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Gastronomie in Kampanien

Der Roccamonfina Igt Wein aus dem Norden Kampaniens

Die Weine mit der Herkunftsbezeichnung Roccamonfina Igt dürfen die Zusatzbezeichnung der Rebsorten Aglianico, Coda di Volpe, Falanghina, Fiano, Greco, Piedirosso, Primitivo und Sciascinoso tragen. Der Wein muß aus mindestens 85% dieser Rebsorten aus dem Anbaugebiet der Roccamonfina Igt und zu maximal 15% aus anderen Rebsorten der Provinz von Caserta stammen. Der Roccamonfina Igt Falanghina darf auch in den Varianten frizzante (sprudelig) und zusammen mit dem Aglianico als Dessertwein passito verkauft werden.

Die Geschichte

Der Anbau der Rebe und die Umwandlung in Wein ist seit jeher eine der wichtigsten Überlebensquellen dieser Gegend. Das Gebiet um Galluccio galt noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts als eines der am weitesten bebauten Weingebiete Italiens. Archäologische Funde entlang des Flusses Garigliano bei Rocca d’Evandro weisen außerdem auf einen Handelshafen für den Export von Wein von hier in weite Teile des römischen Imperiums nach der Romanisierung der Region Kampanien hin. Nicht zu vergessen ist auch die glorreiche Geschichte des Ager Falernus (nachdem der auch der heutige Falerno bezeichnet wurde), der in Rom bekannt für seine ausgezeichneten Weine und Olivenöle war. Ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts werden erste Massenproduktionen von Wein ohne großes Interesse an der Qualität des Endprodukts in der Gegend um Roccamonfina eingerichtet, während man heute eher zu einer hochwertigen und weniger produktiven Weinumwandlung tendiert.

Die Gemeinden innerhalb der Herkunftsbezeichnung

Das Anbaugebiet der Weine Roccamonfina Igt beinhaltet die hügeligen Gebiete der alle in der Provinz von Caserta liegenden Gemeinden von Caianello, Carinola, Cellole, Conca della Campania, Galluccio, Francolise, Calvi Risorta, Rocchetta e Croce, Riardo, Pietramelara, Roccaromana, Pietravairano, Vairano Patenora, Presenzano, Tora e Piccilli, Marzano Appio, Mignano Montelungo, San Pietro Infine, Rocca d’Evandro, Sessa Aurunca, Falciano del Massico, Mondragone, Sparanise, Roccamonfina und Teano.

Das Anbaugebiet um den erloschenen Vulkan Roccamonfina

Der Anbaugebiet der Herkunftsbezeichnung Roccamonfina Igt beinhaltet einen weiten Teil des nordwestlichen Gebiets der Provinz von Caserta in der Region Kampanien und hat ihren Mittelpunkt im erloschenen Vulkan von Roccamonfina. Ein Großteil des Anbaugebiet läuft entlang der Hügel dieses Vulkans, während geringere Flächen auch eine autochtonen Ursprung haben. Die ältesten Hügel sind die aus dolomitischem Kalkstein geformten Hügel des südlichen Appenins des Monte Massico und des Monte Cesima, in den sich auch eine große Anzahl von verschieden Fossilien befinden. Der größte natürliche Einfluß kommt allerdings vom erloschenen Vulkan Roccamonfina, der eine große Varietät von Charakteristiken aufweist. Der Roccamonfina ist mit seinen 450 Quadratkilometern der viertgrößte vulkanische Komplex Italiens und nach dem Etna, dem Vulture, dem Vesuv und dem Monte Amiata der fünfthöchste. Im Zeitraum seiner Aktivität hat der Roccamonfina eine große Anzahl pyroklastischer Materialien ausgespuckt und für eine besondere Fruchtbarkeit des Bodens gesorgt. Das Wetter ist über das ganze Jahr über recht mild, wobei die Nord/Nordostseite im Winter nicht selten von kalten Winden und Schneefall auf den höchsten Spitzen betroffen wird. Die Anzahl der Sonnentage ist recht hoch.

Das Anbaugebiet im Norden Kampaniens
Die südwestliche Seite

Die Böden dieses Gebiets sind dabei sehr heterogen, da die Auswurfsmaterialien und auch die Höhe dieses Gebiets sehr schnell variieren kann. Die Süd-Westseite des Roccamonfina um Sessa Aurunca und Cellole sind tief, siliciumhaltig locker, mit viel Khalium, wenig assimilierbarem Phosphor und wenig Humus. Je tiefer die Hügel werden, um so tiefer und humushaltiger werden die Böden. Dieses Gebiet ist ideal für den Weinanbau, auch wenn es manchmal lange Trockenphasen im Frühling und Sommer geben kann.

Die nordwestliche Seite

Der Bereich von Sessa Aurunca in Richtung Galluccio und Rocca d’Evandro wurde von Lavaflüssen betroffen, die Böden sind nicht sehr tief und bestehen aus größeren pyroklastischen Materialien. Auch vulkanischen Bomben sind nicht selten vorzufinden und die Böden sind sehr fruchtbar, haben eine stark sickernde Wirkung und viele mineralische Substanzen sowie ausreichend Humus und sind somit ideal für den Weinanbau.

Die nördliche Seite

In dem hügeligen und pyroklastischen Anbaugebiet um San Pietro Infine, Mignano Monte Lungo, Conca della Campania, Presenzano, Tora e Piccilli und Marzano Appio wechseln sich lockere, untiefe, fruchtbare, sandige Böden mit den am Fuß des Vulkans liegenden lockeren, tonhaltigen, untiefen, fruchtbaren und humushaltigen Schwemmböden und untiefe autochtone kalk-und tonhaltige Böden ab.

Die östliche Seite

Die Ostseite des Roccamonfina und den Gemeinden Vairano Patenora, Roccamonfina, Teano, Sparanise, Roccaromana, Calvi Risorta, Roccheta e Croce, Riardo, Pietramelara, Pietravairano, Francolise, Caianello hat eine starke heterogenität bei den Böden, wobei auch hier viele pyroklastische Auswurfsmaterialien vorzufinden sind und der Humusgehalt meist recht hoch ist. Dieses Anbaugebiet ist generell sehr fruchtbar und ein erheblicher Teil eignet sich auch für den Weinanbau.

Die südostliche Seite

Die Böden von Carinola, Falciano del Massico und Mondragone haben im hügeligen und im tiefen Bereich die typische kalkhaltige Struktur des Monte Massico, während die höheren Bereiche aus den pyroklatischen Materialien des Roccamonfina und die Küstenebene ganz im Süden aus Schwemmböden bestehen. Der mittlere Bereich ähnelt somit stark den Böden der südwestlichen Seite von Sessa Aurunca und praktisch ideal für jeden Art von Anbau. Die für die domizianische Küste typischen sandigen oder tonhaltigen Schwemmböden der Ebene haben hier eine Mischung aus kalkhaltigen und vulkanischem Materialien, sind ziemlich tief und haben ein diskretes Säureverbindungsvermögen.

Der Roccamonfina Rotwein in einer Version von Telaro schmeckte ausgezeichnet
Der Geschmack der Roccamonfina Igp Weine

Die Weine variieren auch erheblich je nach den beschriebenen charakteristischen Böden und den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen des Gebiets um den erloschenen Vulkan Roccamonfina. Während das Bukett und der Geschmack je nach Gebiet sehr unterschiedlich sein kann, ist eine für mit pyroklatischen Böden typische mehr oder weniger intensive Fumè-Note recht klar zu erkennen. Ein weiteres Geschmacksmerkmal ist die leichte bittere Note, die durch die Mineralien dieses Bodens im Wein fast immer zum Ausdruck kommt. Die Igt Roccamonfina Bianco Weißweine haben meist eine strohgelbe Farbe und ein für das Anbaugebiet typisches floreales Bukett. Der Geschmack tendiert in Richtung trocken, frisch und angenehm. Die Igt Roccamonfina Rosso Rotweine sind üblicherweie rubinrot, das Bukett ist angenehm frisch und traubig, während der Geschmack ausgeglichen, leicht tanninhaltig und trocken ist. Die Igt Roccamonfina Rosato Rosèweine haben eine mehr oder wenig intensive Kirschfarbe, das Bukett ist fruchtig und floreal, während der Geschmack angenehm frisch und geschmacksintensiv ist. Die Igt Roccamonfina passito Dessertweine haben eine dunkelrote oder goldgelbe Farbe und tendieren zu einem intensiven und anhaltendem Bukett. Der Geschmack ist warm, direkt und anhaltend.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien

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Die Zitrone der Amalfiküste

Die Zitrone der Amalfiküste Sfusato Amalfitana, die unter dem Namen “Limone Costa d’Amalfi IGP” auf europäischer Ebene geschützt ist, beinhaltet in ihrem Namen zwei wichtige Hinweise. Sfusato könnte man mit maßgeschneidert oder schlank übersetzen, dank der länglichen und besonders markanten Form der Zitrone, während der zweite Begriff auf die Herkunft der Frucht hinweist: die Amalfiküste.

Form, Geschmack und Größe

Die Zitrone der Amalfiküste ist ein sehr renomiertes und hochwertiges Produkt. Die Schale ist mitteldick, die gelbe Farbe ist auffallend hell und das Aroma und der Duft sind dank der vielen ätherischen Öle und Terpenen besonders intensiv. Studien der Universität Federico II in Neapel haben erwiesen, daß diese Zitronensorte eine der reichsten an der Ascorbinsäure Vitamin C sei. Das Fruchtfleisch ist saftig und mittelmäßig sauer, leicht süßlich und hat eine geringe Anzahl Kerne. Dabei ist die Zitrone der Amalfiküste mit mindestens 100 Gramm pro Frucht überdurchschnittlich groß.

Die Amalfiküste: Zitronengärten, Häuser und wilde Vegetation am steilen Hang
Der Zitronenanbau an der Amalfiküste

Der typische Terrassenanbau der Zitrone entlang der Amalfiküste und der sorrentiner Halbinsel, wobei die ursprünglichen Strohhalme mittlerweile durch praktischere moderne Netze ersetzt wurden, prägt sowohl die besonderen Charakteristiken der amalfitanischen Zitronen als auch das landschaftliche Bild der gesamten Amalfiküste mit ihren prächtigen Zitronengärten, die sogar auf den steilsten Hängen der liebevoll genannten “costiera divina” reifen. Vielleicht haben auch die Zitronen einen kleinen Teil dazu beigetragen, das die Amalfiküste seit 1997 als Unesco-Weltkulturerbe geschützt wird. Die Ernte erfolgt dank des Polymorphimsmus der Zitronenpflanze mehrmals im Jahr, jedoch ist die Frühlings- und Sommerernte ab März bis inklusive Juli wohl die hochwertigste. Die Zitronenbäume werden bis zu 80 Jahre alt und das milde Klima der Amalfiküste hilft die Ernte zu steigern, die im Normalfall von 200 bis 600 Früchte pro Baum im Jahr erreichen kann.

Das Anbaugebiet der Sfusato amalfitano. Bild und Copyright von dem Konsortium limonecostadamalfiigp.com
Die Verwendung in der Küche der Zitrone

An der Amalfiküste ist die Zitrone Bestandteil der lokalen Küche und wird auch gerne mal roh mit Dressing als Salat serviert. Zu Meeresfruchtsalaten, Fisch, vielen lokalen Pastagerichten aber auch auf Fleisch wird die Zitrone in Scheiben, gepresst oder in Hälften geschnitten verwendet. Die besten lokalen Küchenchefs haben die amalfitanische Zitrone teilweise zu einer ihrer Hauptattraktionen gemacht. Nicht zu vergessen ist auch die große Verwendung besonders in der lokalen Süßwarenproduktion, wie der mittlerweile berühmten Delizia al Limone, die Babà mit Limoncello, den Torten, Profitterols, Schokoladenspezialitäten, Eiscreme oder auch als Zusatz zu frischen Getränken oder einer Zitronengranita. In manchen Bars wird sogar der Espresso mit Zitrone angeboten, wobei sich dieser Kontrast bisher nicht wirklich durchsetzen konnte. Die amalfitanischen Zitronen werden wie die Zitronen aus Sorrent natürlich auch für den lokalen Zitronenlikör Limoncello verwendet: dabei ist er allerdings nicht ganz so leicht aufzufinden wie die sorrentiner Zitronenvariante, die Unterschiede der Zitronensorte wirken sich allerdings auch leicht beim Limoncello aus und es ist interessant beide Varianten einmal auszuprobieren.

Eine sehr gesunde Frucht

Bereits die medizinische Hochschule von Salerno schrieb im Mittelalter die Verwendung der Zitrone der Amalfiküste als Kur oder Vorbeugung gegen bestimmte Krankheiten vor, deren Nutzen auch heute noch in der Medizin nachgewiesen sind. Im 11. Jahrhundert gab es im Zeitalter der Seerepublik von Amalfi eine Anordnung, daß die heimischen Schiffe immer eine Ladung Zitronen an Bord haben mussten. Der Effekt der Zitrone hilft zum Beispiel gegen Schnupfen, Rheuma, Magen- und Darmbeschwerden, Stress, Senilität, wirkt desinfizierend und verstärkt das Immunsystem, ist energisierend und hemmt den Magenkrebs. Seit dem 15. Jahrhundert gibt es auch aus dem Ausland, speziell aus dem Norden Europas, eine Nachfrage nach den amalfitanischen Zitronen um die Skorbut-Krankheit durch die Zufuhr von Vitamin C zu bekämpfen. Seit dem 19. Jahrhundert und der sicheren Erkenntnis des positiven Effekte dieser Frucht wird die amalfitanische Zitrone in großen Mengen ausgeliefert.

Das Erkennungslogo der Original amalfitanischen Zitrone
Die IGP Auszeichnung und die Gründung des Konsortiums

Die Auszeichnung zum IGP-Produkt auf europäischer Ebene im Jahre 2001 hat sicherlich dazu beigetragen, die Zitrone der Amalfiküste aufzuwerten und besser vermarkten zu koennen. Ein großer Vorteil dieser qualitativ hochwertigen Frucht ist die verhältnismäßig späte Reifung und der besten Ernte noch während des Sommers. Die Zitrone der Amalfiküste ist auf nationaler und internationaler Ebene mittlerweile sehr begehrt und ihre Qualität weitläufig anerkannt. Im Jahr 2002 wurde auch ein Konsortium mit Sitz in Maiori an der Amalfiküste gegründet, um die Zitrone weiterhin zu schützen und weitere Informationen oder auch Rezepte einholen zu können.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien