großzügigem Forum mit Capitolium, einem Gymnasium und einem Amphitheater bedacht.

Paestum, Perspektive durch die Saeulen des sogenannten Poseidontempels

Einzigartig erhalten bleiben die drei großen dorischen Tempel (die sog. Basilica, der Ceres-Tempel und der Neptun-Tempel), die für viele Kunsthistoriker und Archäologischen als absolutes Paradebeispiel der griechischen Architektur in Süditalien gelten. Die Tempel sind Athena und Hera gewidmet, die hier auch noch in der rōmischen Epoche besonders verehrt wird und dessen Tempel als Kultort genutzt werden. Im 20. Jahrhundert werden die Nekropolen ausgegraben, die heute im Nationalmuseum von Paestum neben den Ausgrabungen zu besichtigen sind: neben vielen italischen Gräbern und römischen Dekorationen ist das Grabmahl des “Tauchers”, bei der ein griechisches Grabmahl den Übergang vom Leben zum Tod darstellt, sicher der beeindruckendste Fund.

Baiae

Baia liegt nordwestlich von Pozzuoli und kurz vor Cumae innerhalb der phlegräischen Felder am Zugang zum Hades der Griechen, dem Averner See, und dem Lucrino-See, die von den Römern unter Augustus von einer Orakel-Stätte in einem Militärhafen, dem Portus Iulius, umgewandelt wurde. Erst nach dem epokalen Sieg gegen Sextus Pompeius und der Versandung des Hafens wird der Militärstützpunkt nach Kap Misenum verlegt und Baiae schließlich zum absoluten Luxusort des römischen Imperiums, der von vielen Schriftstellern der Antike als Ort der Sünde beschrieben wird. Selbst Julius Caeser hat im ersten Jahrhundert v. Chr. hier eine immense Otiumsvilla bauen lassen (heute unter dem aragonesischen Schloß des Museums der phlegräischen Felder) und Horaz umschreibt Baiae mit den Worten das “Kein Ort der Welt glänzender als der Golf von Baiae schimmere”. Die Anzahl der Thermalanlagen, vermischt mit den natürlichen Seen, dem heissen Thermalwasser der phlegräischen Felder und einer großen Anzahl von Luxusvillen verlocken viele Senatoren und Imperatoren wie Nero oder Claudio in diese blühende Stadt. Interessanterweise hat der lokale starke Bradisismus (der Senkung oder Erhöhung der Erdplatte) Teile des antiken Baias und den Portus Iulius versenken lassen, so daß sie im Mittelalter oder während des Baubooms des 20. Jahrhunderts nicht verändert oder zerstört werden konnten.

Der Averna See heute

Heute kann man Reste des antiken Baias im archäologischen Museum der phlegräischen Felder besichtigen oder als Taucher oder mit einem Boot mit Glasboden (bei ruhigem Meer) das versunkene Baiae unter dem Wasser erkundigen. Weitere Reste sind die restlichen Thermalanlagen am Averner See und den immensen Thermen von Baiae gegenüber dem heutigen Hafen.

Velia

Velia (Elea bei den Griechen) wird um 540 v. Chr von den Fokäern auf dem Grund einer vorher lokalen oenotrischen Siedlung gegründet und hier entwickelt sich durch den Äskulap-Kult sehr frühzeitig eine medizinische Wissenschaft. Unter Parmenides und Zenon wird die eleatische Philosophieschule gegründet, die von Velia aus einen großen Beitrag zur westeuropäischen Kultur beitragen wird. Auch der Handel blüht in der antiken Hafenstadt des Cilento und eigene Münzen werden produziert. Unter Rom ist Velia wegen dem hohen Lebensstandard und dem milden Klima bekannt, auch weil der versandende Hafen und damit der Handel durch den Bau der Via Popilia im Jahr 132. v. Chr nach Rhegium (Reggio Calabria) an Bedeutung verliert. Persönlichkeiten wie Cicero, Horaz oder Paulus Emilius verbringen hier mehrere Monate um sich zu erholen, während Brutus nach dem Mord an Julius Caeser nach Velia flüchtet. Die philosophisch-medizinische Wissenschaft wird weitergeführt und es ist nicht unwahrscheinlich daß der Untergang Velias durch die ständigen Angriffe der sarazenischen Piraten durch die Flucht der Mediziner auch der Anfang der medizinischen Hochschule von Salerno bedeutet, der ersten medizinischen Fakultät der Welt, die sicher schon im frühen Mittelalter aktiv und bisher ungewissen Ursprung hat. Die archäologischen Reste haben sich überraschend gut erhalten und heute sind die Porta Rosa, die Porta Marina, die Reste der Medizinschule, das antike Hafengebiet, die hellenistischen und die römischen Thermen, die Agorà, die Akropolis mit ihrem Theater, das archaische und das südliche Wohngebiet des antiken Velias zu besichtigen.

Pompeji, der Apollo Tempel
Pompeji

Ohne den Fund Pompejis und der anderen Ausgrabungen am Vesuv wäre viel Wissen über das Leben in einer römischen Stadt ansonsten der Phantasie überlassen gewesen. Pompeji wurde im 7. oder 6. Jahrhundert wohl von der lokalen oskischen Bevölkerung gegründet und von den Etruskern aus Nocera übernommen. Glücklich am Fluß Sarno gelegen, entwickelt sich Pompeji für die Städte des Inlands zu einem strategischen Binnenhafen, der zuerst von den Samnitern und dann den Römern übernommen wird. Unter Rom entwickelt sich Pompeji weiter und wird Teil der beliebten Campania Felix, in der die römische Oberschicht gerne ihre Otiumsvillen bauen, dennoch hat Pompeji keine strategische Wichtigkeit im Vergleich zu Capua, Neapelis und besonders Puteolis (Pozzuoli). Man kann sich heute jedoch kein klares Bild über Rom machen, wenn man nicht auch Pompeji gesehen hat, da die letzten Jahrhunderte auch stark von der römischen Architektur, Kunst, Mode und den Bräuchen geprägt war. Diese Details sind heute in Rom kaum sichtbar, doch durch den Ausbruchs des Vesuvs untergegangenen und wiederentdecktem Pompeji heute einzigartig erhalten. Vor dem Fund Pompejis und Herkulaneums war das römische Privathaus nur durch die Beschreibungs Vitruvs und anderer Schriftsteller vorstellbar, während sie hier in verschiedenen Formen vorzufinden sind. Eine Auflistung der Sehenswürdigkeiten würde jeglichen Raum sprengen und eine begleitete Besichtigung der Ausgrabungen ist für jeden Liebhaber der Kultur der Antike zu empfehlen.

Mosaike aus Herkulaneum, Sommertriclinium des Haus des Skeletts
Herkulaneum

Der Legende nach durch Herkules bei seiner Rückkehr aus Spanien gegründet, war Herkulaneum wohl eine Siedlung der einheimischen Osker aus dem 7. Jahrhundert v. Chr um wie Pompeji schließlich griechisch-etruskisch, samnitisch und dann römisch zu werden. Anders als Pompeji wurde Herkulaneum nicht von der heissen Asche und den Bimssteinen verbrannt, da es im Westen des Vesuvs gelegen war. Herkulaneum geht in kürzerster Zeit durch einen pyroklastischen Strom von vulkanischem Schlamm unter und ist somit erheblich besser erhalten geblieben. Herkulaneum war dabei eine vornehmere und kleinere Residenzstadt für wohlhabende Bürger, in der der Handel weniger wichtig war und besonders die Ruhe und das angenehme Klima genossen wurde, denn Herkulaneum lag direkt am Meer. Eine geführte Besichtigung Herkulaneums und der vielen besonders gut erhaltenen Reste ist sehr zu empfehlen, selbst wenn man schon in Pompeji gewesen ist.

Oplontis

Vom antiken Oplontis haben wir heute wenig Notizen. Auf der Tabula Peutingerana wird sie als Stadt mit dem Zeichen eines Kurorts markiert, die unweit von Pompeji gelegen haben mußte. Das antike Oplontis liegt somit wohl weiterhin unter der aktuellen Stadt Torre Annunziata, während ein erheblicher Teil der Villa Poppea, der beeindruckenden Otiumsvilla der pompejanischen zweiten Ehefrau von Kaiser Nero, Poppea Sabina, zu besichtigen ist. Die Ausgrabungen von Oplontis kennen somit nur wenige Kampanienreisende, eine Führung ist aber durch den Prunk der imperialen Villa Poppea eine hervorragende Abrundung zum Thema Luxus am Golf von Neapel in der römischen Kaiserzeit.

Wandfresko im zweiten Stil aus Boscoreale, heute im archaeologischen Museum von Neapel
Stabiae – Boscoreale – Sorrentum – Liternum

Liternum ist eine der ältesten römischen Kolonien in Kampanien und wurde als Wohnort von Scipio Africanus gewählt, der hier auch begraben wird. Heute ist in dem Gebiet um Licola allerdings nur ein Teil des Forums ausgegraben. Die Reste des antiken Sorrentum sind in der aktuellen Stadt Sorrento integriert und in der Ausrichtung der römisch gegliederten Altstadt wiederzuerkennen. Eine Besonderheit sind auch die Reste der Otiumsvillen an der sorrentinischen Küste, unter anderem die für Bäder genutzte Villa des Pollio Felice oder auch die Villa di Pipiano. Stabiae und das heutige Boscoreale waren Villengebiete des Ager Pompejanus: im heutigen Castellammare di Stabia sind davon momentan nur zwei Villen, die Villa San Marco und die Villa Arianna, zu besichtigen während in Boscoreale viele der Fundstücke der ausgegrabenen antiken Vorortvillen Anfang des 20. Jahrhunderts an internationale Museen wie das Louvre oder das Metropolitan verkauft wurden. Momentan ist hier leider nur die Villa Regina neben dem Antiquarium von Boscoreale zu besichtigen, die einen Eindruck in das Leben einer Villa Rusticae, also einer Villa die sich auf die Verwertung von gastronomischen Produkten konzentrieren, geben sollen.

Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens