Die Kirchräume der Kartause von San Martino in Neapel

Wegen ihrer Komplexität habe ich die Beschreibung daher in drei Teile aufgeteilt und die Struktur der Kartause, die Kirche und die Kirchräume der Kartause von San Martino in Neapel in drei separaten Artikeln beschrieben. Die Kartause von San Martino ist wahrscheinlich das bedeutendste Kloster der Stadt Neapel, das damals ausserhalb der Stadtmauern errichtet wurde. Die Kirchräume der Kartause von San Martino können über eine Treppe vom grossen Kreuzgang der Kartause von San Martino erreicht werden, die aus einem Parlatorium, einer Passage, dem Kapitelhaus, der Absis der Kirche, der Sakrestei, einer weiteren Passage und der neuen Schatzkappelle bestehen.

Die Fresken des Avanzino Nucci von 1596 dekorieren das Parlatorium
Das Parlatorium

Der erste Bereich ist das Parlatorium, in dem die Mönche ihre gemeinschaftlichen Momente mit den externen Besuchern der Kartause verbringen konnten. Die Fresken stammen von Avanzino Nucci aus dem Jahr 1596 und zeigen die Ankunft des Heiligen Geistes an der Decke des Raumes. Auf dem oberen Bereich sind zwei Episoden des Wunderbaren Fischfangs, der Wiederauferstehung, und der Ungläubigkeit des Heiligen Thomas und Profeten zu erkennen. Im unteren Bereich sind Lebensgeschichten des Heiligen Bruno dargestellt. In den Ecken des Parlatoriums werden hingegen die Heiligen Priore des Kartauser-Ordens gezeigt.

Das Bild des Massimo Stanzione unter den Fresken des Bernardino Cesari
Die kleine Passage

Die kleine Passage verbindet das Parlatorium mit dem Kapitelhaus und wurde von Bernardino Cesari (Bruder des Cavalier d’Arpino) im Jahr 1593 mit Fresken über die Kindheutsgeschichte des Jesus und Tugenden dekoriert. Von ihm stammt auch das Bild der Geisselung Christi, während die Predigt in der Wüste des Johannes des Täufers von Massimo Stanzione und die Mariä Heimsuchung und die Darstellung des Herrn von Flaminio Torelli stammen.

Das Kapitelhaus ist eines der bedeutendsten Kirchräume der Kartause von San Martino
Das Kapitelhaus

Die Dekoration des Kapitelhauses stammt von den beiden Künstlern Belisario Corenzio und Paolo Finoglio aus dem 17. Jahrhundert. Die Decke ist Werk des Belisario Corenzio mit der Vertreibung aus dem Tempel, dem Verlorenen Sohn, den Tugenden und Heiligen Kartäusern. In den 10 kleinen Lünetten wurden von Paolo Finoglio zwischen 1620 und 1626 die Heiligen Gründer der religiösen Orden dargestellt: Der heilige Benedikt (Benediktiner), Der Heilige Bruno von Köln (Kartäuser), der Heilige Bernhard (Zisterzienser), der Heilige Franziskus (Franziskaner), der Heilige Franziskus von Paola (Orden der minderen Brüder), der Heilige Augustin (Augustiner), der Heilige Domenikus (Domenikaner), der Heilige Romuald (Kamaldulenser), der Prophet Elias (Karmelitaner) und der Heilige Basilius (Basilianer). Die Bilder an den Wänden des Kaiptelhaus der Kartause von San Martino sind die Erscheinung der Mutter Gottes die San Bruno die Regel des Ordens übergibt von Simon Vouet, die Beschneidung von Paolo Finoglio, die Anbetung der Könige von Battistello Caracciolo und die Anbetung der Hirten von Massimo Stanzione. Von Battistello Caracciolo stammen auch die Bilder des Johannes des Täufers und dem Heiligen Bischof Martin an den Seiten des Bogens. Am Eingang zur Absis ist mit Der 12 jährigen Jesus im Tempel das einige Bild aus dem 18. Jahrhundert von Künstler Francesco de Mura zu sehen. Der Holzchor ist ein Werk des Orazio de Orio mit Einschnitten von Carlo Bruschetta aus dem Jahr 1627.

Die toskanischen Holzintarsien von 1520 im Chor der Konvertiten
Der Chor der Konvertiten

Die Konvertiten waren Mönche die keine Messen zelebrierten und sich um die Dienstleistungen der Kartause kümmerten. Das Altarbild des Erzengel Michels ist von Fracanzano aus dem Jahr 1635. Die 26 Abschnitte mit Tafeln mit Holzintarsien an den Wänden sind von Giovan Francesco d’Arezzo von 1520 und zeigen die Heiligen Ugo, Bruno, Johannes, Hieronymus, Stillleben und Perspektiven. Ursprünglich waren diese im Chor der Pater und wurden unter Cosimo Fanzago in diesen Chor eingerichtet. Die Fresken stammen von Micco Spadaro und zeigen Landschaften auf der Decke sowie Geschichten der Kartäuser und Episoden aus dem neuen und alten Testament an den Wänden des Chors.

Weitere Holzintarsien, dieses Mal im flaemischen Stil, sind mit barocken Fresken in der Sakrestei zu sehen
Die Sakrestei

Über das Kapitelhaus und der Absis der Kirche kann man die Sakrestei der Kartause von San Martino betreten. Die Wände wurden mit Schränken mit dreidimensionalen Holzintarsien mit den Geschichten der Heiligen Schrift und Geschichten der Apokalysse im oberen Bereich und architektonischen Perspektiven im unteren Bereich ausgestattet. Das Kunstwerk aus Holz ist eine Zusammenarbeit unter Dosio von 1598 von den flämischen Künstlern Heinrich aus Utrecht, Lorenz Ducha und Theodor de Vogel (Intarsien) und den lokalen Künstlern Nunzio Ferrero und Giovanni Battista Vigilante (Holzschnitzer). Die vielen Fresken der Sakrestei stammen vom Cavalier d’Arpino, während die Bilder von Lazzaro Tavarone von 1594 (Sybillen und Propheten in den Lünetten und Geschichten der Passion Christi). Die beiden zentralen Wände zeigen eine Kreuzigung des Cavalier d’Arpino neben einer Säulengangperspektive des Viviano Codazzi und einer Negierung des Heiligen Peters (unbekannt) auf der einen Seite und ein Ecce Homo von Massimo Stanzione und Viviano Codazzi auf der gegenüberliegenden Seite der Sakrestei.

Die feine Arbeit an den Tafeln mit Intarsien

Der kleine Flur (Passetto)

Der kleine Flur verbindet die Sakrestei mit der neuen Schatzkappelle und hat eine von Massimo Stanzione mit Fresken der Geschichten des antiken Testamtents, Evangelisten und Christus dekorierte Decke. Die symbolhaltenden Engel und die Tugenden an den Wänden sind Werk des Paolo de Matteis. Die aufgehängenten Bilder stammen von Luca Giordano (die Berufung des Petrus und Andreas und die Berufung des Matthäus) und von Andrea Malinconico mit dem Exodus der Juden aus Ägypten. Das Waschbecken im kleinen Nebenzimmer ist eine neapolitanische Faktur des 17. Jahrhunderts.

Luca Giordano bei seinem letzten Lebenswerk im Jahr 1705

Die neue Schatzkappelle

Die neue Schatzkappelle ist die letzte Räumlichkeit der Kirchräume der Kartause von San Martino und weist einen aufwendigen Fussboden mit Marmorintarsien auf. Die Dekoration stammt komplett von Luca Giordano, der hier mit fast 70 Jahren arbeitete und seine letzten Kunstwerke hinterliess. Der kleine aus Amethisten, Lapislazuli und Karneol bestehende Altar ist von Giovanni Selino und wird von der bekannten Pietas von Jusepe de Ribera von 1637 überragt. Die Möbel mit Holzintarsien stammen von Gennaro Monte von 1691 und beinhalten die leeren Reliquarien aus goldenem Kupfer und Elfenbein von Biagio Monte (ebenfalls 1691). Der ursprüngliche Schatz bestand aus Statuen, Kerzenständern, liturgischen Objekten und Reliquarien (mit einem Gewicht von insgesamt ca. 400 Zentnern und aus Gold, Silber und Edelsteinen bestehend) wurden 1799 von König Ferdinand IV leider geschmolzen um Einnahmen zu sammeln um sich gegen das nahende französische Militär während der Parthenopeischen Revolution wehren zu können.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

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