Die Kathedrale von Neapel

Die Kathedrale der Stadt Neapel in der Via Duomo, einem antiken Cardo der griechisch-römischen Stadt Neapolis, wird im volksmund meist einfach Dom (Duomo) genannt und ist in der heutigen Altstadt gelegen. Die Kathedrale von Neapel ist dabei offiziell der Madonna Assunta und nicht wie oft angenommen dem Schutzpatron San Gennaro gewidmet. Die Kathedrale ist eines der Monumente der Stadt, an der man am besten die historische Stratifizierung der Stadt Neapel ablesen kann und Kunstwerke sieht, die von der Antike bis über die frühchristliche Zeit ins 20. Jahrhundert reichen.

Die Struktur der Kathedrale von Neapel mit der Basilika der Santa Restituta
und der Kappelle des San Gennaro

Die Ursprünge der Kathedrale von Neapel

Das Gebäude ist auf dem frühchristlichen Oratorium der Santa Maria del Principio gebaut worden (und laut einer Legende auf einem Apollotempel, dessen Struktur aber nie gefunden wurde), in dem der erste Bischof von Neapel Aspreno laut den Cronache di Partenope den Sitz des Bischoftums der Stadt einrichtete. Die heutige Kathedrale von Neapel inglobiert dabei zwei weitere Kultgebäude, die Basilika der Santa Restituta mit dem Baptisterium und die Kappelle des San Gennaro, die wegen ihrer Fülle und Besonderheit in zwei separaten Texten behandelt werden. Die erste Bauphase begann wahrscheinlich bereits in den 1270er Jahren unter Karl I. und wird von Karl II fortgeführt um 1313 unter Robert dem Weisen eingeweiht zu werden. Die ersten Architekten sind wahrscheinlich französischer Herkunft, die später von den lokalen Architekten Masuccio I, Masuccio II und einem pisanischen Architekten Giovanni Pisano beendet werden.

Das Eingangsportal mit der Madonna mit Kind von Tino da Camaino

Die Fassade

Die heutige Fassade der Kathedrale von Neapel wurde unter Kardinal Sisto Riario Sforza in den Jahren von 1876 bis 1905 von Architekt Enrico Alvino im neogothischen Stil mit Skulpturen diverser Künstler der Zeit restauriert. Aus der gothischen Zeit der Anjou sehen wir noch Werke des Tino da Camaino aus dem 14. Jahrhundert mit den Löwen neben dem Haupteingang und der Madonna mit Kind über dem zentralen Portal. Von Antonio Baboccio da Piperno aus dem 15. Jahrhundert sind die Dekorationen der drei Eingange der Kathedrale.

Eine Skulptur aus der Serie der heiligen Bischöfe

Der Innenbereich

Die Dekoration des heutigen Hauptschiffs stammt grösstenteils aus dem 17. Jahrhundert, reicht aber bis ins 19. Jahrhundert hinein. Die Kassettendecke wurde von den spätmanieristischen Künstlern Giovan Vincenzo Forlì und Giovanni Balducci mit dem Motiv der Geschichten Christi und der Jungfrau Maria in der 1620er Jahren eingesetzt. Die obere Serie der Medaillons an den Seitenwänden zeige die Serie der Apostel, Doktoren und Patern der Kirche, die untere Serie die verschiedenen Schutzpatrone der Stadt Neapel Bis auf zwei Patrone, die von Francesco Solimena aus den Jahren 1701-1702 stammen, sind alle weiteren Bilder von Luca Giordano aus den Jahren 1676-78. Im unteren Bereich des Hauptschiffs der Kathedrale wurden 14 Skulpturen der heiligen Bischöfe eingesetzt, die teils Skulpturen der Erneuerung der 1620er Jahre wiederverwendet und teils von Carlo d’Adamo aus den 1740er Jahren bestehen. Die Gegenfassade stammt aus der Zeit des spanischen Vizekönigsreichs von Neapel, in der der königliche Architekt Domenico Fontana 1599 eine reichere Marmordekoration erschafft, um den Sarkophag des anjouinischen Königs Karl II zu ehren. Links neben dem Eingangsbereich steht ein kleines Highlight, ein Topf aus römischer Zeit aus ägyptischen Basalt, das in ein Taufbecken umgewandelt und 1621 in barocker Form dekoriert wurde. Die beiden Holzorgeln stammen von Gennaro di Fiore aus den Jahren 1770-72 und ersetzen die beiden Älteren, dessen Türen von Giorgio Vasari und Luca Giordano dekoriert wurden (heute in Gewahrsam).

Das romanische Kruzifix der nach ihr benannten Kappelle

Das rechte Kirchenschiff

Die erste Kappelle des rechten Kirchenschiffs ist San Nicola gewidmet und zeigt ein Bild des San Nicola von Paolo de Matteis aus dem Jahr 1695. In der daneben liegenden sogenannten Kappelle des Kruzifix hängt das strenge romanische franko-iberische Kruzifix, das zeitlang am Hauptaltar der Kathedrale hing. Diese Kappelle beherbergt auch ein gothisches Grabmahl von Tino da Camaino und ein Marmoraltar mit einem sterbenden Christus aus dem 17. Jahrhundert. Die nächste Kappelle mit dem monumentalen Eingang des Messingtors von Cosima Fanzago ist die Kappelle des San Gennaro, Schutzpatron von Neapel, die als eigenes Gebäude separat beschrieben wird. Die Kappelle der Reliquien wird von einem Bild des Andrea Malinconico aus dem späten 17. Jahrhundert dekoriert und bewahrt neben und in einigen wichtigen Schätzen die Reliquiensammlung der Kathedrale von Neapel auf. In der letzten Kappelle des rechten Seitenschiffs steht das das gothische Grabmahl des Francesco Carbone von Antonio Baboccio da Piperno aus dem frühen 15. Jahrhundert, bei dem der internationale nordische gothische Einfluss klar sichtbar ist.

Die Kappelle der Reliquien

Das Querhaus der Kathedrale von Neapel

Das Querhaus der Kathedrale von Neapel ist eine weitere Ansammlung wichtiger Kappellen und Kunstschätze. Auf der rechten Seite des Querhauses ist eine der Kathedrale gewidmete Madonna Assunta des Perugino aus dem Jahr 1506 zwischen zwei barocken Mausoleen des Giuseppe Sanmartino aus dem Jahr 1775 und des Pietro Ghetti aus dem Jahr 1678 sowie einem spät manieristischem Werk von Girolamo d’Auria von 1578 zu sehen. Neben der Minutolo Kappelle ist die dem heiligen Asprenus gewidmete Kappelle, die von der Familie Tocco übernommen wurde und den französischen gothischen Kunsteinfluss aufzeigt. Die in der ersten Jahren des 14. Jahrhunderts gemalten geometrischen Dekorationen und Apostel stammen vom römischen Künstler Pietro Cavallini und stellen ein Meisterwerk der Erneuerung der gothischen Kunst der Zeit dar. Die oberen Fresken der Kappelle stammen aus dem 16. Jahrhundert von Agostino Tesauro.

Die Capece Miutolo Kappelle, gothischer Blickfang Neapels

Die Capece Minutolo Kappelle

Hier öffnet sich nun der Blick in eine der schönsten gothischen Kappellen der Stadt Neapel, die Kappelle Capece Minutolo. Die Struktur der Kappelle ist wohl älter als die Kathedrale und wurde in das Kirchengebäude integriert. Rechts neben dem grossen Grabmahl des Enrico Minutolo ist das Grabmahl des Filippo Minutolo des d’Oderisio zu sehen, unter ihm wurde der heilige Ludwig zum Priester ausgebildet, an dessen Werk interessanterweise der Einfluss des Arnolfo di Cambio zu erkennen ist. Eine Besonderheit ist der in Neapel selten vorzufindene marmorne Intarsien- und Mosaikfussboden vom Ende des 13. Jahrhunderts. Ein Teil der Fresken der Kappelle stammen von Montano d’Arezzo aus der selben Zeit des Fussbodens, die den Kunsteinfluss des Cimabue im Süden Italiens aufzeigen. In den späteren Fresken der Magdalena und des heiligen Nikolaus aus der Mitte des 14. Jahrhunderts ist det Einfluss des Pietro Cavallini zu erkennen, während die knieenden Ritter der Familie Minutolo wahrscheinlich vom neapolitanischen Künstler Roberto d’Oderisio stammen. Die Dekoration der Absis der Kappelle ist vom Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts und grösstenteils vom grossen restaurierten Grabmahl des Erzbischofs Enrico Minutolo (eines Schülers des Antonio Baboccio da Piperno) verborgen.

Die Darstellung der Madonna Assunta, Altar der Kathedrale

Der Hauptaltar

Beim Hauptaltar der Kathedrale von Neapel ist aus der gothischen Zeit praktisch nichts mehr zu erkennen und hier dominiert die von Kardinal Spinelli gewollte Kunststilerneuerung des 18. Jahrhundert der Künstler Pietro Bracci, Paolo Posi, Giaquinto und Stefano Pozzi. Aus dem 17. Jahrhundert stammt der grosse geschnitzte Holzchor des Marc’Antonio Ferraro (1616-17).

Die Darstellung des Kardinals Oliviero Carafa in der Crypta

Die Cappella del Succorpo – die Crypta der Kathedrale

Unter dem Hauptaltar führen zwei Rampen in die sogenannte Cappella del Succorpo, in dem die Reliquien der San Gennaro verehrt werden. Dieser Bereich wurde unter Kardinal Oliviero Carafa nach der Rückkehr der Reliquien des San Gennaro nach Neapel aus Mercogliano im Jahr 1497 finanziert und im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts durch den lombardischen Architekten der reifen Renaissance Tommaso Malvito eingerichtet, vielleicht nach einem Projekt des Bramante, um dieses besondere Ereignis zu würdigen. Die Qualität der Einrichtung mit der Skulptur des Oliviero Carafa, den Wänden, der Decke und dem Fussboden wurde durch heute leider unbekannte aber hochqualifizierten Künstlern umgesetzt worden sein und macht die Cappella del Succorpo wohl zum Musterbeispiel der Bildhauerkunst in Neapel zum Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts.

Der Jessebaum, gothisches Werk von Lello da Orvieto

Die linke Seite des Querhauses und die Cappella degli Illustrissimi

Auf der linken Seite des Querhauses der Kirche ist die Kappelle Sant’Atanasio mit einem Altar von Cosimo Fanzago und Marmormonumenten des Lorenzo Vaccaro zu sehen. Erst im 20. Jahrhundert wurden hier auch frühchristliche Sarkophage und die Reste des Fussbodens aus der späten Renaissance wiedergefunden. Neben ihr ist die besondere Cappella degli Illustrissimi, die noch unter dem französischen Bischof Umbert d’Ormond eingerichtet wurde und den von Lello da Orvieto um 1315 gemalten Jessebaum beinhaltet. Die horizontalen Marmorbalken wurden dabei in der Mitte des 14. Jahrhunderts von einem Künstler mit starken Avignon-Einfluss dekoriert. Rechts und gegenüber von der Cappella degli illustrissimi sind die Grabmähler des Papstes Innocenz IV. von Giovan Tomaso Malvito aus dem 16. Jahrhundert (Restauration eines Grabes der 14. Jahrhunderts) und des Papstes Innocenz XII. von Domenico Guidi aus dem Jahr 1696. Zwischen den beiden Kappellen ist ein gut gelungenes Jugendwerk des Francesco Solimena in Form eines des Heiligen Georgs zu sehen.

Detail des antiken Basalttopfes des Taufbeckens

Das linke Kirchenschiff

Das linke Kirchenschiff ist wegen seinem Zugang der Basilika der Santa Restituta bekannt, die wegen der historischen Wichtigkeit nochmal separat behandelt wird. Vom Altar aus kommend treffen wir zuerst auf die Seripando Kappelle mit zwei Bildern von Balducci von 1599 (ein San Gennaro und Sant’Agnello) und die Brancaccio Kappelle von Architekt Giovanni Antonio Dosio mit den zwei Skulpturen vom Heiligen Petrus und Paulus von Pietro Bernini und Girolamo d’Auria und dem lokal recht bekannten Bild der Taufe Christi des Francesco Curia. Die neben dem Eingang zur Santa Restituta Kappelle gelegenen Grabmähler des Kardinals Alfonso Gesualdo sind von Michelangelo Naccherino und Montani, während die Grabmähler vom Giambattista Filomarino und Kardinal Alfonso Carafa von Finelli und Mencaglia aus den Jahren 1643-1647 stammen. In der vorletzten Kappelle dieses Kirchenschiffs steht eine Skulptur der Grablegung Christi von einem spanischen Bildhauer (Ordonez oder de Siloe) und ein Bild mit einem Heiligen Thomas des senesischen Künstlers Marco Pino aus dem Jahr 1573, klassisches Werk im Stil der katholischen Reform nach dem Konzil von Trient.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

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