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Monumente der Stadt Neapel

Die Gesù Nuovo Kirche von Neapel

Die Gesù Nuovo Kirche ist die bedeutendste jesuitische Kirche der Stadt Neapel. Ursprünglich war die Kirche mal der Immacolata (Unbefleckten) gewidmet, der Name Gesù Nuovo setzte sich aber letztendlich durch um sie von der älteren jesuitischen Kirche (die seitdem Gesù Vecchio genannt wurde) zu unterscheiden. Die Gesù Nuovo Kirche ist ein faszinierendes Beispiel eines ehemaligen privaten Wohnpalastes, der in eine prunkvolle Kirche ungewandelt wurde. Gerne können Sie die Kirche auch mit mir bei einer meiner Führungen durch Neapel besichtigen.

Die Fassade der Gesù Nuovo Kirche bei einem Foto aus dem Garten des Santa Chiara Komplexes

Die Geschichte des Adelspalastes

An Stelle der Kirche stand eigentlich der im Jahr 1470 von Architekt Novello da San Lucano errichtete Palazzo Sanseverino des Fürsten von Salerno, eine Tafel an der Renaissance-Fassade erinnert noch an die erste Umsetzung des Projektes. Die Sanseverino galten in der aragonesischen Zeit als eine der einflussreichsten Adelsgeschlechter des gesamten Königreichs von Neapel. Dank der militärischen Unterstützung gegen die Anjou erhielt Graf Roberto Sanseverino die Feudalherrschaft über Salerno an Stelle der abgesetzten Orsini-Familie und das Privileg eigene Münzen rausgeben zu dürfen. In dem bedeutenden historischen mit Fresken dekorierten Palast und einem üppigen Garten waren unter anderem Pietro l’Aretino und 1536 der spanische Kaiser Karl V zu Gast. Als Ferrante Sanseverino 1553 im Stadtrat der Sedili gegen die von den Spaniern geplant Einführung der Inquisition stimmt, wird der Palast einige Jahre spaeter unter zweifelhaften Gründen konfisziert und im Jahr 1584 vom König an die Jesuiten verkauft.

Die Umwandlung zur Kirche

Der Palazzo Sanseverino wird schliesslich restrukturiert und von den jesuitischen Brüdern Giuseppe Valeriano und Pietro Provedi zu einer Kirche adaptiert undnach aufwendigen Arbeiten im Jahr 1601 eingeweiht. Vom prächtigen Adelspalast wurden das Fundament, die Seitenwände und die auffällige Fassade mit Spitzen aus Piperngestein konserviert. Diese Fassade war übrigens zusammen mit dem Obelisk des Platzes auf den von 1976 bis 1984 herausgegebenen 10000 Lire Scheinen abgebildet.

Das Eingangsportal des ehemaligen Palastes mit den hinzugefügten jesuitischen Dekorationen

Die Fassade

Die Fassade der Kirche hat drei Eingangsportale, wobei der mittlere noch der eigentliche Zugang zum Adelspalast des 15. Jahrhunderts ist. Dieser wurde erst mit dem Wappen der Sanseverino und Feltria della Rovere und später mit dem jesuitischen Stemma IHS und Engeln, zwei rote Granitsäulen und einem gebrochenen Tympanon durch Pietro und Bartolomeo Ghetti in der barocken Zeit angereichert. Die drei Fenster wurden bei der Umgestaltung zur Kirche 1598 durch Costantino Marasi hinzugefügt.

Die faszinierende Fassade im Renaissance Stil con 1470

Die Struktur und der Eingangsbereich

Die Gesù Nuovo Kirche hat Ausmassen von 66 mal 53 Metern mit einem Grundriss im Stil eines griechischen Kreuzes mit drei Schiffen, die durch Pfeiler getrennt werden sowie insgesamt 10 Seitenkappellen. Die Kirche gilt als eine der aufwenigsten Barockkirchen Italiens und beim Betreten des Gebäudes fällt einem sofort die aufwendigen Dekorationen und Marmorarbeiten ins Auge. Auf der Gegenfassade ist das grosse Fresko Die Vertreibung des Heliodoros aus dem Tempel von Jerusalem des Francesco Solimena von 1725 zu bewundern. Die seitlichen Fresken der Gegenfassade sind ebenfalls von Künstlern der Schule des Solimena, während die Fresken zum Thema Der Name Jesu an der Decke des zentralen Schiffs noch von Belisario Corenzio (17. Jahrhundert) angefertigt wurden. Wegen eines fatalen Erdbebens im Jahr 1688 wurden Teile durch Paolo de Matteis ersetzt (die Beschneidung Jesus und der Erzengel Michel besiegt die Dämonen).

Die Gegenfassade mit dem Fresco des Francesco Solimena von 1725

Die zentrale Kuppel

Die zentrale Kuppel der Gesù Nuovo Kirche wurde bereits viermal erneuert. Der erste Bau brach 1688 bei dem angesprochenen Erdbeben ein. Die Erneuerung durch Arcangelo Guglielmelli und Paolo de Matteis wurde 1775 wegen der Einsturzgefahr wieder abgerissen und die Kirche schliesslich ueber 30 Jahre lang geschlossen. 1790 wurde durch Ignazio di Nardo eine abgeflachte “falsche” Kuppel eingesetzt, die erst 1973 durch eine Zementkuppel mit einer abgehängten Decke im Still eines Kassettendachs ersetzt wurde. Auf den Pendentifs der Kuppel konnte sich die Darstellung der Vier Evangelisten des Giovanni Lanfranco erhalten, während die Darstellung des Paradieses in der Kuppel beim Erdbeben verloren ging.

Ein Blick auf die moderne Kuppel im barocken Kontext

Das Presbiterium

Das Presbiterium stammt vom berühmten Barock-Architekten Cosimo Fanzago und wurde mit den Mariengeschichten des Massimo Stanzione dekoriert. Der mit Edelsteinen und Marmor verzierte recht junge Hauptaltar stammt von 1857 und wurde von Raffaele Postiglione nach Projekt des Giuseppe Grossi umgesetzt. Die Büsten und Basreliefs stammen von Gennaro Calì, unter ihnen ist auch eine Nachbildung des Letzten Abendmahls von Leonardo da Vinci zu finden, Costantino La Barbera und Giuseppe Sorbilli. Auf dem Tabernakel aus Kupferspat ist die Aufschrift Deus Absconditus Heic zu lesen (Gott versteckt sich hier). In der zentralen Nische der Absis, von sechs Alabastersäulen umringt, ist die Marmorskulptur der Unbefleckten Jungfrau von Antonio Busciolano zu sehen, die von einem grossen blauen Globus aus Lapislazuli und Engeln gehalten wird. Von Busciolano stammen auch die beiden seitlichen Skulpturen der Heiligen Paulus und Petrus. Die oberen Skulpturen der jesuitischen Ordensgruender San Francesco Saverio und Ignazio di Loyola sind im 18. Jahrhundert von Schülern des Domenico Antonio Vaccaro gefertigt worden. In der Absis sind ausserdem noch die zwei beeindruckenden leider nicht mehr funktionierenden Orgeln aus dem 17. Jahrhundert auf zwei erhoehten Bereichen aus Marmor ausgestellt.

Der Hauptaltar im prunkvollen Presbiterium der Gesù Nuovo Kirche

Das linke Kirchenschiff

Das linke Kirchenschiff der Gesù Nuovo Kirche von Neapel besteht aus vier Kappellen und endet mit einer Kappelle, die als Absis dieses Kirchenschiffs fungiert. Die Kuppeln und Pendentifs des ersten und zweiten Bereichs des Kirchenschiffs (Dreifaltigkeit mit Engeln und Märtyrern mit Vier Gekreuzigten Heiligen und Szenen aus dem Leben von Jesus und Maria mit Allegorien der Tugenden) stammen von Belisario Corenzio von 1605, die Überquerung des roten Meeres und die vier Profeten des vierten Bereichs sind Werk des Giovanni Battista Beinaschi von 1684/85.

Die Überquerung des roten Meeres des Beinaschi von 1685
Die erste Kappelle

Die erste Kappelle im Stil des frühen 17. Jahrhunderts des linken Kirchenschiffs der Gesù Nuovo Kirche ist den Heiligen Märtyrern gewidmet. Die Fresken sind auch hier von Belisario Corenzio, während die Marmorverkleidung von Costantino Marasi stammt. Die Skulpturen des Heiligen Stefans und Heiligen Lorenz stammen von Girolamo d’Auria, die Holzskulptur des Schutzengels stammt wohl aus den Händen des Aniello Stellato und Orazio Bonocore. Das Altarbild der Madonna mit Kind und den Heiligen Märtyrern ist von Giovanni Bernardo Azzolino.

Das Altarbild des Azzolino von 1602
Die zweite Kappelle

Die zweite Kappelle der Geburt Christi (oder Fornaro) ist vom Stil der ersten Kappelle treu und hat ebenfalls eine Freskendekoration des Belisario Corenzio (von 1601) und eine Verkleidung der Brüder Mario und Costantino Marasi. Die Skulpturen sind Werke im späten Manierismus des Michelangelo Naccherino (der Heilige Andreas und Johannes der Täufer), Pietro Bernini ( der Heilige Matthäus mit einem Engel), Tommaso Montani (der Heilige Januarius und der Heilige Niccolò) und Girolamo d’Auria (der Heilige Johannes). Das Altarbild der Geburt Christi ist von Girolamo Imparato aus dem Jahr 1602.

Roemische, florentinische neapolitanische Bildhauer wie Bernini, d’Auria und Naccherino haben hier ihr Werk hinterlassen
Die dritte Kappelle (im Transept)

Die beiden Kappellen im Transept sind den jesuitischen Ordensgründern Sant’Ignazio di Loyola und San Francesco Saverio gewidmet, die im linken Kirchenschiff ist die von Cosimo Fanzago, Costantino Marasi und Andrea Lazzari eingerichtete Kappelle des Sant’Ignazio di Loyola. Die ursprüngliche Dekoration ist von Belisario Corenzio von 1637 mit den Geschichten des Sant’Ignazio, die Dekoration im Zentrum des Gewölbes und der Lünetten am grossen Fenster wurden nach dem Erdbeben durch Paolo de Matteis (1698) erneuert. Am Hauptaltar wurde das aus Tarent hergebrachte Bild der Madonna mit Kind zwischen den Heiligen Ignazio und Francesco Saverio des Paolo de Matteis eingesetzt, das ehemalige Altarbild der Vision des Sant’Ignazio von Girolamo Imparato ist heute auf der linken Kappellenwand gegenüber des Bildes der Heiligen Dreifaltigkeit und Heilige des Agostino Beltrano zu bewundern. Neben dem Hauptaltar sind die beiden faszinierenden grossen Skulpturen des Davids und des Jeremias des Cosimo Fanzago eingesetzt. Zwei Tafeln des Jusepe de Ribera über den Heiligen Ignazio und eine Madonna mit Kind und der Heiligen Anna eines unbekannten kampanischen Künstlers (weil die dritte Tafel des de Ribera im zweiten Weltkrieg beschädigt wurde) sind ebenfalls Teil dieser beeindrucken Kappelle.

Die weite Kappelle des Sant’Ignazio di Loyola
Die vierte Kappelle

Die vierte Kappelle ist dem Kruzifix und dem Heiligen Ciro gewidmet und wurde von Dioniso Lazzari eingerichtet. Unter dem Altar befindet sich das verehrte Grabmahl des San Ciro, Mediziner, Eremit und Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert und einer der am weitesten verbreiteten Namen innerhalb Neapels. Die Skulpturengruppe aus bemaltem Holz mit dem Kruzifix zwischen der leidenden Madonna und dem Apostel Johannes sind ein Werk des Francesco Mollica aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die beiden Skulpturen neben dieser Gruppe zeigen den Heiligen Ciro (links) und den Heiligen Giovanni Edesseno. Die Freskendekoration der Kappelle sind von Giovan Battista Beinaschi und zeigen die Geschichten des Leidenswegs Christi und die Engel und Symbole des Leidenswegs.

Das Kruzifix des Mollica und das Grabmahl des Heiligen Ciro sind hier zu bewundern
Die Absiskappelle

Die letzte Kappelle, die als Absis fungiert, ist dem Heiligen Francesco De Geronimo gewidmet. Der 1737 errichtete Altar wurde von Giuseppe Bastelli umgesetzt und beinhaltet die Skulpturengruppe der Predigt des Heiligen Francesco De Geronimo vom beliebten neapolitanischen Künstler Francesco Jerace von 1932. Auf den beiden Wänden der Kappelle sind grosse Reliquarienschränke mit etwa 70 Büsten, unter anderem auch die Büsten des Giovan Domenico Vinaccio der beiden Ordensgründer, aus geschnitztem, vergoldeten und bemaltem Holz. Das Fresko der Decke der Kappelle mit Engeln und Seraphim ist von Francesco Solimena von 1677.

Reliquien und Holzbüsten des Vinaccia

Das rechte Kirchenschiff der Gesù Nuovo Kirche

Die Kuppeln im rechten Kirchenschiff wirden Giuseppe Simonelli (Symbole des Leidenswegs), Gaetano d’Apuzzo (Opferung des Aronne von 1790) und Angello Mozzillo (Die drei Jungen im Ofen von 1793) dekoriert. Die ursprünglichen Dekorationen von Luca Giordano wurden bei dem Erdbeben von 1688 beschädigt und wurden 100 Jahre später ersetzt.

Die Dekoration des Gaetano d’Apuzzo von 1790
Die erste Kappelle

Die erste Kappelle des rechten Kirchenschiffs der Gesù Nuovo Kirche ist dem Heiligen Carlo Borromeo gewidmet und beherbergt das Altarbild der Ekstase des Heiligen Carlo Borromeo von Giovanni Bernardino Azzolino von 1620. Die Deckenfresken sind ebenfalls das Werk des Azzolino und in der Kappelle sind ausserdem die schönen Engel des Cosimo Fanzago über dem Tympanon zu sehen.

Die Engel auf dem Tympanon des Cosimo Fanzago
Die zweite Kappelle

Die zweite Kappelle ist der Mariä Heimsuchung gewidmet und hat einen starken Bezug zum heiliggesprochenen verstorbenen lokalen Arzt des 20. Jahrhunderts Giuseppe Moscati. Die Kappelle wurde unter Papst Johannes Paul II 1987 kanonisiert. Moscati war Chefarzt des Incurabili Krankenhauses und Dozent für Biochemie an der Universität, widmete einen erheblichen Teil seines Lebens aber der Kur der armen Leute der Stadt Neapel. Sein Bronzerabmahl ist von Amedeo Garufi und die vom Volk verehrte Skulptur des Giuseppe Moscati ist ein Werk des Luigi Sopelsa von 1990. Auf dem Hauptaltar dieser Kappelle kann man eine Mariä Heimsuchung des Massimo Stanzione betrachten. Die Marmordekoration der Kappelle stammt vom bedeutenden Cosimo Fanzago während der neapolitanische barocke Meistermaler Luca Giordano 1687 die drei Fresken an der Decke und die Lünetten umgesetzt hat.

Die verehrte Skulptur des Giuseppe Moscati des Sopelsa von 1990
Die dritte Kappelle (im Transept)

Die dritte Kappelle im rechten Transept der Gesù Nuovo Kirche ist dem zweiten jesuitischen Ordnesgründer San Francesco Saverio gewidmet, der das Christentum in Indien, Japan und dem Malaiischem Archipel gepredigt hat. Die beiden Skulpturen der Heiligen Augustin und Ambrosius sind wie in der Kappelle gegenüber wiederum ein Werk des Cosimo Fanzago von 1618. Die Dekoration der Kappelle sind von Giuliano Finelli, Donato Vannelli und Antonio Solaro, während die weiteren Skulpturen der Kappelle alle von Michelangelo Naccherino sind. Auf dem eleganten Marmoraltar des Finelli hängt das Altarbild der Ekstase des Heiligen Francesco Saverio des Giovan Bernardo Azzolino. Von Luca Giordano (1690-1692) stammen die Bilder Francesco Saverio findet ein Kruzifix im Meer, Francesco Saverio trägt die Kreuze und Francesco Saverio tauft die Inder. Auf der rechten Wand der Kappelle hängt das Bild der Madonna des Rosenkreuzes und 15 Mysterien des Fabrizio Santafede, von Ludovico Mazzanti ist das Bild der Jungfrau als Kind mit den Heiligen Anna, Josef, Gioacchino, Francesco de Geronimo und Ciro auf der linken Kappellenwand. Die Frskendekoration der Decke zeigt Lebensgeschichten des San Francesco Saverio des Belisario Corenzio, auch hier wurde das zentrale Bild des Zyklus zum Ende des 18. Jahrhunderts von Paolo de Matteis mit der Predigt des Francesco Saverio erneuert. Innerhalb der Kappelle kann man durch einen Zugang das Oratorium mit der Memoiren des Giuseppe Moscati mit der Ausstellung seines Arbeitsbereichs und Schlafzimmers (eine Schenkung seiner Schwester) sowie einer grossen Anzahl von Ex Voto sowie der Blindgänger vom Bombenangriff vom 4. August 1943 besichtigen.

Das Bild der Taufe der Inder des Luca Giordano
Die vierte Kappelle

Die vierte Kappelle trägt den Namen der San Francesco Borgia Kappelle und wurde nach dem Erdbeben 1688 im 18. Jahrhundert komplett wieder neu aufgebaut. Das Altarbild ist von Sebastiano Conca und zeigt San Francesco Borgia vor dem Heiligen Sakrament beten. Der Marmoraltar ist Werd des Giuseppe Astarita und Mario Gioffredo, die Fresken der Kappelle wurden von Angelo Mozzillo (die Engel) und Antonio Gamba (die Tugenden) angebracht.

Ein Blick in die Kappelle vom Hauptaltar

Die rechte Absiskappelle

Die letzte Kappelle des rechten Kirchenschiffs auf der Höhe des Absis ist die Kappelle del Sacro Cuoro (oder Carafa) und war früher der Dreifaltigkeit gewidmet. Die Marmordekoration stammt auch hier von den Geschwistern Mario und Costantino Marasi wäre das Heilige Herz eine Fertigung aus Paris von 1904 ist. Die Fresken der Engelsgeschichten stammen aus der Hand des Belisario Corenzio von 1605. Hier ist auch das schöne erst vor wenigen Jahren restaurierte gothische Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert zu besichtigen, eines der wenigen noch erhaltenen der Stadt Neapel.

Informationen zur Gesù Nuovo Kirche von Neapel
  • Wo?: An der Piazza del Gesù 2 in der Altstadt von Neapel
  • Öffnungszeiten: Jeden Tag von 9:30 – 12.30 und 17:00 – 19.15 Uhr (waehrend den Messen ist eine turistische Besichtigung nicht gestattet)
  • Eintrittspreise: Gratis

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden!

Weitere Informationen zu den Monumenten der Stadt Neapel finden Sie auch in der Kategorie in meinem Blog

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Neapolis Sotterrata – Das unterirdische Neapel an der Basilika von San Lorenzo

Der Zugang ins unterirdische Neapel an der Basilika von San Lorenzo (Neapolis sotterata) nah der Piazza San Gaetano ist mit der Basilika, der Kreuzgang und dem Museo dell’Opera di San Lorenzo Teil eines historischen Komplexes und der einzige von den Zugängen ins unterirdische Neapel, der auf der Ebene des antiken Neapolis verläuft. Die ersten Ausgrabungen zur Suche nach historischen Begräbnissen unter der Basilika und dem Konvent von San Lorenzo wurden bereits 1954 unternommen. Die Ausgrabungen von 1972 und 1993 brachten neue Entdeckungen zu Tage, die dazu geführt haben das seit 2009 ein bedeutender Teil des archäologischen Bereichs als Besucherparcour eingerichtet wurde. Gerne können Sie diesen Bereich auch innerhalb einer meiner Führungen durch Neapel mit mir besichtigen.

Der Kreuzgang und die Tholos

Der Zugang ins unterirdische Neapel an der Basilika von San Lorenzo befindet sich unter dem Portal der Klosters an der Basilika. Die Besichtigung startet mit dem Kreuzgangs des Klosters mit den Resten einer Tholos (einem Rundbau mit Portikus, Brunnen und Kuppeldach), die sich in der Antike in der Mitte vom mit weissen Mosaiksteinen dekorierten Hof des Lebensmittelmarktes Macellums befand. Von der ursprünglichen Tholos aus dem 1./2. Jahrhundert nach Christus konnten sich noch die Bodenstruktur, drei Stufen, eine Terracotta-Unterführung sowie einige Bestattungen aus dem 6. und 7. Jahrhundert erhalten.

Ein Teil der ehemaligen Tholos des Macellums im heutigen Kreuzgang

Der antike Macellum

Der antike Lebensmittelmarkt Macellum war teilweise überdacht und hatte Ausmassen von 70 mal 40 Metern und hatte einen viereckigen Säulengang mit vielen Geschäften. Der Macellum befand sich im unteren Bereich des römischen Forums von Neapolis und die vier Seiten wurden wegen der unebenen Struktur auf verschiedenen Ebenen errichtet. Der Zugang zum Macellum befand sich auf dem Decumanus Maximus (der heutigen Via dei Tribunali) über eine Treppe, die zu den unteren Bereichen des Marktes führte. Das römische Forum übernahm die Position der griechischen Agorà und befand sich auf der Höhe der heutigen Piazza San Gaetano (wobei das Forum weitaus grösser als die heutige Piazza war).

Das Macellum lag direkt am Cardo, der zum Forum von Neapolis führte

Der Cardo, antike Strasse die zum Forum führte

Der ausgegrabene Bereich des La Neapolis Sotterrata, das unteriridische Neapel an der Basilika von San Lorenzo, befindet sich unter dem Transept der Basilika und dem Konvent von San Lorenzo. Eine Treppe führt circa 7 Meter unter dem aktuellen Strassenniveau auf eine 60 Meter lange und drei Meter breite antike Strasse (einer Verbindungsstrasse zum Forum) aus Piperngestein aus der griechischen Zeit des 5. Jahrhundert vor Christus. Die Stadtstruktur ist für jenes Jahrhundert im mediterranen Bereich typisch und entstammt der Idee des Hippodamos von Milet.

Der Cardo, der antike Strassenbelag ist noch gut erkennbar

Das Gebäude des Macellums

Das römische Gebäude am Forum wurde nach einem Erdbeben im Jahr 64 n. Chr. an Stelle eines vorherigen griechischen Gebäudes errichtet und bildete schliesslich die Struktur für das Macellum und der frühchristlichen Kirche auf der obersten Ebene. Die Struktur des Macellums bestand aus vielen Geschäften mit jeweils zwei Räumen mit Tonnengewölben und einer Öffnung zur Strasse. Die Tabernae (Lebensmittelgeschäfte) wurden zudem mit einer gemischten Technik mit opus reticulatum und opus latericium errichtet. Der Macellum wurde schliesslich nach einem starken Unwetter mit circa 4 Metern Schlamm gefüllt und war bis ins 5. Jahrhundert nach Christus noch als Markt aktiv.

Ein antiker Backofen konnte ebenfalls ausgegraben werden

Geschäfte und Steuerverwaltung

Ursprünglich bestand dieser Bereich wohl aus öffentlichen Verwaltungsbüros, die später in Geschäfte wie Fischverkauf mit schrägen Verkaufstheken, Bäckereien mit Öfen oder Wäschereien mit den Becken zur Färbung und Säuberung umgewandelt wurden. Auf der östlichen Seite des Gebäudes befanden sich insgesamt 9 Geschäfte, von denen die letzten drei an der Nordseite die Funktion des Aerariums hatten (Eintreibung und Aufbewahrung der Steuerabgaben). Die Mauern des Aerariums wurden in einer Lateritium-Technik errichtet, der Zugang mit Pilastern und einem Tympanon verziert und das Fenster mit einem Eisengitter besetzt.

Das Aerarium, Bereich der Steuerverwaltung des Macellums

Der Cryptoportikus

Den antiken Cardo entlang laufend kommt man am Ende der Strasse auf der rechten Seite auf einen der 4 Zugänge eines Cryptoportikus, einem überdachten Markt mit vielen kleinen miteinander verbundenen Räumen, der mit Leuchtern und Steintheken für das Ausstellen der Waren besetzt war. Am Ende des Cryptoprtikus ist ein hydraulisches System aus der späten hellenistischen Zeit (3. Jahrhundert vor Christus) mit einem Gewölbe und grossen Tufsteinblöcken zu erkennen. Dieses System nutzte das natürliche Gefälle um Wasser in die Räume zu spülen. Der Ursprung diesers hydraulischen Systems hat für einige Experten einen etruskischen Ursprung, da bei der Einrichtung auch Bögen errichtet wurden.

Der Cryptoportikus mit den Verkaufstheken des Neapolis Sotterrata

Die Schola

Im südöstlichen Bereich des Macellums sind drei grosse Räumlichkeiten mit einem Gewölbedach zu besichtigen, die wahrscheinlich Teil einer religiösen oder kommerziellen Genossenschaft (schola) waren. Die Räume waren mit Mosaikfussböden und ein Impluvium (ein Becken um Regenwasser zu sammeln) besetzt. Das Fussbodenmosaik aus spätrepublikanischer oder augusteischer Zeit bestand aus kleinen eleganten weissen Teilen mit einem schwarzen Rand an der Mauer, an denen noch Reste von eleganten vielfarbigen Freksen zu erkennen sind. Aus diesem Bereich entstammen auch die Antefixe, ein signierter Backstein und der korinthische Kapitell einer Halbsäule, die im Museo dell’Opera di San Lorenzo ausgestellt sind.

Ein Mosaikfussboden und Fresken schmückten die Schola
Informationen zum Museum des Schatzes des San Gennaro
  • Wo? In der Via Duomo 149 in Neapel
  • Öffnungszeiten: Jeden Tag von 9:30 -18:00 Uhr
  • Eintrittspreise: 10€ inklusive Kappelle des San Gennaro in der Kathedrale (Hier zu der Ticketsreservierung)
  • Informationen: Offizielle Webseite vom Museo del Tesoro di San Gennaro

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Die Basilika von San Lorenzo Maggiore in Neapel

Die Basilika von San Lorenzo Maggiore in Neapel ist zusammen mit dem Museo dell’Opera von San Lorenzo, dem Kreuzgang und dem unterirdischen Bereich Teil des Monumentalen Komplexes von San Lorenzo Maggiore einer der bedeutendsten historischen Zeugnisse über die verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte. Der Komplex befindet sich im Herzen des historischen Zentrums von Neapel, war einer der bedeutendsten Treffpunkte der historischen Verwaltungsebene der Stadt und Sitz des aus den wichtigsten Familien und einem Volkssitz zusammengesetzten Stadtrat. Die Basilika von San Lorenzo Maggiore ist zudem eine der antiksten Kirchen von Neapel, einer der wichtigsten franziskanischen Zentren Süditaliens und beinhaltete einige bedeutende Bilder, die teilweise noch in der Basilika und dem Museo dell’Opera und teils in der Bildergallerie von Capodimonte ausgestellt sind. Zeugnis der Erneuerung der Stadt unter der Dynastie der Anjou, ist hier der gothische Einfluss mit einigen Erneuerungen aus der Renaissance und dem Barock besonders gut zu sehen.

Die Gründung unter Byzanz

Die Basilika von San Lorenzo Maggiore ist im historischen Zentrum der Altstadt von Neapel zwischen der Via Tribunali (dem antiken Decumanus Maximus) und der Via San Gregorio Armeno (der Krippenbauerstrasse) gelegen. Die frühchristliche Basilika von San Lorenzo wurde bereits zwischen 533 und 555 unter Bischof Giovanni II zur Zeit des unter Byzanz stehendem Herzogtums von Neapel auf dem nördlichen Teil des römischen Marktplatzes Macellum am Forum des antiken Neapolis errichtet. Die ursprüngliche Basilika hatte drei Schiffe zwischen einer Narthex und einer Absis, auf dessen Seiten sich ein diaconicon und eine prothesis befanden.

Der Kirchturm neben der Basilika von San Lorenzo Maggiore
Die gothische Erneuerung

Im Jahr 1234 wird die Basilika den franziskanischen Mönchen übergeben. Unter Karl I von Anjou und nach einem votiven Gelübde während der Schlacht gegen die jakobinischen Truppen des Manfred von Hohenstaufen wird die frühchristliche Kirche 1270 in eine Basilika im Stile der französischen (mit einer Absis) und franziskanischen (Transept und Hauptschiff) Gothik errichtet. Karl von Anjou wurde in Paris geboren und brachte seine Baumeister aus Frankreich für den Bau der Absis nach Neapel. Der Innenbereich basiert auf einem Hauptschiff von 50 x 20 Metern mit einer auf einem lateinischen Kreuz basierenden Struktur. Das Hauptschiff und der Transept werden von einem gothischen Dachstuhl bedeckt. Auf beiden Seiten der Kirche befinden sich jeweils acht Kappellen mit Spitzbögen, die teilweise von antiken Säulen gestützt werden.

Die Struktur des Komplexes der Basilika von San Lorenzo Maggiore

Einige Besonderheiten
  • Im Jahr 1442 wurde innerhalb der Basilika von San Lorenzo Maggiore die Kutsche des aragonesischen Triumphs über die Anjou ausgestellt
  • Im Jahr 1456 wird die Basilika bei einem Erdbeben beschädigt
  • Rechts von der Fassade befindet sich der auf vier Etagen basierende Kirchturm, der ab 1487 errichtet und 1507 fertiggestellt wurde.
  • Im Jahr 1567 wird Felice Peretti, zukünftiger Papst Sixtus V., zum Bischof proklamiert
  • Zwischen 1563 und 1580 wird der gothische Chor entfernt
  • Über dem Eingangsbereich ist eine Franziskanische Allegorie aus dem 16. Jahrhundert mit Papst Sixtus V. von Francesco Curia eingesetzt worden.
  • Ab 1635 erhält die Basilika von San Lorenzo Maggiore eine barocke Verkleidung. Die Räume zwischen den Säulen der Absis werden geschlossen, die ogivalen durch quadratische Fenster ausgetauscht, einige Kappellen bekommen eine Stuck- und bunte Marmorverkleidung und die gothische Decke wird durch eine Kassettendecke mit einem Bild von Giuseppe Marulli bedeckt.
  • Die Fassade wird von Dioniso Lazzari erneutert, aber 1732 erneut von einem Erdbeben beschädigt.
  • Die Fassade wird dieses Mal von Ferdinando Sanfelice erneuert, der bei seinem Projekt das von Bartolomeo di Capua 1324 in Auftrag gegebene gothische Marmorportal stehen lässt und in sein Prokjekt einfügt.
  • Ab 1905 wurde die Basilika wegen einem riskanten Zustand dem Kult geschlossen, erst 1927 finden die Restaurierungsarbeiten an, bei dem die barocke Struktur enfernt und der gothische Aspekt wieder hergestellt wurde. Der barocke Stil wurde hingegen an der Gegenfassade belassen.
  • Die Basilika enthält rechts vom Eingang ein Monument zur Erinnerung an den Wissenschaftler, Philosoph und Kommödienschreiber Giambattista della Porta.
  • Giovanni Boccaccio trifft in der Basilika von San Lorenzo auf seine “Fiammetta”, die in verschiedenen Texten von ihm auftaucht.


Das rechte Kirchenschiff

Die erste und zweite Kappelle

Die ersten beiden Kappellen wurden bei den Restaurierungsarbeiten vereint und waren dem heiligen Josef und dem Heiligen Bonaventura gewidmet. Die Trennwand wurde entfernt um die Einrichtung des Grabmahls des Ludovico Aldomorisco, Admiral und Berater von König Ladislao von Duraz, von Antonio Baboccio da Piperno von 1421 zu ermöglichen. Das Grabmahl gilt als letztes Werk des bekannten gothischen Künstlers aus Mittelitalien. Das Baldachin-Grabmahl wird von vier Karyatiden gestützt, die die vier Brüder im Kriegsgewand des Verstorbenen darstellen. Auf den seitlichen Reliefs wird der Tod des Verstorbenen und die Präsentation des Verstorbenen durch die Jungfrau Maria an den Ewigen Vater dargestellt. Antonio Baboccio da Piperno hat auf der Basis des Grabmahls seine Unterschrift und sein Alter (70 Jahre) hinterlassen. Neben den erhaltenen weiteren Grabmahlen wurden aus den beiden Kappellen einige Bilder entnommen, die heute im Museo dell’Opera der Basilika von San Lorenzo Maggiore zu besichtigen sind.

Das gothische Grabmahl des Aldomorisco von Baboccio da Piperno von 1421
Die dritte Kappelle

Die dritte Kappelle ist dem Rosenkreuz gewidmet und wurde von der Familie Cacace-de Caro einrichten lassen. Diese Kappelle hat ihre aufwendige barocke Struktur mit einer grossen Anzahl verschiedener Marmorsorten unter dem bedeutenden Architekten der Zeit Cosimo Fanzago ab 1642 nach Auftrag des Verwalters der Reichskanzlei Giovanni Camillo Cacace bekommen, während die Skulpturen der Familie seiner Mutter Vittoria (Mutter und Onkel) sowie des Auftraggebers das Werk des Andrea Bolgi, ein Schüler des Bernini, von 1653 sind. Die Kappelle hat ihren Namen wegen des Bildes von Luca Giordano der Madonna des Rosenkranzes, das heute in der Bildergallerie von Capodimonte von Neapel ausgestellt wird. Das Bild wurde durch eine weitere Madonna des Rosenkranzes von Massimo Stanzione ersetzt. Der Altar wird von 15 Bildern auf Kupfer mit den Geschichten des Christus und der Jungfrau von zwei Kolloboratoren des Massimo Stanzione gekrönt. Die Freskendekoration der Kappelle stammt von Niccolò de Simone aus dem 17. Jahrhundert.

Der Barock des Cosimo Fanzago
Die vierte Kappelle

Die vierte Kappelle der Basilika von San Lorenzo Maggiore ist dem Heiligen Rocco gewidmet und beeindruckt mit einer ursprünglich bemalten und goldenen grossen Renaissance-Ädikula aus Terracotta von einem lombardischen oder emilianischen Künstler aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Für diese Kappelle wurde mit dem Heiligen Hieronymus in seinem Studio und dem Heiligen Franziskus übergibt seine Regel an die Mönche und die Klarissen zwei der berühmtesten Bilder der Renaissance von Neapel, die von Alfons I von Aragon an Colantonio in Auftrag gegeben wurden und heute in der Bildergallerie von Capodimonte zu besichtigen sind. Die Figuren der franziskanischen Mönche auf den kleinen Pfeilern sind leider nicht erhalten geblieben, während unter der Ädikula noch einige Reste der gothischen Dekoration der Kappelle mit der Darstellung der Weihnachtsgeschichte zu erkennen sind. Die Grabmähler der Familie Rocco sind vom Florentiner Romolo Balsimelli während die Freskendekoration aus dem 17. Jahrhundert von Niccolò de Simone stammt.

Die Renaissance Ädikula eines lombardischen oder emilianischen Artisten
Die fünfte Kappelle

Diese Kappelle ist dem Kruzifix gewidmet, das heute im Museo dell’Opera del Basilika con San Lorenzo Maggiore ausgestellt ist. Die Kappelle gehörte seit 1620 der Manso Familie und beinhaltet auch das Grabmahl der Giovanna Regolana und des Antonio Manso aus der aragonesischen Zeit. Antonio Manso galt als Freund des Federico von Aragon, war Mitgründer der Accademia degli Oziosi, ein Freudn des John Milton und wurde von Torquato Tasso in seiner Ode an die Freundschaft zitiert. Die Wandfresken mit der Bestattung und der Kreuzabnahme Jesu stammen von Onofrio oder Andrea de Lione.

Die Kanzel

Zwischen der achten Kappelle und dem Durchgang zum Kreuzgang befindet sich die Kanzel aus dem 16. Jahrhundert über einem Altar. Auf den Seiten der Kanzel sind die Wappen der Familie des Auftraggebers und auf der Vorderseite ein Relief mit der Darstellung der Heiligen Katherina von Alexandria vor dem Tyrann Maximinus dargestellt.

Das Relief der Kanzel im Detail
Die rechte Seite des Transepts

Das Transept der Kirche besticht durch Dekorelemente aus den verschiedenen Epochen der Basilika von San Lorenzo Maggiore. Auf der rechten Seite sind einige Reste der Wandfresken der Mariengeschichte (Einge Jesu Geburt und der Tod der Jungfrau Maria) von Montano d’Arezzo ca. aus dem Jahr 1300 zu erkennen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Hochrelief, Teil des ursprünglichen Altars, des neapolitanischen Renaissance-Künstler Giovanni da Nola von 1530 mit der Darstellung der Madonna, dem Jesuskind und Engeln ausgestellt. Unter dem Fussboden sind unter einer Glasplatte die Mosaikreste aus Glas-, Terracotta- und Steinteilchen im byzanthinisch-orientalischen Stil des Diaconicons der frühchristlichen Kirche zu sehen. Weitere Funde dieses Mosaikbodens sind ausserdem im Museo dell’Opera der Basilika von San Lorenzo Maggiore ausgestellt.

Reste der Mosaike des Diaconicons der byzanthinischen Kirche
Das Presbiterium

Die Anfänge der Struktur stammen von den französischen Baumeistern, die von Karl I. nach Neapel berufen wurden. Im Bereich des Presbiteriums steht der Altar von Giovanni da Nola von 1530 mit den Skulpturen der Heiligen Lorenz, Antonius und Franziskus. Auf den unteren Marmorplatten sind das Martyrium des Heiligen Lorenz, das Wunder des Heiligen Antonius der zu den Fischen spricht und das Wunder des Heiligen Franziskus der mit dem Wolf spricht abgebildet. Eine Besonderheit dieser Platten ist, das diese Szenen in Neapel mit antiken Darstellung der Porta Capuana, der San Giovanni a Carbonara Kirche, der Kartause von San Martino, dem Castel Nuovo, dem Castel Sant’Elmo, der Porta Nolana und dem Hafen abgebildet wurden. Der Ambo aus dem 14. Jahrhundert zeigt die Figuren der Apostel auf einem musiven Grund.

Das Presbiterium der Basilika von San Lorenzo Maggiore

Die Absis

Die Absis mit sieben Biforien, zwei Triforien und einer Fensterrose aus dem 13. Jahrhundert ist das Werk eines französischen Baumeisters. Der Innenbereich besteht aus zehn Pfeilern in verschiedenen Stilen, die durch eine Brüstung verbunden werden und von einem Chorumgang mit Kreuzbögen umkreist werden. Im Chorumgang öffnen sich die neun Kappellen der Abisi, von der die zentralen 7 eine polygonale und nur die erste und die letzte Kappelle eine quadratische Struktur haben.

Das Grabmahl der Katherina von Österreich

Der Sarkophag wird von 4 Medaillons mit den Heiligen Franziskus, Antonius und Klara auf einer Seite und Jesus Christus, der Madonna und dem heiligen Johannes auf der anderen Seite dekoriert, während auf der Kopf- und Fussseite der Ewige Vater und der Heilige Lorenz abgebildet sind. Neben der liegenden Skulptur der Katherina von Österreich stehen ausserdem die Heiligen Katharina von Alexandria, Elisabeth von Ungarn, Paulus und Ludwig von Anjou (Onkel der Verstorbenen). Unter dem Baldachin des Grabmahls wurde ein Mosaik mit einem von Katherina und Engeln verehrten Jesus Christus eingesetzt, auf der Aussenseite ist ein Heiliger Franziskus der die Stigmata erhält zu beobachten. Zwischen dem ersten Säulenbereich von rechts befindet das das monumentale Grabmahl der Katherina von Österreich, das erste Werk in Neapel des toskanischen Künstlers Tino da Camaino, erste Ehefrau des Herzogs Karl von Kalabrien und Schwägerin des Königs Robert von Anjou. Das Grabmahl wurde mit bunten Teilen dekoriert und besteht aus einem Tabernakel mit vier windenden Säulen, die auf einen Greif angreifenden Löwen, einer Anthilope, einem Schaaf und einem Widder stützen. Die Skulpturen der Karitas (die zwei hilfsbedürftige Kinder aufnmmt) und der Hoffnung fungieren als Karyatiden für das Grabmahl der Katherina von Österreich.

Das Grabmahl der Katherina von Oesterreich des Tino da Camaino (um 1330)
Der Chorgang der Absis

Die erste Kappelle des Chorgangs ist der Maria Magdalena gewidmet und beinhaltet Wandfresken mit den Geschichten der Maria Magdalena von einem heute leider nicht bekannten Künstler. Das Grabmahl des Justizberaters Aniello Arcamone ist ein Werk des Antonino de Marco von 1513. Von dieser Kappelle führt ein Zugang in die Sakrestei aus dem 16. Jahrhundert der Basilika von San Lorenzo Maggiore. Die sechste Kappelle der Heiligen Petrus und Paulus gehörte der Familie Barrile, auf dessen Familiengrabmählern auf Medaillons die Heiligen Johannes, Katherina von Alexandria, ein Heiliger Bischof und der Heilige Franziskus von Assisi abgebildet sind. In dieser Kappelle sind noch die gothischen Fresken von einem Mitarbeiter des Giotto (der 5 Jahre in Neapel verbrachte) mit einem Malzyklus aus den Jahren 1333/1334 über die Geschichten der Jungfrau Maria zu erkennen. An der Decke sind von selbien Künstler zehn runde Fresken mit Heiligen angebracht worden.

Reste des gothischen Malerei im Giotto-Stil
Die linke Seite des Transepts

Die linke Seite weist bedeutende Grabmähler der gothischen Zeit auf. Unter Margherita von Duraz wurden die Grabmähler des in Antwerpren erwürgten Vaters Karl von Duraz von 1348, der Tochter Maria und der Schwester Giovanna von 1399 in Auftrag gegeben.
Von hier aus öffnet sich unter einem Rundbogen die barocke grosse Kappelle des Heiligen Antonius des Architekten Cosimo Fanzago von 1638. Die Marmorverkleidung dieser Kappelle wurde ursprünglich für die Kartause von San Martino aufgekauft und nach einem Streit mit den Kartausern hier recycelt. Auf dem Altar der Kappelle ist der Heilige Antonius mit Engeln auf goldenem Hintergrund auf einem spätgothischen Bild von Leonardo di Besozzo von 1348 zu sehen. Einige Experten sind der Meinung, das in dieser Kappelle ursprünglich das berühmte von König von Anjou an Simone Martini 1317 in Auftrag gegebene Altarbild des Heiligen Ludwig von Toulouse krönt seinen Bruder Robert von Anjou gehängen habe. Das Bild ist heute eines der Hauptwerke der Bildergallerie von Capodimonte und gilt als eines der bedeutendsten Werke des Simone Martini. Die Bilder der Madonna mit Kind und Heilige Franziskanerinnen und das Der Heiligen Franziskus verehrt das Kruzufix stammen von Mattia Preti aus dem Jahr 1660. Auf dem Fussboden vor der Kappelle ist eine weitere Glasscheibe im Fussboden angebracht, die einen Blick auf die Mosaikdekoration der Prothesis (der Raum für die sakralen Objekte) der frühchristlichen Basilika des 6. Jahrhunderts ermöglichen.

Die weite Sant’Antonio Kappelle des Fanzago im Presbiterium


Das linke Kirchenschiff

Die achte Kappelle

Vom Presbiterium aus kommend befindet sich auf der rechten Seite in die Pisanelli Kappelle mit dem Grabmahl des Vito Pisanelli, Sekretär und Berater des Königs Federico von Aragon, vom florentinischen Architekten Romolo Balsimelli aus dem Jahr 1528. und des Giovan Maria Puderico, Bischof von Tarent, des lombardischen Künstler Giovan Tommaso Malvito zwei Beispiele der reifen Renaissance-Kunst.

Die vierte und dritte Kappelle

Die vierte Kappelle ist den Heiligen Drei Königen gewidmet und beinhaltet die ursprünglich für die Gesù Vecchio Kirche angefertigte Anbetung der Könige aus dem Morgenland des Marco Pino (1551-1568). In der dritten Kappelle der Pignone Familie hängt die gothische Tafel des Angiolillo Artuccio der 1220 in Marokko ermordete fünf franziskanische Protomärtyrer.

Die fünf franziskanische Protomärtyrer, Bild des Artuccio
Die zweite und erste Kappelle

Die zweite Kappelle der Basilika von San Lorenzo Maggiore gehörte der Familie Bonaiuti und enthält das Bild der Unbefleckten Madonna vom Caravaggisten Paolo Finoglia sowie eine reiche barocke Marmorausstattung des Giorgio Marmorano. Diese Kappelle ist weiter als die anderen, da sie das Ergebnis einer damaligen Fusion von zwei Kappellen ist. Die erste Kappelle ist dem Schutzengel gewidmet und gehörte der Familie Carmignano. Auch hier hat sich die barocke Einrichtung erhalten können: auf dem Altar zeigt ein Bild des Francesco de Mura den Schutzengel, während die Grabmähler der Familie ab dem 14. bis ins 18. Jahrhundert reichen und das Grabmahl des Rainaldo Carmignano wahrscheinlich ein Werk des neapolitanischen Renaissance Künstlers Giovanni da Nola ist.

Die Bonaiuti Kappelle mit dem Bild im Naturalismus des Paolo Finoglia

Informationen

  • Öffnungszeiten Baslika von San Lorenzo Maggiore: Jeden Tag von 9:30 -17:30
  • Eintrittspreise: Gratis

Erleben Sie mit mir oder einem meiner qualifizierten Kollegen die Stadt Neapel bei einer Führung. Gerne können Museen, Kirchen oder andere Besonderheiten individiduell ins Programm eingefügt werden.

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Das Museo dell’Opera des Santa Chiara Komplexes in Neapel

Das Museo dell’Opera im Santa Chiara Komplex von Neapel ist in einen archäologischen Bereich spätrömischer Thermen sowie ein Ausstellungsbereich aufgeteilt. In diesem Artikel konzentriere ich mich auf die drei Bereiche des Ausstellungsbereiches, der nach dem Zugang zur archäologischen Abteilung mit der Sala della Storia im zweiten Raum beginnt. Das Museum ist mit der Basilika und dem Maiolica Kreuzgang Teil der franziskanischen Zittadelle der Altstadt von Neapel.

Ein Foto der barocken Gegenfassade vor der Bombardierung im zweiten Weltkrieg

Die Sala della Storia

Der erste Raum im Museo dell’Opera von Santa Chiara trägt diesen Namen da auf den Seitenwänden die Geschichte des Konvents mit einigen Bildern und Beschreibungen nachzulesen ist. Am Eingangsbereich sind mit dem König Robert von Anjou und der Königin Sancha von Mallorca die beiden Gründer der franziskanischen Zittadelle als Prozessionsbüsten aus dem 19. Jahrhundert ausgestellt. Das Konventsrad stand in einem Seitenraum des Haupteingangs und war die einzige Möglichkeit bis zur Entfernung im Jahr 1960 der Nonnen mit der Aussenwelt zu kommunizieren.

Robert „der Weise“ von Anjou als Prozessionsbüste
Das Pergola Ziborium

In der Mitte des Raums ist ein Gipsabdruck einer Säule aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, die ursprünglich dem Ziborium der Kirche aus dem 14. Jahrhundert angehörte und der Santa Maria del Monte Kirche in Apulien nachempfunden war. In der gothischen Zeit stand in der Kirche einer Art Pergola-Ziborium, das im 16. Jahrhundert entfernt und dessen Säulen für ein Altar-Ziborium wiederverwendet wurden. Vom ursprünglichen gothischen Pergola-Ziborium sind noch wenige Reste des Akazienblattkapitells, Adler und Frauenköpfe erhalten geblieben.

Der Gipsabdruck der gothischen Säule
Die Dekoration des Maiolica Kreuzgang

Wichtig um ein Gesamteindruck des Kreuzgangs zu bekommen sind auch die erhaltenen Reste des Maiolica Kreuzgangs mit den Vasen und den Resten der Brunnendekoration. Die Holzskulpturen wie die beiden Kerzenhaltenden Engel und der Erzengel Michel aus dem 17. Jahrhundert stammen hingegen vom Geländer der Heiligen Treppe aus der heutigen franziskanischen Bibliothek).

Erhaltene Dekorationen aus dem Maiolica Kreuzgang

Die Sala dei Marmi

Der dritte Raum des ;useo dell’Opera trägt den Namen Sala dei Marmi (Marmorsaal) und befindet sich in einem ehemaligen Arbeitsraum der Nonnen. Hier sind die erhaltenen Adelswappen, Statuen und Marmordekorationen der Seitenkappellen der Basilika von Santa Chiara zu betrachten. Ausserdem sind hier die Reste des gothischen Altars aus dem 14. Jahrhundert von den Bertini-Brüder und einem neapolitanischen Künstler ausgestellt. Der Altar bestand aus einer Tafel, die auf kleinen Spitzbögen mit Skulpturen der Heiligen Apostel und Propheten stützte. Von den Skulpturen konnten sich leider nur 4 erhalten.

Eine barocke Urne mit Marmorintarsien ist ebenfalls im Museo del’Opera zu sehen
Die gothische Marmorkanzel

Die vorhandenen Reste der gothischen Marmorkanzel sind das Werk eines neapolitanischen Künstlers und befand sich ursprünglich auf dem Pfeiler der letzten Kappelle des linken Kirchenschiffs und hatte eine fünfeckige Form, bei der die Säulen auf fünf Löwen basierten. Erst bei der barocken Erneuerung wurde die Kanzel zur achten Kappelle versetzt und mit einer viereckigen Struktur versehen. Von der alten Kanzel sind hier noch zwei Kapitelle, einige Löwen, Fragmente von drei verschiedenen Basreliefs und das während der barocken Erneuerung entfernte Basrelief anzuschauen. Auf ihr ist das Martirium der Heiligen Faustina dargestellt, die vor den Augen ihres Ehemanns, dem Imperator Maxentius, zuerst gequält und schliesslich geköpft wird.

Erhaltene Reste der gothischen Kanzel der Basilica von Santa Chiara
Reste des Grabmahls von König Robert

Die Reste des Grabmahls von Robert dem Weisen die nicht wieder angebracht werden konnten, sowie ein interessantes gothisches Basrelief einer Kreuzigung vom toskanischen Bildhauer und Architekt Tino da Camaino aus dem 14. Jahrhundert runden den Eindruck über die ursprüngliche Dekoration der gothischen Kirche weiter ab.

Die Kreuzigung des Tino da Camaino
Die Basreliefs der Bertini Brüder

Doch die bedeutendsten Reste sind sicherlich die Fragmente von 10 der 11 Tafeln des Basreliefs von Pacio und Giovanni Bertini von 1345 zum Leben und Martirium der Heiligen Katherina von Alexandria. Unter jeder Tafel ist eine Beschreibung in franko-gallischen Buchstaben zu lesen. Wo das von der Familie Marnella in Auftrag gegebene Basrelief in der Basilika von Santa Chiara angebracht war ist bis heute unsicher: es könnte über dem Haupteingang in der Gegenfassade oder auch vom Chor im Presbiterium stammen, bevor dieser zum Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts in das Eingangsvestibül der Kirche verlegt wurde.

Fragmente und Abbildung des Basreliefs von Pacio und Giovanni Bertini
Das Marmorgeländer der Terrassen

Neben einigen schönen Fertigungen aus Marmorintarsien sind in diesem Raum auch die Geländer der Terrassen des Maiolica Kreuzgangs der Nonnen zu sehen, die noch nicht den Portikus des Klosters verwenden durften. An dem Geländer waren entweder die Adelswappen der Familie der Nonne oder andernfalls Basreliefs mit religiösen Themen angebracht.

Ein Marmorgeländer der Terrasse des Kreuzgangs

Die Sala dei Reliquiari

Die Sala der Reliquiari befindet sich auf der oberen Etage und stellt die von den Nonnen vor dem Brand geretetten Reliquarien und einige liturgische Gewänder aus. Unter den Holzskulpturen sind unter anderem ein Ecce Homo von dem lokalen Renaissance-Künstler Giovanni da Nola von 1520, ein Leidender Heiliger Johannes von Giovanni Bertini aus dem 14. Jahrhundert und ein Heiliger Antonius von Padova aus dem 16. Jahrhundert zu betrachten. Ausserdem wird hier ein Klarissenzimmer der Chor-Klarissen mit der Verbindungstreppe zwischen ihrer Kammer und der oberen Etage nachgestellt.

Die Reliquarien im oberen Stock des Museo dell’Opera

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Der Maiolica Kreuzgang des Klosters von Santa Chiara in Neapel

Der Klarissenkreuzgang oder sogenannte Maiolica Kreuzgang des Klosters von Santa Chiara in Neapel ist wegen seiner berühmten und aufwendigen Fliesen(Maiolica)-Dekoration eine absolute Besonderheit innerhalb der Altstadt. Der Maiolica Kreuzgang wurde anders als die Basilika von Santa Chiara bei den Bombardierungen im zweiten Weltkrieg zum Glück nur teilweise beschädigt und konnte die gothische Struktur und die barocke Dekoration erhalten. Der Maiolica Kreuzgang ist mit dieser zusätzlichen Benennung bekannt um ihn auch von der beiden kleineren Kreuzgängen der franziskanischen Zittadelle zu unterscheiden. Die Dekorationen haben interessanterweise einen starken weltlichen Charakter und geben dem Ambiente das Gefühl eine fröhliche Ruheoase innerhalb der Altstadt von Neapel zu sein. Heute ist von diesem Komplex neben dem Kreuzgang auch die Basilika von Santa Chiara, das Museo dell’Opera und die archäologischen Ausgrabungen aus der Antike unter der Kirche zu besichtigen.

Die gothische Struktur mit barocken Fresken und Pipernbänken

Die Struktur und Dekoration des Kreuzgangs

Die Struktur des Kreuzgangs ist rechteckig (82,3 mal 78,3 Meter) mit einem Portikus und zwei Hauptwegen, die sich kreuzen und den Kreuzgang in 4 Bereiche aufteilt. Zwei von ihnen wurden zum Anbau von Pflanzen als Nutzgarten und zwei weitere in italienische Gärten mit Büschen und Brunnen als Kunstgärten angerichtet. Die gothische Struktur besteht aus 66 Spitzbögen, die auf 72 kleinen oktagonalen Pfeilern stützen. Der Portikus des Kreuzgangs wird von einem Kreuzgewölbe bedeckt, wobei sowohl die Wände als auch die Decke des Portikus dabei mit Fresken dekoriert sind. Die Dekoration des Maiolica Kreuzgangs wurde unter Domenico Antonio Vaccaro in den Jahren von 1739 bis 1742 nach Auftrag der Äbtissin Ippolita di Carmignano Dank den finanziellen Mitteln des Konvents und einer Hilfe der Königin Maria Amalia von Sachsen (Ehefrau von Karl III.) umgesetzt.

Die Mitte des Maiolica Kreuzgangs und Aufteilung in 4 Bereiche

Die Freskendekoration

Die Freskendekoration des Maiolica Kreuzgangs ist in drei Bereiche aufgeteilt. Der untere Bereich besteht durchgehend aus Sitzbänken aus Piperngestein und einer Dekoration aus Schneckenformen und Kartuschenwerk. Der mittlere Bereich unterteilt sich in grosse Ausschnitte, die dem Ausmass des Säulenjochs gleichen. Im südlichen Bereich des Kreuzgangs mit den gothischen Einzelfenstern sind die Fresken in zwei statt einer Geschichte aufgeteilt. Die Freskendekoration der heute leider nicht bekannten Künstler stammen aus dem 14. (Madonna mit Kind zwischen den Heiligen Jakob und Andreas) bis ins 17. Jahrhundert (Die Figuren der Heiligen, Tugenden und Geschichten des Alten und Neuen Testaments). Auf der Höhe des Klarissenfriedhofs wurde hingegen ein Fresko mit der Illustration des Todes einer Nonne umgesetzt. Ein Teil des nördlichen Bereichs , der zur Basilika von Santa Chiara angrenzt, wurde leider bei der Bombardierungen von 1943 zerstört und ist daher heute karg. In der Deckendekoration und im oberen Bereich der jeweiligen Wände wurden Lünetten eingesetzt, die wiederum von Schneckenformen und Kartuschenwerk umrahmt werden.

Die Tugend der Gerechtigkeit und der Heilige Onofrio auf einem barocken Fresko

Die Terrassen

Über dem Portikus sind die Terrassen des Kreuzgangs zu erkennen, die zu den 4 Schlafhallen der Nonnen gehörten und zum Ende des 16. Jahrhunderts in 117 Zellen auf zwei Reihen mit einem zentralen Flur umgewandelt wurden. Über dem Schlafbereich konnten die Nonnen von einer weiteren Terrasse den Blick auf den Golf von Neapel geniessen. Die Terrassen wurden vonBrüstungen mit kleinen Säulen und Tafeln mit religiösen Themen und den Adelswappen einiger Nonnenfamilien abgegrenzt. Einige der erhaltenen Brüstungen sind heute noch im Museo dell’opera zu besichtigen.

Oberhalb des Portikus befinden sich die Terraasen mit Blick in den Garten

Die Dekoration des Gartens

In dem als Zitrusgarten verwendeten Bereich des Gartens werden die Wege von kleinen mit weissem Stuck besetzten und eine Pergola stützenden oktagonalen Pfeilern begrenzt. Ursprünglich waren die Pfeiler mit 142 schönen Maiolicavasen besetzt, die auf imitiertem weissem Marmor bunt dekoriert waren. Zum Glück sind zwei Vasen sind erhalten geblieben und im Museo dell’Opera zu sehen um sich en Bild der ursprünglichen Dekoration machen zu können. Die Pfeiler und Sitzbänke des Kreuzgangs sind mit den sogenannten Riggiole, also bunter neapolitanische Maiolica mit Motiven, von der bedeutendsten Werkstätte der Stadt der Brüder Donato und Giuseppe Masse verkleidet. Der Begriff Riggiola stammt wahrscheinlich aus dem lateinischen rubeola (rötlich, wie die Farbe der Terracotta) oder aus dem spanischen rajola (Fliese). Tatsächlich wurde die arabische Keramikkunst um 1450 unter König Alfons von Aragon nach Neapel gebracht. Bei den neapolitanischen Riggiole ist dabei typisch das sie manuell mit mineralischen Farben (typisch für Amalfi und Sorrent) auf einem Hintergrung in den in Neapel traditionellen Farben Gelb (Eisenokzid), Grün (Kupferokzid) oder Blau (Kobaltokzid) gefertigt werden. Die Fliesen der Pfeiler vom Maiolica Kreuzgang wurden mit Reben und Girlanden aus Früchten, Blumen und Blättern dekoriert. Die Fliesendekorationen zeigen Themen wie Marine-Landschaften, mythologische Szenen, Jagdszenen, Tänze, Feste und Allegorien der vier Elemente. Nur ein einziges Motiv zeigt eine Darstellung aus dem Klosterleben mit einer Nonne, die die Katzen des Kreuzgangs füttert. Die Nonnen waren somit, trotz ihrer Wahl nicht am frenetischen Leben der Stadt Neapel teilzuhaben und ihrer Klausur, in einer Art mondänem Kontext integriert.

Die gut erhaltene Maiolica Dekoration der Massa Werkstätte

Die Brunnen und die ehemalige Werkstätte

Die beiden Brunnen im Maiolica Kreuzgang basieren auf Becken aus der römischen Antike. Einer der Brunnen wurden durch Fliesen mit gemometrischen Motiven und der andere mit einer Marine-Landschaft dekoriert. An den Brunnen sind auch vier gothische Steinlöwen aus dem 14. Jahrhundert zu erkennen, auf denen ursprünglich vier Karyatiden basiert waren. Ein weiterer aus Stuck errichteter Brunnen mit einem Steintympanon war im a rocaille Stil mit Muscheln, Bimsstein und grünen Glasstücken besetzt. In der Mitte dieses interessanten Brunnens standen Pfeiler mit Pinakeln in grüner Maiolica und zwei emaillierten Delfinen. Ein Teil der Dekoration dieses Brunnens ist glücklicherweise im Museo dell’Opera ausgestellt. Auf der südlichen Seite des Kreuzgangs wurde innerhalb des Gartens einer Befestigungsanlage ähnelndes Gebäude für die Dienstleistungen des Klosters (Waschräume, Werkstätten, eine Wasserzisterne, ein Stall etc.) errichtet. Das Gebäude wurde in der Nachkriegszeit demoliert, daher sind nur noch zwei Steinbecken und einige Pfeiler zwischen dem Portikus und dem Garten zu erkennen.

Der Brunnen mit den 4 gothischen Löwen innerhalb des Maiolica Kreuzgangs

Die franziskanische Bibliothek

Auf der nördlichen Seite vom Maiolica Kreuzgang von Santa Chiara befindet sich die franziskanische Bibliothek der Provinz von Neapel. Die Räumlichkeiten der Bibliothek waren ursprünglich der Klarissenfriedhof und vielleicht das Kapitelhaus mit der sogenanten Heiligen Treppe des Ordens. Hier werden etwa 50000 Bände zur franziskanischen Geschichte und Kultur sowie 40 Kodexe aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufbewahrt. Leider konnten nur wenige Bücher aus dem Konventsarchiv den Brand aus dem Jahr 1943 überstehen. Zwischen den Bücherregalen erkennt man eine Kreuzigung des Gennaro Pierro aus dem 18. Jahrhundert und ein von der Wand gelöstes Fresko mit Heiligen und Devoten aus dem 14, Jahrhundert.

Die franziskanische Bibliothek mit dem Fresko der Kreuzigung

Die Krippe

Vor dem Ausgangsbereich wurde eine besonders schöne neapolitanische Krippe eingerichtet. Die besonders grosse Krippe aus der neapolitanischen Tradition zeigt eine klassische römische Tempellandschaft, in der ein Teil der neapolitanischen Bevölkerungsschicht des 18. Jahrhunderts eingesetzt wurde.

Die aufwendige neapolitanische Krippe am Ausgang

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