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Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Die Seerepublik von Amalfi

Die Seerepublik von Amalfi ist die erste und über 200 Jahre lang wohl die bedeutendste Seerepublik Italiens. Der Begriff “Seerepublik” entstammt einer Definition aus dem 19. Jahrhundert, mit der die wichtigsten italienischen Städte benannt werden, die durch den Handel über dem Meer zu großem Reichtum und politischer Autonomie gekommen sind. Neben Amalfi waren zum Beispiel auch Venedig, Genua und Pisa mächtige Seerepubliken. Die vier Wappen der Seerepubliken formen heute die Fahne der italienischen Marine.

Der Ursprung von Amalfi

Die Gründung der Stadt Amalfi ist wahrscheinlich mit der Funktion einer Festungsanlage innerhalb der byzanthinischen Verteidigungsstruktur verbunden, die gefährliche langobardische Angriffe abhalten sollte. In der alten defensiven Struktur entwickelt sich erst ab dem 6. Jahrhundert langsam eine selbstständige Bürgerschaft.

Blick auf Atrani, charakteristischer Nachbarsort von Amalfi
Die Aufstieg der Handelsmarine

Eine intensivere Entwicklung von Amalfi ist ab der Mitte des 8. Jahrhunderts sichtbar: eine etwa 70 Jahre dauernde Pause der sarazenischen Übergriffe erwirkt eine Verstärkung der Handelsroute von Sizilien und dem muslimischen Afrika zur Küste Kampaniens. Durch die Lage am steilen Hang und dem verbundenen Mangel an Ackerland, dafür aber gut geschützt gelegen, ist das Glück Amalfis fast zwangsläufig mit der Marine und dem Handel verbunden. Zu dieser Zeit ist Amalfi noch vom Herzogtum von Neapel abhängig, erreicht aber mittlerweile eine ebenbürtige Wichtigkeit, die auch durch den allgemeinen wirtschaftlichen Wachstum der kampanischen Küste und des Mittelmeerraumes verstärkt wird. In Neapel legen viele amalfitanische Schiffe an und verschiedene Straßen werden von amalfitanischen Stoffhändlern bewohnt. In Kampanien haben amalfitanische Handelskolonien auch in Capua und Benevent einen Sitz, im Sūden Italiens ebenfalls in Palermo, Messina, Reggio Calabria als auch in verschiedenen Hafenstädten Apuliens wie zum Beispiel Trani.

Die Unabhängigkeit von Neapel

Amalfi schafft es ihre politische und militärische Autonomie durch die Abwehr der langobardischen Angriffe zu wahren. Von 783 bis 785 wird Amalfi vom beneventanischen Fürst Arich II belagert und erst duch die Hilfe des Herzogtums von Neapel befreit. Erst 839 wird Amalfi von den Langobarden durch Sichard besiegt und ein Teil der Bevölkerung nach Salerno deportiert, durch eine Ribellion befreit sich Amalfi jedoch im selben Jahr und erreicht seitdem faktisch zum ersten Mal eine Unabhängigkeit vom Herzogtum von Neapel. Die überlegene sarazenische Handelsmarine kontrolliert in dieser Epoche den Mittelmeerraum. Nur Venedig und Amalfi bleiben zu jener Zeit noch durch Handel auf dem Mittelmeer aktiv: Venedig durch den Direktkontakt mit Konstantinopel über das adriatische und ionische Meer, während die Seerepublik von Amalfi für die Handelsmarine der islamischen Welt der letzte christliche Haupthafen darstellt.

Ein im orientalischen Stil nachgebautes Hotel in Amalfi
Die Entwicklung des Handels

Im Laufe des 9. Jahrhunderts emanzipiert sich die Seerepublik von Amalfi von der Abhängigkeit vom Herzogtum von Neapel. Eigene Komitees und Präfekte werden ernannt, die zu Mitte des 10. Jahrhunderts durch einen Herzog ersetzt werden. In diesen schwierigen Zeiten schafft es Amalfi sich ein Gleichgewicht zwischen Langobarden und Sarazenen sowie byzanthinischen und fränkischen Kaisern zu schaffen sowie eine Autonomie zu wahren. In diesem schwierigen Kontext entwickelt sich der amalfitanische Handel und die Marine erreicht im 9. Jahrhundert den Vatikanstaat, Sizilien und Tarent und im 10. Jahrhundert die wichtigsten Häfen des östlichen Mittelmeers. Zudem wurden durch die Prefetturi Mühlen betrieben, um den Profit aus dem Getreidehandel noch zu steigern. In dieser Zeit wird die Seerepublik von Amalfi durch den strategisch gelegenen Handelshafen ein Treffpunkt der italischen, byzanthinischen und arabischen Welt. Amalfi entwickelt sich zu einer der wenigen im Orient bekannten Städte Italiens des 10. Jahrhunderts.

Vermittlung und Handelskolonnien

Durch die relativ geringe Größe des Herzogtums und des damit verbundene Mangels an eigenen Exportprodukten, basiert sich Amalfis Handelsglück auf die eingenommene Vermittlerrolle. Nach Nordafrika wird europäisches Holz, Getreide und Eisen geliefert, im Gegensatz werden Seidenstoffe, Medizinalien, Luxusgüter und weitere Produkte aus der arabischen und byzantinischen Welt nach Amalfi gebracht. Die Händler Amalfis bewegen sich entlang der tyrrhenischen Küste, nach Norditalien, bis ins adriatische Meer mit Sitzen in Ravenna und Durrës. Dank eines Paktes mit dem beneventanischen Fürsten Sichard aus dem Jahr 839 ist es den Amalfitanern möglich sich frei zu bewegen und somit auch Nordafrika zu erreichen, wo Handelskolonien mit eigenem Recht in Tunis, Alexandria, Kairo, Tyros und Konstantinopel errichtet werden. Noch vor Pisa und Venedig erhält Amalfi für seine Händler in Konstantinopel Baugrund, Lagerräume, eine Kirche und einen Friedhof.

Das Territorium der Seerepublik von Amalfi

Der Wohlstand und die politische Relevanz der Seerepublik von Amalfi steigert sich erheblich. Ibn Hawqal, ein wichtiger Händler aus Baghdad, besucht Amalfi im Jahre 972 und beschreibt sie als wohlhabendste Stadt der Longobardia und mittlerweile wichtiger als Neapel. Zu ihrer Glanzzeit erreicht die Seerepublik von Amalfi eine territoriale Ausbreitung von Cetara bis Positano inklusive der Insel Capri, sowie einen bedeutenden Teil des Lattari-Gebirges mit den Schlössern von Gragnano und Lettere nah der Grenze zum Herzogtum von Sorrent.

Papier und orientalische Elemente

Die Amalfitaner gehören zu den ersten, die die Verwendung des Kompasses im Westen verbreiten und eine neue Papierproduktion entwickeln, die schließlich das Pergament ablösen wird. Auf ihren Reisen im Orient lernen die Amalfitaner auch neue Kunstformen und Bautechniken, die den eigenen etwas kargen romanischen Stil mit byzanthinischen und arabischen Elementen bereichern und zur Geburt des “amalfitanischen Romanikstils” führen wird.

Die Verbreitung des Kompasses

Wegen einer Fehlinterpretation bei der Übersetzung eines Textes des Humanisten Flavio Biondo dachte man lange, daß der amalfitaner Flavio Gioia der Erfinder des Kompasses gewesen wäre. In Wirklichkeit hat ein Flavio Gioia wohl nie wirklich existiert, da der Kompass wahrscheinlich aus China eingeführt worden ist und die Amalfitaner dieses Instrument weiterentwickelt und den Brauch bei den europäischen Handelsmarinen verbreitet hätte.

Die Tabula de Amalpha

Klare Hinweise auf die wichtige Rolle der Frauen Amalfis und die Verhaltensregeln an Bord werden schließlich mit der Tabula de Amalpha im gesamten Mittelmerrraum verbreitet: die amalfitanischen Tafeln enthalten einen Teil in Lateinisch aus dem 10. Jahrhundert, während ein weiterer Teil im 13. Jahrhundert hinzugefügt wird. Die Tafeln geben klare Hinweise zu Notfällen wie Krankheiten oder Piratenangriffe, den Rechten und Pflichten der Seemänner sowie Hinweise zum Handel und wie man Betrugsversuche vermeiden kann. Der damals sehr innovative Text wird noch bis ins 16. Jahrhundert ein wichtiger Anhaltspunkt der internationalen Handelsmarinen bleiben.

Erhaltene Mosaikdekorationen – sichtbar im Dom von Amalfi
Bronzetüren aus Konstantinopel

Die amalfitanischen Händler im Orient erwirtschaften beachtliche Reichtümer. Unter ihnen war auch Pantaleone, ein kaiserlicher Patrizier, der im Jahr 1060 dem Dom von Amalfi und im Jahr 1071 der Abtei von Montecassino zwei in Byzanz gegossene Bronzetüren schenken wird und versucht mit Hilfe der kaiserlichen Macht die Gefahr der Normannen zu bekämpfen. Sein Sohn Mauro gründet währenddessen Altersheime in Jerusalem und Antakya.

Der Ursprung des Malteser-Ordens

Einige Jahre vor der Befreiung Jerusalems durch die Kreuzzüge im Jahr 1099 erhalten einige Händler und benedektinische Mönche unter dem Frate Gerardo Sasso da Scala um den vielen Pilgern Unterstützung geben zu können vom ägyptischen Kalifen die Erlaubnis nahe dem heiligen Grabmahl in Jerusalem ein Krankenhaus sowie eine Kirche mit dem Namen Santa Maria dei Latini zu errichten: dies ist der Ursprung des Johanniter-Ordens von Jerusalem, der schließlich nach Rhodos und Malta weiterziehen wird und bis heute das antike Stadtsymbol Amalfis mit dem weißen oder silbernen Kreuz mit acht Spitzen im Wappen trägt.

Der Verlust der Autonomie an die Normannen

In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts verschlechtert sich die Lage der Seerepublik von Amalfi, die sich wegen dem beständigen Druck der Langobarden im Jahr 1073 an Robert Guiskard, dem normanischen Grafen von Apulien wenden um ihn nach Schutz zu ersuchen. Der wirtschaftliche Niedergang der Stadt wurde 1082 besiegelt, als Venedig von Byzanz das Monopol für den Westhandel zugesprochen bekam. Ab diesem Zeitpunkt leidet Amalfi unter den Normannen und es entstehen über 50 Jahre lang gewalttätige Aufstände gegen die neue Besatzung, die endgültig von Roger II dem Normannen im Jahre 1131, nur einem Jahr nachdem er zum König von Sizilien gekürt wurde, niedergeschlagen werden.

Die Zerstörung Amalfis durch die Pisaner und Langobarden

Die Seerepublik von Amalfi bleibt zwar weiterhin ein Herzogtum mit Handelsprivilegien, doch nur vier Jahre später erreicht die pisanische Flotte, die langobardische Armee des Fürsten von Capua und weitere Feinde der Normannen mit 46 Kriegsschiffen die Amalfiküste um den historischen Rivalen Amalfi größtenteils zu zerstören. Seit einiger Zeit hatten die Pisaner eine Handelsloge in Neapel und ihren Handel mittlerweile bis Sizilien und in den Orient erweitert und waren somit offizielle Konkurrenten der Amalfitaner, während das Herzogtum von Neapel zu jener Zeit sich noch nicht den Normannen ergeben hatte. Amalfi und viele weitere Küstenstädte des Herzogtums werden heftig ausgeraubt. Nur zwei Jahre später greift die pisanische Marine erneut an: während sich Amalfi durch Gold freikaufen kann, werden Scala und Ravello drei Tage lang stark beschädigt und die lokale Wirtschaft erleidet einen harten Schlag von dem sie sich lange nicht erholen wird.

Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens

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Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Das frühe Mittelalter in Kampanien und die Langobarden

Das frühe Mittelalter in Kampanien ist von einer regionale Krise und dem Verfall des weströmischen Imperiums geprägt. Von einem wirtschaftlichen und demografischen Rückgang betroffen, verschlimmert sich mit den barbarischen Invasionen der Westgoten unter Alarich und den nordafrikanischen Vandalen, die im Jahre 456 Capua verwüsten. Schlimme Folgen hat auch der sich fast ausschließlich auf dem Territorium Kampaniens ausgetragene lange Krieg der Gothen mit den Byzantinern.

Die Byzanthinisch-langobardische Verbündung gegen die Goten

Das Inland Kampaniens und besonders die Gegend um Benevent werden von den Langobarden bevölkert, da sich die Byzanthiner zur Zeit der gotischen Kriegen mit ihnen verbünden. Der letzte König der Goten Teja fällt um 552 n. Chr. auf kampanischem Boden und die restliche Besatzung der Ostgoten versucht bei Conza im heutigen Irpinien letzten Widerstand zu leisten. Der byzanthinische General Narses wird von den Langobarden ausschlaggebend geholfen, um die Ostgoten endgültig zu besiegen. Auch aus Verteidigungsgründen ermöglicht Narses den Langobarden das Gebiet um Benevent zu besetzen: der Grundstein der Ansiedliedlung und der Geburt des Herzogtums von Benevent ist gelegt und Zotto wird um 568 n. Chr. erster Herzog von Benevent.

Langobardische Autonomie und Ausbreitung unter Zotto

Nach dem Sieg gegen die kaiserlichen byzanthinischen Truppen unter Baduar erreicht das Herzogtum der Langobarden unter Zotto in recht kurzer Zeit eine Autonomie von Byzanz. In nur 10 Jahren von 570-580 n. Chr. erobert Zotto das gesamte Inland Kampaniens, das die Byzanthiner durch weitgehend fehlende Verteidigungsmittel schwer verteidigen konnten. Das Herzogtum von Benevent erweitert den langobardischen Einfluß über weite Teile Süditaliens.

Kulturelle Trenung innerhalb der Region Kampanien

Die ehemalige römische Provinz Kampanien, die mittlerweile nur noch das Gebiet der Küste am Golf von Neapel beinhaltet, wird somit im Jahr 590 abgeschafft und durch die Herzogtümer von Neapel und Rom ersetzt. Weitere Stützpunkte werden von den Byzanthinern in Gaeta, Sorrent, Amalfi und Salerno gesichert. Nach Jahrhunderten der politischen Einheit innerhalb Kampaniens unter dem römischen Imperium entwickelt sich nun parallel eine italisch-griechische Kultur an der Küste und eine italisch-langobardische Kultur im Inland Kampaniens.

Die kulturelle Integration der Langobarden im Süden Italiens

Anders als in Norditalien erfolgt die Eroberung des Südens nicht durch eine Strategie oder einer Masseneinwanderung aus Pannonien. Es kommen vorüberwiegend Söldner und Krieger in den Süden, die durch Bandenbildung Raub und Überfälle tätigen, da sie ja ursprünglich von den Byzanthinern bezahlt wurden, um die gotische Plage zu beheben. Selbst Herzog Zotto könnte ursprünglich ein Bandenchef der langobardischen Söldner gewesen sein. Dadurch ist der langobardische kulturelle Einfluß zwar weniger intensiv als im Norden Italiens, andererseits ist die kulturelle Integration mit der in der großen Überzahl stehenden lokalen Bevölkerung wohl einfacher. Die Grabmähler der Longobardia Minor scheinen diese These zu bestätigen.

Die Herzogtümer von Benevent und Spoleto in Mittel- und Süditalien

Die von den Langobarden besetzten Gebiete in Mittel- und Süditalien werden mit dem Namen Langobardia Minor bezeichnet und beinhalten die Herzogtümer von Spoleto und Benevent. Während das norditalienische Langobardia Maior in verschiedene und wechselnde Herzogtümer und Gastale aufgeteilt wird, behält die Langobario Minor über den gesamten Zeitraum des langobardischen Reichs (568-774) in den beiden Herzogtümern von Spoleto und Benevent eine erhebliche istitutionelle Stabilität. Auch wenn sich die Herzogtümer von Spoleto und Benevent strukturell an das langobardische Reich von Pavia binden, wird in jenem Zeitraum eine weitreichende Autonomie gegenüber der Zentralregierung genossen (und von 574 bis 584 sogar eine komplette Unabhängigkeit).

Die Langobarden und Byzanz
Große Spannungen im 7. Jahrhundert mit Byzanz

Besonders zu Anfang ihrer Ausbreitung üben die Anfangs eher kriegerischen Langobarden enormen Druck auf die byzantinischen Küstenstädte aus. Zwar schaffen sie es nicht Neapel, Sorrent und Amalfi einzunehmen, doch fallen Capua, Nocera und im Jahre 630 sogar die erste Hafenstadt Salerno in ihre Hände. Selbst wenn man in Vergangenheit wohl den Einfluß der Langobarden meist als zu kritisch und negativ betrachtet hat, kann man heute kaum bestreiten das das sechste und das siebte Jahrhundert wohl zu den schwierigsten der Geschichte Kampaniens gehört.

Ein Herzog aus Benevent als König der Langobarden

Unter Grimoald wird im Jahre 662 sogar ein beneventanischer Herzog König der Langobarden, doch seine Herrschaft wird im Endeffekt eine erste starke Abhängigkeit Benevents gegenüber der zentralen Gewalt bedeuten. Unter Grimoald wird die Separation von Pavia und Benevent beibehalten und die beiden Throne an zwei seiner Söhne verteilt.

Die Konversion der Langobarden zum Christentum und das Aufblühen der benedektinischen Kultur

Erst gegen Ende des 7. Jahrhunderts entspannt sich der Druck zwischen den Byzanthinern und den Langobarden wohl Dank der Konversion der Langobarden zum Christentum durch den beneventanischen Bischhof Barbato. Die christliche Konversion bildet schließlich auch die Grundlage des Aufblühens des lokalen benediktinischen Mönchtums, des Wiederaufbaus des im Jahre 581 von Zotto, dem ersten langobardischen Herzog von Benevent, schlimm verwüsteten Klosters von Montecassino, als auch der Gründung der Abteien von San Vincenzo al Volturno im heutigen Molise und Santa Sofia in Benevent. Der kulturelle Einfluß der benedektinischen Mönche ist enorm: eindeutiges Zeichen hierfür ist die Erfindung der sogennanten Buchschrift Beneventana.

Die Abtei von San Vincenzo al Volturno
 
Die Rivalität zwischen der Londobardia minor und maior im 8. Jahrhundert

Nachdem das Herzogtum von Benevent den Byzanthinern im Laufe der vorherigen 150 Jahren große Gebiete entzogen hat und sich die Grenzen stabilisiert haben, entwickelt sich das das langobardische Reich Norditaliens und nicht mehr Byzanz zum neuen Hauptrivalen. König Liutprand versucht in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts mehrmals eigene Kandidaten auf die Throne von Benevent und Spoleto zu bringen. Sein Nachfolger Rachis erklärt die Herzogtümer von Benevent und Spoleto sogar als Fremdgebiete, die man ohne königliche Erlaubnis nicht mehr besuchen darf.

Der Einfluß der Franken in der langobardischen Kultur

Die langobardischen Herzogtümer Süditaliens (Longobardia minor) entwickeln sich im Laufe der Jahrzehnte immer unabhängiger von den Langobarden Norditaliens und der Hauptstadt Pavia, so daß Benevent unter Arich dem Zweiten im Jahre 774 zum Fürstentum aufsteigt. Das Herzogtum von Benevent bleibt somit selbst nach der Eroberung des langobardischen Reichs durch Karl dem Grossen im Jahr 774 noch in langobardischer Hand, auch wenn der Thron nun von Fürsten fränkischem Ursprungs besetzt wird.

Die Entwicklung der langobardischen Hafenstadt Salerno

Nachdem Arich II seinen Hof nach Salerno verlegt, entwickelt sich nun erstmals auch eine wichtige langobardische Hafenstadt mit einer veränderten Stadtstruktur, einer großen Burg und neuen Stadtmauer. Salerno wird die Langobarden zwar nicht zu einer Seemacht aufrichten, doch entsteht zumindest eine neue Rivalität zwischen ihr und der tradtionsbewussten und konservativeren Hauptstadt Benevent. Das langobardische Reich Süditaliens wird bei seiner weitesten Expansion fast ganz Kampanien, Molise, die Basilicata sowie Teile Apuliens und Kalabriens beinhalten. In Sizilien, Neapel, Gaeta und der amalfitanischen und sorrentinischen Halbinsel bleibt hingegen der byzanthinische Kultureinfluß erhalten.

Kultureller Wachstum und Geburt des Fürstentums von Salerno

Der einflussreichste Fürst von Benevent wird Sico I., Eroberer von Neapel, von wo er die Reliquien des heiligen Januarius rauben und nach Benevent bringen wird. Das 9. Jahrhundert wird trotz vieler Probleme kulturell das bedeutendste des Fürstentums von Benevent, in dem auch die beeindruckende Santa Sofia-Kirche noch unter Arich II errichtet wird. Zwar gibt es nach dem Königsmord an Sicard im Jahr 851 durch den Einfluß von Ludwig II dem Deutschen eine Trennung in zwei Fürstentümer: neben dem Fürstentum von Benevent wird das Fürstentum von Salerno geboren, das einen erheblichen Teil des zentralen und südlichen Gebiets des langobardischen Herzogtums von Benevent übernimmt und nun endgültig autonom wird. Dem neuen Fürstentum von Benevent hingegen bleibt ein erheblicher Teil Apuliens, die Region Molise und der Sannio erhalten.

Erhaltene Autonomie und Einfluss der beneventanischen Kirche

Interessanterweise bleibt nach dem Fall des langobardischen Reichs das Herzogtum von Benevent, später Fürstentum, faktisch das einzige langobardische Gebiet, das über fast 300 Jahre eine eigene Autonomie bewahren wird, trotz der Aufteilung einiger Gebiete im Jahr 851. Die kulturelle Autonomie der voherigen Jahrhunderte ist somit die Konsequenz der politisch-geographischen Situation jener Zeit. In der beneventanischen Kirche entwickelt sich als Gegenpol zum gregorianianischem Chor ein Gesang mit eigenem Stil und Rhythmus, der alsbeneventanischer Gesang bekannt wird. In diesem Kontext entwickelt sich auch die bereits erwähnte Schriftform “beneventana”, die für die Wiedergabe der lateinischen Sprache bestimmt ist und sich im langobardischen Süditalien stark verbreitet.

Die Schriftform „Beneventana“
Ansiedlung der Sarazener und Geburt des des dritten langobardischen Fürstentums Capua

Die Sarazenen entwickeln sich von ihrer Rolle als Söldner recht schnell zu einer autonomen Kraft und siedeln sich in Licosa (845), Agropoli (882) und am Garigliano (von 883 bis 915) an. Von hier aus planen sie regelmäßige Angriffe und machen große Teile Süditaliens unsicher. Die regional historisch wichtige Stadt Capua fällt in eine tiefe Krise und wird schließlich im Jahre 841 von einem Angriff der Sarazenen stark beschädigt. Erst im Jahre 856 wird Capua in einer neuen und sicheren Lage wieder neu aufgebaut (das antike Capua kennt man heute unter Santa Maria Capua Vetere) um sich im Laufe des zehnten und elften Jahrhunderts zu einem von Salerno und Benevent unabhängigen weiterem langobardischen Fürstentum zu entwickeln. Durch die andauernden Übergriffe der Sarazenen und die verschiedenen politischen Trennungsprozesse (wie im Falle von Salerno und Capua) beginnt im 9. Jahrhundert in Süditalien eine langsame Zergliederung der langobardischen Einheit, allerdings werden die drei Fürstentümer gemeinsam die kulturelle Identität der Langobarden in Kampanien noch bis zur endgültigen Übernahme der Normannen von Salerno im Jahr 1077 wahren.

Erscheinung der Normannen am Golf von Neapel

Um das Jahr 1000 erscheinen in Süditalien normanische Krieger, die je nach Bezahlung und Lohn von den Mächtigen als Söldner eingestellt werden um lokale Streitereien für sich zu entscheiden. Eine wichtige Persönlichkeit ist die Familie Hauteville unter Robert Guiskard, der die Fürstin von Salerno Sichelgaita heiraten wird. Im Jahre 1027 schenkt Herzog Sergius IV von Neapel dem Normannen Rainulf Drengot und seinen Söldnern die Grafschaft von Aversa, als Dank zu ihrer Unterstützung in einem der Kriege gegen das langobardische Fürstentum von Capua. In Aversa unweit von Neapel wird somit der erste normannische Vorposten Süditaliens geboren.

Übernahme von Benevent durch den Vatikan

Der Untergang des Fürstentums von Benevent wird im 11. Jahrhundert immer sichtbarer: im Jahr 1022 nimmt der Kaiser Heinrich II. die Hauptstadt Benevent ein, muss allerdings voreilig nach Deutschland zurückkehren. Durch den Einmarsch der Normannen kurze Zeit später ist das Ende des Fürstentums besiegelt. Robert Guiskard nimmt Benevent im Jahr 1053 ein und ordnet die ehemalige langobardische Hauptstadt dem Vatikan unter. Bis 1081 ernennt der Vatikan noch einige Fürsten, daraufhin wird das Fürstentum endgültig aufgelöst. Ab 1230 bis zur Vereinigung Italiens im Jahr 1860 wird Benevent dauerhaft vom Vatikanstaat regiert.

Italien im Jahr 1000
Das elfte Jahrhundert: goldenes Zeitalter von Salerno

Das Fürstentum von Salerno erhält über längere Zeit eine aktive Rolle. Guaimario IV, Fürst von Salerno von 1027 bis 1052, erweitert das Fürstentum weit über die bisherigen Grenzen: Amalfi, Sorrent, Gaeta und große Teile Apuliens und Kalabriens sind nun Teil des salernitanischen Reiches. Salerno träumt davon ganz Süditalien in seinem Fürstentum zu vereinigen und auf den hergestellten Münzen wird der Begriff Opulenta Salernum geprägt. Der Handel von Salerno erlebt im 10. und 11. Jahrhundert ein goldenes Zeitalter und auch die medizinische Hochschule von Salerno wird die berühmteste medizinische Einrichtung ganz Europas jener Zeit.

Ende des letzten langobardischen Fürstenturms von Kampanien

Doch auch Salerno muss sich mit den Normannen und Robert Guiskard messen. Die Stadt wird ab dem Jahr 1076 belagert, nach 8 Monaten eingenommen und im Jahr 1078 Hauptstadt des normanischen Reiches an Stelle der vorherigen Hauptstadt Melfi. Der letzte langobardische Fürst Gisulf II wird Salerno verlassen und nach Sarno (nach einer kurzen Flucht nach Rom) ins Exil geschickt. In diesen Jahren ersetzt die Namensgebung Terra Laboris (aus einem Dokument von 1092) nun den vorherigen Namen Campania, die auch unter den Normannen beibehalten wird.

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