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Gastronomie in Kampanien

Die Sardellen Alici di Menaica aus dem Cilento

Der Fang der Sardellen Alici di Menaica ist eine antike Fischfangstechnik des Mittelmeerraums, die nur noch in wenigen Orten überlebt hat und in Pisciotta im Cilento im Süden der Region Kampaniens vorzufinden ist.

Eine traditionelle und erhaltungsfördernde Fischfangsmethode

Die Sardellen Alici di Menaica werden an ruhigen Seetagen ab März bis August gefischt. Dabei fahren die gerade mal 7 bis 8 lokalen Fischerboote gegen sieben Uhr abends aufs Meer um ihre besonderen Fischernetze auszuwerfen: Das Netz, lokal Menaica genannt, fängt nur die großen Sardellen, während sich die kleinen Exemplare befreien können. Im Vergleich zu anderen Fischfangsmethoden dürfen die Netze bei dieser Technik auch niemals von Bord geworfen werden. Das hilft auch dem Schutz der Sardellen und sie gilt somit als erhaltungsfördernde Fischfangsmethode. Durch ihr nervöses Zappeln verlieren die Sardellen in nur kurzer Zeit einen Großteil ihres Bluts. Das Netz wird noch von Hand wieder an Bord gezogen und jede einzelne Sardelle aus dem Netz befreit, um sie dann direkt von ihrem Kopf und ihren Innereien zu befreien. Die Sardellen Alici di Menaica werden, eine absolute Besonderheit, ohne Eis oder jeglichen anderen Kühlmethoden in Holzkisten gelegt und an Land sofort verarbeitet. Zunächst werden sie in Salzwasser gewaschen und dann zwischen Salzschichten in Terracottavasen eingelegt. Nun fängt der mindestens drei Monate lang andauernde Reifungsprozeß in den kühlen Hafen-Lagerräumen “Magazzeni” an, um schließlich an die Liebhaber dieses Produkts verkauft werden zu können.

Eine Sardelle und die Menaica, das lokale Fischernetz
Das Präsidium

Die große Teil des Fangs wird direkt am Hafen von Pisciotta verkauft, die hier früh morgens ihre frische Ware anbieten und bereits um 8 Uhr morgens nach Hause gehen. Man könnte von einem kaum bekannten kleinen Hafenmarkt mit einem ausgezeichneten Produkt sprechen. Die wenigen Fischer von Pisciotta legen die Sardellen Alici di Menaica in Salz ein und nur zwei haben dabei eine normgerechte Produktionsstätte, mit der Hoffnung das die anderen bald nachziehen und diese Form des Fischens von einem Hobby in eine professionellere Arbeit umzuwandeln. Es ist somit verhältnismäßig schwer dieses besondere Produkt erwerben zu können. Das Präsidium der Alici di Menaica wurde gegründet, um diesen Fischern einen würdevollen Verdienst zu gewährleisten und zugleich eine wichtige Tradition, einen kleinen lokalen Wirtschaftszweig und ein besonderes gastronomisches Produkt auf Dauer schützen zu können. In den letzten Jahren ist das Interesse an dem Produkt und dieser Tradition ständig gestiegen und einige Fischer bieten nun auch Fischfangsturismus an, bei dem man die Fischer bei der Arbeit zuschauen kann und mit ihnen einen frisch zubereiteten Sardellensalat teilen darf. Das Präsidium de Sardellen Alici di Menaica wurde im Jahr 2001 das erste Slow Food Präsidium der Region Kampanien.

Sardellen alla scapece, in essig mariniert
Der Geschmack und die Verwendung in der Küche

Die Fischer müssen bei dieser Fischfangsmethode selbst innerhalb der Nacht an Bord sein und die Sardellen sofort säubern, um sie von ihrem Blut zu befreien und zu vermeiden, das sich Bakterien bilden können. Die Sardellen Alici di Menaica haben dadurch auch einen ganz besonderen Geschmack, da sie praktisch keine Säure haben und fast süßlich schmecken. Außerdem haben sie einen delikaten geruch, sind größer als normale Sardellen, haben eine silberne Haut und ein weisses ins rosa tendierende Fleisch. Auch die in Salz eingelegten Sardellen Alici di Menaica zeichnen sich durch ihr besonders helles ins Rosa tendierende Fleisch und ihren delikaten Duft aus. Die Sardellen Alici di Menaica können frisch, in Salz eingelegt, roh oder gekocht gegessen werden. Die meisten Rezepte weisen auf eine einfache Fischertradition hin, wie zum Beispiel in Zitrone, Petersilie, Knoblauch und Olivenöl mariniert, roh als Sardellensalat oder als Pastasauce in der Pfanne mit etwas Öl, Knoblauch, Tomaten und Chili angebraten. Etwas komplexer aber trotzdem mit wenigen Zutaten verbunden sind die lokalen Rezepte Alici inchiappate (geöffnet und mit Ziegenkäse, Ei, Knoblauch und Petersilie gefüllt mit Mehl frittiert oder in Tomatensauce gekocht), die alici ammollicate (zertrennte Sardellen, die mit Brot, Knoblauch, Öl und Petersilie kondiert werden) und der Cauraro, eine Suppe, die mit Kartoffeln, Saubohnenblättern, Sardellen und Wildfenchel zubereitet wird.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien

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Die Colatura di Alici aus Cetara

Die Colatura di Alici aus dem Fischerdorf Cetara ist eine bernsteinfarbige Flüssigkeit, die als Würze nach der antiken Technik als lokale Fischertradition von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Cetara ist ein antikes Fischerdorf an der Amalfiküste in der Provinz vonSalerno, das bis heute seine Wirtschaft überwiegend auf den Fischfang und das Handwerk konzentriert.

Die Geschichte

In Cetara wird mit der Colatura di Alici als Erbe des antiken Garums oder Liquamens weiterhin eine kulinarische Tradition fortgeführt, wie sie uns von Plinius und Horaz als cremige Fischsoße beschrieben wurde: um sie zu erhalten wurden auf verschiedenen Schichten kleine ganze Fische wie Sardellen und Stücke von größeren Fischen, vielleicht Thunfische und Makrelen, zusammen mit Gewürzen aufgeweicht und mit grobem Salz überschüttet. In Cetara wurde die Colatura di Alici über Jahrhunderte von den Fischersfamilien hergestellt und nur zu Hause verwendet. Erst seit den 90er Jahren wird sie auch in den Restaurants von Cetara angeboten und seit wenigen Jahren ist die Colatura auch bei den renommierstesten Köchen Italiens und Japans ein Begriff.

Der Herstellungsprozess

Die Verarbeitungsmethode beginnt mit den in Salz eingelegten Sardellen, aus denen die Colatura hergestellt wird: von den ab dem Frühling bis Mitte Juli frisch gefangenen Sardellen werden der Kopf und die Innereien enfernt und schließlich in einen Behälter gelegt, um dort 24 Stunden lang unter einer großen Menge groben Salz zu lagern. Nach dieser ersten Salzung werden sie in ein kleines Eichen- oder Kastanienfass (auch Terzigno genannt) mit der typischen wechselnden Kopf-Schwanz-Position und Salz schichtweise übereinander gestapelt. Sobald das Fass gefüllt ist, wird es mit einem unter Gewichten liegenden Holzdeckel geschlossen. Durch den Druckeffekt und die Reifung des Fisches setzt sich auf der Oberfläche eine von den Sardellen stammende Flüssigkeit ab. Diese Flüssigkeit ist die Basis der Colatura di Alici und wird im Laufe der langsamen Absetzung gesammelt und in große Glasflaschen gefüllt, die vier bis fünf Monate lang der Sonne ausgesetzt wird und durch die Verdampfung des Wassers zu einem Konzentrat wird. Zwischen Ende Oktober und Anfang November ist somit alles für die letzte Phase bereit. Die gesammelte Flüssigkeit wird erneut in das Fass des Reifungsprozesses gegossen um zwischen den verschiedenen Schichten der Sardellen die verschiedenen Geschmacksintensitäten aufzunehmen. Die Flüssigkeit wird ab Anfang Dezember durch ein mit einem Leinenstoff bedachtes Loch im Fass beim ausgiessen gefiltert und in kleine Glasfläschen gefüllt. Die Colatura di Alici sollte eine klare und intensive dunkle bernstein- oder moganbraunfarbige Konsistenz und einen entschiedenen und vollen Geschmack haben. Um einen Liter Colatura di Alici herzustellen werden etwa 30-40 Kilos Sardellen benötigt.

Das traditionelle Rezept mit Aglio, Olio, Peperoncino, Colatura und Petersilie
Die Verwendung in der Küche

In Cetara wird die Colatura di Alici besonders gerne zu (ungesalzenen) Spaghetti oder Linguine, dem lokalen Winterkohl, Bruschetta und anderen Gemüsesorten gegessen. Die Colatura ist heute bei vielen Leuten vom Fischersatz für arme Leute, so wie in der Antike mit dem Garum, zu einer exklusiven und beliebten Würze aufgestiegen. Es reichen wenige Tropfen (etwa 5 gramm für 100 gramm Pasta) um die Pasta zu würzen, ideal wäre eine hochwertige Pasta aus Gragnano. Ein klassisches Rezept ist die Verbindung von ungesalzenen Spaghetti mit in Olivenōl angebratenem Knoblauch und Peperoncino und der rohen Zugabe von einer Mischung aus Olivenöl mit Colatura di Alici und Petersilie. Wer den Traditionen der Amalfiküste treu bleiben möchte, sollte zum Abschluss noch ein Gläschen Limoncello aus den gesunden Zitronen der Amalfiküste zu sich nehmen.

Eine gesunde Meereswürze

Die Colatura di Alici ist ein starkes Antioxidationsmittel und hilft gesunde Fette zu binden. Sie ist reich an Chlor, Sodium, Khalium und beinhaltet Calcium und Eisen. Als Würze hilft sie dem Magen indem sie den Verdauungsprozess erleichtert und den Ph-Wert ausgleicht. Als Meeresprodukt hilft die Colatura di alici Personen mit Hals- und Rachenschmerzen und verstärkt das Immunsystem.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien