Del Golf von Pozzuoli, vorher Golf von Cumae genannt
Eine Wasserfahrt bis Pozzuoli, leichte Landfahrten, heitere Spaziergänge durch die wundersamste Gegend von der Welt. Unterm reinsten Himmel der unsicherste Boden…
Der herrlichste Sonnenuntergang, ein himmlischer Abend erquickten mich auf meiner Rückkehr; doch konnte ich empfinden, wie sinneverwirrend ein ungeheurer Gegensatz sich erweise. Das schreckliche zum Schönen, das Schöne zum Schrecklichen, beides hebt einander auf und bringt eine gleichgültige Empfindung hervor. Gewiss wäre der Neapolitaner ein anderer Mensch, wenn er sich nicht zwischen Gott und Satan eingeklemmt fühlte.
Johann Wolfgang von Goethe, Neapel, 1787
Goethe in Italien, Tischbein
Goethe war einer der größten Schriftsteller und Dichter der Geschichte Deutschlands und ist auch international anerkannt. Goethe reist im Alter von 37 Jahren im Jahr 1786 über etwa 2 Jahre bis 1788 das erste Mal nach Italien.
Der Golf von Neapel gilt für viele als eine der bekanntesten Landschaften die wir kennen und war besonders im 18. Jahrhundert ein Sehnsuchtsziel durch die damals mögliche Erreichbarkeit. Goethe hatte sicherlich das Glück, diese Landschaft bei seinem Ausflug nach Pozzuoli an einem besonders schönen Tag und faszinierenden Sonnenuntergang beobachten zu können. Bei klarer Luft und einem intensiven Abendlicht gibt natürlich auch der Golf von Neapel mit seinen vielen Farben und der faszinierenden Geologie sein schönstes Bild ab. Der Bezug zu Gott und Satan, oder dem “von Teufeln bewohntem Paradies”, ist ein öftermals vorgekommene Beschreibung der so schönen aber auch vulkanischen und feurigen Landschaft als auch zur etwas verrückten, chaotischen und lebendigen Stadt Neapel und ihren Einwohnern. Der berühmte neapolitanische Philosoph Benedetto Croce, aber auch viele Einwohner heute, legen allerdings auch viel Wert darauf diese romantische aber auch etwas dramatische Bild der Besucher zu verändern.
Die Weine der sorrentiner Halbinsel stellen neben den Tomaten, Zitronen, dem Olivenöl und den Walnüssen eine bedeutende landwirtschaftliche Pflanzung dieses Gebiets dar, auf dem er schon seit undenklichen Zeiten gegenwärtig ist. Die sorrentiner Halbinsel und die Insel Capri erzeugen heute verschiedene Weinsorten und erhielten zu unterschiedlichen Zeitpunkten das offizielle Prädikat für den kontrollierten Ursprung ihrer Weine.
Die Weinsorten
Trotz der so schwierigen natürlichen Gegebenheiten entstanden drei kleine Weinsorten mit großer kampanischer Tradition: der Lettere, der Gragnano und der Sorrento, deren Anbaugebiete heute als Sekundarterritorien der kontrollierten Ursprungsgebiete der sorrentiner Halbinsel anerkannt wurden.
Antiker Bezug zum Weinanbau
Die Weinrebe soll sich schon zur Zeit der ersten Ansiedlungen auf diesem Gebiet verbreitet haben und ihr Anbau soll sogar dazu beigetragen haben, daß die Gemeinden Lettere und Gragnano überhaupt erst entstanden, die seit dem 9. Jahrhundert urkundlich erscheinen. Schon ein Jahrhundert später muß der Weinbau eine große wirtschaftliche Bedeutung erlangt haben, wenn es stimmt, daß, nachdem das Dorf zur Diözese aufgestiegen war, 994 die Kathedrale von Lettere der Santa Maria delle Vigne (der Weinreben) geweiht wurde.
Genuss im Kloster
Auf diesem Gebiet, aber auch auf Capri und dem Vesuv, wurde die Verbreitung der Weinreben und die Weinerzeugung im Mittelalter von den religiösen Orden entscheidend gefördert. Das Egebnis der Begeisterung des Monsignor Molinari, Bischof von Lettere, wurde durch einen Satz zum Ausdruck gebracht, der heute zweifellos immer noch als wirkungsvoller Werbeslogan verwendet werden könnte: “Si vis vivere sanum, bibe Gragnanum”(wenn du gesund leben möchtest, dann trink Gragnano).
Die Weine der sorrentiner Halbinsel
Rückkehr zur Qualität
Der fragliche Wein ist derselbe, den Mario Soldati viele Jahrhunderte später in seinem „Vino al Vino” rühmte, wobei er sich allerdings über die Schwierigkeit, ihn aufzutreiben, beklagte. Heute ist das Gebiet als Sekundarterritorium in das kontrollierte Ursprungsgebiet der Weine der Sorrentiner Halbinsel DOC eingeschlossen, das 1994 als solches anerkannt wurde. Das “Prädikat für kontrollierten Ursprung” umfaßt einige Rotweine, die im folgenden beschreiben werden. Sie haben eine unrühmliche Zeit des zunehmenden qualitativen Verfalls hinter sich, der auf die Kurzsichtigkeit einiger Weinerzeuger zurückzuführen ist. Seit den 90er Jahren und der DOC-Auszeichnung gewannen sie ihr Image auf dem Markt langsam wieder zurück, weil sie mit den Charakteristiken der Leichtheit und des Wohlgeruchs ausgestattet sind, die von den aktuellen Tendenzen des Marktes begrüßt werden, der von den schweren Weinen ohne Persönlichkeit überdrüssig geworden ist.
Die Techniken zur Aufwertung
Aus diesem Grund lenkt die moderne Önologie ihre Aufmerksamkeit immer mehr auf Weinproduktionen, die die aromatischen Charakteristiken der Herkunftsreben hervorheben. Die modernen Techniken neigen dazu, die Gewinnung der für die Oxydationsveränderung verantwortlichen Substanzen einzuschränken und gleichzeitig die Löslichkeit der aromatischen Komponenten zu fördern. Diese Ziele werden erreicht, indem die Trauben leicht gepresst werden und der gepresste Saft mit den Schalen schnell auf eine Temperatur von 20 °C gebracht wird. Dann wird er bei immer gleichbleibender Temperatur einige Tage lang eingeweicht und die schwimmenden, festen Substanzen sedimentieren, bevor der Weinmost umgefüllt und bei kontrollierten Temperaturen zum Gären gebracht wird.
Der Gragnano mit seinem charakteristischen rot-violetten Schaum
Gragnano DOC
Der Gragnano DOC ist ein Wein, der diese Qualitäten am besten zu interpretieren weiß. Er ist frisch und lebhaft und weist eine leichte lieblich spritzige Note auf; seine Farbe ist rubinrot, das Bukett duftbetont und stark, in dem man den Duft von Himbeeren ausmachen kann. Sein Geschmack ist leicht und fruchtig. Der Alkoholgehalt beträgt ungefähr 11,5% und der Wein kann zu jedem Essen gereicht werden. Damit seine Lebhaftigkeit voll zur Geltung kommt, beträgt die ideale Serviertemperatur 8-12°C. Die für die Produktion von Gragnano verwendeten Weinreben sind Aglianico, Sciascinoso (hierzulande auch unter dem Namen Olivella bekannt) und andere lokale Rebsorten wie Palummina, Surbegna und Castagnara.
Lettere DOC
Der Wein Lettere DOC wird in den Gemeinden Lettere, Casola und Sant’Antonio Abate hergestellt. Für seine Erzeugung werden die Rebsorten Castagnara, Piedirosso (deren Anteil nicht unter 60% liegen darf, wovon mindestens 25% Piedirosso sein muß), Olivella und Aglianico verwendet. Er ist granatfarben, sein Geschmack ist trocken, fruchtig, frisch und leicht spritzig mit einem angenehmen, leicht bitteren Einschlag.Sein Bukett ist duftbetont und erinnert an Erdbeeren und verblühte Veilchen. Sein Mindestalkoholgehalt liegt bei 10%. Er wird wie der Gragnano kühl getrunken und erst dann verkauft, wenn er mindestens seit drei Monaten abgefüllt worden ist und passt hervorragend zu Pizza, frischen Milchprodukten und traditionellen neapolitanischen Nudelgerichten.
Sorrento rosso DOC
Der Sorrento rosso DOC wird aus den Rebsorten Piedirosso (Mindestanteil 40%), Sciascinoso und Aglianico hergestellt. Er hat eine mehr oder weniger intensive rubinrote Farbe, ein duftbetontes und ausgewogenes Bukett und sein Geschmack ist voll, trocken und harmonisch. Sein Alkoholgehalt beträgt ungefähr 11% und er kann nicht sehr lange gelagert werden. Mit einer Temperatur von 18°C wird er zu Gerichten der regionalen Küche serviert und passt ganz besonders gut zu Fleischspeisen.
Sorrento rosso frizzante DOC
Der Sorrento rosso frizzante Doc entsteht unter Anwendung der Charmat-Methode in der Autoklave und wird aus den Trauben der Rebsorten Piedirosso, Aglianico und Olivella erzeugt. Seine granatrote Farbe tendiert ins violett und er verströmt einen lebhaften Duft nach Wein. Er ist würzig und frisch und man kann einen leichten Einschlag von verwelkten Veilchen ausmachen. Sein Alkoholgehalt beträgt im allgemeinen rund 11% und gekühlt stellt er einen idealen Aperitif dar. Vor allem im Sommer wird er aber auch gern zum Essen serviert, wenn die Speisenabfolge vorwiegend aus leichten Gerichten besteht.
Sorrento Bianco DOC
Der Sorrento Bianco Doc besteht zu 40% aus den Trauben der Rebsorten Falanghina, zu 20% aus Biancolella und Greco und bis zu 40% aus Sannicola und anderen lokalen Weinstöcken. Er weist feurig strohfarbene Farbtöne auf und, damit sein delikates und wohlduftendes Bukett optimal zur Geltung kommt, wird er vorzugsweise jung getrunken. Sein trockener und harmonischer Geschmack gibt ihm eine persönliche Note. Der Alkoholgehalt variiert von 10 bis 12% und er wird sowohl als Aperitif, als auch zu frischen Salaten und regionalen Fischgerichten sehr geschätzt.
Eine lokal sehr bekannte Spezialität ist die Bohne aus Villaricca “Fagiolo di Villaricca”, die auch “tondini” oder “quarantini” genannt werden. Ihr Anbau ist in den kleinen Familienbetrieben der Gegend um Giugliano im Nord-Westen von Neapel weit verbreitet und wird meist nach biologischen Kiterien durchgeführt.
Besonderheiten der Bohne
Gekennzeichnet ist die Bohne aus Villaricca durch ihre runde Form, ihre schneeweiße Farbe und ihre besonders kleine Größe. Sie sind sehr gut verdaulich und leicht zuzubereiten. Ihr Geschmack ist sehr intensiv und erinnert an die bekannte Bohnenart fagiolo spollichino, die eigentlich zur Familie der “Borlotti” gehört und deshalb nicht so typisch ist.
Die Ernte
Die Hülsen werden noch unreif geerntet und in der Tenne zum Nachreifen ausgelegt, bis sie von der Sonne ganz getrocknet sind und so die Hülsenfrüchte ganz leicht aus den Schalen gelöst werden können, und zwar einfach indem man mit einem Stock darauf schlägt.
Pasta e Fagioli – Nudeln mit der Villaricca Bohne
Gebrauch in der neapolitanischen Küche
Noch heute bildet die Bohne aus Villaricca eine Alternative zu den bekannten spollichini und ist die typische Grundzutat für die berühmte neapolitanische Bohnensuppe pasta e fagioli, wobei die verwendete Nudelart unbedingt die ammiscata der Pasta aus Gragnano sein sollte, also einer Mischung aus verschiedenen Nudelarten, von denen einige schneller weich werden und andere hingegen recht bissfest bleiben. Außerdem braucht man diese Bohnen auch für die fagioli e scarola oder die zuppa alla maruzzara, ein ganz typisches Produkt aus der mediterranen Küche. Zubereitet wird es mit Olivenöl, Sellerie, Oregano, Petersilie, Knoblauch, Basilikum, scharfen Paprikaschoten und einigen Tomaten.
Antike Traditionen
Nach einem alten Rezept aus dem 16. Jahrhundert ließ man die Bohnen aus Villaricca zusammen mit getrockneten Kastanien kochen und gab danach Mela Annurca-Äpfel und scharfe Gewürze dazu. Die so erhaltene teigige Mischung verwendete man zum Füllen von Torten und Nudeln. Auch heute noch findet man die Verbindung von Nudeln, Bohnen und Kastanien in der traditionellen ländlichen Gastronomie der Gegend, die besonders deftig und herzhaft ist.
Das Prädikat für kontrollierten Anbau des Weines Lacryma Christi del Vesuvio kann nur für diejenigen vesuvianischen Weine verwendet werden, die, wenn sie zum Verkauf angeboten werden, einen Gesamtalkoholgehalt von mindestens 12% vorweisen können. Der Lacryma Christi wird aus Trauben hergestellt, die an den südlich gelegenen charakteristischen Weinbergen am Fuß des Vulkans Vesuv in 15 Gemeinden angebaut werden. Einen bemerkenswerten Beitrag liefert das gemäßigte Klima, das von milden Wintern, warmen Sommern und den häufigen Regenfällen im Herbst bzw. im Winter geprägt ist.
Weinberge am Vesuv
Die Legenden und Geschichten um den Namen
Die Legenden, die zu seiner ungewöhnlichen Bezeichnung geführt haben, sind sehr verschieden. Die bekannteste wurde von De Musset übernommen und besagt, daß der aus dem Paradies vertriebene Luzifer ein Stück Paradies mit auf die Erde gebracht hat, um damit den Golf von Neapel zu formen, ohne sich um die Jesus dadurch zugefügten Schmerzen zu kümmern. Die Tränen Jesus sollen auf die vesuvianische Erde gefallen sein und diese heiligen Weinreben entstehen lassen haben. Eine andere wiederum besagt, daß Christus bei einem seiner Besuche auf der Erde auf den Vesuv einen erlösten Einsiedler getroffen und dabei ein Wunder vollbracht habe, indem er ein ungeniessbares Getränk in einen hervorragenden Wein verwandelte. Historische Quellen erzählen auch, daß die erste Anzapfung des roten Lacryma Christi – dessen Most entstand, ohne die Trauben zu pressen, sondern indem man darauf wartete, daß sein Eigengewicht die wertvolle Flüssigkeit zum “Weinen brachte” – jedes Jahr nach Rom geschickt werden mußte, als Ausdruck der Ergebenheit gegenüber Seiner Heiligkeit, dem Papst.
Antike Weintradition am Vesuv
Der Weinanbau auf dem Vesuv geht jedenfalls auf sehr antike Epochen zurück. Laut Aristoteles pflanzten die Thessaler, ein antikes Volk Großgriechenlands, die ersten Weinreben, als sie sich im 5. Jahrhundert v. Chr. in Kampanien ansiedelten. Auch viele lateinische Dichter, wie Sallust, Plinius und Martial, haben Zeugnisse dieser Pflanzungen hinterlassen, indem sie häufig beschrieben, wie sehr der Vulkan mit Wein bewachsen sei und daß sich zwischen den Weinreben Landhäuser befanden, die von den Bauern bewohnt waren, die sich dem Anbau von Weinreben und der Weinherstellung widmeten.
Bacchus im Rebengewand vor dem Vesuv
Lacryma Christi Rosso
Der Lacryma Christi Rosso ist gut lagerfähig und gekennzeichnet durch seine volle, rubinrote Farbe mit violetten Reflexen, ein duftbetontes und sanftes Bukett – in dem man den Duft von Veilchen, Lakritzen und Edelholzen ausmachen kann – und einen weichen, aber trockenen und harmonischen Geschmack. Er wird bei Zimmertemperaturen (ungefähr 18°C) und zu traditionellen Gerichten – auf fleischbasis und zu gereiften Käsesorten – der kampanischen Regionalküche serviert. Der Lacryma Christi Rosso besteht aus mindestens 50% Piedirosso und nicht mehr als 30% Sciascinoso und maximal 20% Aglianico-Reben.
Die Trauben des vesuvianischen Piedirosso
Lacryma Christi Rosato
Der Lacryma Christi Rosato wurde von Dalmasso als der beste Rosèwein Italiens bezeichnet. Er ist zinnorberrot und vereint, dank seinem sanften, nach Kirschen duftenden Bukett, die Vorzüge eines Weißweins mit denen eines Rotweins: der Wein kann zu allen Gerichten getrunken werden, passt aber ganz besonders gut zu Fischsuppen, weißem Fleisch, Milchprodukten und frischen Käsesorten. Die Zusammensetzung der Reben entspricht dem Lacryma Christi Rosso.
Die Verdeca Traube – oft Inhalt des Lacryma Christi Bianco
Lacryma Christi Bianco
Der Lacryma Christi Bianco, aus dem auch Likörwein hergestellt wird, hat eine helle, strohgelbe und lebhafte Farbe, ein leichtes, nach Wiesenblumen (manchmal auch Veilchen, Hollunder oder Lakritze) duftendes Bukett, einen trockenen, samtigen, einheitlichen Geschmack, und wird jung getrunken. Er wird mit ungefähr 10°C serviert und passt zu Vorspeisen aus Fisch, Suppen, und Fischhauptgerichten mit hellen Soßen. Er besteht aus mindestens 35% Coda di Volpe, nicht mehr als 45% Verdeca und maximal 20% zwischen Falanghina und Greco-Reben.
Heute ist die Zitrone aus Sorrent die am häufigsten angebauten Frucht der sorrentiner Halbinsel. Ab dem 17. Jahrhundert verbreitete sich der lokal so typische Terrassenanbau der Zitrone aus Massa “Femminello massese”, die auch Zitrone aus Sorrent “Limone di Sorrento” genannt wurde, auf der gesamten Halbinsel und weisen andere Charakteristken als die Zitronen der Amalfiküste oder den Zitronen aus Procida auf. Nur Zitronen, die auf der Halbinsel von Sorrent sowie auf der Insel Capri angebaut werden, dürfen seit 2000 mit der von der EU kontrollierten Bezeichnung Limone di Sorrento IGP verkauft werden und nehmen somit eine besondere Position zwischen den Zitronen des Kontinents ein.
Schutzkonsortium der Zitrone aus Sorrent
Der Anbau
Heute,wie früher auch, handelt es sich beim Agrumenanbau um eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit und die Landwirte sind gezwungen, die Früchte ihrer Arbeit andauernd gegen den salzhaltigen Wind und die nicht immer günstige Witterung zu beschützen. Sie bauen daher eine Art Laube, die ihrerseits geschützt werden muß, und zwar von “lebenden” (Reihen von Oliven- oder Haselnußbäumen) oder “toten” Windschutzvorrichtungen (Streifen und Gerüste aus Kastanienholz); sie werden auch rechtwinkelig in der Richtung des stärksten Windes ausgerichtet und oft zusätzlich rund um den bebauten Boden aufgestellt. Die Laube selbst besteht aus einer tragenden Struktur, die die sogenannten “pagliarelle” stützen muß, wobei es sich um Matten aus Schilfrohr oder Netze handelt, die durch Kastanienstreifen zusammengehalten und auf die Laube gesetzt werden, damit sich eine Struktur bildet, die annähernd der Form von Hütten ähnelt. Diese Konstruktionen kennzeichnen das Landschaftsbild der sorrentiner Halbinsel ganz wesentlich.
Die Ernte
Die Pflanze wird unter diesen Schutzvorrichtungen aufgezogen und gestatten den Landwirten, die Reifung der Winterfrüchte bis zu einem gewissen Grad zu verzögern, damit das Produkt das ganze Jahr über angeboten werden kann, aber vor allem zwischen Mai und September, wenn die Nachfrage auf dem Markt am größten ist. Die Schutzvorrichtungen für die Agrumenpflanzungen verringern die von den Pflanzen aufgenommene Lichtmenge, wodurch das Wachstum verlangsamt wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dadurch aber auch die zwar langsamere, aber wirkungsvolle Bildung für das ausgeprägte und durchdringende Aroma verantwortlichen Substanzen begünstigt, die für die Zitrone aus Sorrent charakteristisch sind.
Eine Zitronenlandschaft
Der Zitronenanbau hat einen engen Bezug zum Ambiente der sorrentiner Halbinsel aufgebaut: neben der Verwendung der Frucht trägt er auch durch den Terrassenanbau zur Festigung der Böden und zur Verschönerung der Landschaft bei, die so auch dem Turismussektor zu Gute kommt. Die Zitrone aus Sorrent ist die am weitesten verbreitete in Kampanien und stellt etwa einen Anteil von 40% des gesamten regionalen Anbaus an Zitronen. Die Zitrone aus Sorrent wird in allen Gemeinden der sorrentiner Halbinsel, von Vico Equense bis Anacapri, angebaut und verwendet.
Limoncello der sorrentiner Halbinsel
Besonderheiten der Zitrone aus Sorrent
Sie haben außerdem eine besonders ovale Form, ihre Schale weist eine typische wachsgelbe Farbe auf, unterscheidet sich durch ihre Süße und Saftigkeit von anderen Sorten und ihr Saft wird hierzulande auch pur getrunken, ohne Zucker beizufügen. Die Größe der Zitrone aus Sorrent ist mittel-groß und darf nicht weniger als 85 Gramm wiegen. Die Frucht ist reich an Vitamin C (38g pro pro 100g) und Mineralsalzen (Calcium, Phosphor, Eisen, Natrium, Kalium, Kupfer, Mangan, Magnesium, Zink) und hat, anders als die Sfusato-Zitrone aus Amalfi, einen recht sauren Geschmack, während die Schale mitteldick und reich an ätherischen Ölen ist.
Die Verwendung
Dank dieser besonderen organoleptischen Eigentümlichkeiten wird die Zitrone aus Sorrent in der Küche für die verschiedensten Varianten verwendet: einfach roh in Schreiben geschnitten, frisch gepresst, für die Getränke- und Marmelladenherstellung, als ideale Ergänzung für Salate verwendet und ist ein sehr begehrter Rohstoff zur Herstellung von Eis, Süßwaren und typischen Likören wie dem Limoncello der sorrentiner Halbinsel. In den Restaurants der sorrentiner Halbinsel und der Insel Capri wird die Zitrone auch oft für innovative und besondere Kreationen verwendet, die vom Antipasto bis zum Dessert oder teilweise sogar zum Espresso gehen. Die lokale Zitrone ist mittlerweile ein Muss in Verbindung mit den hier weit verbreiteten Fischspeisen oder Meeresfrüchten, die sowohl von den Einheimischen und auch den Turisten stark angefragt werden. Ein recht großen Erfolg genießen auch die neuen Varianten von Zitronendesserts wie die “Delizia al limone”, der Babà mit Limoncello oder auch das Zitronensorbet.
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