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Monumente der Stadt Neapel

Die Kartause von San Martino in Neapel

An einem panoramischen Hang und in schönster Lage des wohlhabenden Stadtviertels von Neapel Vomero befindet sich mit der Kartause von San Martino eines der bedeutendsten und schönsten monumentalen religiösen Komplexe der Stadt. Der Zugang ins ehemalige Kloster beinhaltet auch den Eintritt in das Nationalmuseum von San Martino. Die Kartause breitet sich auf etwa 28000 Quadratmetern aus und verteilt sich auf 4 Ebenen, wobei etwa eine Hälfte aus geschlossen Räumen und eine andere Hälfte aus Kreuzgängen, Höfen sowie zusätzlich 7 Herktar Gärten besteht. Direkt neben der panoramischen Festung des Castel Sant’Elmo gelegen, kann eine Besichtigung der Kartause gut mit einem Spaziergang entlang der Einkaufsstrassen und den Jugendstilvillen des Stadtviertels Vomero kombiniert werden.

Der Ursprung

Die Kartause von San Martino wurde 19 Jahre nach der Kartause von Padula errichtet und ist damit die zweitälteste Kartause der Region Kampanien. Im Jahr 1325 lässt Karl von Anjou, Herzog von Kalabrien, durch den toskanischen Hofarchitekten Tino da Camaino auf dem Heiligen Erasmus gewidmeten Hügel für die Kartäusermönche die neue Kartause errichten. Nach seinem Tod wird das Bauwerk von seinem Assistenten Attanasio Primario beendet, der auch die Santa Chiara Kirche im historischen Zentrum errichten wird. Aus dieser ursprünglichen Bauphase der gothischen Architektur sind heute nur noch der unterirdische Bereich (der nur selten dem Publikum geöffnet wird) und einige katalanische Bögen im Refektorium erhalten geblieben. Auch wenn die Kartause bereits ab 1337 von 13 Mönchen bewohnt wurde, fiel die offizielle Einweihung erst unter Johanna von Anjou im Jahr 1368.

Das 16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert wird die Kartause erneuert und dem Heiligen Martin von Tours gewidmet. Unter dem toskanischen Bauleiter Giovanni Antonio Dosio wird der Kreuzgang der Prokuratoren, die neuen Zellen um dem grossen Kreuzgang, die Kappellen der Kirche, der Chor, die Sakrestei, das Refektorium und die neue Schatzkappelle errichtet. Aus dieser Zeit stammen auch die Dekorationen der bekannten Künstler Cavalier d’Arpino, seinem Bruder Bernardino, Belisario Corenzio, Giovanni Baglione, Lazzaro Tavarone, Andrea Lilli, Avanzino Nucci, Pietro Bernini, Michelangelo Naccherino und des Giovan Battista Caccini. Nach dem Tod des Dosio wird unter der Leitung des Giovanni Giacomo di Conforto noch die Zisterne des grossen Kreuzgangs eingerichtet.

Das 17. Jahrhundert

Unter der Direktion des aus Bergamo stammenden Architekten Cosimo Fanzago wird die Kartause von San Martino von 1623 bis 1656 ihren barocken Aspekt bekommen, der heute die Kartause charakterisiert. Unter ihm werden die Innenbereiche der Kirche, die Räumlichkeiten der Kirche und die Wohnung des Prior verändert. Ausserdem fügt Fanzago die Büsten über den Eingangen zu den Zellen, den Friedhof der Kartäuser und einige Skulpturen im grossen Kreuzgang der Kartause hinzu. Unter seiner Bauleitung werden bedeutende Künstler wie Massimo Stanzione, Luca Giordano, Jusepe de Ribera, Battistello Caracciolo, Paolo Finoglio, Guido Reni und Giovanni Lanfranco zur Arbeit an der Kartause gerufen.

Das 18. und 19. Jahrhundert

Unter Nicola Tagliacozzi Canale werden ab 1723 die letzten grossen Veränderungen an der Kartause von San Martino stattfinden. Die Dekorationen mit leicht orientalischen Einflüssen und die Fresken des Crescenzo Gamba und Domenico Antonio Vaccaro verändern die Wohnung des Priors. In der Kirche der Kartause arbeiten Francesco Solimena und Francesco de Mura an der Dekoration von zwei Kappellen. Während der parthenopeischen Revolution unter der Regie der Franzosen werden die Kartäuser 1799 verjagt, der Orden unterdrückt und die Kartause zum Stützpunkt des französischen Militärs. Nach einer kurzen Rückkehr der Kartäuser wird die Kartause von 1812 bis 1831 Sitz der Kriegsinvaliden. Nach der Vereinigung Italiens wird die Kartause von San Martino schliesslich ins Nationalmuseum von San Martino umgewandelt

Der Piazzale mit der Faruenkirche und dem Panorama auf die Altstadt und den Vesuv
Der Piazzale San Martino mit der Frauenkirche

Weil die Klausur der Kartäusermönche den Einlass der Frauen in die Kartause verbat, wurde auf dem Vorplatz des Piazzale San Martino von Giovanni Antonio Dosio 1590 eine für die Frauen gewidmete Kirche errichtet, die Chiesa delle Donne. Auf dem Portal dieser Kirche ist ein Basrelief aus Stuck aus dem 18. Jahrhundert zu sehen, auf dem ein Der Heilige Bruno betet in der Wüste von Chartreuse zu sehen ist (bei Grenoble unweit der Alpen wurde in einem kargen und kaum besiedeltem Gebiet die erste Kartause errichtet und nach ihrem Gebiet Chartreuse genannt). Diese Kirche hatte einen Garten, in dem sich die Frauen ausruhen und erfrischen konnten. Rechts von der Frauenkirche befindet sich der Einlass zur Kartause von San Martino mit der Kopie eines Hochreliefs (das Original befindet sich im Museum) mit dem Heiligen Martin von Tours teilt seinen Mantel mit einem Armen. Am Eingangsportal befinden sich ein Wappen der Anjou und die Darstellung des Heiligen Bruno von Köln, Gründer des Kartäuserordens. Heute ist der ehemalige Zugang der Ausgang des Museums von San Martino.

Der monumentale Kreuzgang mit Blick auf das Castel Sant’Elmo
Der monumentale Kreuzgang

Der heutige Zugang in zum Museum und der Kartause von San Martino befindet sich rechts vom ehemaligen Haupteingang. Nach dem Ticketbüro betritt man direkt den weiten monumentalen Kreuzgang, der von Giovanni Antonio Dosio und später Cosimo Fanzago umgesetzt wurde. Der Kreuzgang ermöglicht einen schönen Ausblick von unten auf die Struktur des nebenliegenden Castel Sant’Elmo. Nach rechts schauend kommt man in den Vorhalle der Kartause, nach links schauend zum kleinen Kreuzgang der Kartause, während gegenüber die Fassade der Kirche der Kartause zu bewundern ist, die wegen ihrer aufwendigen Einrichtung in einem gesonderten Artikel beschrieben wird.

Die Wappen der Stadtviertel im Prokuratorenkreuzgang
Der kleine Kreuzgang (Kreuzgang der Prokuratoren)

Dieser Kreuzgang wurde von Giovanni Antonio Dosio anstelle eines Gartens eingerichtet. Der Portikus und die Logen wurden aus Pipern und Marmor errichtet, an denen Wappen und Aufschriften der damaligen Stadtviertel aufgehängt wurden. In der Mitte des Kreuzgangs befindet sich ein Brunnen aus dem 17. Jahrhundert aus mit zwei Masken und zwei dorischen Säulen dekoriertem Pipern-Gestein von Felice de Felice. Die Dekoration des Fussbodens in Terracotta und dekorierten Maiolica-Fliesen stammt aus der Produktion des Giuseppe Massa des 18. Jahrhunderts.

Der Korridor des Cosimo Fanzago mit gotischen Architekturresten
Der Korridor des Fanzago

Der sogennante Korridor des Fanzago verbindet den kleinen Kreuzgang mit dem grossen Kreuzgang in einer L-förmigen Ausrichtung. Über diesen Korridor sind die Zugänge in das Refektorium, die Küche und im zweiten Teil den Wohnbereich der Priors zu erreichen. Die gothischen katalanischen Bögen aus dem 14. Jahrhundert haben sich hier erhalten können, da sie wahrscheinlich als Theke für die Lebensmittel aus der Küche verwendet wurden.

Das Refektorium der Kartause von San Martino von Neapel
Das Refektorium und die Küche

Das Refektorium der Kartause von San Martino wurde 1724 von Nicola Tagliacozzi Canale umgesetzt und diente den Mönchen für die wichtigsten religiösen Zelebrierungen. Die Einrichtung und der Maiolica-Fussboden stammen ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert, so wie das Bild der Hochzeit zu Kana von Nicola Malinconico von 1724. Eine Tür führte (heute nicht zugänglich) direkt in den Chiostrino, einem sekundären kleinen Kreuzgang aus dem 16. Jahrhundert. Gegenüber des Zugangs zum Refektorium tritt man in die ehemalige Küche der Kartause, die aus verschiedenen Räumen, Kochstellen, Öfen, Lagerräumen und freien und privaten Dienstzimmern bestand. Heute ist in den ehemaligen Räumen der Küche die Sektion der Krippen des Museums von San Martino ausgestellt. Der Korridor führt in den grossen Kreuzgang der Kartause von San Martino.

Der elegante grosse Kreuzgang der Kartause
Der grosse Kreuzgang

Der grosse Kreuzgang ist ein imponentes Beispiel der neapolitanischen Kunst des 17. Jahrhunderts. Der Ursprung dieses Kreuzgangs stammt aus dem 14. Jahrhundert, wird aber unter Dosio komplett erneuert ohne das Projekt zu Ende bringen zu können. Die Arbeiten wurden von Giovanni Giacomo Conforto weitergeführt und schliesslich erst unter Cosimo Fanzago zum Abschluss gebracht. Der grosse Kreuzgang aus weissem Marmor und Piperngestein besteht aus vier mal 15 Arkaden, die sich auf 64 Säulen im dorisch-toskanischen Stil stützen. Die Säulen wurden zudem mit halben Lisenen ausgestattet. Der schöne Fussboden mit geometrischen Motiven aus schwarzem und weissem Marmor entstammt einer Idee des Cosimo Fanzago. Die Räume der Mönche blicken auf den grossen Kreuzgang, während die kleinen Öffnung neben den Türen für die Lieferung der Speisen gedacht war.

Zwei der Büsten (Antelmo und Hugo) des Fanzago
Die Dekoration des grossen Kreuzgangs

Über den Türen liess Fanzago die Büsten von 7 Figuren einrichten: die Heiligen Hugo, Bruno, Antelmo von Belley, Kardinal Nicolò Albergati und der seelige Landuino stammen von Fanzago selbst, während die Heiligen Martin und Gennaro das Werk des Antonio Vaccaro sind. Die obere Etage wird von einer Brüstung begrenzt und ist mit Kugeln, Vasen und 8 Skulpturen aus weissem Carrara-Marmor dekoriert: die Jungfrau mit dem Kind, der auferstandene Christus sowie die heiligen Petrus, Paulus, Johannes dem Täufer, Martin, Bruno und Lucia. Die heilige Lucia war eine antike Skulptur aus dem 1. Jahrhundert nach Christus und wurde von Cosimo Fanzago stilistisch umgewandelt.

Der Friedhof der Kartause im grossen Kreuzgang
Der Innenhof und Friedhof des Kreuzgangs

Der zentrale oktagonale Brunnen in der Mitte des Innenhofs ist an eine grosse Zisterne gebunden, wurde vom Felice de Felice errichtet und mit grossen Masken und symbolischen Figuren dekoriert. Die dorischen Säulen stützen den Schmuck der drei kleinen Obelisken aus rosafarbenem Marmor des Gargano. Unter den Pflanzen des Kreuzgangs befinden sich noch einige Exemplare der japanischen Kamälien aus dem 18. Jahrhundert. Hinter einer Brüstung, auf der einige Knochen und Schädel aus Marmor liegen, ist der Friedhof der Kartäuser zu erkennen. Das Kreuz innerhalb des Friedhofs stammt aus der Zeit der Anjou und wurde dem 1363 verstorbenen Prior Don Pedro de Villa Mayna gewidmet. Auf den Wänden ist auch eine mechanische Uhr mit italischer Zeitmessung (unter dem Kirchturm) und eine vertikale Sonnenuhr, die den Mönchen sowohl das Datum (rote Linien) als die Stunden (blaue Linien) anzeigte. Von hier aus kann man die Kirchräume der Kartause von San Martino betreten, die in einem gesonderten Artikel beschrieben werden. Ausserdem kann man über den Kreuzgang der Prokuratoren die Zugänge zu den Räumlichkeiten des Nationalmuseums von San Martino, die Apotheke und die Gärten der Kartause von San Martino erreichen.

Die Apotheke

Die Apotheke der Kartause von San Martino wurde 1699 sowohl für die Klostergemeinde als auch für externe Besucher eröffnet. Die Apotheke wird normalerweise als Ausstellungsfenster verwendet, in dem restaurierende Objekte oder Modelle ausgestellt werden und ist sonst für Besucher nicht zugänglich. Das Fresko an der Decke der Apothere stammt von Paolo de Matteis von 1699 und zeigt den Heiligen Bruno der sich bei der Jungfrau für die kranke Menschheit einsetzt.

Der Garten der Kartause mit weiter Aussicht auf das Meer und die Stadt
Die Gärten der Kartause

Über den Vorhof der Kutschen können die Gärten der Kartause von San Martino erreicht werden. Der ganze 7 Hektar grosse Garten ist für Spaziergänge ideal und bietet eine weite Aussicht auf den Golf von Neapel und viele Monumente der Stadt Neapel. Die Gärten sind auf drei Ebenen strukturiert, wobei der oberste Teil aus dem Kräutergarten der Apotheke bestand, der mittlere Teil der Garten des Priors und der unterste Teil der grosse Weingarten der Mönche war. Die Kartause war lange Zeit in der Stadt für die Produktion der Hilfsmittel der Apotheke, für hervorragendes Brot aber auch den produzierten Wein bekannt. Eine Besonderheit ist die sogenannte Scala a calicò (Calicò-Treppe) des Cosimo Fanzago, die den Wohnbereich des Priors mit der mittleren Ebene des Gartens verbund. Sie besteht aus einer doppelten Rampe, die sich trennt und wieder vereint um den Eindruck einer Spirale zu vermitteln.

Informationen zur Kartause von San Martino von Neapel

Öffnungszeiten: Von Donnerstag bis Dienstag (Mittwochs geschlossen) von 8.30/19.30, Sonntags und Feiertags bis 17 Uhr. Einige Bereiche der Kartause können nur zu den an der Kasse ausgeschilderten Uhrzeiten besichtigt werden. Ständig geoffnet sind die Kreuzgänge, die Gärten, der Krippenbereich und der Bootsbereich (bis 14 Uhr) des Museums, die Räume des Priors und der Vorhof der Kutschen.

Eintrittspreise: 6€ Erwachsene; 2€ 18-24 jährige EU-Bürger; unter 18 Eintritt frei

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog.

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Das Castel dell’Ovo von Neapel

Das Castel dell’Ovo ist das älteste Schloss der Stadt Neapel und wurde auf einer kleinen Insel errichtet, die von den griechischen Siedlern Megaride genannt wurde. Heute ist die Insel Megaride und das Castel dell’Ovo durch eine Brücke an die Promenade von Neapel angebunden und befindet sich unweit dem Viertel Santa Lucia und dem eleganten Einkaufsviertel Chiaia. Von der oberen Terrasse des Schlosses hat man Dank der glücklichen Position eine schöne Aussicht in Richtung Vesuv, Capri, die Stadtpromenade, die Halbinsel von Posillipo und die Hänge der Stadt Neapel. Im Castel dell’Ovo können auf Anfrage Events in Räumen verschiedener Grösse organisiert werden.

Die obere Aussichtsterrasse des Schlosses mit einigen Kannonen

Der Yachthafen und der Borgo Marinari

Neben dem Castel dell’Ovo befindet sich ein kleiner Yachthafen und der Borgo Marinari, ehemaliges Wohnviertel einiger Fischer und Seemänner Neapels. Heute befinden sich hier einige Bars und Fischrestaurants, die zu den beliebtesten der neapolitanischen Bevölkerung gehören. Der Borgo Marinari wird bei den lokalen Familien und Paaren wegen der entspannten und romantischen Atmosphäre und den schönen Aussichten gerne für besondere Anlässe ausgewählt.

Die Piazzetta des Borgo Marinari

Die Legende zum Namen des Schlosses

Der Name des Schlosses bezieht sich auf eine phantasiereiche Legende, bei der Vergil ein (ein echtes oder aus Material geformtes?) Ei in einem Käfig in den tiefen Gefilden des Schlosses versteckt hätte, an dem die Zukunft des Castel dell’Ovo und der Stadt Neapel gebunden wäre. Unter der Herrschaft der Johanna I. von Anjou, unter der es zu grossen Schäden am Schloss kam, musste die Königin die Bevölkerung beruhigen indem sie erklärte das Ei ausgetauscht zu haben damit sich keine Panik in der Bevölkrung breit machen würde.

Der innere Bereich des Castel dell’Ovo

Die Ursprünge in der Antike

Die kleine Insel Megaride bestand aus zwei verbundenen Tuffsteinfelsen, die durch einen natürlichen Bogen verbunden waren. Hier und auf dem Hügel von Pizzofalcone über der Insel gründen die Griechen aus Cumae eine weitere Stadt Partenope, von der erst 1949 die Nekropole in der Via Nicotera in Folge des Wiederaufbaus nach den Kriegsschäden entdeckt wurde. In der römischen Zeit wird am Hang des Monte Echia und den beiden Inseln eine wohl immense und luxuriöse Villa mit Gärten und Wasserspielen des bekannten Feinschmeckers und ehemaligen Generals Lukullus errichtet. Aus dieser Zeit sind in der Sala delle Colonne noch die Säulen der Villa zu erkennen, die im frühen Mittelalter in ein Refektorium eines Konvents umgewandelt wurden.

Der kleine Yachthafen mit einigen auf Fisch spezialisierten Restaurants

Das Castel dell’Ovo im Mittelalter

Um das 5. Jahrhundert nach Christus unter Valentinian III wird die ehemalige lukullianische Villa in eine Festung umgewandelt. Mit der Absetzung des Romolos Augustulus als Imperator und der Wahl des Castel dell’Ovo als Exil im Jahr 476 endet an dieser Stelle praktisch das weströmische Imperium. Nach seinem Tod wird die Festung in der Zeit des Herzogtums von Neapel von basilianischen Mönchen besiedelt, die im 7. Jahrhundert die benedektinische Regel übernehmen und eine bedeutende Bibliothek aufbewahren. In Folge von sarazenischen Angriffen wird die Festung aus Sicherheitsgründen im Laufe des 10. Jahrhunderts zerstört, doch bereits 1128 wird in einem Dokument eine neue Festung mit einer Kirche mit dem Namen Arx Sancti Salvatoris berichtet. Tatsächlich wird die Festung von König Roger dem Normannen bei seinem Aufenthalt im Jahr 1140 in Neapel als Wohnsitz verwendet, erst später mit der Fertigstellung des Castel Capuano verliert das Castel dell’Ovo seine Residenzfunktion. Unter dem Hohenstaufer Friedrich II. werden 1222 drei weitere Wachtürme hinzugefügt und ein Teil des königlichen Schatzes aufbewahrt. Als stark überwachte Festung wird unter Friedrich auch das Gefängnis des Castel dell’Ovo eingerichtet. Auch Karl I. von Anjou wird die Funktion als Schatzkammer beibehalten und einige Neuerungen in die Struktur bringen. Ein Erdbeben im Jahr 1370 zerstört den natürlichen Bogen der beiden Inseln, die durch eine Brücke unter Giovanna I. ersetzt wird.

Der Blick von der Aufstiegsrampe in Richtung Vesuv

Von der Renaissance in die Moderne

Unter Alfons von Aragon wird die Veteidigungsanlage durch tiefere Türme und eine neue Anlegestelle renoviert. Nach verschiedenen Angriffen unter Ludwig XII von Frankreich und den Spaniern wird nach der Ablösung an die spanischen Habsburger das Castel dell’Ovo die Form annehmen, wie wir das Schloss heute sehen: die Türme werden in einer oktagonalen Form gebaut, die Mauern verstärkt und die Verteidigungssysteme erneuert, die später auch in bourbonischer Zeit nach den aktuellen Massstäben der Zeit verändert und mit zwei Fallbrücken bereichert wurden. Alledings verliert das Castel dell’Ovo im 18. Jahrhundert seine Funktion als königlichen Sitz, auch weil unter den Bourbonen Neapels zahlreiche königliche Residenzen wie Capodimonte, Caserta oder Portici errichtet werden. Das Schloss wird in ein Militärposten und ein Gefängnis umgewandelt. Mit der Vereinigung Italiens verfällt das Schloss bis zu seiner Restaurierung im Jahr 1975 und ist bis heute zu besichtigen.

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Die Katakomben des San Gennaro in Neapel

Die Katakomben des San Gennaro wurden im Jahr 2006 dem Publikum wieder eröffnet und können am Zugang neben der Basilika dell’Incoronata del Buon Consiglio an der Via Capodimonte besichtigt werden. Im Zentrum von Neapel unter dem Hang von Capodimonte innerhalb des Viertels Sanità konzentrieren sich mindestens 9 antike Bestattungsgebiete, die sich damals ausserhalb der antiken Stadtmauern befanden. Unter ihnen sind die Katakomben des San Gennaro die wichtigsten und bekanntesten der Stadt Neapels und die grössten des Süden Italiens. Die Katakomben des San Gennaro gelten als eines der beeindruckendes Beispiele des frühen christlichen Kults in Italien.

Bau auf zwei verschiedenen Leveln und der Ursprung

Die Katakomben des San Gennaro sind auf zwei nicht parallel gebauten Leveln errichtet worden, die als untere und obere Katakombe bezeichnet werden. Beide Etagen haben im Vergleich zu anderen Katakomben zum Beispiel den römischen überraschend weite Ausmassen. Einer der Gründe ist sicher der leicht zu verarbeitende und resistente gelbe Tuffstein der Stadt Neapel, in denen die Katakomben eingesetzt wurden. Die Gesamtausmassen der Katakomben des Gennaro betragen 5800 Qm mit etwa 3000 Bestattungen unter denen sich über 500 Nischengräber befinden. Der antikste Teil der Katakomben stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus und befindet sich in der unteren Katakombe. Wahrscheinlich stammt dieser Bereich von einer frühzeitigen christlichen Familie der römischen Oberschicht, die später der christlichen Gemeinschaft der Stadt Neapel zur Verfügung gestellt wurde.

Die oberen Katakomben des San Gennaro, auch Basilica adiecta genannt

Die obere Katakombe

Die Besichtigung der Katakomben des San Gennaro beginnt in der oberen Katakombe, die sofort den Eindruck einer Stadt der Toten gibt: eine Reihe von Nischengräbern der wohlhabenden Christen, sowie Wand- und Bodengräber (formae) die in verschiedene Bereiche aufgeteilt wurden. Die Katakomben sind eine ausgehöhlte statt einer erbauten Architektur, die ihre Besucher sofort in eine besondere Atmosphäre mitreisst und durch viele Mosaike und dekorierte Wandfresken besticht. Die obere Katakombe besteht aus einem Bestattungsbereich des 3. Jahrhunderts nach Christus, in dem einige Malereien aus der heidnischen Zeit vor der Einrichtung dieser Katakombe (2. Jahrhundert nach Cristus), die ersten christlichen Malereien des Süden Italiens im pompejanischen Stil aus dem 3. Jahrhundert nach Christus bis hin zu Malereien im byzathinischen Stil aus der benedektinischen Zeit des 9. Jahrhunderts zu sehen sind.

Das Grab der Familie des Theotecnus

Unter den Nischengräbern gehört die Dekoration des Grabes der Familie des Theotecnus sicherlich zu den interessantesten. Auf einem Wandfresko aus dem 6. Jahrhundert des Arcosoliums sind die drei Angehörigen dieser wohlhabenden Familie dargestellt. In der Mitte ist die im Alter von 2 Jahren und 10 Monaten verstorbene Tochter Nonnosa, auf der rechten Seite der mit 65 Jahren verstorbene Vater Theotecnus und links die im Alter von 45 Jahren und in schwaren Trauerkleidern gekleidete verstorbene Mutter Ilaritas zu sehen, was darauf hinweisen sollte das Ilaritas als Witwe und somit zuletzt verstorben ist. Auffällig ist hier das die Dekoration auf drei Schichten gefertigt wurde, da bei jedem Todesfall die Dekoration erneuert werden musste. Die feine Kleidung und der getragene Schmuck, abgesehen von der Einrichtung dieser teuren Grabkammer und seiner Dekoration, weisen auf den Wohlstand dieser Familie hin. Später wurde ein Teil der Wand dieser Grabkammer eingerissen um dem Arcosolium des verstorbenen Proculus Platz zu machen. Die Darstellungen des Proculus und der Familie des Theotecnus weisen beide auf einen stilistisch nordafrikanischen Einfluss hin.

Die Dekoration des Grabmahls des Theotecnus

Die antikste Darstellung des San Gennaro

Ebenfalls in der oberen Katakombe ist auch die antikste Darstellung des San Gennaro auf einem Arcosloium aus dem 5. Jahrhundert zu sehen. Die Kunstform weist auch hier auf einen nordafrikanischen Einfluss hin, während der Heilige mit der Aufschrift “Santo Martyri Janario” identifiziert wird und zusammen mit einer Frau mit dem Namen Cominia sowie ihrer Tochter Nicaziola dargestellt wird.

Die Darstellung des San Gennaro aus dem 5. Jahrhundert

Weitere besondere Grabdekorationen

Faszinierend sind auch die Arcosolia aus dem 5. und 6. Jahrhundert, auf denen wahrscheinlich Diakoninnen neben der erzählenden Bitalia sowie der mit zwei offenen Evangelien (was nur den Bischöfen erlaubt war) neben den Heiligen Petrus und Paulus dargestellten Cerula auf raffinierten Fresken dargestellt sind. In einer weiteren Grabkammer sind zwei dekorierte gegenüberliegende Arcosolia aus dem 6. Jahrhundert mit dem Heiligen und Petrus und Heiligen Gennaro sowie dem Heiligen Paulus mit dem verstorbenen Lorenzo zu erkennen.

Die Basilika der Bischöfe

In der oberen Katakombe befindet sich im Bereich vor der Crypta der Bischöfe die sogenannte Basilika der Bischöfe, die ihren Ursprung zu Beginn des 6. Jahrhunderts haben soll. Anfangs war die Basilika der Bischöfe eine kleine Aula mit einem Altar auf der Höhe des Oratoriums des San Gennaro. Als der Zuspruch der Anhänger immer grösser wurde, musste auch die Basilika erweitert werden und das gesamte zentrale Ambulacrum integriert werden. Der neue Bereich auf 50 Meter Länge und 12 Meter Breite mit drei Gängen wurde Basilica adiecta oder Basilica maior genannt und wurde durch einen dreifachen Bogen in der Mitte und einer Nische mit einem Hakenkreuz als Zeichen der aufgehenden Sonne charakterisiert. In einer Nische ist auch das Symbol für Jesus Christus auf griechisch (IC XC) und das griechische Wort NIKA (Jesus Christus siegt) zu erkennen. Diese Basilika konserviert Malereien vom 4. bis ins 6. Jahrhundert und im Gewölbe sind auf ovalen Schildern die Büsten der ersten Bischöfe Neapels dargestellt.

Die Basilika der Bischöfe mit verschiedenen offenen Grabstellen

Die Crypta der Bischöfe

Die Crypta der Bischöfe liegt auf der westlichen Seite der Basilika und beinhaltete die Reste von 14 neapolitanischen Prälaten des 5. und 6. Jahrhunderts nach Christus. In dieser weiten Grabkammer befinden sich auf zwei Leveln 10 Gräber und 8 Arcosolia, in denen einige Bischöfe durch Mosaike oder Wandfresken dargestellt wurden. Unter anderem lagen hier die neapolitanischen Bischöfe Giovanni I (der die Reliquien des San Gennaro in diese Katakomben brachte), Giovanni II und der vom Wandalen Jenserich vertriebene Bischof von Karthago Quodvultdeus (“das was Gott möchte”), der in seinem Grabmahl mit einer dunklen Hautfarbe und einem mit einem Kreuz und den 4 Evangelistensymbolen versehenen Codex dargestellt wird. Im 9. Jahrhundert bringt der Bischof Giovanni IV die Reliquien in die Basilika Stefania, die später in die heutige Kathedrale von Neapel umgewandelt wird.

Ein Blick in die Crypta der Bischöfe der Katakomben des San Gennaro

Die Erweiterungen der oberen Katakombe

Die Erweiterungen der oberen Katakombe beginnen ab dem 5. Jahrhundert nach Christus nachdem die Reliquien des San Gennaro hierher gebracht wurden und die Katakomben nach San Gennaro benannt wurden. Innerhalb kürzester Zeit werden die Katakomben des San Gennaro zu einem beliebten Pilgerziel und Bestattungsort. Der Bedarf nach neuen Grabkammern und Gängen steigt kontinuirlich um nah am beliebten Heiligen bestattet werden zu können.

Die Geschichte des San Gennaro

San Gennaro wurde um 272 n. Chr geboren und wird als Bischof von Benevent wegen seinem christlichen Glaube gefangen genommen und im Jahr 305 in Pozzuoli enthauptet. Seine Amme Eusebia sammelt sein Blut in drei Ampullen (dessen Verflüssigung bis heute in der Kathedrale von Neapel stattfindet) und bringt diese mitsamt seinen Kopf nach Neapel, während der Rest seines Körpers in der Gegend von Marciano bei Pozzuoli beigesetzt wird. Seine Reliquien werden zum Anfang des 5. Jahrhunderts durch Bischof Giovanni I in diese Katakomben gebracht, die seitdem seinen Namen tragen. Während einer Belagerung der Stadt Neapel raubt der longobardische Fürst von Benevent Sico I die Reliquien nach Benevent, wo sie bis zu der Verlagerung ins Kloster von Montevergine im Jahr 1156 bleiben werden. Erst 1497 kehren die Reliquien des Heiligen Dank des Erzbischofs Alessandro Carafa und dem Kardinal Oliviero nach Neapel zurück und in den Succorpo (Crypta) der Kathedrale von Neapel gebracht, die in dieser Gelegenheit durch Malvito erneuert wird und bis heute ein Meisterwerk der reifen Renaissance im Süden Italiens verbleibt. San Gennaro ist seit 472 Schutzpatron von Neapel und die Popularität stieg besonders nach seiner Hilfe bei der Pest-Epidemie im Jahr 1527 und dem heftigen subplinianischen Ausbruch des Vesuvs des Jahres 1631.

Das Grabmal des San Gennaro in der Crypta der Basilica adiecta

Das Grabmahl des San Gennaro

Das Grabmahl des San Gennaro konnte bei den Ausgrabungen im Jahr 1969 als Grabkammer unter der Basilika der Bischöfe Dank einer Homile des 8. Jahrhunderts und einer Stelle des Chronicon Episcoporum Neapolitanorum, der wichtigsten Geschichtsquelle der neapolitanischen Kirche aus dem 9. Jahrhundert, erkannt werden. Für das Grabmahl des San Gennaro wurde der Tuffstein unter der Basilika der Bischöfe ausgehölt und der Zugang zu seiner Grabkammer zugemauert. Das Grabmahl war von auf drei Schichten gemalten Wandfresken umgeben: die oberste Schicht aus dem 9. Jahrhundert zeigte San Gennaro mit seinen ermordeten Wegbestreitern Eutichete, Procolo, Sosso, Festo und Desiderio (diese Fresken sind heute in der unteren Katakombe ausgestellt), während auf der zweiten Schicht aus dem 6. Jahrhundert San Gennaro zwischen dem Vesuv und dem Monte Somma dargestellt wird,

Das obere Vestibül

Der Zyklus der frühchristlichen Malereien im Tonnengewölbe des oberen Vestibüls, praktisch der Übergang in die unteren Katakomben, stellen einen Übergang vom Heidentum in das Christentum und eine malerische Einleitung für die neuen möglichen Christen dar. Auf den Fresken des Gewölbes sieht man im pompejanischen Stil gemalte Granatäpfel, Amoretten neben Adam und Eva, David und Goliath, einen Christus Pantokrator und drei Frauen die im Fluss Steine Waschen um einen Turm zu bauen. Diese Darstellung ist ein seltenes Beispiel aus dem auf griechisch geschriebenen “Dritten Vision des Hirten des Hermas” aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Die drei Frauen symbolisieren die Tugenden der Glaubens, der Hoffnung und der Nächstenliebe, während die Steine für die Christen stehen, die mit ihrer Taufe die Kirche (der Turm) für die Gläubigen aufbauen.

Die Dekoration im pompejanischen Stil des Vestibüls

Die unteren Katakomben und die Basilika des Sant’Agrippino

Von hier aus kann man die unteren Katakomben erreichen, die um die Basilika des heiligen Agrippino errichtet wurden. Diese kleine Basilika wurde errichtet um die Reliquien des sechsten Bischofs und ersten Schutzpatron von Neapel zu beherbergen, die im 3. Jahrhundert nach Christus in die Katakomben gebracht wurden. Um die Basilika mit einem einzigen Kirchenschiff, einer erhöhten Absis und einer in den Tuff gemeisselten Kathedra zu schaffen wurden einige Bereiche des Friedhofs des 2. Jahrhunderts entfernt. Der Altar wurde teils in den Tuffstein gemeisselt und teils mit Backstein erbaut. Dabei wurde er mit einer Öffnung versehen, in der die Reliquien des Heiligen Agrippino eingesetzt wurden und von den Gläubigen angefasst werden konnten. Auf der südlich gelegenen Wand ist ein Wandfresko aus dem frühen Mittelalter erhalten geblieben, auf dem ein Bischof mit einem orientalischen Mönch zu erkennen ist. Heute werden hier zu besonderen Anlässen noch Messen gehalten.

Die Basilika des Heiligen Agrippino, erster Schutzpatron der Stadt Neapel

Die Ädikulae

Die unteren Katakomben wurden also um die kleine Basilika des Heiligen Agrippino mit 6 Meter hohen Decken und auf mit drei weiten Ambulacren errichtet. Das zentrale Ambulacrum war ursprünglich mit Fresken dekoriert, von denen leider nur wenige Überreste erhalten geblieben sind. Im Rücken der Absis ist die Darstellung einer Büste des Christus zu erkennen und einige dekorative Reste sind auch noch im Gewölbe des unteren Vestibüls zu sehen. Im frühen Mittelalter wurden ausserdem zwei Ädikulae eingesetzt, dessen Funktion bis heute ungewiss bleibt. In einer der beiden Ädikulae, auch die Ädikula der Jungfrauen genannt, wurde in den zentralen Pfeiler aus Tuffstein eingesetzt und im 11. Jahrhundert mit einem Wandfresko mit den 5 Heiligen Katherina, Agatha, Eugenia, Juliana und Margareta versehen.

Das Taufbecken

In den unteren Katakomben ist auch noch das von Bischof Paolo II gewollte Taufbecken aus dem Jahr 762 zu sehen. Paolo II fand in den Katakomben des San Gennaro während des Ikonoklasmus Zuflucht und verlegt seinen Bischofssitz hierher. Ursprünglich war das Taufbecken komplett mit Marmorplatten besetzt.

Das Taufbecken aus dem 8. Jahrhundert in den unteren Katakomben

Der langsame Verfall der Katakomben

Im 9. und 10. Jahrhundert werden in den Katakomben des San Gennaro noch einige der neapolitanischen Herzöge bestattet, unter ihnen Cesario Console (im Jahr 878), Stefano und Stefano III. Nachdem die Reliquien der Heiligen aus Sicherheitsgründen in die Stadt gebracht wurden, beginnt aber eine lange Phase des Verfalls. Im 17. Jahrhundert werden noch einige Adlige in den Katakomben des San Gennaro bestattet um daraufhin recht schnell wieder in Vergessenheit zu geraten. Einige europäische Reisende der Grand Tour des 18. Jahrhunderts berichten von einem Besuch der Katakomben des San Gennaro, was zeigt das die Erinnerung an diesen Ort bewahrt geblieben ist. Im zweiten Weltkrieg nutzt die Bevölkerung die Katakomben des San Gennaro als Zufluchtsort vor den Bombenangriffen, ähnlich wie bei den anderen Zugängen des unterirdischen Neapels.

Ein Bild aus dem Jahr 1887 mit zwei Besuchern und einem Begleiter

San Gennaro Extra Moenia

Die Besichtigung der Katakomben des San Gennaro endet in der Basilika des San Gennaro Extra Moenia. Diese frühchristliche Kirche aus dem 5. oder 6. Jahrhundert war die erste dem Schutzpatron von Neapel gewidmete Kirche. Später wird sich der Aspekt der Kirche wegen den Erneuerungen unter den Aragonesen im 15. Jahrhundert und der barocken Verkleidung aus dem 18. Jahrhundert stark verändern. In der faschistischen Zeit Italiens wurde die Kirche ihrer Dekoration entkleidet und in die Grundform der aragonesischen Struktur auf drei Schiffen zurückgebracht. Aus der frühchristlichen Zeit ist dabei noch die halbrunde Absis auf zwei korinthischen Säulen zu erkennen. Die Bögen und die Pfeiler der Kirche sind hingegen ein typisches Beispiel der unter den Aragonesen nach Neapel gebrachten katalanischen Architektur. Die Basilika wurde erst als Krankenhaus für die Pestkranken, dann als Pflegeheim für die Armen und schliesslich als Lager für das nebenan gelegene Krankenhaus San Gennaro dei Poveri genutzt. Seit der Wiedereröffnung im Jahr 2008 finden hier manchmal Events oder Ausstellungen statt.

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Monumente der Stadt Neapel

Das Castel Sant’Elmo von Neapel

Die Besichtigung des Castel Sant’Elmo ist auch für Neapolitaner eine Besonderheit, da die Aussicht von diesem Schloss den hier umgänglichen Begriff Spaccanapoli geprägt hat. Die Position ermöglicht es zu sehen wie sich der untere Decumanus (Hauptstrasse) wie eine Linie durch die Altstadt in Richtung Bahnhofsgegend zieht. Neben dem Blick auf die Altstadt bietet das Schloss wegen der besonderen Lage praktisch einen Rundumblick auf die Stadt Neapel und seinen Golf mit den Inseln Capri, Ischia und Procida, dem Vesuv und die sorrentiner Halbinsel. Auf den 60000 Qm Fläche des Schlosses ist es möglich sich hier zu entspannen, die Aussicht bei einer angenehmen Brise zu geniessen oder auch das Museum Novecento mit 150 Werken der modernen Kunst zu besichtigen.

Die Position

In der römischen Zeit wurde der Hügel auf dem heute das Castel Sant’Elmo gebaut wurde noch Paturcium genannt, eine Ableitung des Begriffs Patulcius mit der Bedeutung “der den Himmel öffnet” ein weiterer Name des Gottes Janus war. Auf diesem Hügel wird 1170 in der normannischen Zeit Neapels ein Wachturm mit dem Namen Belforte errichtet.

Blick vom Meer: unten am Meer das Castel dell’Ovo, oben am Hang das Castel Sant’Elmo

Die Königsresidenz unter den Anjou

Um diesen Wachturm wird zwischen 1325 und 1343 unter Robert von Anjou eine befestigte Königsresidenz errichtet, dessen Bauleiter erst Tino da Camaino und Francesco de Vico waren und nach dem Tod des Tino von Attanasio Primario und Balduccio de Baeza weitergeführt wurden. Die Bauarbeiten wurden somit erst unter der Herrschaft der Johanna I. von Anjou beendet. Die Königsresidenz hatte sicherlich bereits eine dem Heiligen Erasmus gewidmete Kappelle, da die Königsresidenz 1348 als Castrum Sancti Erasmi bezeichnet wird. Die Ableitung aus diesem Namen blieb bis heute im Namen Castel Sant’Elmo bestehen. Die ursprüngliche Königsresidenz der Anjou wurde im provenzalischen Stil mit einer quadratischen Struktur auf drei Etagen mit zwei Türmen, doppelten hohen Verteidigungsmauern, einem Graben und einem bewohnten Innenhof errichtet.

Der Blick in Richtung Posillipo und Mergellina

Der Verkauf an das Haus Aragon

Das Castel Sant’Elmo erlebt verschiedene Belagerungen wie die des Ludwig I. von Ungarn um den Tod seiner Bruders und Gemahlen der Johanna I. Andreas von Ungarn zu rächen sowie die des Karl von Duraz (in diesem Fall mit einem erfolgreichen Ausgang). Im Jahr 1416 wird das Schloss interessanterweise von der Tochter Johanna II. an den Rivalen Alfons V. von Aragon für 10500 Dukaten verkauft, der hier später mit seiner neapolitanischen Geliebten Lucrezia d’Alagno verschiedene Treffen und Feste organisieren wird.

Der Erneuerung der Festung unter der spanischen Krone

Bei einem der Kämpfe in Italien des französisch-spanischen Krieges zwischen Franziskus I. und Karl V. wird das Schloss unter Marschall Odet de Foix 1528 fast komplett zerstört. Der Wiederaufbau des Castel Sant’Elmo wird unter der Leitung des spanischen Militärarchitekten Pedro Luis Escrivà unter Vizekönig Pedro de Toledo nach einem Besuch des Imperators Karl V. in den Jahren 1537 bis 1546 geleitet. Die Festung des 16. Jahrhunderts wird mit dem lokalen gelben Tuffstein errichtet und basiert auf einer einer sternförmigen Planimetrie mit 6 Ecken (bzw. ist aus sechs Dreiecken geformt), die sich jeweils 20 Meter vom Zentrum entfernen. Es ist bis heute das einzige sechseckige Schloss ohne Türme der Welt. Das seltene Experiment innerhalb des militärischen Bauwesens ein Schloss ohne Türme zu bauen brachte den Vorteil sich der Bodenstruktur des S. Martino Hügels anpassen zu können und somit auf weniger Seiten verteidigt werden zu müssen.

Die Struktur des Castel Sant’Elmo als Luftaufnahme

Die Verteidigungsanlage

Die Castel Sant’Elmo besticht durch auffällig dicke Mauern und ist etwa 200 Meter lang und 100 Meter breit. Die Festung besteht aus 7 Etagen (vom unterirdischen Bereich bis zur Piazza d’Armi) in denen die Gänge mehrmals auf den 50 Metern Höhe aufeinandertreffen. Die besondere Form des Castel Sant’Elmo auf dem natürlichen Tuffsteinhang mit insgesamt 12 manchmal doppelten Öffnungen für Kanonenschüsse und vielen Einlaufgittern aus denen man heisse Materialen heraus werfen konnte machten die Verteidigungsanlage besonders wirksam.

Das Portal mit Zugbruecke

Das Innenleben der Anlage

Das Castel Sant’Elmo wird eines der wichtigsten Schlösser in der Zeit des spanischen Vizekönigreiches von Neapel. Neben den Wohneinheiten für die spanische Besatzung besass das Castel auch einen Gerichtshof, Gefängnisse, Büros, Waffenlager, zwei grosse Wasserzisternen (wovon eine das heutige Auditorium ist), eine Mühle, einen Metzger, Küchen, Öfen sowie Lager- und Waschräume. Im Jahr 1587 schlägt ein Blitz auf ein Pulverfass ein, bei dessen Explosion die Wohnungen der Besatzung und die Kirche zerstört wurde und insgesamt 150 Todesopfer forderte. Eine Restauration der Schäden findet in den Jahren von 1599 bis 1610 unter dem königlichen Architekten Domenico Fontana statt.

Der untere Bereich des Schlosses

Die Umwandlung in ein Gefängnis

Zwischen dem 17. und dem 18. Jahrhundert wird das Castel Sant’Elmo oft als Gefängnis für aus politischen Gründen Inhaftierte verwendet. Unter ihnen war auch der dominikanische Philosoph Tommaso Campanella, der hier sein berühmtestes Werk “La città del sole” verfasste. Bei dem berühmten Volksaufstand unter Masaniello fand der spanische Vizekönig Herzog d’Arcos hier erfolgreich Schutz vor dem wütenden Volk. Im Jahr 1799 wird das Castel Sant’Elmo von den Jakobinern eingenommen um die parthenopeischen Republik zu proklamieren und die Flagge der Freiheit aufzuhängen. Die Patriotin Eleonora Pimentel Fonseca verfasste hier ihre Freiheitsschriften und wird zusammen mit anderen Revolutionären wie Luisa Sanfelice und Gennaro Serra di Cassano später erhängt. Nach der Vereinigung Italiens im Jahr 1860 wird das Castel Sant’Elmo bis ins Jahr 1952 in ein Militärgefängnis umgewandelt

Das Castel Sant’Elmo heute

Die Konstruktion neben der Aufstiegsrampe ist ein altes Wachgebäude, während die Holztreppe mit der Aufschrift “Le Jardin” der Gewinner des Wettbewerbs “Un opera per il castello” (Ein Werk für das Schloss) aus dem Jahr 2013 ist und den Schlossgarten anbindet. Über eine Treppe kommt man in die sogenannte Eremitengrotte in dessen Innenbereich in der frühchristlichen Zeit ein Asket lebte. Über dem mit einer Fallbrücke verbundenen Eingangsbereich ist eine Inschrift des Maso da Fiesole von 1538 zu sehen, die an den Besuch des spanischen Imperators Karl V. im Jahr 1535 erinnert. Eine bedeckte breite und für Kutschen befahrbare panoramische Rampe führt zum Hauptplatz des Castel Sant’Elmo, die Piazza d’Armi, die weiterhin den ursprünglichen Fussboden der Restauration des Domenico Fontana aufbewahrt.

Die Linie der Altstadt Strasse Spaccanapoli und der Vesuv

Die S. Erasmo Kirche

Die dem Heiligen Erasmus gewidmete Kirche wurde wieder neu errichtet indem sie einen vorherigen Wohnbereich inglobierte und befindet sich nun auf der südöstlichen statt auf der nordöstlichen Seite der Piazza d’Armi. Der Innenbereich der Kirche bewahrt einige Grabsteine der berühmten Schlossbewohner des 16., 17. und 18. Jahrhunderts zwischen dem Terracotta-Fussboden mit Maiolika Fliesen auf. Das einzige Monument aus der vorherigen Kirche ist das Grabmahl des Pedro de Toledo, gleichnamiger Cousin des damaligen Königs, des neapolitanischen Bildhauers der späten Renaissance Annibale Caccavello. Auf dem Hauptalter der Kirche steht eine Skulptur des Heiligen Erasmus aus dem 19. Jahrhundert, Schutzpatron der Seefahrer des Mittelmeeres, unter einem Gewölbe mit dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Fresko der Mariä Aufnahme in den Himmel.

Das Museum der Kunst des 20. Jahrhunderts in Neapel

Auf der Piazza d’Armi befindet sich sowohl der Bibliothek der Kunstgeschichte “Bruno Molajoli” als auch das Museo Napoli Novecento, das Museum das Kunstwerke aus den Jahren 1910 bis in die 1980er, das auch in den letzten Jahren immer wieder neue Aufkäufe tätigte. Insgesamt sind hier 150 Werke von 90 verschiedenen Künstlern zu besichtigen die in drei Bereiche aufgeteilt wurden:

  • Der Anfang des 20. Jahrhunderts: die Sezession der 23 – Erster und zweiter Futurismus – Jugendstilkeramik und die Mostra d’Oltremare – Die Rückkehr zur Ordnung – Neorealismus – Gruppo Sud – Die Bewegung der konkreten Kunst – Das Informale
  • Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts: Nukleare Kunst – Gruppo 58 – Visuelle Poesie – Gemometrie und Recherche – PopArt – Konzeptkunst – Transavantgarde
  • Die Kunst der 1980er Jahre.
Ein Kunstwerk des Museo Novecento

Panoramablicke mit zeitgenössischer Kunst

Entlang des breiten Ganges an den Schutzmauern des Castel Sant’Elmo ist einer der wenigen panoramischen Ausblicke möglich, die praktisch einen Rundumblick von 360 Grad über die Stadt Neapel ermöglichen. Eine weitere Besonderheit sind die “site-specific” Installationen, die von dem alljährlichen Wettbewerb “Un opera per il castello” stammen. Jedes Jahr wird das Projekt des Gewinners eingerichtet um das kulturelle Angebot des Castel Sant’Elmo zu erweitern

Informationen

  • Öffnungszeiten Castel Sant’Elmo: Jeden Tag von 9:30-19.30
  • Öffnungszeiten Museum: Jeden Tag von 9:30-17, Dienstag geschlossen
  • Eintrittspreise: 5€, Di. 2,50€ wegen dem geschlossenen Museum

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

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Der Fontanelle Friedhof in Neapel

Der Fontanelle Friedhof ist ein historischer Friedhof innerhalb des Viertels Sanità in der Stadt Neapel und eines des faszinierendsten und intimsten Erlebnisse mit einem Totenkult, den man bei einem Besuch am Golf von Neael machen kann. Dieser abgelegene Bereich des Viertels Sanità trägt den Namen Fontanelle da hier früher eine Vielzahl von Wasserquellen aktiv waren und ist heute ein Arbeiterviertel der Baubranche und der weniger Wohlhabenden. Auf der Via Fontanelle sind eine grosse Anzahl von Höhlen zu sehen, in denen bis ins 19. Jahrhundert hinein der Tuffstein als Baumaterial abgebaut wurde. Der Fontanelle Friedhof befindet sich in einer dieser Höhlen und hat eine Gesamtfläche von etwa 3000 Quadratmetern. Hier werden seit mindestens 4 Jahrhunderten die Überreste von Verstorbenen aufbewahrt, die sich keine ehrwürdige Bestattung leisten konnten.

Der Ursprung

Bis ins 16. Jahrhundert wurden die Verstorbenen der Stadt Neapel in den Kirchen bestattet. Durch den starken Bevölkerungswachstum in einer Zeit in der sich Neapel zu den grossen Städten der Welt entwickelte, fehlte es in den Kirchen an Raum so das die alten Reliquien aus den Kirchengräbern in die Höhlen wie die des Fontanelle-Friedhofs verlegt wurden. Das Jahr in dem die aktuelle Höhle zum Fontanelle Friedhof wird ist das Jahr der schwarzen Pest 1656, bei der ca. 250000 Menschen und somit über die Hälfte der Bevölkerung Neapels den Tod finden wird. Weitere Epidemien, Volksaufstände und das Erdbeben von 1688 werden in jenem Jahrhundert weitere Tote fordern und den Friedhof füllen.

Der Fontanelle Friedhof steht seit 2010 wieder jeden Tag offen

Das Edikt von Saint-Cloud und der Knochentransport

Der Architekt Carlo Praus berichtet im Jahr 1764 von einer viele Menschenleben fordernden Hungersnot, bei der der Fontanelle Friedhof als öffentlicher Friedhof für die Armen des Volks verwendet wurde, die sich keinen Platz in den Kirchen leisten konnten. Der Architekt präsentiert im Jahr 1810 unter der Herrschaft von Murat, 6 Jahre nach dem Edikt von Saint-Cloud, das Projekt für einen grossen Friedhof in dem die Nekropole der Fontanelle erweitert wird. Die Cholera Epidemie des Jahres 1837 fordert weitere Todesopfer, doch besonders das Verbot des gleichen Jahres Reliquien in den Kirchen aufzubewahren führt dazu das eine immense Menge von menschlichen Überresten auf bewachten Kutschen in den Fontanelle Friedhof gebracht werden.

Die Ordnung durch Don Gaetano Barbati

Im Jahr 1872 sortiert der Stiftsherr Don Gaetano Barbati, für manche fälschlicherweise als ein Priester des Viertels Materdei gehalten, mit Hilfe von vielen Frauen aus dem Volk die Knochen so wie wir sie heute noch sehen. Unter Aufsicht des damaligen Kardinals Sisto Riario Sforza werden die Reliquien nach Körperteil sortiert (Schädel, Becken, Schienbeine) und in der ersten Höhle eine provisorische Kirche eingerichtet. Dabei sind alle Reliquien anonym bis auf die beiden Skelette von Filippo Carafa Herzog von Cerreto Sannita gest. 1797 und seine Ehefrau Donna Margherita Petrucci gest. 1795, die beide in Särgen mit einer Glaswand aufzufinden sind. Heute sind im Fontanelle Friedhof die Knochen von 40000 Menschen zu sehen wobei man allerdings weiss das sich unter dem aktuellen Fussboden noch mindestens 4 Meter tief zigtausende von Menschen begraben liegen. Die Ordnung der Reliquien des Barbati folgt einer klaren Einteilung:

  • Auf dem linken Gang (Navata dei Preti) hinter der Kirche wurden die Reste aus den Kirchen und religiösen Orden gesammelt
  • Im zentralen Gang (Navata dei Appestati) liegen die Reliquien der Opfer der verschiedenen Epidemien
  • Im rechten Gang (Navata dei pezzentelli) liegen die Knochen der Armen, die sich kein Grabmahl leisten konnten.
Rosenkreuze als Erinnerung des Kults der anime pezzentelle

Die Schliessung und die Wiedereröffnung im Jahr 2010

Im Juli 1969 wird der Fontanelle Friedhof durch ein ekklesiastisches Dekret vom damaligen Kardinal Corrado Ursi geschlossen, da es Sorge um die Verbreitung des Kults der anime pezzentelle (Die Seelen der Armen) innerhalb der Bevölkerung gab. Dieser Aberglaube war nicht mit der katholischen Lehre des vatikanischen Konzils zu vereinbaren und so erlaubte man nur noch eine Messe im Monat um den Seelen im Fegefeuer zu huldigen und die Öffnung an jedem 2. November des Jahres zu Allerseelen. Nach einer Sicherstellung des Friedhofs im Jahr 2002 und der alljährlichen monatlichen Öffnung zum Mai der Monumente gibt es 2010 eine friedliche Besetzung der Bewohner des Viertels Sanità woraufhin der Fontanelle Friedhof wieder das ganze Jahr über zu besichtigen ist.

Die Kirche im Fontanelle Friedhof

Die von Barbati eingerichtete Kirche ist auf dem linken Flügel des Eingang zum Anfang des linken Ganges zu besichtigen. In ihr ist auf der rechten Seite eine Reproduktion des Grotte von Lourdes mit einer Skulptur der heiligen Bernadette und der unbefleckten Mutter Gottes zu sehen. Auf der rechten Seite ist weiterhin ein liegender Christus nach dem Modell des verschleierten Christus der Kappella Sansevero zu sehen. Auf dem Hauptalter wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine lebensgrosse Krippe mit Josef und Maria aufgestellt, die auch in der faszinierdenden Beschreibung von Roger Peyrefitte zu lesen ist. Unter dem grossen Fenster sind zwei Särge aufgestellt, in denen die Knochen verstorbener Kinder gesammelt wurden.

Die Krippe in der Kirche des Fontanelle Friedhofs

Besondere Bereiche

Innerhalb des Fontanelle Friedhofs sind weitere Sonderbereiche zu sehen. Der Knochenberg mit dem Holzkreuz ist das sogenannte Tribunal in der angeblich die Guappi (Die vorlauten Bosse des Viertels Sanità) ihren Eid leisten mussten. Die im Schrank eingesetzt Knochensammlung im zentralen Gang zeigte ursprunglich eine Skulptur der Auferstehung Christi. Im letzten Anthrum im rechten Gang sind noch die Sitze zu sehen, auf denen man die Leichname wie in den Katakomben von San Gaudioso austrocknen liess. In diesem Bereich sind auch noch die Löcher zu sehen, die von den Steinhauern verwendet wurden um den Tuffstein zu fördern.

Das Tribunal mit dem grossen Kreuz

Der Kult der Seelen der Armen (anime pezzentelle)

Ein interessanter Kult der die Verbindung eines Teils der Bevölkerung Neapels mit dem Tod und einer direkten Anbetung sowie eine Verbindung mit dem überirdischen aufzeigt ist der sogenannte Kult der anime pezzentelle (der Seelen der Armen), an den sich noch ein grosser Teil der Bevölkerung Neapels erinnert. Bis noch vor wenigen Jahrzehnten gab es im Fontanelle Friedhof den Brauch, das ein Gläubiger einen Schädel aus dem Friedhof auswählte und ihn adoptierte, in dem er ihn pflegte und für ihn betete um als Tausch eine Bitte abzugeben. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Friedhof jeden Montag geöffnet um der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben einen direkten Kontakt mit der Seele des Verstorbenen aufzunehmen. Dabei wurde der ausgewählte Schädel gesäubert, auf ein handgestricktes Tuch gelegt und mit Blumen, Lichtern und einem Rosenkranz bedacht. Nach etwas Zeit wurde das Tuch mit einem ornierten Kissen getauscht damit die Seele des Schädels sich nach viel Zuwendung im Traum zeigen wollte. Die Seele fragte nach der Volkstradition nach Gebeten und Zuwendung (im neapolitanischen Refrisco, also eine Erfrischung) um die Qualen des Fegefeuers zu erleichtern.

Die Bitte an die Seele des Armen

Im Gegensatz konnte man die Seele zum Beispiel nach einem kleinen Wunsch oder auch den Nummern für einen Lottogewinn fragen. So war es nicht selten das ein Schädel aus Enttäuschung verlassen wurde um sich einen anderen zu suchen. Wenn hingegen der Wunsch in Erfüllung ging wurde dem Schädel zum Dank je nach Vermögen eine Kiste, Vetrine odereine Schachtel zur Aufbewahrung spendiert. Die Schädel wurden nie mit einem Grabstein versehen um eine Kommunikation im Traum zwischen dem Lebenden und dem Toten nicht zu unterbinden und so mehr über die Identität und die Lebensgeschichte des Toten zu erfahren. Der devote kehrte daraufhin zum Toten zurück um seinen Traum zu erzählen. Wenn die Seele eines Schädels als besonders grosszügig galt kamen nicht selten auch weitere Besucher des Friedhofs zur Verehrung des Schädels hinzu. Das Schwitzen eines Schädels, besonders intensiv am sogenannten Schädel der Concetta zu sehen, galt als gutes Zeichen für die Annahme einer Bitte, während Trockenheit mit Leiden und einer bösen Seele in Verbindung gebracht wurde.

Der verehrte schwitzende Schädel der Concetta

Starke Verbreitung während und nach dem zweiten Weltkrieg

Dieser Kult wurde vorallendingen während und nach dem zweiten Weltkrieg in einer Zeit der Verzweiflung ausgeübt, in der getrennte Familien getrennt, verlorenen Verwandte, zerstörte Wohnungen oder auch Hungersnöte normal waren. In einer Zeit wo es schwer war Hilfe von Lebendigen zu bekommen, wandte man sich praktisch an das Reich der Toten und Seelen um ein wenig Hoffnung zu finden, sein Leiden zu teilen und nach etwas Glück und Hoffnung zu suchen.

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

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