Kategorien
Monumente der Stadt Neapel

Das Museo dell’Opera des Santa Chiara Komplexes in Neapel

Das Museo dell’Opera im Santa Chiara Komplex von Neapel ist in einen archäologischen Bereich spätrömischer Thermen sowie ein Ausstellungsbereich aufgeteilt. In diesem Artikel konzentriere ich mich auf die drei Bereiche des Ausstellungsbereiches, der nach dem Zugang zur archäologischen Abteilung mit der Sala della Storia im zweiten Raum beginnt. Das Museum ist mit der Basilika und dem Maiolica Kreuzgang Teil der franziskanischen Zittadelle der Altstadt von Neapel.

Ein Foto der barocken Gegenfassade vor der Bombardierung im zweiten Weltkrieg

Die Sala della Storia

Der erste Raum im Museo dell’Opera von Santa Chiara trägt diesen Namen da auf den Seitenwänden die Geschichte des Konvents mit einigen Bildern und Beschreibungen nachzulesen ist. Am Eingangsbereich sind mit dem König Robert von Anjou und der Königin Sancha von Mallorca die beiden Gründer der franziskanischen Zittadelle als Prozessionsbüsten aus dem 19. Jahrhundert ausgestellt. Das Konventsrad stand in einem Seitenraum des Haupteingangs und war die einzige Möglichkeit bis zur Entfernung im Jahr 1960 der Nonnen mit der Aussenwelt zu kommunizieren.

Robert „der Weise“ von Anjou als Prozessionsbüste
Das Pergola Ziborium

In der Mitte des Raums ist ein Gipsabdruck einer Säule aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, die ursprünglich dem Ziborium der Kirche aus dem 14. Jahrhundert angehörte und der Santa Maria del Monte Kirche in Apulien nachempfunden war. In der gothischen Zeit stand in der Kirche einer Art Pergola-Ziborium, das im 16. Jahrhundert entfernt und dessen Säulen für ein Altar-Ziborium wiederverwendet wurden. Vom ursprünglichen gothischen Pergola-Ziborium sind noch wenige Reste des Akazienblattkapitells, Adler und Frauenköpfe erhalten geblieben.

Der Gipsabdruck der gothischen Säule
Die Dekoration des Maiolica Kreuzgang

Wichtig um ein Gesamteindruck des Kreuzgangs zu bekommen sind auch die erhaltenen Reste des Maiolica Kreuzgangs mit den Vasen und den Resten der Brunnendekoration. Die Holzskulpturen wie die beiden Kerzenhaltenden Engel und der Erzengel Michel aus dem 17. Jahrhundert stammen hingegen vom Geländer der Heiligen Treppe aus der heutigen franziskanischen Bibliothek).

Erhaltene Dekorationen aus dem Maiolica Kreuzgang

Die Sala dei Marmi

Der dritte Raum des ;useo dell’Opera trägt den Namen Sala dei Marmi (Marmorsaal) und befindet sich in einem ehemaligen Arbeitsraum der Nonnen. Hier sind die erhaltenen Adelswappen, Statuen und Marmordekorationen der Seitenkappellen der Basilika von Santa Chiara zu betrachten. Ausserdem sind hier die Reste des gothischen Altars aus dem 14. Jahrhundert von den Bertini-Brüder und einem neapolitanischen Künstler ausgestellt. Der Altar bestand aus einer Tafel, die auf kleinen Spitzbögen mit Skulpturen der Heiligen Apostel und Propheten stützte. Von den Skulpturen konnten sich leider nur 4 erhalten.

Eine barocke Urne mit Marmorintarsien ist ebenfalls im Museo del’Opera zu sehen
Die gothische Marmorkanzel

Die vorhandenen Reste der gothischen Marmorkanzel sind das Werk eines neapolitanischen Künstlers und befand sich ursprünglich auf dem Pfeiler der letzten Kappelle des linken Kirchenschiffs und hatte eine fünfeckige Form, bei der die Säulen auf fünf Löwen basierten. Erst bei der barocken Erneuerung wurde die Kanzel zur achten Kappelle versetzt und mit einer viereckigen Struktur versehen. Von der alten Kanzel sind hier noch zwei Kapitelle, einige Löwen, Fragmente von drei verschiedenen Basreliefs und das während der barocken Erneuerung entfernte Basrelief anzuschauen. Auf ihr ist das Martirium der Heiligen Faustina dargestellt, die vor den Augen ihres Ehemanns, dem Imperator Maxentius, zuerst gequält und schliesslich geköpft wird.

Erhaltene Reste der gothischen Kanzel der Basilica von Santa Chiara
Reste des Grabmahls von König Robert

Die Reste des Grabmahls von Robert dem Weisen die nicht wieder angebracht werden konnten, sowie ein interessantes gothisches Basrelief einer Kreuzigung vom toskanischen Bildhauer und Architekt Tino da Camaino aus dem 14. Jahrhundert runden den Eindruck über die ursprüngliche Dekoration der gothischen Kirche weiter ab.

Die Kreuzigung des Tino da Camaino
Die Basreliefs der Bertini Brüder

Doch die bedeutendsten Reste sind sicherlich die Fragmente von 10 der 11 Tafeln des Basreliefs von Pacio und Giovanni Bertini von 1345 zum Leben und Martirium der Heiligen Katherina von Alexandria. Unter jeder Tafel ist eine Beschreibung in franko-gallischen Buchstaben zu lesen. Wo das von der Familie Marnella in Auftrag gegebene Basrelief in der Basilika von Santa Chiara angebracht war ist bis heute unsicher: es könnte über dem Haupteingang in der Gegenfassade oder auch vom Chor im Presbiterium stammen, bevor dieser zum Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts in das Eingangsvestibül der Kirche verlegt wurde.

Fragmente und Abbildung des Basreliefs von Pacio und Giovanni Bertini
Das Marmorgeländer der Terrassen

Neben einigen schönen Fertigungen aus Marmorintarsien sind in diesem Raum auch die Geländer der Terrassen des Maiolica Kreuzgangs der Nonnen zu sehen, die noch nicht den Portikus des Klosters verwenden durften. An dem Geländer waren entweder die Adelswappen der Familie der Nonne oder andernfalls Basreliefs mit religiösen Themen angebracht.

Ein Marmorgeländer der Terrasse des Kreuzgangs

Die Sala dei Reliquiari

Die Sala der Reliquiari befindet sich auf der oberen Etage und stellt die von den Nonnen vor dem Brand geretetten Reliquarien und einige liturgische Gewänder aus. Unter den Holzskulpturen sind unter anderem ein Ecce Homo von dem lokalen Renaissance-Künstler Giovanni da Nola von 1520, ein Leidender Heiliger Johannes von Giovanni Bertini aus dem 14. Jahrhundert und ein Heiliger Antonius von Padova aus dem 16. Jahrhundert zu betrachten. Ausserdem wird hier ein Klarissenzimmer der Chor-Klarissen mit der Verbindungstreppe zwischen ihrer Kammer und der oberen Etage nachgestellt.

Die Reliquarien im oberen Stock des Museo dell’Opera

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

Kategorien
Monumente der Stadt Neapel

Der Maiolica Kreuzgang des Klosters von Santa Chiara in Neapel

Der Klarissenkreuzgang oder sogenannte Maiolica Kreuzgang des Klosters von Santa Chiara in Neapel ist wegen seiner berühmten und aufwendigen Fliesen(Maiolica)-Dekoration eine absolute Besonderheit innerhalb der Altstadt. Der Maiolica Kreuzgang wurde anders als die Basilika von Santa Chiara bei den Bombardierungen im zweiten Weltkrieg zum Glück nur teilweise beschädigt und konnte die gothische Struktur und die barocke Dekoration erhalten. Der Maiolica Kreuzgang ist mit dieser zusätzlichen Benennung bekannt um ihn auch von der beiden kleineren Kreuzgängen der franziskanischen Zittadelle zu unterscheiden. Die Dekorationen haben interessanterweise einen starken weltlichen Charakter und geben dem Ambiente das Gefühl eine fröhliche Ruheoase innerhalb der Altstadt von Neapel zu sein. Heute ist von diesem Komplex neben dem Kreuzgang auch die Basilika von Santa Chiara, das Museo dell’Opera und die archäologischen Ausgrabungen aus der Antike unter der Kirche zu besichtigen.

Die gothische Struktur mit barocken Fresken und Pipernbänken

Die Struktur und Dekoration des Kreuzgangs

Die Struktur des Kreuzgangs ist rechteckig (82,3 mal 78,3 Meter) mit einem Portikus und zwei Hauptwegen, die sich kreuzen und den Kreuzgang in 4 Bereiche aufteilt. Zwei von ihnen wurden zum Anbau von Pflanzen als Nutzgarten und zwei weitere in italienische Gärten mit Büschen und Brunnen als Kunstgärten angerichtet. Die gothische Struktur besteht aus 66 Spitzbögen, die auf 72 kleinen oktagonalen Pfeilern stützen. Der Portikus des Kreuzgangs wird von einem Kreuzgewölbe bedeckt, wobei sowohl die Wände als auch die Decke des Portikus dabei mit Fresken dekoriert sind. Die Dekoration des Maiolica Kreuzgangs wurde unter Domenico Antonio Vaccaro in den Jahren von 1739 bis 1742 nach Auftrag der Äbtissin Ippolita di Carmignano Dank den finanziellen Mitteln des Konvents und einer Hilfe der Königin Maria Amalia von Sachsen (Ehefrau von Karl III.) umgesetzt.

Die Mitte des Maiolica Kreuzgangs und Aufteilung in 4 Bereiche

Die Freskendekoration

Die Freskendekoration des Maiolica Kreuzgangs ist in drei Bereiche aufgeteilt. Der untere Bereich besteht durchgehend aus Sitzbänken aus Piperngestein und einer Dekoration aus Schneckenformen und Kartuschenwerk. Der mittlere Bereich unterteilt sich in grosse Ausschnitte, die dem Ausmass des Säulenjochs gleichen. Im südlichen Bereich des Kreuzgangs mit den gothischen Einzelfenstern sind die Fresken in zwei statt einer Geschichte aufgeteilt. Die Freskendekoration der heute leider nicht bekannten Künstler stammen aus dem 14. (Madonna mit Kind zwischen den Heiligen Jakob und Andreas) bis ins 17. Jahrhundert (Die Figuren der Heiligen, Tugenden und Geschichten des Alten und Neuen Testaments). Auf der Höhe des Klarissenfriedhofs wurde hingegen ein Fresko mit der Illustration des Todes einer Nonne umgesetzt. Ein Teil des nördlichen Bereichs , der zur Basilika von Santa Chiara angrenzt, wurde leider bei der Bombardierungen von 1943 zerstört und ist daher heute karg. In der Deckendekoration und im oberen Bereich der jeweiligen Wände wurden Lünetten eingesetzt, die wiederum von Schneckenformen und Kartuschenwerk umrahmt werden.

Die Tugend der Gerechtigkeit und der Heilige Onofrio auf einem barocken Fresko

Die Terrassen

Über dem Portikus sind die Terrassen des Kreuzgangs zu erkennen, die zu den 4 Schlafhallen der Nonnen gehörten und zum Ende des 16. Jahrhunderts in 117 Zellen auf zwei Reihen mit einem zentralen Flur umgewandelt wurden. Über dem Schlafbereich konnten die Nonnen von einer weiteren Terrasse den Blick auf den Golf von Neapel geniessen. Die Terrassen wurden vonBrüstungen mit kleinen Säulen und Tafeln mit religiösen Themen und den Adelswappen einiger Nonnenfamilien abgegrenzt. Einige der erhaltenen Brüstungen sind heute noch im Museo dell’opera zu besichtigen.

Oberhalb des Portikus befinden sich die Terraasen mit Blick in den Garten

Die Dekoration des Gartens

In dem als Zitrusgarten verwendeten Bereich des Gartens werden die Wege von kleinen mit weissem Stuck besetzten und eine Pergola stützenden oktagonalen Pfeilern begrenzt. Ursprünglich waren die Pfeiler mit 142 schönen Maiolicavasen besetzt, die auf imitiertem weissem Marmor bunt dekoriert waren. Zum Glück sind zwei Vasen sind erhalten geblieben und im Museo dell’Opera zu sehen um sich en Bild der ursprünglichen Dekoration machen zu können. Die Pfeiler und Sitzbänke des Kreuzgangs sind mit den sogenannten Riggiole, also bunter neapolitanische Maiolica mit Motiven, von der bedeutendsten Werkstätte der Stadt der Brüder Donato und Giuseppe Masse verkleidet. Der Begriff Riggiola stammt wahrscheinlich aus dem lateinischen rubeola (rötlich, wie die Farbe der Terracotta) oder aus dem spanischen rajola (Fliese). Tatsächlich wurde die arabische Keramikkunst um 1450 unter König Alfons von Aragon nach Neapel gebracht. Bei den neapolitanischen Riggiole ist dabei typisch das sie manuell mit mineralischen Farben (typisch für Amalfi und Sorrent) auf einem Hintergrung in den in Neapel traditionellen Farben Gelb (Eisenokzid), Grün (Kupferokzid) oder Blau (Kobaltokzid) gefertigt werden. Die Fliesen der Pfeiler vom Maiolica Kreuzgang wurden mit Reben und Girlanden aus Früchten, Blumen und Blättern dekoriert. Die Fliesendekorationen zeigen Themen wie Marine-Landschaften, mythologische Szenen, Jagdszenen, Tänze, Feste und Allegorien der vier Elemente. Nur ein einziges Motiv zeigt eine Darstellung aus dem Klosterleben mit einer Nonne, die die Katzen des Kreuzgangs füttert. Die Nonnen waren somit, trotz ihrer Wahl nicht am frenetischen Leben der Stadt Neapel teilzuhaben und ihrer Klausur, in einer Art mondänem Kontext integriert.

Die gut erhaltene Maiolica Dekoration der Massa Werkstätte

Die Brunnen und die ehemalige Werkstätte

Die beiden Brunnen im Maiolica Kreuzgang basieren auf Becken aus der römischen Antike. Einer der Brunnen wurden durch Fliesen mit gemometrischen Motiven und der andere mit einer Marine-Landschaft dekoriert. An den Brunnen sind auch vier gothische Steinlöwen aus dem 14. Jahrhundert zu erkennen, auf denen ursprünglich vier Karyatiden basiert waren. Ein weiterer aus Stuck errichteter Brunnen mit einem Steintympanon war im a rocaille Stil mit Muscheln, Bimsstein und grünen Glasstücken besetzt. In der Mitte dieses interessanten Brunnens standen Pfeiler mit Pinakeln in grüner Maiolica und zwei emaillierten Delfinen. Ein Teil der Dekoration dieses Brunnens ist glücklicherweise im Museo dell’Opera ausgestellt. Auf der südlichen Seite des Kreuzgangs wurde innerhalb des Gartens einer Befestigungsanlage ähnelndes Gebäude für die Dienstleistungen des Klosters (Waschräume, Werkstätten, eine Wasserzisterne, ein Stall etc.) errichtet. Das Gebäude wurde in der Nachkriegszeit demoliert, daher sind nur noch zwei Steinbecken und einige Pfeiler zwischen dem Portikus und dem Garten zu erkennen.

Der Brunnen mit den 4 gothischen Löwen innerhalb des Maiolica Kreuzgangs

Die franziskanische Bibliothek

Auf der nördlichen Seite vom Maiolica Kreuzgang von Santa Chiara befindet sich die franziskanische Bibliothek der Provinz von Neapel. Die Räumlichkeiten der Bibliothek waren ursprünglich der Klarissenfriedhof und vielleicht das Kapitelhaus mit der sogenanten Heiligen Treppe des Ordens. Hier werden etwa 50000 Bände zur franziskanischen Geschichte und Kultur sowie 40 Kodexe aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufbewahrt. Leider konnten nur wenige Bücher aus dem Konventsarchiv den Brand aus dem Jahr 1943 überstehen. Zwischen den Bücherregalen erkennt man eine Kreuzigung des Gennaro Pierro aus dem 18. Jahrhundert und ein von der Wand gelöstes Fresko mit Heiligen und Devoten aus dem 14, Jahrhundert.

Die franziskanische Bibliothek mit dem Fresko der Kreuzigung

Die Krippe

Vor dem Ausgangsbereich wurde eine besonders schöne neapolitanische Krippe eingerichtet. Die besonders grosse Krippe aus der neapolitanischen Tradition zeigt eine klassische römische Tempellandschaft, in der ein Teil der neapolitanischen Bevölkerungsschicht des 18. Jahrhunderts eingesetzt wurde.

Die aufwendige neapolitanische Krippe am Ausgang

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

Kategorien
Monumente der Stadt Neapel

Die Katakomben des San Gennaro in Neapel

Die Katakomben des San Gennaro wurden im Jahr 2006 dem Publikum wieder eröffnet und können am Zugang neben der Basilika dell’Incoronata del Buon Consiglio an der Via Capodimonte besichtigt werden. Im Zentrum von Neapel unter dem Hang von Capodimonte innerhalb des Viertels Sanità konzentrieren sich mindestens 9 antike Bestattungsgebiete, die sich damals ausserhalb der antiken Stadtmauern befanden. Unter ihnen sind die Katakomben des San Gennaro die wichtigsten und bekanntesten der Stadt Neapels und die grössten des Süden Italiens. Die Katakomben des San Gennaro gelten als eines der beeindruckendes Beispiele des frühen christlichen Kults in Italien.

Bau auf zwei verschiedenen Leveln und der Ursprung

Die Katakomben des San Gennaro sind auf zwei nicht parallel gebauten Leveln errichtet worden, die als untere und obere Katakombe bezeichnet werden. Beide Etagen haben im Vergleich zu anderen Katakomben zum Beispiel den römischen überraschend weite Ausmassen. Einer der Gründe ist sicher der leicht zu verarbeitende und resistente gelbe Tuffstein der Stadt Neapel, in denen die Katakomben eingesetzt wurden. Die Gesamtausmassen der Katakomben des Gennaro betragen 5800 Qm mit etwa 3000 Bestattungen unter denen sich über 500 Nischengräber befinden. Der antikste Teil der Katakomben stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus und befindet sich in der unteren Katakombe. Wahrscheinlich stammt dieser Bereich von einer frühzeitigen christlichen Familie der römischen Oberschicht, die später der christlichen Gemeinschaft der Stadt Neapel zur Verfügung gestellt wurde.

Die oberen Katakomben des San Gennaro, auch Basilica adiecta genannt

Die obere Katakombe

Die Besichtigung der Katakomben des San Gennaro beginnt in der oberen Katakombe, die sofort den Eindruck einer Stadt der Toten gibt: eine Reihe von Nischengräbern der wohlhabenden Christen, sowie Wand- und Bodengräber (formae) die in verschiedene Bereiche aufgeteilt wurden. Die Katakomben sind eine ausgehöhlte statt einer erbauten Architektur, die ihre Besucher sofort in eine besondere Atmosphäre mitreisst und durch viele Mosaike und dekorierte Wandfresken besticht. Die obere Katakombe besteht aus einem Bestattungsbereich des 3. Jahrhunderts nach Christus, in dem einige Malereien aus der heidnischen Zeit vor der Einrichtung dieser Katakombe (2. Jahrhundert nach Cristus), die ersten christlichen Malereien des Süden Italiens im pompejanischen Stil aus dem 3. Jahrhundert nach Christus bis hin zu Malereien im byzathinischen Stil aus der benedektinischen Zeit des 9. Jahrhunderts zu sehen sind.

Das Grab der Familie des Theotecnus

Unter den Nischengräbern gehört die Dekoration des Grabes der Familie des Theotecnus sicherlich zu den interessantesten. Auf einem Wandfresko aus dem 6. Jahrhundert des Arcosoliums sind die drei Angehörigen dieser wohlhabenden Familie dargestellt. In der Mitte ist die im Alter von 2 Jahren und 10 Monaten verstorbene Tochter Nonnosa, auf der rechten Seite der mit 65 Jahren verstorbene Vater Theotecnus und links die im Alter von 45 Jahren und in schwaren Trauerkleidern gekleidete verstorbene Mutter Ilaritas zu sehen, was darauf hinweisen sollte das Ilaritas als Witwe und somit zuletzt verstorben ist. Auffällig ist hier das die Dekoration auf drei Schichten gefertigt wurde, da bei jedem Todesfall die Dekoration erneuert werden musste. Die feine Kleidung und der getragene Schmuck, abgesehen von der Einrichtung dieser teuren Grabkammer und seiner Dekoration, weisen auf den Wohlstand dieser Familie hin. Später wurde ein Teil der Wand dieser Grabkammer eingerissen um dem Arcosolium des verstorbenen Proculus Platz zu machen. Die Darstellungen des Proculus und der Familie des Theotecnus weisen beide auf einen stilistisch nordafrikanischen Einfluss hin.

Die Dekoration des Grabmahls des Theotecnus

Die antikste Darstellung des San Gennaro

Ebenfalls in der oberen Katakombe ist auch die antikste Darstellung des San Gennaro auf einem Arcosloium aus dem 5. Jahrhundert zu sehen. Die Kunstform weist auch hier auf einen nordafrikanischen Einfluss hin, während der Heilige mit der Aufschrift “Santo Martyri Janario” identifiziert wird und zusammen mit einer Frau mit dem Namen Cominia sowie ihrer Tochter Nicaziola dargestellt wird.

Die Darstellung des San Gennaro aus dem 5. Jahrhundert

Weitere besondere Grabdekorationen

Faszinierend sind auch die Arcosolia aus dem 5. und 6. Jahrhundert, auf denen wahrscheinlich Diakoninnen neben der erzählenden Bitalia sowie der mit zwei offenen Evangelien (was nur den Bischöfen erlaubt war) neben den Heiligen Petrus und Paulus dargestellten Cerula auf raffinierten Fresken dargestellt sind. In einer weiteren Grabkammer sind zwei dekorierte gegenüberliegende Arcosolia aus dem 6. Jahrhundert mit dem Heiligen und Petrus und Heiligen Gennaro sowie dem Heiligen Paulus mit dem verstorbenen Lorenzo zu erkennen.

Die Basilika der Bischöfe

In der oberen Katakombe befindet sich im Bereich vor der Crypta der Bischöfe die sogenannte Basilika der Bischöfe, die ihren Ursprung zu Beginn des 6. Jahrhunderts haben soll. Anfangs war die Basilika der Bischöfe eine kleine Aula mit einem Altar auf der Höhe des Oratoriums des San Gennaro. Als der Zuspruch der Anhänger immer grösser wurde, musste auch die Basilika erweitert werden und das gesamte zentrale Ambulacrum integriert werden. Der neue Bereich auf 50 Meter Länge und 12 Meter Breite mit drei Gängen wurde Basilica adiecta oder Basilica maior genannt und wurde durch einen dreifachen Bogen in der Mitte und einer Nische mit einem Hakenkreuz als Zeichen der aufgehenden Sonne charakterisiert. In einer Nische ist auch das Symbol für Jesus Christus auf griechisch (IC XC) und das griechische Wort NIKA (Jesus Christus siegt) zu erkennen. Diese Basilika konserviert Malereien vom 4. bis ins 6. Jahrhundert und im Gewölbe sind auf ovalen Schildern die Büsten der ersten Bischöfe Neapels dargestellt.

Die Basilika der Bischöfe mit verschiedenen offenen Grabstellen

Die Crypta der Bischöfe

Die Crypta der Bischöfe liegt auf der westlichen Seite der Basilika und beinhaltete die Reste von 14 neapolitanischen Prälaten des 5. und 6. Jahrhunderts nach Christus. In dieser weiten Grabkammer befinden sich auf zwei Leveln 10 Gräber und 8 Arcosolia, in denen einige Bischöfe durch Mosaike oder Wandfresken dargestellt wurden. Unter anderem lagen hier die neapolitanischen Bischöfe Giovanni I (der die Reliquien des San Gennaro in diese Katakomben brachte), Giovanni II und der vom Wandalen Jenserich vertriebene Bischof von Karthago Quodvultdeus (“das was Gott möchte”), der in seinem Grabmahl mit einer dunklen Hautfarbe und einem mit einem Kreuz und den 4 Evangelistensymbolen versehenen Codex dargestellt wird. Im 9. Jahrhundert bringt der Bischof Giovanni IV die Reliquien in die Basilika Stefania, die später in die heutige Kathedrale von Neapel umgewandelt wird.

Ein Blick in die Crypta der Bischöfe der Katakomben des San Gennaro

Die Erweiterungen der oberen Katakombe

Die Erweiterungen der oberen Katakombe beginnen ab dem 5. Jahrhundert nach Christus nachdem die Reliquien des San Gennaro hierher gebracht wurden und die Katakomben nach San Gennaro benannt wurden. Innerhalb kürzester Zeit werden die Katakomben des San Gennaro zu einem beliebten Pilgerziel und Bestattungsort. Der Bedarf nach neuen Grabkammern und Gängen steigt kontinuirlich um nah am beliebten Heiligen bestattet werden zu können.

Die Geschichte des San Gennaro

San Gennaro wurde um 272 n. Chr geboren und wird als Bischof von Benevent wegen seinem christlichen Glaube gefangen genommen und im Jahr 305 in Pozzuoli enthauptet. Seine Amme Eusebia sammelt sein Blut in drei Ampullen (dessen Verflüssigung bis heute in der Kathedrale von Neapel stattfindet) und bringt diese mitsamt seinen Kopf nach Neapel, während der Rest seines Körpers in der Gegend von Marciano bei Pozzuoli beigesetzt wird. Seine Reliquien werden zum Anfang des 5. Jahrhunderts durch Bischof Giovanni I in diese Katakomben gebracht, die seitdem seinen Namen tragen. Während einer Belagerung der Stadt Neapel raubt der longobardische Fürst von Benevent Sico I die Reliquien nach Benevent, wo sie bis zu der Verlagerung ins Kloster von Montevergine im Jahr 1156 bleiben werden. Erst 1497 kehren die Reliquien des Heiligen Dank des Erzbischofs Alessandro Carafa und dem Kardinal Oliviero nach Neapel zurück und in den Succorpo (Crypta) der Kathedrale von Neapel gebracht, die in dieser Gelegenheit durch Malvito erneuert wird und bis heute ein Meisterwerk der reifen Renaissance im Süden Italiens verbleibt. San Gennaro ist seit 472 Schutzpatron von Neapel und die Popularität stieg besonders nach seiner Hilfe bei der Pest-Epidemie im Jahr 1527 und dem heftigen subplinianischen Ausbruch des Vesuvs des Jahres 1631.

Das Grabmal des San Gennaro in der Crypta der Basilica adiecta

Das Grabmahl des San Gennaro

Das Grabmahl des San Gennaro konnte bei den Ausgrabungen im Jahr 1969 als Grabkammer unter der Basilika der Bischöfe Dank einer Homile des 8. Jahrhunderts und einer Stelle des Chronicon Episcoporum Neapolitanorum, der wichtigsten Geschichtsquelle der neapolitanischen Kirche aus dem 9. Jahrhundert, erkannt werden. Für das Grabmahl des San Gennaro wurde der Tuffstein unter der Basilika der Bischöfe ausgehölt und der Zugang zu seiner Grabkammer zugemauert. Das Grabmahl war von auf drei Schichten gemalten Wandfresken umgeben: die oberste Schicht aus dem 9. Jahrhundert zeigte San Gennaro mit seinen ermordeten Wegbestreitern Eutichete, Procolo, Sosso, Festo und Desiderio (diese Fresken sind heute in der unteren Katakombe ausgestellt), während auf der zweiten Schicht aus dem 6. Jahrhundert San Gennaro zwischen dem Vesuv und dem Monte Somma dargestellt wird,

Das obere Vestibül

Der Zyklus der frühchristlichen Malereien im Tonnengewölbe des oberen Vestibüls, praktisch der Übergang in die unteren Katakomben, stellen einen Übergang vom Heidentum in das Christentum und eine malerische Einleitung für die neuen möglichen Christen dar. Auf den Fresken des Gewölbes sieht man im pompejanischen Stil gemalte Granatäpfel, Amoretten neben Adam und Eva, David und Goliath, einen Christus Pantokrator und drei Frauen die im Fluss Steine Waschen um einen Turm zu bauen. Diese Darstellung ist ein seltenes Beispiel aus dem auf griechisch geschriebenen “Dritten Vision des Hirten des Hermas” aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Die drei Frauen symbolisieren die Tugenden der Glaubens, der Hoffnung und der Nächstenliebe, während die Steine für die Christen stehen, die mit ihrer Taufe die Kirche (der Turm) für die Gläubigen aufbauen.

Die Dekoration im pompejanischen Stil des Vestibüls

Die unteren Katakomben und die Basilika des Sant’Agrippino

Von hier aus kann man die unteren Katakomben erreichen, die um die Basilika des heiligen Agrippino errichtet wurden. Diese kleine Basilika wurde errichtet um die Reliquien des sechsten Bischofs und ersten Schutzpatron von Neapel zu beherbergen, die im 3. Jahrhundert nach Christus in die Katakomben gebracht wurden. Um die Basilika mit einem einzigen Kirchenschiff, einer erhöhten Absis und einer in den Tuff gemeisselten Kathedra zu schaffen wurden einige Bereiche des Friedhofs des 2. Jahrhunderts entfernt. Der Altar wurde teils in den Tuffstein gemeisselt und teils mit Backstein erbaut. Dabei wurde er mit einer Öffnung versehen, in der die Reliquien des Heiligen Agrippino eingesetzt wurden und von den Gläubigen angefasst werden konnten. Auf der südlich gelegenen Wand ist ein Wandfresko aus dem frühen Mittelalter erhalten geblieben, auf dem ein Bischof mit einem orientalischen Mönch zu erkennen ist. Heute werden hier zu besonderen Anlässen noch Messen gehalten.

Die Basilika des Heiligen Agrippino, erster Schutzpatron der Stadt Neapel

Die Ädikulae

Die unteren Katakomben wurden also um die kleine Basilika des Heiligen Agrippino mit 6 Meter hohen Decken und auf mit drei weiten Ambulacren errichtet. Das zentrale Ambulacrum war ursprünglich mit Fresken dekoriert, von denen leider nur wenige Überreste erhalten geblieben sind. Im Rücken der Absis ist die Darstellung einer Büste des Christus zu erkennen und einige dekorative Reste sind auch noch im Gewölbe des unteren Vestibüls zu sehen. Im frühen Mittelalter wurden ausserdem zwei Ädikulae eingesetzt, dessen Funktion bis heute ungewiss bleibt. In einer der beiden Ädikulae, auch die Ädikula der Jungfrauen genannt, wurde in den zentralen Pfeiler aus Tuffstein eingesetzt und im 11. Jahrhundert mit einem Wandfresko mit den 5 Heiligen Katherina, Agatha, Eugenia, Juliana und Margareta versehen.

Das Taufbecken

In den unteren Katakomben ist auch noch das von Bischof Paolo II gewollte Taufbecken aus dem Jahr 762 zu sehen. Paolo II fand in den Katakomben des San Gennaro während des Ikonoklasmus Zuflucht und verlegt seinen Bischofssitz hierher. Ursprünglich war das Taufbecken komplett mit Marmorplatten besetzt.

Das Taufbecken aus dem 8. Jahrhundert in den unteren Katakomben

Der langsame Verfall der Katakomben

Im 9. und 10. Jahrhundert werden in den Katakomben des San Gennaro noch einige der neapolitanischen Herzöge bestattet, unter ihnen Cesario Console (im Jahr 878), Stefano und Stefano III. Nachdem die Reliquien der Heiligen aus Sicherheitsgründen in die Stadt gebracht wurden, beginnt aber eine lange Phase des Verfalls. Im 17. Jahrhundert werden noch einige Adlige in den Katakomben des San Gennaro bestattet um daraufhin recht schnell wieder in Vergessenheit zu geraten. Einige europäische Reisende der Grand Tour des 18. Jahrhunderts berichten von einem Besuch der Katakomben des San Gennaro, was zeigt das die Erinnerung an diesen Ort bewahrt geblieben ist. Im zweiten Weltkrieg nutzt die Bevölkerung die Katakomben des San Gennaro als Zufluchtsort vor den Bombenangriffen, ähnlich wie bei den anderen Zugängen des unterirdischen Neapels.

Ein Bild aus dem Jahr 1887 mit zwei Besuchern und einem Begleiter

San Gennaro Extra Moenia

Die Besichtigung der Katakomben des San Gennaro endet in der Basilika des San Gennaro Extra Moenia. Diese frühchristliche Kirche aus dem 5. oder 6. Jahrhundert war die erste dem Schutzpatron von Neapel gewidmete Kirche. Später wird sich der Aspekt der Kirche wegen den Erneuerungen unter den Aragonesen im 15. Jahrhundert und der barocken Verkleidung aus dem 18. Jahrhundert stark verändern. In der faschistischen Zeit Italiens wurde die Kirche ihrer Dekoration entkleidet und in die Grundform der aragonesischen Struktur auf drei Schiffen zurückgebracht. Aus der frühchristlichen Zeit ist dabei noch die halbrunde Absis auf zwei korinthischen Säulen zu erkennen. Die Bögen und die Pfeiler der Kirche sind hingegen ein typisches Beispiel der unter den Aragonesen nach Neapel gebrachten katalanischen Architektur. Die Basilika wurde erst als Krankenhaus für die Pestkranken, dann als Pflegeheim für die Armen und schliesslich als Lager für das nebenan gelegene Krankenhaus San Gennaro dei Poveri genutzt. Seit der Wiedereröffnung im Jahr 2008 finden hier manchmal Events oder Ausstellungen statt.

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

Kategorien
Monumente der Stadt Neapel

Das Castel Sant’Elmo von Neapel

Die Besichtigung des Castel Sant’Elmo ist auch für Neapolitaner eine Besonderheit, da die Aussicht von diesem Schloss den hier umgänglichen Begriff Spaccanapoli geprägt hat. Die Position ermöglicht es zu sehen wie sich der untere Decumanus (Hauptstrasse) wie eine Linie durch die Altstadt in Richtung Bahnhofsgegend zieht. Neben dem Blick auf die Altstadt bietet das Schloss wegen der besonderen Lage praktisch einen Rundumblick auf die Stadt Neapel und seinen Golf mit den Inseln Capri, Ischia und Procida, dem Vesuv und die sorrentiner Halbinsel. Auf den 60000 Qm Fläche des Schlosses ist es möglich sich hier zu entspannen, die Aussicht bei einer angenehmen Brise zu geniessen oder auch das Museum Novecento mit 150 Werken der modernen Kunst zu besichtigen.

Die Position

In der römischen Zeit wurde der Hügel auf dem heute das Castel Sant’Elmo gebaut wurde noch Paturcium genannt, eine Ableitung des Begriffs Patulcius mit der Bedeutung “der den Himmel öffnet” ein weiterer Name des Gottes Janus war. Auf diesem Hügel wird 1170 in der normannischen Zeit Neapels ein Wachturm mit dem Namen Belforte errichtet.

Blick vom Meer: unten am Meer das Castel dell’Ovo, oben am Hang das Castel Sant’Elmo

Die Königsresidenz unter den Anjou

Um diesen Wachturm wird zwischen 1325 und 1343 unter Robert von Anjou eine befestigte Königsresidenz errichtet, dessen Bauleiter erst Tino da Camaino und Francesco de Vico waren und nach dem Tod des Tino von Attanasio Primario und Balduccio de Baeza weitergeführt wurden. Die Bauarbeiten wurden somit erst unter der Herrschaft der Johanna I. von Anjou beendet. Die Königsresidenz hatte sicherlich bereits eine dem Heiligen Erasmus gewidmete Kappelle, da die Königsresidenz 1348 als Castrum Sancti Erasmi bezeichnet wird. Die Ableitung aus diesem Namen blieb bis heute im Namen Castel Sant’Elmo bestehen. Die ursprüngliche Königsresidenz der Anjou wurde im provenzalischen Stil mit einer quadratischen Struktur auf drei Etagen mit zwei Türmen, doppelten hohen Verteidigungsmauern, einem Graben und einem bewohnten Innenhof errichtet.

Der Blick in Richtung Posillipo und Mergellina

Der Verkauf an das Haus Aragon

Das Castel Sant’Elmo erlebt verschiedene Belagerungen wie die des Ludwig I. von Ungarn um den Tod seiner Bruders und Gemahlen der Johanna I. Andreas von Ungarn zu rächen sowie die des Karl von Duraz (in diesem Fall mit einem erfolgreichen Ausgang). Im Jahr 1416 wird das Schloss interessanterweise von der Tochter Johanna II. an den Rivalen Alfons V. von Aragon für 10500 Dukaten verkauft, der hier später mit seiner neapolitanischen Geliebten Lucrezia d’Alagno verschiedene Treffen und Feste organisieren wird.

Der Erneuerung der Festung unter der spanischen Krone

Bei einem der Kämpfe in Italien des französisch-spanischen Krieges zwischen Franziskus I. und Karl V. wird das Schloss unter Marschall Odet de Foix 1528 fast komplett zerstört. Der Wiederaufbau des Castel Sant’Elmo wird unter der Leitung des spanischen Militärarchitekten Pedro Luis Escrivà unter Vizekönig Pedro de Toledo nach einem Besuch des Imperators Karl V. in den Jahren 1537 bis 1546 geleitet. Die Festung des 16. Jahrhunderts wird mit dem lokalen gelben Tuffstein errichtet und basiert auf einer einer sternförmigen Planimetrie mit 6 Ecken (bzw. ist aus sechs Dreiecken geformt), die sich jeweils 20 Meter vom Zentrum entfernen. Es ist bis heute das einzige sechseckige Schloss ohne Türme der Welt. Das seltene Experiment innerhalb des militärischen Bauwesens ein Schloss ohne Türme zu bauen brachte den Vorteil sich der Bodenstruktur des S. Martino Hügels anpassen zu können und somit auf weniger Seiten verteidigt werden zu müssen.

Die Struktur des Castel Sant’Elmo als Luftaufnahme

Die Verteidigungsanlage

Die Castel Sant’Elmo besticht durch auffällig dicke Mauern und ist etwa 200 Meter lang und 100 Meter breit. Die Festung besteht aus 7 Etagen (vom unterirdischen Bereich bis zur Piazza d’Armi) in denen die Gänge mehrmals auf den 50 Metern Höhe aufeinandertreffen. Die besondere Form des Castel Sant’Elmo auf dem natürlichen Tuffsteinhang mit insgesamt 12 manchmal doppelten Öffnungen für Kanonenschüsse und vielen Einlaufgittern aus denen man heisse Materialen heraus werfen konnte machten die Verteidigungsanlage besonders wirksam.

Das Portal mit Zugbruecke

Das Innenleben der Anlage

Das Castel Sant’Elmo wird eines der wichtigsten Schlösser in der Zeit des spanischen Vizekönigreiches von Neapel. Neben den Wohneinheiten für die spanische Besatzung besass das Castel auch einen Gerichtshof, Gefängnisse, Büros, Waffenlager, zwei grosse Wasserzisternen (wovon eine das heutige Auditorium ist), eine Mühle, einen Metzger, Küchen, Öfen sowie Lager- und Waschräume. Im Jahr 1587 schlägt ein Blitz auf ein Pulverfass ein, bei dessen Explosion die Wohnungen der Besatzung und die Kirche zerstört wurde und insgesamt 150 Todesopfer forderte. Eine Restauration der Schäden findet in den Jahren von 1599 bis 1610 unter dem königlichen Architekten Domenico Fontana statt.

Der untere Bereich des Schlosses

Die Umwandlung in ein Gefängnis

Zwischen dem 17. und dem 18. Jahrhundert wird das Castel Sant’Elmo oft als Gefängnis für aus politischen Gründen Inhaftierte verwendet. Unter ihnen war auch der dominikanische Philosoph Tommaso Campanella, der hier sein berühmtestes Werk “La città del sole” verfasste. Bei dem berühmten Volksaufstand unter Masaniello fand der spanische Vizekönig Herzog d’Arcos hier erfolgreich Schutz vor dem wütenden Volk. Im Jahr 1799 wird das Castel Sant’Elmo von den Jakobinern eingenommen um die parthenopeischen Republik zu proklamieren und die Flagge der Freiheit aufzuhängen. Die Patriotin Eleonora Pimentel Fonseca verfasste hier ihre Freiheitsschriften und wird zusammen mit anderen Revolutionären wie Luisa Sanfelice und Gennaro Serra di Cassano später erhängt. Nach der Vereinigung Italiens im Jahr 1860 wird das Castel Sant’Elmo bis ins Jahr 1952 in ein Militärgefängnis umgewandelt

Das Castel Sant’Elmo heute

Die Konstruktion neben der Aufstiegsrampe ist ein altes Wachgebäude, während die Holztreppe mit der Aufschrift “Le Jardin” der Gewinner des Wettbewerbs “Un opera per il castello” (Ein Werk für das Schloss) aus dem Jahr 2013 ist und den Schlossgarten anbindet. Über eine Treppe kommt man in die sogenannte Eremitengrotte in dessen Innenbereich in der frühchristlichen Zeit ein Asket lebte. Über dem mit einer Fallbrücke verbundenen Eingangsbereich ist eine Inschrift des Maso da Fiesole von 1538 zu sehen, die an den Besuch des spanischen Imperators Karl V. im Jahr 1535 erinnert. Eine bedeckte breite und für Kutschen befahrbare panoramische Rampe führt zum Hauptplatz des Castel Sant’Elmo, die Piazza d’Armi, die weiterhin den ursprünglichen Fussboden der Restauration des Domenico Fontana aufbewahrt.

Die Linie der Altstadt Strasse Spaccanapoli und der Vesuv

Die S. Erasmo Kirche

Die dem Heiligen Erasmus gewidmete Kirche wurde wieder neu errichtet indem sie einen vorherigen Wohnbereich inglobierte und befindet sich nun auf der südöstlichen statt auf der nordöstlichen Seite der Piazza d’Armi. Der Innenbereich der Kirche bewahrt einige Grabsteine der berühmten Schlossbewohner des 16., 17. und 18. Jahrhunderts zwischen dem Terracotta-Fussboden mit Maiolika Fliesen auf. Das einzige Monument aus der vorherigen Kirche ist das Grabmahl des Pedro de Toledo, gleichnamiger Cousin des damaligen Königs, des neapolitanischen Bildhauers der späten Renaissance Annibale Caccavello. Auf dem Hauptalter der Kirche steht eine Skulptur des Heiligen Erasmus aus dem 19. Jahrhundert, Schutzpatron der Seefahrer des Mittelmeeres, unter einem Gewölbe mit dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Fresko der Mariä Aufnahme in den Himmel.

Das Museum der Kunst des 20. Jahrhunderts in Neapel

Auf der Piazza d’Armi befindet sich sowohl der Bibliothek der Kunstgeschichte “Bruno Molajoli” als auch das Museo Napoli Novecento, das Museum das Kunstwerke aus den Jahren 1910 bis in die 1980er, das auch in den letzten Jahren immer wieder neue Aufkäufe tätigte. Insgesamt sind hier 150 Werke von 90 verschiedenen Künstlern zu besichtigen die in drei Bereiche aufgeteilt wurden:

  • Der Anfang des 20. Jahrhunderts: die Sezession der 23 – Erster und zweiter Futurismus – Jugendstilkeramik und die Mostra d’Oltremare – Die Rückkehr zur Ordnung – Neorealismus – Gruppo Sud – Die Bewegung der konkreten Kunst – Das Informale
  • Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts: Nukleare Kunst – Gruppo 58 – Visuelle Poesie – Gemometrie und Recherche – PopArt – Konzeptkunst – Transavantgarde
  • Die Kunst der 1980er Jahre.
Ein Kunstwerk des Museo Novecento

Panoramablicke mit zeitgenössischer Kunst

Entlang des breiten Ganges an den Schutzmauern des Castel Sant’Elmo ist einer der wenigen panoramischen Ausblicke möglich, die praktisch einen Rundumblick von 360 Grad über die Stadt Neapel ermöglichen. Eine weitere Besonderheit sind die “site-specific” Installationen, die von dem alljährlichen Wettbewerb “Un opera per il castello” stammen. Jedes Jahr wird das Projekt des Gewinners eingerichtet um das kulturelle Angebot des Castel Sant’Elmo zu erweitern

Informationen

  • Öffnungszeiten Castel Sant’Elmo: Jeden Tag von 9:30-19.30
  • Öffnungszeiten Museum: Jeden Tag von 9:30-17, Dienstag geschlossen
  • Eintrittspreise: 5€, Di. 2,50€ wegen dem geschlossenen Museum

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

Kategorien
Monumente der Stadt Neapel

Die Katakomben von San Gaudioso in Neapel

Die Katakomben von San Gaudioso sind nach den Katakomben von San Gennaro mit seinen 5600 Qm der zweitwichtigste frühchristliche Friedhof der Stadt Neapel. Ausser dem Heiligen Gaudioso liegen hier auch die Heiligen Agnello, Sossio und Nostriano begraben. Die Katakomben von San Gaudioso beinhalten auf zwei Etagen etwa 2000 Gräber und 500 Arcosolia (Nischengräber).

Die Geschichte des San Gaudioso

Im Jahr 439 n. Chr. wird der Bishof von Bythinien Settimius Celius Gaudiosus im prokonsularen Afrika von den Vandalen unter Geiserich ins Exil gezwungen. Zusammen mit anderen Geistlichen und Christen flüchtet Gaudiosus nach Neapel wo er seine christliche Mission bis zu seinem Tod im Jahr 452 fortführt. Der auf Marmor gemeisselte christliche Kalender von Neapel bestätigt seine Bestattung am 27. Oktober des Jahres 452 an den Hängen der Colli Aminei in der Nähe von weiteren Hypogäen und wichtigen christlichen Reliquien. Nach seiner Ankunft in Neapel soll San Gaudioso ein Kloster im oberen Teil der Altstadt Caponapoli gegründet haben, wo von ihm die Augustinusregel eingeführt wurde. Ausserdem soll er einige Reliquien der Heiligen Restituta von der Insel Ischia nach Neapel gebracht haben, die heute weiterhin in der in der Kathedrale von Neapel integrierten Basilika der Santa Restituta aufbewahrt werden. Der Kult des Gaudiosus bleibt wohl lange erhalten, denn 499 nach Christus wird der neapolitanische Bischof Nostrianus in seiner Katakombe bestattet.

Die Überschwemmung und die Wiederentdeckung

Im 9. Jahrhundert werden die Reliquien der Katakomben des San Gaudioso nach dem Raub der Reliquien des San Gennaro in seinen Katakomben durch die Langobarden aus Sicherheitsgründen innerhalb der Stadtmauern Neapel gebracht. Daraufhin werden die Katakomben von den Schlammlawinen bei starken Regenfällen überschwemmt, der sogenannten Lava dei Vergini, so das der Eingangsbereich nicht mehr zugänglich war und die Katakomben von San Gaudioso in Vergessenheit gerieten. Über den Katakomben wurde ein Bauernhof errichtet, bei dem die Crypta als Stall und Lager verwendet wurde. Erst zum Ende des 16. Jahrhunderts wird das frühchristliche Bild der Heiligen Maria della Sanità in den Katakomben wiederentdeckt und die Basilika der Santa Maria della Sanità von den Dominikanern errichtet.

Die Crypta der Basilika der Santa Maria della Sanità

Die Integration in die Basilika der Santa Maria della Sanità

Die damalige Struktur der Katakomben von San Gaudioso ist heute wegen den sukzessiven Veränderungen kaum nachvollziehbar. Nach dem Bau der Basilika der Santa Maria della Sanità wollen wie dominikanischen Ordensbrüder die Katakomben von San Gaudioso für ihre Verstorbenen wiederverwenden und verändern die Struktur des vorherigen Bestattungsortes. Der Zugang war durch die heutige Crypta, die ursprünglich das Haupt-Ambulacrum der Katakombe war und wahrscheinlich im 6. Jahrhundert in eine frühchristliche Kirche umgewandelt wurde. Der Endbereich des Zugangs in die Katakomben ist weiterhin hinter dem Altar der Heiligen Eugenia in der Crypta der Basilika zu erkennen. Die Grabkammern mit einem direkten Zugang zur Crypta wurden zugemauert und die Reliquien der Märtyrer aus den römischen Katakomben in den Altaren eingesetzt. Der Zugang in die Katakomben von San Gaudioso führte ursprünglich ausschliesslich in die Grabkammer des San Gaudioso und wird erst bei den folgenden Veränderungen zum Hauptzugang der Katakomben.

Die Grabkammer des San Gaudioso

Die Grabkammer des San Gaudioso enthält ein Arcosolium, die von der Dekoration der Crypta der Bischöfe der Katakomben von San Gennaro ähnelt. Die bis heute erhaltene Dekoration zeigt den Heiligen Gaudiosus mit einem Heiligenschein und Ornamenten auf bunten Mosaikstückchen und dunkelgrünem Hintergrund mit hellgrauen Blättern und Weintrauben. Der am besten konservierteste Teil ist die Aufschrift des Bogens mit 9-10 cm grossen Buschstaben, auf der die Bestattung des Bischofs Gaudioso erinnert wird. Leider ist der Teil mit der Kennzeichnung des damaligen Konsuls verloren gegangen, welcher mehr Aufschluss über das genaue Datum des Todes des Gaudioso ermöglicht hätte. Diese Grabkammer bleibt in der dominikanischen Zeit die bedeutendste, da sie im Gegensatz zu anderen praktisch nicht verändert wird. Aus der dominikanischen Zeit stammen die zwei Abbildungen der Heiligen Agnello und Gaudioso in päpstlichen Anzügen neben der Grabkammer des San Gaudioso.

Das Grabmahl des San Gaudioso

Das Grabmahl des Pascenzio

Links von der Grabkammer des Heiligen Gaudioso sind noch die erhaltenen Reste des Ambulacrums die die Basilika der Santa Maria della Sanità mit der Katakombe des San Gaudioso verbunden hatten und in denen sich 13 Grabkammern mit kleinen dekorativen Resten befinden. Eine der Grabkammern die sich am besten erhalten haben ist das Arcosolium des Pascenzio, auf denen der Heilige Petrus mit Paulus mit dem Verstorbenen in delikaten pastellähnlichen Farben dargestellt ist. Ein weiteres Arcosolium auf der linken Seite mit der Darstellung des juwelierten Kreuzes und zwei Lämmern, Symbolismus des des Kreuzes auf dem Golgotha mit zwei Aposteln, hat eine geringere artistische Qualität, die mit stärkeren Farbeffekten ausgeglichen werden wollen.

Die frühchristlichen Grabkammern auf der rechten Seite

Von der rechten Seite der Grabkammer des San Gaudioso können zwei weitere Grabkammern erreicht werden, von dem die erste von den Dominikanern für den Bau einer Passage im 17. Jahrhundert beschädigt wurde und die fälschlicherweise erst für das Grabmahl des Bischofs Nostrianus gehalten wurde. Von diesem Grabmahl ist noch ein juweliertes Kreuz und ein szenographisches Bild aus der orientalischen Tradition des 5. Jahrhunderts des Christus mit langem Bart, langen Haaren und einem Heiligenschein zu sehen. Bei einem genaueren Blick fällt einem auf der Höhe des Kinns und der Brust noch ein weiteres kleineres Bild eines Christus auf, das übermalt wurde und eine etwas ältere Darstellung sein müsste. Auf den vier Ecken der Bögen sind die vier Symbole der Evangelisten (Stier, Löwe, Adler und ein beflügelter Junge) abgebildet. Eine steile Treppe führt auf der entgegengesetzten Seite in die zweite Grabkammer. Die drei Arcosolia sind in diesem Fall erhalten geblieben und wurden mit einem weiteren Bild des Triumph des Kreuzes und einem sehr gelungenen Kelch mit einem Rand mit goldenen und einem Knoten mit grünen Mosaiksteinchen dekoriert.

Das Fresko des Christus aus dem 5. Jahrhundert

Die Grabkammer des Nostrianus und des ersten Maria Bildes Neapels

Am Ende des 25 Meter langem und drei Meter breitem Haupt-Ambulacrums ist ein Altar mit einem Christus aus Tufstein vom Ende des 17. Jahrhunderts zu sehen vor einem Fresko der Seelen im Fegefuer zu sehen. Auf der vom Altar aus links gelegenen Wand wurde das verehrte Bild der Maria mit Kind gefunden, die letztendlich zum Bau der Basilika der Santa Maria della Sanità geführt hat und heute in ihrer Crypta ausgestellt ist. Das Bild ist bis heute das älteste Bild der Jungfrau Maria der Stadt Neapel und stammt aus der Zeit zwischen dem Ende des 5. und Anfang des 6. Jahrhunderts. Hinter dem Bild der Maria wurde ein dekoriertes Arcosolium gefunden, das die Archäologen heute für das wahre Grabmahl des Bischofs Nostrianus halten. Neben dem Grabmahl ist auch eine Abbildung der Heiligen Katherina aus Siena des florentinischen Malers Giovanni Balducci zu sehen. Entlang der Seitenwände des Ambulacrums lagen die ursprünglich nicht miteinander verbundenen und fast alle dekorierten Grabkammern der Katakomben von San Gaudioso.

Die dominikanische Erweiterung des 17. Jahrhunderts

Neben den beschriebenen Überresten aus der frühchristlichen Antike integrieren die dominikanischen Erweiterungen des 17. Jahrhunderts die Besichtigung der Katakomben von San Gaudioso. Neben dem Haupt-Ambulacrum ist ein Raum mit den sogenannten Sitzplätzen (oder Abtropfsitzen) zu sehen, die in den Tufstein gemeisselt wurden um dort die verstorbenen dominikanischen Ordensbrüder austrocknen zu lassen bevor sie in ein gemeinsames Ossarium oder ein privates Grabmahl gesetzt wurden. Die Kosten des vielleicht aus Sizilien stammenden Kults der Austrocknung waren sehr hoch und konnte nur von den Reichen finanziert werden. Die Verstorbenen wurden 8 bis 12 Monate auf die Plätze gesetzt und von dem Bestatter periodisch durchlöchert um den Austrocknungsprozess zu beschleunigen. Bis heute ist dieser brauch in der neapolitanischen Sprache mit dem Ausdruck Schiattamuorto (der die Toten aufplatzen lässt) als Synonym für den Bestatter und dem Fluch “Puozze sculà” (das jemand auslaufen solle) noch verankert.

Die Abtropfsitze der Katakomben von San Gaudioso

Die eingesetzten Schädel mit bemaltem Körper

Ein weiterer dominikanischer Brauch war es die Schädel in die Tufsteinwand einzusetzen und durch ein Bild und einer Grabplatte den Verstorbenen darzustellen. Die Knochen wurden erst gereinigt und dann bis auf den Schädel in Sammel- oder Einzelgräber bestattet. Der Schädel, in dem der Gedanke des Verstorbenen konserviert wird, wird in die Wand gesetzt und schliesst von einem Skelett mit den Kleidern, Alltagsgegenständen oder manchmal auch einem Lebensmotto von dem florentinischen Maler Giovanni Balducci dekoriert. Die Damen sind alle mit breiten Kleidern dargstellt und befinden sich auf der linken Seite des Ambulakrums, während die Männer auf der rechten Seite bestattet wurden. Der Maler Giovanni Balducci selbst, der unter anderem im Dom von Florenz und Volterra sowie in den Uffizien gearbeitet hat, liegt in den Katakomben von San Gaudioso begraben und ist durch einen Pinsel und seinem Namen zu erkennen. Er soll auf sein Gehalt verzichtet haben, damit er hier begraben werden durfte. Die älteste Grabplatte stammt aus dem Jahr 1615 und die jünsgte aus dem Jahr 1635, da der von verschiedenen Orden angewandte Brauch die Verstorbenen austrocknen zu lassen im Jahr 1637 verboten wurde. Durch das Bild kann sowohl der soziale Status als auch die Identität des Verstorbenen abgelesen werden: Unter ihnen befinden sich der Magistrat Diego Longobardo, der Maler Giovanni Balducci und die adligen Damen Maria de Ponte und Donna Sveva Gesualdo.

Die Einsetzung der Schädel eines weiblichen Grabmahls

Der Wächter der Katakomben

Das einzige Skelett das innerhalb der Katakomben von San Gaudioso komplett in die Wand eingesetzt worden zu sein, ist das vom sogenannten Wächter der Katakomben. Seine Hände haben eine Sense in der Hand und stützen sich auf ein Gitter um die Seelen im Fegefeuer zu wahren und ihnen keine Flucht zu ermöglichen. In Wahrheit sind die Knochen nach Zufallsprinzip zusammengestellt worden und entsprechen nicht den Knochen einer einzelnen Person.

Der sogenannte Wächter der Katakomben

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.