Die Kirche der Kartause von San Martino in Neapel

Vom monumentalen Kreuzgang des Klosters der Kartause von San Martino ist die Fassade der von 1325 bis 1368 errichteten Kirche der Kartause von San Martino zu erkennen, die im Laufe der Jahrhunderte vielen Veränderungen unterworfen wurde und heute ein barockes Meisterwerk Neapels darstellt. Die Kirche der Kartause von San Martino kann mit dem Eintrittsticket der Kartause von Neapel besichtigt werden, auch wenn diese leider nicht immer von innen zu betreten ist. Die Geschichte der Kartause von San Martino ist in meinem Artikel über die Struktur der Kartause nachzulesen. Die Kirche besteht heute aus einem einzigen Kirchenschiff, acht Seitenkappellen und den Kirchenräumen der Kartause von San Martino, die in einem gesonderten Artikel beschrieben werden. Von der Originalstruktur ist noch das Kreuzgewölbe des Hauptschiffs und die ogivalen Bögen aus Tufstein und Pipern der Vorhalle der Kirche. Zum Ende des 16. Jahrhunderts reduziert der florentiner Giovanni Antonio Dosio die Vorhalle und entfernt zwei Bögen, die durch zwei weitere Kappellen ersetzt wurden (Die Kappellen des Rosenkranzes und des Heiligen Josefs). Unter Dosio wurden zudem die beiden ursprünglichen Seitenschiffe in Kappellen umgewandelt. Mit der Übergabe des Projekts an den damaligen Stararchitekten Cosimo Fanzago wird die Fassade mit weissem und Bardiglio Marmor und venezianischen Fenstern bereichert. Der obere Teil der Fassade der Kirche der Kartause von San Martino stammt von den letzten Neuerungen aus dem 18. Jahrhundert des Nicola Tagliacozzi Canale.

Die Kirche der Kartause von San Martino hat ein Hauptschiff mit reichen Seitenkappellen
Die Vorhalle der Kirche der Kartause von San Martino

Über dem Eingangsportal hängt eine vom Ende des 16. Jahrhunderts von einem unbekannten neapolitanischen Künstler gefertigten (vielleicht Felice de Felice) Büste des Papst Pius V ( auch Bischof San Martino genannt). Vor dem Eingangsportal halten zwei Engel des Cavalier d’Arpino das Wappen Cart (Cartusia). Die Holztür mit Intarsien die Heilige darstellen stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die Fresken an der Vorhalle oben links neben der Tür stammen noch von Giovanni Baglioni unter Giovanni Antonio Dosio, während die anderen Dekorationen an dieser Wand unter Cosimo Fanzago von Belisario Corenzio 1632 und Micco Spadaro in den Jahren 1651-1656 umgesetzt wurden.

In der Vorhalle sind Geschichten zu den Kartaeusern zu sehen, hier aus der Hand des Micco Spadaro
Die Fussbodendekoration

Das Projekt des beeindruckenden Fussbodens der Kirche der Kartause von San Martino wurde von Cosimo Fanzago und dem Kartauser Bonaventura Presti umgesetzt. Das eigentliche Projekt des Fanzago konnte von ihm nicht vollendet werden, da die Arbeiten im Jahr 1656 wegen einem Streit mit den Kartäusern unterbrochen wurden. Erst 8 Jahre später führt Bonaventura Presti di beeindruckende Intarsienarbeit fort, die eine scheinbare Dreidimensionalität und dem Besucher einen starken visuellen Impakt hinterlassen. Für ihn wurden der spanische Broccatello, Bardiglio, Onis aus San Gesualdo, Fiamma di Blesia, grüner Marmor aus Kalabrien, weisser Carraro, Alpujarras, roter aus Frankreich, der gelbe aus Siena, der Diaspro aus Sizilien und der schwarze Marmor aus Belgien verwendet.

Die Fussbodendekoration, Projekt des Cosimo Fanzago
Die Dekoration der Decke und der Gegenfassade

Die Decke der Kirche hat ihr gothisches Gewölbe aus dem 14. Jahrhundert erhalten und wurde zwischen 1637 und 1640 von Giovanni Lanfranco bei einem seiner bedeutendsten Lebenswerke mit Fresken von Engeln, Seeligen und Heiligen dekoriert. In den Formen eines Halbmonds neben den Fenstern ist die berühmte Serie des Jusepe de Ribera der Apostel und Profeten zu sehen. An der Gegenfassade stehen die Skulpturen des Johannes des Täufers und des heiligen Hieronymus von Architekt Cosimo Fanzago sowie ein Moses und Elias von Jusepe de Ribera zu sehen, während das Bild der Grabbeilegung des Christus über dem Eingang von Massimo Stanzione stammt.

Die Fresken des Lanfranco an der Decke der Kirche der Kartause von San Martino
Der Hauptaltar

Der Hauptaltar ist von 1705 aus goldfarbigem Holz und Stuck und eine Kopie des ursprünglichen Marmorprojekts von Francesco Solimena unter Architekt Tagliacozzi Canale. Aus dieser Zeit stammt auch die Brüstung aus Marmor und Bronze um dem Presbiterium sowie der reiche Marmorfussboden der Absis. Die beiden Altarengel wurden erst 1768 von Giuseppe Sanmartino hinzugefügt. Der Chor aus Holz stammt hingegen aus dem 17. Jahrhundert und ist ein Werk des Orazio de Orio, so wie die Skulpur in einer Nische des Chors der unbefleckten Madonna von Gennaro Monte von 1682. Unter diesem Chor wurde übrigens auch ein Zimmer eingerichtet, das die Akustik verbesserte. Eine der Platten wurde durchlöchert um ein Blick in das Zimmer zu werfen zu können.

Die Absis

An der Aussenwand der reich besetzten Absis der Kirche der Kartause von San Martino sind die Skulpuren Vita Attiva von Pietro Bernini und die Vita Contemplativa von Giovan Battista Caccini zu bewundern. In der Wölbung wurde unter Architekt Dosio die Fresken von Cavalier d’Arpino und Bernardino Cesari mit den Geschichten des Neuen und Alten Testaments und den Geschichten der Evangelisten, Doktoren der Kirche, Profeten und Heiligen Kartausern zwischen 1591 und 1596 angebracht. Die Kreuzigung im Halbkreis unter der Wölbung stammt hingegen von Giovanni Lanfranco. Auf den Seitenwänden wurden einige Bilder bedeutender Künstler der Zeit aufgehängt: die Fusswaschung von Battistello Caracciolo von 1682, die Kommunion der Apostel von Jusepe de Ribera von 1651, die Anbetung der Hirten von Guido Reni von 1641, Das letzte Mahl von der Schule des Paolo Veronese vom des Ende 16. Jhrs. und die Vorbereitung des letzten Mahls von Massimo Stanzione von 1639.

Dei Seitenkappellen: Die Kappelle des San Gennaro

Die erste Kappelle auf dem linken Kirchenschiff ist dem Schutzpatron der Stadt Neapel San Gennaro gewidmet. Die Marmordekoration stammt noch aus der Zeit des Dosio und Conforto (datiert 1620), während die Stuckarbeiten unter der Direktion von Cosimo Fanzago hinzugefügt wurden. Die Bilder der Enthauptung des San Gennaro, dem Martyrium des San Gennaro sowie die Fresken an der Decke mit den Geschichten des Heiligen und Die Glorie des San Gennaro stammen allesamt von Battistello Caracciolo von 1632. Die Bildhauerkunst wurden von Domenico Antonio Vaccaro in den Jahren 1709-1719 gefertigt und zeigen Die Jungfrau und die Dreifaltigkeit übergeben San Gennaro die Schlüssel der Stadt in einem Hochrelief, die Skulpturen des Glaubens und Martyriums sowie die vier Medaillons mit der Darstellung der Evangelisten. Eine Tür auf der linken Seite führt in die nicht zugängliche Kappelle des Heiligen Josefs mit Skulpuren des Domenico Antonio Vaccaro und Bildern des Paolo de Matteis vom Anfang des 18. Jahrhunderts.

Die beeindruckende Bildhauerkunst des Domenico Antonio Vaccaro in der Kappelle des San Gennaro
Die Kappelle des Heiligen Bruno

Die zweite Kappelle auf dem linken Kirchenschiff des Heiligen Bruno beinhaltet die Marmordekorationen unter Cosimo Fanzago aus den Jahren 1631-1636. Die Kappelle wird von Bildern des Massimo Stanzione aus den Jahren 1633-1637 dekoriert (San Bruno gibt seinen Folgern die Ordensregel; Herzog Roger vor dem Heiligen Bruno, die Erscheinung der Jungfrau und des Heiligen Petrus vor den Kartäusern, die Heilung der Kranken an der wundersamen Quelle). Die barocken Skulpturen der Einsamkeit und der Penitenz, der Fussboden und die beiden Putten sind das Werk des Lorenzo Vaccaro.

Die Hand des Cosimo Fanzago ist klar in der Kappelle des Heiligen Bruno zu erkennen
Die Kappelle der Assunta

Die dritte Kappelle der Kirche der Kartause von San Martino, der Assunta gewidmet, hat eine Struktur aus dem 17. Jahrhundert mit Fresken der Lebensgeschichte der Maria von Battistello Caracciolo von 1626, während die Bilder der Verkündigung, die Assunta und die Mariä Heimsuchung von Francesco de Mura und die Skulpuren der Jungfräulichkeit und der Belohnung wie die beiden Putten am Altar von Giuseppe Sanmartino von 1757 unter Architekt Tagliacozzi Canali hinzugefügt wurden. Eine Tür auf der rechten Seite führt in die ehemalige Sakrestei, die in die Kappelle des San Nicola umgewandelt wurde und mit Fresken des Belisario Corenzio von 1632 und dem Altarbild San Nicola von Pacecco de Rosa von 1636 geschmückt wurde.

Der Einfluss des 18. Jahrhunderts ist in der Kappelle der Assunta zu sehen
Die Kappelle des Heiligen Hugo

Die erste Kappelle auf der rechten Seite erhält ihre Marmordekoration von Jacopo Lazzari und Felice de Felice aus den Jahren 1617-1622. Die Bilder Der Heilige Huge erweckt ein Kind zum Leben und Der Wiederaufbau der Abtei von Lincoln sind von Andrea Vaccaro von 1652 und das der Jungfrau zwischen den Heiligen Hugo und Anselmo ist von Massimo Stanzione von 1644. Die Skulpturen, Putten und Cherubim dieser Kappelle sind von Matteo Bottiglieri von 1725 ca. Auch diese Kappelle hat eine Tür zu einer weiteren Kappelle, der Kappelle des Rosenkreuzes, dessen Fussboden- und Stuckdekoration von Domenico Antonio Vaccaro und die Bilder (Die Heiligen Gennaro, Martino und andere) von Battistello Caracciolo umgesetzt wurden.

Die Kappelle des Heiligen Hugo mit der Marmordekoration aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts
Die Kappelle des Johannes des Täufers

Die zweite Kappelle der rechten Seite der Kirche der Kartause von San Martino stammt aus dem Projekt des Fanzago von 1631. Aus jener Zeit stammen die beiden Bilder des Massimo Stanzione von 1643 mit Salomè bietet Herodes den Kopf des Täufers an und der Köpfung des Täufers sowie seine Fresken in der Kuppel (Die Befreiung des Täufersaus dem Limbus und Die glorreiche Einkehr in den Himmel durch Jesus Christus) und den Pendentifs (die Kardinaltugenden) der Kappelle. Die Bilder des Paolo de Matteis mit dem Christus der vor seinen Folgern auf den Täufer deutet und des Gebets des Täufers in der Wüste sowie das Bild des Carlo Maratta der Täufung Christi wurden in den Jahren 1708-1710 hinzugefügt. Vom Anfang des 18. Jahrhunderts stammen auch die Skulpturen der Eloquenz und des Gute Rufs sowie der Fussboden des Lorenzo Vaccaro.

Der Heilige Martin von Tours mit Engeln auf dem Bild des Caracciolo
Die Kappelle des Heiligen Martin von Tours

Die dritte und letzte Kappelle der rechten Seite ist dem nach ihm benannten Kartause gewidmet, dem Heiligen Marttin von Tours (San Martino). Die ursprüngliche Einrichtung stammt aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts durch Nicola Botti und Salvatore Ferraro mit dem zentralen Bild von Battistello Caracciolo Der Heilige Martin und Engel von 1625 und wurde zur Mitte des 18. Jahrhunderts durch Architekt Tagliacozzi Canale und Bildhauer Giuseppe Sanmartino modernisiert. Vom Sanmartino stammen die Skulpturen der kerzenständerhaltenden Putten, die Tapferkeit und die Karitas von 1757. Die Fresken sind ein Werk des Paolo Finoglio von 1631 (Lebensgeschichten des Heiligen Martin. Die Beisetzung des Heiligen, die Erscheinung des Heiligen vor Imperator Vanetinian), während die seitlichen Bilder Christus erscheint dem Heiligen Martin im Traum und Der Heilige Martin teilt seinen Mantel mit einem Armen von Francesco Solimena von 1732 sind.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

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