Die Vesuvwanderung mit Blick auf die sorrentiner Halbinsel. Bild und Titelbild auf Erlaubnis von Jiri Vondrak
Neben den klassischen Ausflügen und Führungen am Golf von Neapel aus dem letzten Jahr 2017, ein Jahr in dem die meisten Energien auf Infos und Zitate über die Region und die Stadt Neapel konzentriert wurden, steht nun das neue Programm für das laufende Jahr 2018 mit einigen neuen thematischen Führungen und Ausflügen.
Ein besonderes Angebot ist der Ausflug auf den Vesuv inklusive der Wanderung um den gesamten Krater des Vesuvs, als inklusive dem Bereich der normal nicht zügänglich und nur in Begleitung eines Bergführers des Vesuvs möglich ist. Eine besondere Erfahrung um den Vesuv und die Umgebung aus allen Perspektiven und ohne weitere Touristen kennenzulernen. Eine kleine Perle ist auch die Wanderung zum Naturbogen mit Informationen zur Geschichte der Insel Capri und einem anschließendem Gourmetmittagessen in einem ausgewählten Restaurant.
Diese Region ist so lieblich, so erheiternd, so glücklich, das man ohne Zweifel das bevorzugte Werk der Natur erkennen kann. Denn so eine lebendige Luft, die beständige Milde des Himmels, das fruchtbare Ackerland, die sonnenbeschienenen Hügel, die sicheren Wälder, die schattigen Ruheorte, die obstreichen Bäume, die in den Wolken verlorenen Berge, die geernteten Felder, eine große Anzahl von Weinreben und Olivenbäumen, sowie Herden der edlen Wolle und üppige Stiere, und viele Seen, als auch eine große Auswahl an Quellen und Regenwasser, weites Meer und viele Häfen! Eine Landschaft, die dem Handel seine Brust aus jedem Fleckchen anbietet und die, fast um den Menschen zu ermutigen, ihre Arme selbst ins Meer hineinreicht!
Ich rede nicht von der Seele, den Bräuchen, der Kraft dieses Volkes oder anderer Völker, die von ihr durch ihre Sprache oder ihre Waffen bezwungen wurden. Ein Volk wie das griechische, dessen Gewohnheit es ist sich übermäßig zu preisen, hat diesem Gebiet ein edles Urteil gesprochen, indem sie einen Teil als Magna Graecia bezeichnet hat.
Plinius der Ältere, um 60 nach Christus – übersetzt aus dem italienischen von mir, Florian Lenk
Das einzig erhaltene Werk des Plinius der Älteren – die Naturalis Historia
Gaius Plinius Secondus, auch als Plinius der Ältere bekannt ( geb. In Verona oder Como, 23 n. Chr – gest. 79 n. Chr in Stabia im Gebiet am Vesuv) war ein römischer Schriftsteller, Admiral und Naturforscher. Er starb im Alter von circa 55 Jahren beim explosiven, nach ihm plinianisch benannten Ausbruch des Vesuvs, dessen Beschreibungen von seinem Neffen Plinius dem Jüngeren im ersten und zweiten Brief an Tacitus nach Rom geschickt wurden. Der Zufall wollte ihn zur Zeit des berühmten Vesuvsausbruchs als Admiral der römischen Flotte in Kap Misenum und seine vom Neffen weitergeleiteten Aufzeichnungen zum Ausbruchs des Vesuvs wurden zur ersten detailliert von einem Menschen beschriebenen Katastrophe unserer Geschichte. Dieser Text über das bei den Römern so beliebte Gebiet am Golf von Neapel der Campania Felix stammt aus seiner 37 Bände umfassenden Naturalis Historia, dem einzigen erhaltenen Werk des Plinius des Älteren. Dieses Werk wurde einer der bedeutendsten Texte über wissenschaftliche und technische Kenntnisse bis in die Renaissance und darüber hinaus. Die Naturalis Historia wurde im Jahr 77 nach Christus veröffentlicht und zählt verschiedene Naturphänomene im enzyklopädischen Stil auf. Der Begriff historia bleibt dabei seiner griechischen Bedeutung Untersuchung treu und das Werk gilt somit als erste wissenschaftliche Arbeit der Naturgeschichte. Die Beschreibung von einem wissenschaftlich geprägten Schriftsteller des Gebiets um Neapel als Werk einer bevorzugten Natur ist heute weiterhin von großer Bedeutung.
Die Büffelricotta aus Kampanien Ricotta di Bufala Campana Dop ist ein ungereifter Frischkäse (in Deutschland eher als Quark bezeichnet), der durch ein erneutes Kochen der Molke der kampanischen Büffelmozzarella-Produktion hergestellt wird. Diese Molke gibt der Büffelricotta aus Kampanien eine besonders cremig-weiche Struktur, eine Porzellanweiße Farbe und den unverwechselbaren delikaten und süßen Duft und Geschmack.
Seit 2010 mit durch eine europäische Herkunftsbezeichnung geschützt
Die kampanische Büffelricotta ist mit einer Herkunftsbezeichnung seit dem 19. Juli 2010 offiziell auf europäischer Ebene geschützt. Die Käsereien dürfen nach offizieller Vorschrift bei der Produktion der Büffelricotta aus Kampanien die süße Molke der Büffelmozzarella verwenden, die nicht älter als 24 Stunden sein darf. Es darf auch Büffelmilch oder Sahne der Büffelmolke hinzugefügt werden, unter der Bedingung das sie aus dem Produktionsgebiet der geschützten Büffelmozzarella aus Kampanien stammt. Um die Qualität und den Ursprung der Herstellung überprüfen zu können, muß die Ricotta bereits am Produktionsort verpackt werden.
Zur Kontrolle: das Logo der Büffelricotta aus Kampanien
Varianten der Büffelricotta aus Kampanien
Auf der Verpackung kann neben dem Logo der Herkunftsbezeichnung auch die Produktionsstätte und die Aufschrift der beiden Varianten “Frisch” oder “Frisch homogenisiert” kontrolliert werden. Bei der frisch homogenisierten Büffelricotta wird eine zusätzliche Kochphase hinzugefügt um das Produkt länger haltbar zu gestalten. Um eine getrocknete Büffelricotta zu erhalten, muß die Ricotta in den typischen Körbchen etwa 10 Tage im Keller gelagert und 30 Tage getrocknet werden. Nachdem eventueller Schimmel und die dünne Schale entfernt werden, muß die getrocknete Büffelricotta luftdicht verpackt werden und ebenfalls in relativ kurzer Zeit konsumiert werden.
Das Aussehen einer frischen Büffelricotta aus Kampanien
Geschmack und Verwendung in der Küche
Eine gute und frische Büffelricotta aus Kampanien muß Porzellanweiß sein, eine homogene Konsistenz haben und darf nicht matschig sein. Der Duft ist intensiver als eine normale Kuhmilchricotta, bleibt aber dennoch delikat. Der Geschmack ist leicht süßlich, wobei sich die Süße allerdings im Laufe der Stunden langsam verliert. Sie darf nicht herb oder klebrig sein, außerdem gewinnt die Büffelricotta mit der Lagerung an Säure und schmeckt durch den Wasserverlust salziger, womit der Geschmack der Büffelricotta leider verändert wird. Dank des edlen und frischen Geschmacks wird die Büffelricotta in Kampanien gerne zur Herstellung von gefüllten Pizzen, als Füllung von Ravioli, als Zusatz zu Pastagerichten oder lokalen Desserts wie der Sfogliatella oder der Pastiera verwendet.
Die Landschaft der sorrentiner Halbinsel wird sicherlich von den Agrumenbäumen am stärksten charakterisiert. Sie wurden schon auf pompejianischen Fresken dargestellt, was beweist, daß sie in dieser Gegend schon im 1. Jahrhundert nach Christus verbreitet waren. Einige Wissenschaftler sind allerdings der Meinung, daß es sich in jener Zeit um ziemlich seltene Exemplare handelte. Erst um das Jahr 1200 stößt man auf klare literarische Hinweise, die den renommierten Anbau von Orangenfrüchten auf diesem Gebiet belegen. In jener Zeit waren die Orangen aus Sorrent bereits eine wichtige Einkommensquelle für die lokalen Einwohner und die Absatzmärkte waren die italienischen und europäischen Handelshäfen.
Im Dialekt Portualle genannt
Unter den Agrumen waren anfangs die Orangenbäume am weitesten verbreitet, während heute die sorrentiner Zitronen das Landschaftbild der sorrentiner Halbinsel stärker prägen. Bis 1600 scheint es, daß nur die bitteren Orangen, Citrus vulgaris, bekannt waren, während die süße Variante, die sogenannte Biondo di Sorrento oder Arancia di Sorrento, die aus zwei Biotypen bestehen soll: dem biondo sorrentino und dem biondo equense, die zu unterschiedlichen Zeiten geerntet werden – erst später von den Portugiesen eingeführt worden ist. Davon soll auch der Dialektausdruck Portualle abstammen, mit dem sie im neapolitanischen Dialekt bezeichnet werden.
Späte Ernte und Charakteristiken
Trotz der ziemlich dicken Schale und der vielen Kerne, was den Markttendenzen nicht unbedingt entspricht, hat diese Sorte andere Charakteristiken, die von wahren Kennern geschätzt werden wie die Stückgröße, die Saftigkeit und der Geschmack des Fruchtfleisches, aber auch der ganz besondere Duft, den ihre Schale abgibt. So wie bei den Zitronenplantagen werden auch die Orangen aus Sorrent durch ein Kastanienholzgerüst mit Netzen vom Wind, der Kälte und einer übermäßigen Hitze geschützt und kommen dadurch erst ab Mai bis Anfang August auf den Markt, also wenn die anderen italienischen Orangen bereits nicht mehr aufzufinden sind.
Eine gesune Orange für den Sommer
Die Orangen aus Sorrent sind mit 34 Kalorien pro 100 Gramm Saft kalorienarm und haben einen hohen Vitamin C Gehalt. Sie stärken das Immunsystem, bekämpfen Müdigkeit und sind reich an Mineralsalzen wie Calcium, Brom, Magnesium, Phosphor, Zink, Kupfer, Eisen und Schwefel. Mit der Einweichung der Orangen aus Sorrent wird auch ein sehr beliebter lokaler Orangensyrup hergestellt, der intensiv und aromatisch duftet und als eine der traditionellen Spezialitäten der Region Kampanien gilt.
Eine besondere Aufmerksamkeit gebührt dem sogenannten Mönchskäse Provolone del Monaco, einem speziellen und exklusiven Erzeugnis der sorrentiner Halbinsel.
Der Provolone del Monaco DOP
Bei dem Produkt handelt es sich um einen halbharten, gereiften und in Form gezogenen Käse, typisch für das Gebiet um Sorrent, der allein aus frischer Kuhvollmilch hergestellt wird. Er wird manuell in eine charakteristische, leicht längliche Melonen- oder Birnenform (in diesem Fall ohne den kleinen Kopf) gebracht und hat eine elatische, dünne und glatte Rinde, die eine ins strohgelb neigende Farbe und leichte längliche Rillen aufweist, die von den Raphiabändern stammen, die bei der Reifung als Halterung für den Käse benutzt werden. Der Käse selbst ist cremefarben, hat eine kompakte und einheitliche Konsistenz, weist keine Abblätterungen auf und hat typische Löcherungen, die mit Rebhühneraugen verglichen werden können. Sein Geruch ist typisch für milde Käsesorten, die Konsistenz weich, der Geschmack ist je nach Reifezeit mild und butterig delikat oder würzig.
Die Charakteristiken des Provolone del Monaco DOP:
eine leicht längliche Melonenform und ein Gewicht von 2,5 bis 8 Kg
eine dünne, glatte strohgelbe Schale mit mindestens sechs länglichen Rillen
eine Reifung von mindestens 6 Monaten und ein maximales Produktgewicht von 9 Kg bei 100 Litern verwendeter Milch
eine kompakte, elastische, weiche, cremefarbige Käsepaste mit kleinen Löcherungen
ein Fettgehalt von mindestens 40,5%
einen süßen, buttrigen und zugleich geschmacksintensiven würzigen Geschmack
Der Ursprung des Namens
Durch mangelnde Konservierungsmöglichkeiten wurde ein Großteil der Milch für die Produktion von Käse verwendet. Die Entscheidung auf gereifte Käsesorten zu setzen, anders als die Mozzarellaproduktion um Neapel, hing damit zusammen, daß für die lokalen Bauern der Hauptabsatzmarkt in Neapel war und erst über die Berge und dann über das Meer in die Stadt gebracht werden mußte. Eine anstrengende Reise, die meist schon vor dem Sonnenaufgang begann, bei der die Esel den Käse zu den Stränden brachte um von dort auf Ruderbooten nach Neapel gebracht zu werden. Dies ist auch der Grund warum die als Händler improvisierten Bauern in Neapel mit etwas Ironie Mönche genannt wurden: die Bauern der sorrentiner Halbinsel schützten sich mit einem Mönchsähnlichen faserigen Kittel vor den Witterungsverhältnissen der Berge, des Meeres, der Nacht und des frühen Morgens. Diese Kleidung wurde schließlich zum Markenzeichen der Bauern und auch heute noch sind in den neapolitanischen Krippen oft als Mönch verkleidete Wurst- und Käseverkäufer zu sehen.
Die Käseproduktion im Lattari-Gebirge
Die Tierhaltung im Lattari-Gebirge und der sorrentiner Halbinsel hat antike Wurzeln, da die lokal ansässigen Picentiner um 260 vor Christus ein Teil des Waldes in Weide umwandelten und somit anfingen Kühe und andere Tiere zu halten. Diese Tätigkeit hat sich in dieser Gegend über die Jahrhunderte mit ihren wirtschaftlichen und kulturellen Einflüssen erhalten können. Die Borbonen führten schließlich weitere Rassen in dieser Gegend ein, um die genetischen Voraussetzungen der Tiere zu verbessern. Im Jahr 1845 bringt General Avitabile die Jersey-Rasse aus England nach Agerola und die Kreuzung mit den lokalen Bruna- und Podolica-Rassen führt schließlich zur im Jahr 1952 anerkannten Agerolese-Rasse, dessen Milch neben dem Provolone auch für den Fiordilatte aus Agerola verwendet wird. Aus dieser seit jeher für den guten Käse bekannten Gegend um Agerola stammen der Provolone del Monaco als auch der Fiordilatte und die Scamorza.
Der Provolone del Monaco von Innen mit seinen Rebhunhaugen
Die Milch und die Reifung des Provolne del Monaco
In der Weide des Lattari-Gebirges wachsen praktisch das ganze Jahr über wilde Kräuter, die von den Herden gegessen und deren Milch, im Zusammenspiel mit der besonders langen Reifung bei einem lokalen Mikroklima, geben dem Provolone del Monaco sein besonderes Aroma und den auffällig intensiven Geschmack. Nach 7-8 Monaten wird die Farbe des Provolone gelber, seine Schale dicker und der Käse fester (jedoch weiterhin weich und ohne Risse), während der Geschmack schärfer und würziger wird. Die Reifung kann 4 bis 18 Monate dauern, doch erreicht der Käse bereits nach 9 Monaten seinen Geschmackshöhepunkt und eine leicht Haselnußfarbene Schale. Die Milch des Provolone del Monaco Dop muß aus mindestens 20% der lokalen Kuhrasse “Agerolese” bestehen, während die anderen 80% von anderen Rassen bestehen darf, die allerdings aus dem Gebiet der sorrentiner Halbinsel weiden. Die Herstellung des Provolone del Monaco Dop findet in der Provinz von Neapel an der sorrentiner Halbinsel und dem Lattari-Gebirge statt, die von Agerola über Lettere bis Massa Lubrense verläuft. Die Auszeichnung des Dop (geschützte Ursprungsbezeichnung) wurde im Jahr 2010 auf europäischer Ebene anerkannt. Das Konsortium des Provolone del Monaco Dop hat ihren Sitz in Vico Equense in der Via Caccioppoli 25.
Die Verwendung in der Küche
Der Provolone del Monaco Dop ist ein besonders hochwertiges Produkt mit einem recht hohen Preis, der von der Aufmerksamkeit und der Zeiten der Verfeinerung abhängt. Beim Kochen kann der Provolone Gerichten einen besonderen Geschmackszusatz geben: bei der traditionellen und neapolitanischen “Pasta e Patate” reicht ein wenig Provolone del Monaco um ein ursprünglich ärmliches Gericht in eine Spezialität zu verwandeln; die “Pasta alla Nerano” mit Zucchini und Provolone del Monaco ist hingegen zu einem der Lieblingsgerichte der Einwohner und Restaurants an der sorrentiner Halbinsel aufgestiegen. Nicht selten wird er auch bei Gourmet-Kreationen der neapolitanischen Pizza verwendet. Der Provolone hat viele traditionelle Gerichte derRegion Kampanienaufgewertet, viele Verbraucher lieben den Provolone allerdings auch als Vorspeise oder um ein leckeres Mahl zu beenden.
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