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Neapel und Kampanien in der Literatur

Plinius der Ältere und die Campania Felix

Diese Region ist so lieblich, so erheiternd, so glücklich, das man ohne Zweifel das bevorzugte Werk der Natur erkennen kann. Denn so eine lebendige Luft, die beständige Milde des Himmels, das fruchtbare Ackerland, die sonnenbeschienenen Hügel, die sicheren Wälder, die schattigen Ruheorte, die obstreichen Bäume, die in den Wolken verlorenen Berge, die geernteten Felder, eine große Anzahl von Weinreben und Olivenbäumen, sowie Herden der edlen Wolle und üppige Stiere, und viele Seen, als auch eine große Auswahl an Quellen und Regenwasser, weites Meer und viele Häfen! Eine Landschaft, die dem Handel seine Brust aus jedem Fleckchen anbietet und die, fast um den Menschen zu ermutigen, ihre Arme selbst ins Meer hineinreicht!

Ich rede nicht von der Seele, den Bräuchen, der Kraft dieses Volkes oder anderer Völker, die von ihr durch ihre Sprache oder ihre Waffen bezwungen wurden. Ein Volk wie das griechische, dessen Gewohnheit es ist sich übermäßig zu preisen, hat diesem Gebiet ein edles Urteil gesprochen, indem sie einen Teil als Magna Graecia bezeichnet hat.

Plinius der Ältere, um 60 nach Christusübersetzt aus dem italienischen von mir, Florian Lenk

Das einzig erhaltene Werk des Plinius der Älteren – die Naturalis Historia

Gaius Plinius Secondus, auch als Plinius der Ältere bekannt ( geb. In Verona oder Como, 23 n. Chr – gest. 79 n. Chr in Stabia im Gebiet am Vesuv) war ein römischer Schriftsteller, Admiral und Naturforscher. Er starb im Alter von circa 55 Jahren beim explosiven, nach ihm plinianisch benannten Ausbruch des Vesuvs, dessen Beschreibungen von seinem Neffen Plinius dem Jüngeren im ersten und zweiten Brief an Tacitus nach Rom geschickt wurden. Der Zufall wollte ihn zur Zeit des berühmten Vesuvsausbruchs als Admiral der römischen Flotte in Kap Misenum und seine vom Neffen weitergeleiteten Aufzeichnungen zum Ausbruchs des Vesuvs wurden zur ersten detailliert von einem Menschen beschriebenen Katastrophe unserer Geschichte. Dieser Text über das bei den Römern so beliebte Gebiet am Golf von Neapel der Campania Felix stammt aus seiner 37 Bände umfassenden Naturalis Historia, dem einzigen erhaltenen Werk des Plinius des Älteren. Dieses Werk wurde einer der bedeutendsten Texte über wissenschaftliche und technische Kenntnisse bis in die Renaissance und darüber hinaus. Die Naturalis Historia wurde im Jahr 77 nach Christus veröffentlicht und zählt verschiedene Naturphänomene im enzyklopädischen Stil auf. Der Begriff historia bleibt dabei seiner griechischen Bedeutung Untersuchung treu und das Werk gilt somit als erste wissenschaftliche Arbeit der Naturgeschichte. Die Beschreibung von einem wissenschaftlich geprägten Schriftsteller des Gebiets um Neapel als Werk einer bevorzugten Natur ist heute weiterhin von großer Bedeutung.

Weitere Texte über Plinius können Sie hier nachlesen!

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.

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Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Die Epoche der Etrusker und Griechen in Kampanien

Die erste griechische Stadt Italiens – Cumae

Mit der Ansiedlung der Griechen in Kampanien zu Ende der Eisenzeit wird Kampanien in unsere Geschichtsschreibung integriert. Bereits seit vielen Jahrhunderten betreiben die Völker Griechenlands Handel mit den italischen Bewohndern,doch etwa um 750 v. Chr siedeln Griechen aus Chalkida und Kyme der Insel Eubea in Lacco Ameno auf der heutigen Insel Ischia an und nennen ihre Siedlung Pithecusa. Von hier aus gründen sie schliesslich die wahrscheinlich antikste Stätte der Magna Graecia, Cumae, um von hier aus ihre Kultur zuerst lokal und dann durch die Kontakte und den Handel innerhalb der nächsten Jahrhunderte bis nach Latium und Etrurien auszubreiten.

Die Gründe der Kolonnialisierung Italiens

Die Gründe der Gründungen von Städten in Süditalien sind sehr vielfältig, liegen wohl besonders an einer mangelnden Versorgung von Nahrungsmitteln in den immer weiter wachsenden griechischen Städten, als auch an um den Handel mit den Metallen zu erleichtern und so strategische Stützpunkte zu errichten. Die Wahl des Golfes von Neapel für die erste feste Kolonnie, dem nördlichsten Gebiet im Vergleich zu den vielen darauffolgenden peloponesischen Siedlungen im Rest Süditaliens, ist emblematisch: eine fruchtbare Landschaft mit einer strategischen Nähe zu Elba und Sardinien für den Handel mit dem Volk Etrusker in Kampanien von wichtigen Metallen und Mineralien mit griechischen Gütern.

Die Tempel von Paestum

Die griechischen Kolonnien Kampaniens

Auf dem Territorium der cumanischen Griechen werden am Golf von Neapel dann Parthenope (etwa 680 v. Chr.), Dikearchia duch Flüchtlinge aus Samos, die akzeptiert und integriert werden (das heutige Pozzuoli, 531 v. Chr.) und Neapolis (um 500 v. Chr.) gegründet. Weiter im Süden, am Delta des Flusses Sele, gründen die mächtigen Griechen aus dem kalabresischen Sybaris um 600 v. Chr Posidonia (das heutige Paestum) und erbauen dort die bis heute beeindruckend erhaltenen grossen Tempel. Etwa um 540 wird schliesslich noch Elea, das heutige Velia, von den vor den Persern flüchtenden Griechen aus Phokaia gegründet. Diese schöne und tüchtige Stadt am Meer unweit vom Kap Palinuro ist in seiner Blütezeit vor allem wegen seiner Philosophie-Akkademie um Xenophanes, Parmenides und Zenon bekannt. Die Griechen Kampaniens sind also ausschliesslich ionischem und achaischem (Paestum) Ursprungs.

Die Kolonnien de Griechen in Kampanien

Dabei folgen die Griechen in Kampanien bei der Siedlung ihrer Städte ein immer wiederkehrendes Schema: sie bevorzugen nicht allzu ausgedehnte Flachlandgebiete in der Nähe des Meeres als auch von Hügeln oder Bergen und meiden somit das Inland, in dem weiterhin die italischen Völker leben. So konnten sich die griechischen Kolonnien selbst versorgen und über das Meer Handel treiben. Man kann heute ausschliessen, das die Städte der Griechen in Kampanien als rein strategische oder militärische Basen fungieren, denn obwohl der Handel mit der Heimat priviliegiert wurde sind die neuen Kolonnien wirtschaftlich autonom und politisch frei. Nach der Gründung gibt es klare Regeln zur Versorgung und der Organisation der politischen und religiösen Normen, denn meist waren die neuen griechischen Städte strikter und genauer organisiert als die eigentliche Heimatstadt. Die Unterschiede der griechischen Siedlungen Süditaliens zur Heimat vergrössern sich auch durch den ständigen Kontakt mit den vielen italischen Völkern, wie zum Beispiel den Oskern Kampaniens. In Süditalien wird der Einfluss der griechischen Kultur historisch einen immensen Impakt haben.

Der Einfluss der Etrusker

Neben den griechischen Siedlungen an der Küste wird die Kolonialisierung Kampaniens in dieser Zeit auch von den Etruskern im Inland begleitet. Für die Etrusker wird Kampanien eine Grenzregion werden, die der etruskischen Welt aber ermöglicht direkten Kontakt mit anderen und speziell der griechischen Kultur aufzubauen. Diese haben ihr Zentrum in Capua und breiten sich von Teano bis zum südlich von Salerno gelegenen Fluss Sele aus. Capua wird dabei bereits im 9. Jahrhundert v. Chr. gegründet und trägt mit weiteren kleinen etruskischen Zentren, wie zum Beispiel Nola und dem heutigen Pontecagnano, zur Entstehung einer sehr entwickelten gemeinschaftlichen und ländlichen Kultur in den Tälern des Inlands von Kampaniens bei.

Die Etrusker in Italien
Die Erweiterung Etruriens bis nach Kampanien

Die etruskischen Siedlungen Kampaniens

Die Etrusker werden ähnlich wie in der Erweiterung der Emilia Siedlungen von lokalen Völkern ubernehmen und vor-urbane Siedlungen aufbauen, die ein Siedlungsgebiet mit einer primitiven politischen Verwaltung und eine separate Nekropole bilden. Die Siedlungen der Etrusker in Kampanien basieren wohl auf einer Agrarkultur, dem Handel mit den lokalen Stämmen und Griechen sowie den Handelskontakten mit den etruskischen Zentren in Mittelitalien. Die etruskischen Zentren befinden sich am Fluss Volturnus bei Teano im Norden Kampaniens, in Capua nicht weit vom griechischen Cumae (das später zu einer der wichtigsten vorrömischen Städte Italiens heranwachsen wird), in Nola im Inland des Vesuvs, in Nuceria (heute Nocera) unweit von Pompeji (das vielleicht auch etruskischen Ursprungs ist), vielleicht an der sorrentiner Halbinsel und dem heutigen Cava de Tirreni sowie dem letzten strategischen Stützpunkt Pontecagnano am Sele-Tal südlich von Salerno. Speziell in Pontecagnano aber auch in Nola befinden sich Museen, in denen man heute die etruskische Kunst Kampaniens besichtigen kann.

Die Vertreibung der Etrusker durch die Griechen

Die fortgeschrittene etruskische Kultur hat in Kampanien zwar Handelsbeziehungen zu den Griechen, doch andererseits verteidigen die Griechen ihre Vormachtstellung an der Küste und begrenzen den Handel der Etrusker auf den Wegen durch das Inland. Diese Vormachtstellung werden die Griechen in Kampanien in den beiden grossen Kriegen mit den Etruskern im Jahre 540 v. Chr durch den Tyrann Aristodemos von Cumae und endgültig im zweiten Krieg im Jahre 474 v. Chr durch die Unterstützung von Syrakus verteidigen und die Etrusker nach Jahrhunderten von kulturellen Einfluss aus Kampanien vertreiben.

Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens