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Monumente der Stadt Neapel

Die San Giovanni a Carbonara Kirche von Neapel

Obwohl die San Giovanni a Carbonara Kirche zu den bedeutendsten Kirchen der Region Kampanien gehört, wird sie selten von den Besuchern der Stadt Neapel besichtigt. Die etwas unglückliche Lage, am Rande der Altstadt an einer bewegten Strasse in Richtung Hauptbahnhof, lässt dieses artistische Juwel etwas in Vergessenheit geraten. Die Via Carbonara und das Gebiet um die Porta Capuana wird seit 2019 aufgewertet und eine sorgfältige Besichtigung dieses kleines Meisterwerks ist in jedem Fall empfehlenswert. Innerhalb der Kirche befinden sich zwei der bedeutendsten Kappellen der Stadt, die Caracciolo del Sole Kappelle und die Caracciolo di Vico Kappelle, die in zwei gesonderten Artikeln behandelt werden.

Das Gründungsgebiet der San Giovanni a Carbonara Kirche

Die San Giovanni a Carbonara Kirche in der Via Carbonara, nach dem mittelalterlichen Begriff Carbonetum benannt, lag knapp ausserhalb der damaligen Stadtmauer in einem Bereich der Schutt- und Müllablagerung der Stadt. Erst unter Karl II. von Anjou wurde der Bereich aufgewertet um hier Feste und Spiele zu organisieren und einen grossen Adelspalast gegenüber zu erbauen, der später von der Adelsfamilie der Caracciolo di Santobuono aufgekauft und heute in ein renommiertes Hotel umgewandelt wurde. Die Caracciolo Familie, eine der bedeutendsten des Königsreichs von Neapel, hatten grossen Einfluss auf dieses Stadtviertel und haben in den verschiedenen Kirchen einige der schönsten Kappellen der Stadt hinterlassen.

Der Ursprung der Kirche

Der Bau der San Giovanni a Carbonara Kirche startet ab 1343 als Gründung des Augustinerordens auf einem vom Adelsmann Gualtiero Galeota geschenkten Baugrund und werden um 1418 beendet. Zum Ende des 14. Jahrhundert unter Ladisolao von Duraz wird die Kirche praktisch zu einem Pantheon der Königsfamilie der Anjou. Hinter der geradeliniegen Absis wurde ab 1427 unter Sergianni Caracciolo die Caracciolo del Sole Kappelle angesetzt, die eine von der Kathedrale von Neapel inspirierte besonders hohe Schirmdecke aufweist. Während die Caracciolo del Sole Kappelle vom Innenbereich der Kirche auf einem ersten Blick kaum auffällt, bestimmte sie ästhetisch den Aussenbereich der Kirche, wie man auf einigen Bildern Neapels des 15. Jahrhundert beobachten kann. Heute dominiert die damals die Häuser überragende monumentale gothische Kirche wegen den vielen Gebäuden der Gegend das Stadtbild nicht mehr. Zudem hat die San Giovanni a Carbonara Kirche wegen dem Bau der di Somma Kappelle im 16. Jahrhundert ihre Fassade verloren und wird von den Kappellen der Santa Monica, di Somma und dem Kloster umgeben, so das sie von innen allein durch vier Monoforien an der südlichen Wand beleuchtet wird.

Der Treppe zum Eingangsbereich

Die steile Treppe zur Kirche wird nach dem Erdbeben 1688 durch den neapolitanischen Stararchitekten des früheren 18. Jahrhunderts Ferdinando Sanfelice durch das Einsetzen der Treppe mit dem szenographischen Effekt eines zusammenlaufenden Sturzbachs und den 3 Vorbereichen sowie der Restaurierung der unteren Kirche (Santa Maria Consolatrice degli Afflitti) stark verändert. Das Werk des Ferdinando Sanfelice scheint der Kirche eine Fassade zu geben, obwohl der Eingangsbereich tatsächlich gar nicht sichtbar ist, der zu dem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden war. Das Werk des Ferdinando Sanfelice ist auch die Erneuerung der drei Kreuzgänge und der reichen Bibliothek, die heute leider nicht zu besichtigen sind.

Die Treppe der San Giovanni a Carbonara Kirche
Das Eingangstor

Der Zugang in die San Giovanni a Carbonara Kirche geht über ein spätgothisches neapolitanisch-toskanisches Eingangstor von ca. 1430 über einen Seiteneingang des Hauptschiffs seitdem im 16. Jahrhundert die Errichtung der di Somma Kappelle den Haupteingang ersetzt hat. Über dem Eingangstor sind noch die Reste eines Wandfresco des Leonardo da Besozzo mit den Heiligen Augustin und Thomas zu erkennen, während die Madonna mit Madonna mit Kind aus der linken Nische aus Sicherheitsgründen in das linke Kirchenschiff vor die di Somma-Kappelle gebracht wurde.

Das rechte Kirchenschiff

Rechts vom Eingang liegt die dem heiligen Bartholomäus gewidmete Kappelle der Familie Recco mit einem Marmoraltar im Stile der reifen Renaissance des lombardischen Bildhauers Tommaso Malvito. Auf dem Marmorantependium ist ein feines Relief mit der Darstellung der Wiederaufersteheung Christi zu erkennen. Die Lisenen sind reich dekoriert und auf den beiden Medaglions des Altars sind die Heiligen Blasius und Thomas dargestellt. Die daneben liegende Kappelle ist der Erscheinung des Herrn gewidmet und wurde erst 1719 vom königlichen Juristen Gaetano Argento wiederentdeckt, der in einem in den 1730er Jahren von Francesco Pagano gestaltenen Grabmahl bestattet wurde. Links vom Eingang der Kappelle steht der Altar des Kruzifixes der del Balzo Familie mit dem Grabmahl der Lucrezia dal Balzo aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und dem Grabmahl des Fabio Caracciolo, Herzog von Martina, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Ein weiteres Grabmahl neben der Kappelle zeigt einen liegenden Krieger mit den Waffen der Familien Caracciolo und Orsini und einem Tympanon mit der Darstellung des Jesu Christi.

Giorgio Vasari – Die Kreuzigung
Die Kreuzigung des Vasari

Kurz vor dem Grabmahl am Hauptaltar der San Giovanni a Carbonara Kirche wurde das Bild der Kreuzigung des Vasari aufgehängt. Das ursprünglich in der neben der Kirche stehenden Seripando Kappelle hängende Bild war Teil einer Ausstattung von 18 Bildern des Giorgio Vasari. Einige Bilder sind leider verloren gegangen, während die weiteren erhaltenen Bilder heute in der Bildergallerie von Capodimonte hängen.

Der liegende Ladislao I. auf seinem Sarkophag
Das königliche Grabmahl von Ladislao I. von Neapel

Am Ende des Hauptschiffs steht das von seiner Schwester und königliche Nachfolgerin Johanna II. errichtete monumentale 14 Meter hohe Mausoleum des Ladislao I. von Neapel, Sohn des Karl III., König von Neapel von 1387 bis 1414. Das Monument wurde vom Grabmahl des Roberts des Weisen in der Basilika von Santa Chiara inspiriert und bis heute gibt es Kontroversen über die teilhabenden Künstler dieses Werkes. Die seitlichen Fresken mit einem Heiligen Johannes und einem Heiligen Augustin sind vom lombardischen Maler Leonardo da Besozzo aus dem 1420er oder 1430er Jahren. Das über einen recht langen Zeitraum gebaute Monument weist dabei einen Übergang von der späten Gothik in die Renaissance auf. Die Reiterskulptur des Königs Ladislao. I mit der Besonderheit ein rotes, blutiges Schwert zu tragen (eine Rarität innerhalb einer Kirche) hat einen gothischen norditalienischen Einfluss (vielleicht aus der Gegend von Verona und der Lombardei), während die vier Tugenden (Mässigung, Festung, Klugheit,Grossmut) bereits einen starken Einfluss der Renaissance-Kunst aufzeigen. Auf dem zweiten Level des Grabmahls sehen wir die beiden Figuren der Johanna II. und des Ladislao. Neben dem König sind die Tugenden des Militärs und der Hoffnung dargestellt während neben der Königin und die Tugenden der Karitas und des Glaubens stehen. Auf dem dritten Level sehen wir den königlichen Sarkophag mit der Figur des liegenden Königs unter dem Segen eines Bischofs und zwei Diakonen. In den vier seitlichen Spitzbögen ist die Königsfamilie mit den Eltern Karl III und Margherita von Duraz dargestellt. Hier ist bis heute nicht klar, ob alleine Andrea di Firenze oder auch andere Künstler mitgewirkt haben. Einige Kunstkritiker sind davon überzeugt, das zwei weitere toskanische Künstler, einer der an die Kunst des Michelozzo und ein weiterer der an Niccolò Lamberti gebunden sei, an diesem Monument mitgearbeitet hätten. Unter dem königlichen Grabmahl ist der Zugang zur Caracciolo del Sole Kappelle, bitte hier aufpassen nicht auf die spätgothische Maiolika-Fliesen zu treten.

Detail des Grabmahls – Die Mässigung von Andrea da Firenze
Das linke Kirchenschiff der San Giovanni a Carbonara Kirche

Von der Caracciolo di Vico Kappelle aus kommend treffen wir auf den Altar der Madonne delle Grazie mit einer Skulptur einer Madonna mit Kind von Michelangelo Naccherino aus dem Jahr 1578. Die nächste Kappelle, die der Familie Recco gehörte und heute praktisch leer steht, war der grossen Krippe der Ulmer Pietro und Giovanni Alemanno gewidmet. Die 48 grossen Holzkrippenfiguren wurden 1484 fertiggestellt, wobei man die erhaltenen 14 heute im Museum der Karthause von San Martino im Stadtviertel Vomero bewundern darf.

Der Miroballo Altar vor dem Haupteingang – Lombardisch-Neapolitanische Renaissance
Der Miroballo Altar

Auf dem rechten Kirchenschiff auf der Höhe des Eingangsbereichs steht man direkt dem grossen Altar der wichtigen und königsnahen Miroballo Familie gegenüber. Die Struktur des Altars ist ein besonderes Beispiel der Renaissance der lombardischen Schule, die von dem Mailander Jacopo della Pila und den aus Como stammenden Tommaso und seinem Sohn Giovan Tommaso Malvito errichtet wurde. Auf dem Basrelief des maestösen Monuments ist Christus in seinem Grabmahl zwischen der Jungfrau, Johannes und zwei Engeln dargestellt. In der Mitte des Altars steht die Skulptur des Apostels Johannes von Giovanni da Nola zwischen zwei Skulpturen der Mässigung und der Tapferkeit. Im Innenbereich des Bogens stehen zwei weiteren Skulpturen, die die Tugenden der Gerechtigkeit (links) und der Klugheit (rechts) darstellen. Im Tympanon sehen wir eine Abbildung der Jungfrau mit Kind zwischen Johannes dem Täufer und dem Apostel Johannes, die die Gründer der Kappelle, Troiano und Maddalena Miroballo, in kniiender Position vorstellen. Die Hauptpfeiler stützen auf zwei Löwen und werden durch einen Rahmen in zwei Bereiche aufgeteilt. Im unteren Bereich wurden die Skulpturen vom Heiligen Gregorius (links) und dem Heiligen Augustin (rechts) eingesetzt. Auf der höheren Ebene sehen wir in den beiden Nischen die Skulpturen des Heiligen Hieronymus (links) und des Heiligen Ambrosius (rechts). Auf der rechten Aussenwand des Altars wurden zwei weitere Nischen mit den Skulpturen der Heiligen Monika (unten) und dem Heiligen Antonius (oben). Auf der anderen Aussenseite des Altars ist die Grabplatte des 1693 gestorbenen Antonio Miroballo mit der Darstellung seiner Büste vom neapolitanischen Künstler Lorenzo Vaccaro. Auf der Krone des Altars ist die Darstellung des Segenden Christus in einer Ghirlande von tragenden Engeln und der Darstellung des Heiligen Petrus und Paulus und der Skulptur des Erzengel Michel über der Krone.

Details des Heiligen Augustin und der Heiligen Monica im Miroballo Altar
Auf dem Weg zur di Somma-Kappelle

Dem Miroballo-Altar folgend sehen wir Fresken mit Geschichten des Heiligen Nikolas aus Tolentino eines aus Kampanien stammenden Künstlers aus der ersten Hälfte de 15. Jahrhunderts. Heute wurde hier auch die ursprunglich in der Nische des Eingangsbereichs stehende Skulptur der Madonna mit Kind ausgestellt. Der Zugang zur di Somma-Kappelle wurde zwischen zwei weiteren Kappellen eingerichtet. Die rechte Kappelle ist von der Familie Giraldi aus dem Jahr 1601 und wurde vom römischen Künstler Ludovico Righi mit Hilfe des aus Carrara stammenden Felice de Felice eingerichtet und enthält in der zentralen Nische eine Madonna mit Kind des Michelangelo Naccherino, die starke Einflüsse des Pietro Bernini aufzeigt. Auf der anderen Seite befindet sich der Altar der Reinigung des Tempels (Purificazione), der von Giulia Caracciolo einrichten wurden liess und die Skulptur ihres Ehemanns Biagio Marsicano von den neapolitanischen Künstlern Annibale Caccavello aus dem Jahr 1567 und eine Darstellung der Opferung Jesu im Tempel in der oberen Nische enthält.

Die eigentlich in der Nische des Eingangbereichs stehende gothische Madonna mit Kind
Die di Somma Kappelle

Die di Somma Kappelle ersetzt den ursprünglichen Zugang zur Kirche und wurde von den neapolitanischen Künstlern Annibale Caccavello und Giovan Domenico d’Auria zwischen 1557 und 1566 eingerichtet und durch zwölf korinthische Säulen in 12 Bereiche aufgeteilt. Die Freskendekoration der Kappelle stammt von Aniello Bifulco und Guglielmo Pepe da Tolo. In der Mitte der Kappelle sehen wir das Grabmahl mit Basreliefs unter dem liegenden Scipione di Somma, königlicher Berater des Karl V., wobei der obere Bereich der Dekoration des Sarkophags mit der Darstellung des Christi und des Ewigen Herrn und der Madonna Assunta von Caccavello und der untere Bereich mit den Aposteln von D’Auria gefertigt wurde. Hinter der liegenden Figur des Scipione ist noch ein Relief mit der Darstellung des Erlösers zu erkennen.

Details der Dekoration der di Somma Kappelle
Zum Ausgangsbereich

Die letzte Kappelle, direkt links vom Eingangsbereich gelegen, tragt den Namen der Schmerzensmutter (Vergine Addolorata) und wurde von Zanobia Revertera im 18. Jahrhundert restauriert und stellt damit den einzigen barocken Bereich der San Giovanni a Carbonara Kirche dar. Auf der rechten Seite liegt die Gründerin der Kappelle, während gegenüber ihr verstorbener Ehemann Francesco d’Eboli, Hauptgenereal unter Karl dem Borbonen, von ihr bestatten wurden liess. Vor dem Ausgang ist noch ein Fresko mit der Darstellung der Verkündigung aus der Mitte des 15. Jahrhunderts von Giovanni da Gaeta zu erkennen, das womöglich durch die Arbeiten im 18. Jahrhundert an der Nebenkappelle teilweise beschädigt wurde.

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

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Die Kappelle des Schatzes des San Gennaro

Die Kappelle des Schatzes des San Gennaro ist eines der barocken Meisterwerke Italiens und ist interessanterweise im Besitz der Stadt Neapel mit separaten Öffnungszeiten zur Kathedrale von Neapel.

Der Pakt zwischen San Gennaro und dem Volk Neapels

Am 13. Januar 1527 in einer schwierigen Zeit wegen des Krieges zwischen den Spaniern und Franzosen geht das Volk Neapels ein über die Volksvertreter der Sedili einen notarilen Akt ein schriftliches festgschriebenes Votum mit dem Heiligen ein: Im Tausch mit dem Schutzeid des Schutzpatrons gegnüber der Stadt Neapel wird die Bevölkerung der Stadt ihm eine Kappelle errichten. So gehört die Kappelle mit seinem Schatz bis heute dem Volk Neapels, die von einer Delegation der Stadt verwaltet wird und somit auch ein Symbol für den volkstümlichen Aberglaube des Blutwunders als kollektiven Ritus darstellt. Die Kappelle war auch eines der Musikkonservatorien der Stadt Neapel: die herausragende Akustik wurde durch eine Quadrophonie durch zwei Orgeln und zwei Choren unterstützt. Die linke Orgel aus dem Jahr 1649 von Pompeo de Franco ist heute die älteste noch funktionierende Orgel der Stadt. Als Musizisten haben hier unter anderem Scarlatti, Cimarosa, Pergolesi und Durante gespielt.

Ein Detail eines der Silberwerke der Schutzpatronen vor einem Bild von Domenichino

Der Ursprung der Kappelle des Schatzes des San Gennaro

Die Errichtung der Kappelle ist durch das monumentale Eingangstor des Cosimo Fanzago aus Messing und Bronze von 1628-1630 mit den beiden Büsten des San Gennaro von Gennaro Monte auf der rechten Seite der Kathedrale zu betreten und ersetzte drei vorherige Kappellen. Der heutige Aspekt zeigt einen üppigen barocken Dekor des 17. und 18. Jahrhunderts, die Struktur wie wir sie heute sehen wird nach der Entscheidung von 1601 die Kappelle zu errichten in nur ca. 40 Jahren ab 1608 bis zur Einweihung im Jahr 1646 von Architekt Francesco Grimaldi umgesetzt. Die Form der Kappelle wurde wahrscheinlich von Michelangelo und Bramantes klassizistischer Architektur inspiriert, da Grimaldi vor diesem Projekt über viele Jahre in Rom tätig war. Der Fussboden stammt ebenfalls von Cosimo Fanzago.

Die Kuppel mit dem Paradies von Giovanni Lanfranco

Die Freskendekoration

Nach einigen Wechseln fängt Domenichino ab 1630 an die Kappelle mit Fresken der Lebenswerke des San Gennaro zu dekorieren und zeigt die vom Domenichino erlangte künstlerische Reife in der Kunst des Klassizismus. Das Fresko der Darstellung des Paradieses in der Kuppel der Kappelle wird in den Jahren 1641-1643 als barocke Varante der Kunsttradition des Correggio vom talentierten bolognesischen Maler Giovanni Lanfranco gemalt.

Das Bild des Jusepe de Ribera innerhalb der Kappelle des Schatzes des San Gennaro

Die Bilder

In der Kappelle hängen auch die Bilder über das Leben des San Gennaro, in diesem Fall mit der Besonderheit das die Bilder auf Kupfer gemalt wurden. Die Maler Domenichino und Jusepe de Ribera (mit einem seiner Hauptwerke San Gennaro verlässt unversehrt den brennenden Ofen) dekorieren die sechs Altare der Kappelle des Schatzes des San Gennaro mit Bilders mit Einflüssen des Klassizismus und des von Caravaggio infizierten lokalen Naturalismus in sechs schönen Werken aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Das gothische Werk von 1305 der Büste des San Gennaro

Die Skulpturen

Die ersten Skulpturen wurden ab 1613 vom Michelangelo Naccherino gefertigt, wobei die Entscheidung von 1631 weitere 12 Skulpturen des Schülers des Bernini Giuliano Finelli am Hauptaltar einzusetzten der Kappelle einen grossen Schwung gibt. Weitere Bronzeskulpturen der lokalen Künstler Marinelli und Vinaccia erweitern in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die dekorative Ausstattung der Kappelle des Schatzes des San Gennaro.

Das aufwendige Antependium aus Silber von Vinaccia vor dem Porfidaltar

Die Silberdekoration und die Büste des San Gennaro

Die Silberwerke sind sicher Hauptprotagonist der Kappelle des Schatzes des San Gennaro. Aus Silber bestehen die grossen Kerzenständer, die Kruzifixe, die Antependium des Altars, die Weihrauchfässer als auch die 54 Büsten der Schutzpatronen Neapel (nur ein Teil von Ihnen ist ausgestellt). Eine Besonderheit ist das Werk aus Silber des Künstlers Giandomenico Vinaccia aus den Jahren 1692-95 nach Modell einer Zeichnung von Francesco Solimena am Porfidaltar der Kappelle, auf dem die Translation der Reliquien des San Gennaro von Montevergine nach Neapel dargestellt wird. Hinter dem Altar ist auch der Tresor eingesetzt, der die Blutampulle des San Gennaro aufbewahrt, die beim sogenannten Blutwunder des San Gennaro in seine Büste eingesetzt wird. Die beiden jeweils 150 Kilogramm wiegenden als Splendori bekannten grossen Kerzenständer aus Silber stammen erst aus der borbonischen Zeit des Karls III. Links neben der Hauptalter ist mit dem 1304-1305 von den königlichen gothischen Bildhauern Etienne, Godefroyd, Guillaume de Verdelay und Milet d’Auxerre erschaffennen Büste des San Gennaro das erste Meisterwerk der Goldschmiedekunst Neapels zu sehen. Die reich dekorierte Büste ist auf einer 1609 hinzugefügten Basis mit Szenen des Martyriums des San Gennaro gesetzt.

Die Sammlung der Silber-und Goldarbeiten, die im neben dem Dom gelegenen Museum des Schatzes und in der Kappelle des Schatzes des San Gennaro ausgestellt sind, gilt als eine der wertvollsten Schmucksammlungen weltweit.

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Die Kathedrale von Neapel

Die Kathedrale der Stadt Neapel in der Via Duomo, einem antiken Cardo der griechisch-römischen Stadt Neapolis, wird im volksmund meist einfach Dom (Duomo) genannt und ist in der heutigen Altstadt gelegen. Die Kathedrale von Neapel ist dabei offiziell der Madonna Assunta und nicht wie oft angenommen dem Schutzpatron San Gennaro gewidmet. Die Kathedrale ist eines der Monumente der Stadt, an der man am besten die historische Stratifizierung der Stadt Neapel ablesen kann und Kunstwerke sieht, die von der Antike bis über die frühchristliche Zeit ins 20. Jahrhundert reichen.

Die Struktur der Kathedrale von Neapel mit der Basilika der Santa Restituta
und der Kappelle des San Gennaro

Die Ursprünge der Kathedrale von Neapel

Das Gebäude ist auf dem frühchristlichen Oratorium der Santa Maria del Principio gebaut worden (und laut einer Legende auf einem Apollotempel, dessen Struktur aber nie gefunden wurde), in dem der erste Bischof von Neapel Aspreno laut den Cronache di Partenope den Sitz des Bischoftums der Stadt einrichtete. Die heutige Kathedrale von Neapel inglobiert dabei zwei weitere Kultgebäude, die Basilika der Santa Restituta mit dem Baptisterium und die Kappelle des San Gennaro, die wegen ihrer Fülle und Besonderheit in zwei separaten Texten behandelt werden. Die erste Bauphase begann wahrscheinlich bereits in den 1270er Jahren unter Karl I. und wird von Karl II fortgeführt um 1313 unter Robert dem Weisen eingeweiht zu werden. Die ersten Architekten sind wahrscheinlich französischer Herkunft, die später von den lokalen Architekten Masuccio I, Masuccio II und einem pisanischen Architekten Giovanni Pisano beendet werden.

Das Eingangsportal mit der Madonna mit Kind von Tino da Camaino

Die Fassade

Die heutige Fassade der Kathedrale von Neapel wurde unter Kardinal Sisto Riario Sforza in den Jahren von 1876 bis 1905 von Architekt Enrico Alvino im neogothischen Stil mit Skulpturen diverser Künstler der Zeit restauriert. Aus der gothischen Zeit der Anjou sehen wir noch Werke des Tino da Camaino aus dem 14. Jahrhundert mit den Löwen neben dem Haupteingang und der Madonna mit Kind über dem zentralen Portal. Von Antonio Baboccio da Piperno aus dem 15. Jahrhundert sind die Dekorationen der drei Eingange der Kathedrale.

Eine Skulptur aus der Serie der heiligen Bischöfe

Der Innenbereich

Die Dekoration des heutigen Hauptschiffs stammt grösstenteils aus dem 17. Jahrhundert, reicht aber bis ins 19. Jahrhundert hinein. Die Kassettendecke wurde von den spätmanieristischen Künstlern Giovan Vincenzo Forlì und Giovanni Balducci mit dem Motiv der Geschichten Christi und der Jungfrau Maria in der 1620er Jahren eingesetzt. Die obere Serie der Medaillons an den Seitenwänden zeige die Serie der Apostel, Doktoren und Patern der Kirche, die untere Serie die verschiedenen Schutzpatrone der Stadt Neapel Bis auf zwei Patrone, die von Francesco Solimena aus den Jahren 1701-1702 stammen, sind alle weiteren Bilder von Luca Giordano aus den Jahren 1676-78. Im unteren Bereich des Hauptschiffs der Kathedrale wurden 14 Skulpturen der heiligen Bischöfe eingesetzt, die teils Skulpturen der Erneuerung der 1620er Jahre wiederverwendet und teils von Carlo d’Adamo aus den 1740er Jahren bestehen. Die Gegenfassade stammt aus der Zeit des spanischen Vizekönigsreichs von Neapel, in der der königliche Architekt Domenico Fontana 1599 eine reichere Marmordekoration erschafft, um den Sarkophag des anjouinischen Königs Karl II zu ehren. Links neben dem Eingangsbereich steht ein kleines Highlight, ein Topf aus römischer Zeit aus ägyptischen Basalt, das in ein Taufbecken umgewandelt und 1621 in barocker Form dekoriert wurde. Die beiden Holzorgeln stammen von Gennaro di Fiore aus den Jahren 1770-72 und ersetzen die beiden Älteren, dessen Türen von Giorgio Vasari und Luca Giordano dekoriert wurden (heute in Gewahrsam).

Das romanische Kruzifix der nach ihr benannten Kappelle

Das rechte Kirchenschiff

Die erste Kappelle des rechten Kirchenschiffs ist San Nicola gewidmet und zeigt ein Bild des San Nicola von Paolo de Matteis aus dem Jahr 1695. In der daneben liegenden sogenannten Kappelle des Kruzifix hängt das strenge romanische franko-iberische Kruzifix, das zeitlang am Hauptaltar der Kathedrale hing. Diese Kappelle beherbergt auch ein gothisches Grabmahl von Tino da Camaino und ein Marmoraltar mit einem sterbenden Christus aus dem 17. Jahrhundert. Die nächste Kappelle mit dem monumentalen Eingang des Messingtors von Cosima Fanzago ist die Kappelle des San Gennaro, Schutzpatron von Neapel, die als eigenes Gebäude separat beschrieben wird. Die Kappelle der Reliquien wird von einem Bild des Andrea Malinconico aus dem späten 17. Jahrhundert dekoriert und bewahrt neben und in einigen wichtigen Schätzen die Reliquiensammlung der Kathedrale von Neapel auf. In der letzten Kappelle des rechten Seitenschiffs steht das das gothische Grabmahl des Francesco Carbone von Antonio Baboccio da Piperno aus dem frühen 15. Jahrhundert, bei dem der internationale nordische gothische Einfluss klar sichtbar ist.

Die Kappelle der Reliquien

Das Querhaus der Kathedrale von Neapel

Das Querhaus der Kathedrale von Neapel ist eine weitere Ansammlung wichtiger Kappellen und Kunstschätze. Auf der rechten Seite des Querhauses ist eine der Kathedrale gewidmete Madonna Assunta des Perugino aus dem Jahr 1506 zwischen zwei barocken Mausoleen des Giuseppe Sanmartino aus dem Jahr 1775 und des Pietro Ghetti aus dem Jahr 1678 sowie einem spät manieristischem Werk von Girolamo d’Auria von 1578 zu sehen. Neben der Minutolo Kappelle ist die dem heiligen Asprenus gewidmete Kappelle, die von der Familie Tocco übernommen wurde und den französischen gothischen Kunsteinfluss aufzeigt. Die in der ersten Jahren des 14. Jahrhunderts gemalten geometrischen Dekorationen und Apostel stammen vom römischen Künstler Pietro Cavallini und stellen ein Meisterwerk der Erneuerung der gothischen Kunst der Zeit dar. Die oberen Fresken der Kappelle stammen aus dem 16. Jahrhundert von Agostino Tesauro.

Die Capece Miutolo Kappelle, gothischer Blickfang Neapels

Die Capece Minutolo Kappelle

Hier öffnet sich nun der Blick in eine der schönsten gothischen Kappellen der Stadt Neapel, die Kappelle Capece Minutolo. Die Struktur der Kappelle ist wohl älter als die Kathedrale und wurde in das Kirchengebäude integriert. Rechts neben dem grossen Grabmahl des Enrico Minutolo ist das Grabmahl des Filippo Minutolo des d’Oderisio zu sehen, unter ihm wurde der heilige Ludwig zum Priester ausgebildet, an dessen Werk interessanterweise der Einfluss des Arnolfo di Cambio zu erkennen ist. Eine Besonderheit ist der in Neapel selten vorzufindene marmorne Intarsien- und Mosaikfussboden vom Ende des 13. Jahrhunderts. Ein Teil der Fresken der Kappelle stammen von Montano d’Arezzo aus der selben Zeit des Fussbodens, die den Kunsteinfluss des Cimabue im Süden Italiens aufzeigen. In den späteren Fresken der Magdalena und des heiligen Nikolaus aus der Mitte des 14. Jahrhunderts ist det Einfluss des Pietro Cavallini zu erkennen, während die knieenden Ritter der Familie Minutolo wahrscheinlich vom neapolitanischen Künstler Roberto d’Oderisio stammen. Die Dekoration der Absis der Kappelle ist vom Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts und grösstenteils vom grossen restaurierten Grabmahl des Erzbischofs Enrico Minutolo (eines Schülers des Antonio Baboccio da Piperno) verborgen.

Die Darstellung der Madonna Assunta, Altar der Kathedrale

Der Hauptaltar

Beim Hauptaltar der Kathedrale von Neapel ist aus der gothischen Zeit praktisch nichts mehr zu erkennen und hier dominiert die von Kardinal Spinelli gewollte Kunststilerneuerung des 18. Jahrhundert der Künstler Pietro Bracci, Paolo Posi, Giaquinto und Stefano Pozzi. Aus dem 17. Jahrhundert stammt der grosse geschnitzte Holzchor des Marc’Antonio Ferraro (1616-17).

Die Darstellung des Kardinals Oliviero Carafa in der Crypta

Die Cappella del Succorpo – die Crypta der Kathedrale

Unter dem Hauptaltar führen zwei Rampen in die sogenannte Cappella del Succorpo, in dem die Reliquien der San Gennaro verehrt werden. Dieser Bereich wurde unter Kardinal Oliviero Carafa nach der Rückkehr der Reliquien des San Gennaro nach Neapel aus Mercogliano im Jahr 1497 finanziert und im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts durch den lombardischen Architekten der reifen Renaissance Tommaso Malvito eingerichtet, vielleicht nach einem Projekt des Bramante, um dieses besondere Ereignis zu würdigen. Die Qualität der Einrichtung mit der Skulptur des Oliviero Carafa, den Wänden, der Decke und dem Fussboden wurde durch heute leider unbekannte aber hochqualifizierten Künstlern umgesetzt worden sein und macht die Cappella del Succorpo wohl zum Musterbeispiel der Bildhauerkunst in Neapel zum Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts.

Der Jessebaum, gothisches Werk von Lello da Orvieto

Die linke Seite des Querhauses und die Cappella degli Illustrissimi

Auf der linken Seite des Querhauses der Kirche ist die Kappelle Sant’Atanasio mit einem Altar von Cosimo Fanzago und Marmormonumenten des Lorenzo Vaccaro zu sehen. Erst im 20. Jahrhundert wurden hier auch frühchristliche Sarkophage und die Reste des Fussbodens aus der späten Renaissance wiedergefunden. Neben ihr ist die besondere Cappella degli Illustrissimi, die noch unter dem französischen Bischof Umbert d’Ormond eingerichtet wurde und den von Lello da Orvieto um 1315 gemalten Jessebaum beinhaltet. Die horizontalen Marmorbalken wurden dabei in der Mitte des 14. Jahrhunderts von einem Künstler mit starken Avignon-Einfluss dekoriert. Rechts und gegenüber von der Cappella degli illustrissimi sind die Grabmähler des Papstes Innocenz IV. von Giovan Tomaso Malvito aus dem 16. Jahrhundert (Restauration eines Grabes der 14. Jahrhunderts) und des Papstes Innocenz XII. von Domenico Guidi aus dem Jahr 1696. Zwischen den beiden Kappellen ist ein gut gelungenes Jugendwerk des Francesco Solimena in Form eines des Heiligen Georgs zu sehen.

Detail des antiken Basalttopfes des Taufbeckens

Das linke Kirchenschiff

Das linke Kirchenschiff ist wegen seinem Zugang der Basilika der Santa Restituta bekannt, die wegen der historischen Wichtigkeit nochmal separat behandelt wird. Vom Altar aus kommend treffen wir zuerst auf die Seripando Kappelle mit zwei Bildern von Balducci von 1599 (ein San Gennaro und Sant’Agnello) und die Brancaccio Kappelle von Architekt Giovanni Antonio Dosio mit den zwei Skulpturen vom Heiligen Petrus und Paulus von Pietro Bernini und Girolamo d’Auria und dem lokal recht bekannten Bild der Taufe Christi des Francesco Curia. Die neben dem Eingang zur Santa Restituta Kappelle gelegenen Grabmähler des Kardinals Alfonso Gesualdo sind von Michelangelo Naccherino und Montani, während die Grabmähler vom Giambattista Filomarino und Kardinal Alfonso Carafa von Finelli und Mencaglia aus den Jahren 1643-1647 stammen. In der vorletzten Kappelle dieses Kirchenschiffs steht eine Skulptur der Grablegung Christi von einem spanischen Bildhauer (Ordonez oder de Siloe) und ein Bild mit einem Heiligen Thomas des senesischen Künstlers Marco Pino aus dem Jahr 1573, klassisches Werk im Stil der katholischen Reform nach dem Konzil von Trient.

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