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Neapel und Kampanien in der Literatur

Roger Peyrefitte besichtigt den Cippus Abellanus

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, den cippus abellanus zu besichtigen, eine archäologische Besonderheit. Es handelt sich um einen Stein aus dem antiken Abella, dessen Inschrift das Hauptzeugnis der Sprache der Osker ist. Ein Nachfolger des heiligen Paulinus hatte ihn dem kleinen Priesterseminar von Nola vermacht. Es liegt mir fern, als Experte der oskischen Sprache und der Geschichte ihres Volkes gelten zu wollen. Mir ist davon nichts bekannt außer der Vermutung einiger, daß auf das Oskische das Wort “obszön” zurückzuführen sei.

Der Pförtner wunderte sich, als ich ihm meinen Wunsch vortrug, den cippus abellanus zu sehen. Er hatte nie davon gehört, und ich fürchtete schon, daß meine Reise umsonst gewesen sei. Ich versicherte ihm, daß sich dieser Stein meinem Führer zufolge in der Bibliothek befinden mußte. Er verstand noch weniger: “Ein Stein in der Bibliothek? Es gibt nur einen im Physiklabor.” Ein unerwarteter Ort für eine ehrwürdige Inschrift: Doch ich wollte mein Glück versuchen und bat ihn, mich hinzuführen.

Unentschlossen blieb ich auf der Schwelle stehen: Schüler in Kutten oder kurzen Hosen, um eine große Druckmaschine geschart, lauschten den Ausführungen eines Abbès. Der Physiker entpuppte sich als Archäologe: Er erklärte mir den cippus, wie er zuvor die Druckmaschine erklärt hatte. Es lag ihm viel daran, mir zu beweisen, daß als einzige unter all den Wissenschaftlern zwei Geistliche aus dem kleinen Priesterseminar die siebenundsechzig Zeilen des Textes richtig entziffert hatten. Er wies auf das Wort ERAKLEIS hin, dessen wahre Bedeutung sie erkannt hätten. “Mommsen”, meinte er, “irrte sich gewaltig. Er glaubte, damit sei Herkules gemeint, statt dessen handelt es sich um Herkulaneum!”… Lange vor dem legendären Ausbruch, dem Herkulaneum zum Opfer fiel, hatte diese Stadt schon unter der Tyrannei des Vesuv zu leiden gehabt, wobei ihre flüchtenden Bewohner in Abella und Nola ein Obdach fanden. Im Gedenken an dieses Ereignis wurde die Inschrift eingraviert. Sie proklamiert die Gleichheit der Rechte für die Flüchtlinge und Bürger in den beiden Städten.

Roger Peyrefitte, 1952
Der cippus abellanus und die Reste der oskischen Sprache

Roger Peyrefitte (geb. 1907 in Castres, gest. 2000 in Paris) war ein französischer Schriftsteller und Diplomat. Bis heute gilt die Theorie des Mommsen, wobei der Cippus abellanus die territorialen Rechte des Herkules-Tempels zwischen den antiken Gemeinden von Nola und Avella begrenzt. Durch die schwierige Entzifferung der lokalen antiken Sprache der Osker, der Cippo ist dabei zusammen mit der Tafel von Agnone wohl der wichtigste archäologische Fund, ist eine sichere Aussage bisher nicht möglich gewesen. Theodor Mommsen war der wichtigste Klassizist des 19. Jahrhunderts, allerdings hatte auch er kein Bezug zur oskischen Sprache und so wurde seine Theorie bis heute beibehalten. Die interessante These des Geistlichen wäre eine mögliche Alternative, denn vor dem Ausbruch hatte der Vesuv mehrere intensive Erdbeben, wie das katastrophale etwa 16 Jahre vor dem von Plinius beschriebenen großen Ausbruch von 79 n. Chr., das ebenfalls viele Tote und Flüchtlinge zur Folge hatte. Der Cippus Abellanus wird heute etwa auf das Jahr 110 v. Chr. datiert und befindet sich weiterhin im Bischofsseminar von Avella, zwischen Neapel und Avellino. Avella ist wie in der Antike noch heute für eine herausragende Haselnußproduktion bekannt.

Avella heute, nette Ortschaft am gruenen Partenio-Gebirge an der Grenze der Provinzen von Neapel und Avellino

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.

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Gastronomie in Kampanien

Die Zitrone der Amalfiküste

Die Zitrone der Amalfiküste Sfusato Amalfitana, die unter dem Namen “Limone Costa d’Amalfi IGP” auf europäischer Ebene geschützt ist, beinhaltet in ihrem Namen zwei wichtige Hinweise. Sfusato könnte man mit maßgeschneidert oder schlank übersetzen, dank der länglichen und besonders markanten Form der Zitrone, während der zweite Begriff auf die Herkunft der Frucht hinweist: die Amalfiküste.

Form, Geschmack und Größe

Die Zitrone der Amalfiküste ist ein sehr renomiertes und hochwertiges Produkt. Die Schale ist mitteldick, die gelbe Farbe ist auffallend hell und das Aroma und der Duft sind dank der vielen ätherischen Öle und Terpenen besonders intensiv. Studien der Universität Federico II in Neapel haben erwiesen, daß diese Zitronensorte eine der reichsten an der Ascorbinsäure Vitamin C sei. Das Fruchtfleisch ist saftig und mittelmäßig sauer, leicht süßlich und hat eine geringe Anzahl Kerne. Dabei ist die Zitrone der Amalfiküste mit mindestens 100 Gramm pro Frucht überdurchschnittlich groß.

Die Amalfiküste: Zitronengärten, Häuser und wilde Vegetation am steilen Hang
Der Zitronenanbau an der Amalfiküste

Der typische Terrassenanbau der Zitrone entlang der Amalfiküste und der sorrentiner Halbinsel, wobei die ursprünglichen Strohhalme mittlerweile durch praktischere moderne Netze ersetzt wurden, prägt sowohl die besonderen Charakteristiken der amalfitanischen Zitronen als auch das landschaftliche Bild der gesamten Amalfiküste mit ihren prächtigen Zitronengärten, die sogar auf den steilsten Hängen der liebevoll genannten “costiera divina” reifen. Vielleicht haben auch die Zitronen einen kleinen Teil dazu beigetragen, das die Amalfiküste seit 1997 als Unesco-Weltkulturerbe geschützt wird. Die Ernte erfolgt dank des Polymorphimsmus der Zitronenpflanze mehrmals im Jahr, jedoch ist die Frühlings- und Sommerernte ab März bis inklusive Juli wohl die hochwertigste. Die Zitronenbäume werden bis zu 80 Jahre alt und das milde Klima der Amalfiküste hilft die Ernte zu steigern, die im Normalfall von 200 bis 600 Früchte pro Baum im Jahr erreichen kann.

Das Anbaugebiet der Sfusato amalfitano. Bild und Copyright von dem Konsortium limonecostadamalfiigp.com
Die Verwendung in der Küche der Zitrone

An der Amalfiküste ist die Zitrone Bestandteil der lokalen Küche und wird auch gerne mal roh mit Dressing als Salat serviert. Zu Meeresfruchtsalaten, Fisch, vielen lokalen Pastagerichten aber auch auf Fleisch wird die Zitrone in Scheiben, gepresst oder in Hälften geschnitten verwendet. Die besten lokalen Küchenchefs haben die amalfitanische Zitrone teilweise zu einer ihrer Hauptattraktionen gemacht. Nicht zu vergessen ist auch die große Verwendung besonders in der lokalen Süßwarenproduktion, wie der mittlerweile berühmten Delizia al Limone, die Babà mit Limoncello, den Torten, Profitterols, Schokoladenspezialitäten, Eiscreme oder auch als Zusatz zu frischen Getränken oder einer Zitronengranita. In manchen Bars wird sogar der Espresso mit Zitrone angeboten, wobei sich dieser Kontrast bisher nicht wirklich durchsetzen konnte. Die amalfitanischen Zitronen werden wie die Zitronen aus Sorrent natürlich auch für den lokalen Zitronenlikör Limoncello verwendet: dabei ist er allerdings nicht ganz so leicht aufzufinden wie die sorrentiner Zitronenvariante, die Unterschiede der Zitronensorte wirken sich allerdings auch leicht beim Limoncello aus und es ist interessant beide Varianten einmal auszuprobieren.

Eine sehr gesunde Frucht

Bereits die medizinische Hochschule von Salerno schrieb im Mittelalter die Verwendung der Zitrone der Amalfiküste als Kur oder Vorbeugung gegen bestimmte Krankheiten vor, deren Nutzen auch heute noch in der Medizin nachgewiesen sind. Im 11. Jahrhundert gab es im Zeitalter der Seerepublik von Amalfi eine Anordnung, daß die heimischen Schiffe immer eine Ladung Zitronen an Bord haben mussten. Der Effekt der Zitrone hilft zum Beispiel gegen Schnupfen, Rheuma, Magen- und Darmbeschwerden, Stress, Senilität, wirkt desinfizierend und verstärkt das Immunsystem, ist energisierend und hemmt den Magenkrebs. Seit dem 15. Jahrhundert gibt es auch aus dem Ausland, speziell aus dem Norden Europas, eine Nachfrage nach den amalfitanischen Zitronen um die Skorbut-Krankheit durch die Zufuhr von Vitamin C zu bekämpfen. Seit dem 19. Jahrhundert und der sicheren Erkenntnis des positiven Effekte dieser Frucht wird die amalfitanische Zitrone in großen Mengen ausgeliefert.

Das Erkennungslogo der Original amalfitanischen Zitrone
Die IGP Auszeichnung und die Gründung des Konsortiums

Die Auszeichnung zum IGP-Produkt auf europäischer Ebene im Jahre 2001 hat sicherlich dazu beigetragen, die Zitrone der Amalfiküste aufzuwerten und besser vermarkten zu koennen. Ein großer Vorteil dieser qualitativ hochwertigen Frucht ist die verhältnismäßig späte Reifung und der besten Ernte noch während des Sommers. Die Zitrone der Amalfiküste ist auf nationaler und internationaler Ebene mittlerweile sehr begehrt und ihre Qualität weitläufig anerkannt. Im Jahr 2002 wurde auch ein Konsortium mit Sitz in Maiori an der Amalfiküste gegründet, um die Zitrone weiterhin zu schützen und weitere Informationen oder auch Rezepte einholen zu können.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien

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Neapel und Kampanien in der Literatur

Goethes Bootsfahrt nach Pozzuoli

Eine Wasserfahrt bis Pozzuoli, leichte Landfahrten, heitere Spaziergänge durch die wundersamste Gegend von der Welt. Unterm reinsten Himmel der unsicherste Boden…

Der herrlichste Sonnenuntergang, ein himmlischer Abend erquickten mich auf meiner Rückkehr; doch konnte ich empfinden, wie sinneverwirrend ein ungeheurer Gegensatz sich erweise. Das schreckliche zum Schönen, das Schöne zum Schrecklichen, beides hebt einander auf und bringt eine gleichgültige Empfindung hervor. Gewiss wäre der Neapolitaner ein anderer Mensch, wenn er sich nicht zwischen Gott und Satan eingeklemmt fühlte.

Johann Wolfgang von Goethe, Neapel, 1787

Goethe in Italien, Tischbein

Goethe war einer der größten Schriftsteller und Dichter der Geschichte Deutschlands und ist auch international anerkannt. Goethe reist im Alter von 37 Jahren im Jahr 1786 über etwa 2 Jahre bis 1788 das erste Mal nach Italien.

Der Golf von Neapel gilt für viele als eine der bekanntesten Landschaften die wir kennen und war besonders im 18. Jahrhundert ein Sehnsuchtsziel durch die damals mögliche Erreichbarkeit. Goethe hatte sicherlich das Glück, diese Landschaft bei seinem Ausflug nach Pozzuoli an einem besonders schönen Tag und faszinierenden Sonnenuntergang beobachten zu können. Bei klarer Luft und einem intensiven Abendlicht gibt natürlich auch der Golf von Neapel mit seinen vielen Farben und der faszinierenden Geologie sein schönstes Bild ab. Der Bezug zu Gott und Satan, oder dem “von Teufeln bewohntem Paradies”, ist ein öftermals vorgekommene Beschreibung der so schönen aber auch vulkanischen und feurigen Landschaft als auch zur etwas verrückten, chaotischen und lebendigen Stadt Neapel und ihren Einwohnern. Der berühmte neapolitanische Philosoph Benedetto Croce, aber auch viele Einwohner heute, legen allerdings auch viel Wert darauf diese romantische aber auch etwas dramatische Bild der Besucher zu verändern.

Das Zitat von Goethe über die Neapolitaner und Sankt Januarius, über die empfundene Ruhe in den lauten Strassen Neapels sowie weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region finden Sie in meinem Blog.

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Gastronomie in Kampanien

Der Nußlikör Nocillo aus Kampanien

Der Nußlikör Nocillo ist einer der ältesten Liköre der neapolitanischen Tradition und mit dem Limoncello wohl der beliebteste der Region. Dabei sollte nicht vergessen werden, daß Kampanien bis heute die Region Italiens mit der bedeutendsten Nußproduktion ist.

Die Nuß-Infusion

Es handelt sich um ein ursprünglich nur in den Familien hergestelltes Produkt, das heute auch im größeren Stil produziert wird, aber immer noch unter ausschließlicher Verwendung von Alkohol, Zucker und frischen Nüssen (mitsamt ihrer Schale), die Ende Juni um den Namenstag des Heiligen Johannes (dem 24. Juni) gesammelt werden. An jenem Tag befinden die lokalen Walnüsse sich nämlich in einer sogenannten “Balsam-Phase”, in der der Nußkern praktisch kein Wasser enthält und reich an ätherische Ölen ist. Dann sind die Nüsse nämlich noch grün und das Fruchtfleisch weich. Sie werden in vier Teile geteilt und in Alkohol eingelegt, dort bleiben sie in Infusion, und zwar im Dunkeln, bis September. Dann kann der Likör endlich gefiltert und fertiggestellt werden, indem man unter anderem Zimt, Muskatnuß und Gewürznelken zugibt.

Der Nußlikör Nocillo, besonders im Herbst und kalten Winter ein Wohlgenuss
Tradition und Bräuche

Es handelt sich um einen dunkelbraunen Likör mit einem ganz intensiven Duft nach Nüssen und einem Alkoholgrad von circa 40%, der seinen Geschmack im Laufe der Zeit durch den sich vollendenden Reifeprozeß noch verfeinert. Usprünglich ist der Nußlikör Nocillo wohl aus dem inneren Teilen Kampaniens wie dem Sannio oder Irpinien, seit einiger Zeit wird er aber auch im vesuvianischen Gebiet und der sorrentiner Halbinsel in kleinen Labors mit der lokalen Walnuß hergestellt. Man trinkt ihn auch der besseren Verdauung wegen. Manchmal wird er hier auch einfach “a merecina” die (Medizin) genannt, denn Dank der vielen ätherischen Öle der Nußfrucht und den hinzugefügten Gewürzen wird der Nucillo gerne gegen Fieber, Schnupfen oder einen schweren Magen verwendet. Bei Zahnschmerzen wird der Nocillo nach einem traditionellen Brauch tröpfchenweise auf das Zahnfleisch gespritzt.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien

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Neapel und Kampanien in der Literatur

Sartre und die Furcht über ein Mailand am Meer

Wir wollten die Post und ein Hotel suchen. Das Hotel befand sich einem Führer in der Via dei Fiorentini. Aber die Via dei Fiorentini und viele andere kleine Parallelstraßen sind verschwunden: Man hat Mauern eingerissen. An ihrer Stelle sind Baulücken und Bretterzäune übriggeblieben. Das ist der Anfang vom Ende des alten Neapel. Die Faschisten brauchen sicher nicht mehr als zwanzig Jahre, um es in eine quadratische Stadt zu verwandeln, mit Straßen, die sich rechtwinklig schneiden, und mit großen, gesunden, zehnstöckigen Gebäuden. Das hat alles für uns noch aufregender gemacht, denn es ist etwas, was nicht überleben kann. Wenn es noch lange bliebe, wie es ist, würden Cholera und Typhus die Zerstörung übernehmen. In Wirklichkeit wird Mussolini es aber noch viel schneller als die Cholera zerstören. So ist es von zwei Seiten bedroht: von der Epidemie und vom Faschismus. Wir sind sehr froh, es gesehen zu haben: Vielleicht wird bei unserer nächsten Reise fast nichts mehr davon übrig sein, vielleicht ist es dann ein Mailand am Meer…

Da kam eine alte Frau, die ein Kopftuch trug, zu uns und erklärte mir umständlich, sie bäte mich darum, auch für sie ein Telegramm abzufassen, weil sie weder lesen noch schreiben könne. Sie können sich vorstellen, wie das zusammenpaßte: das faschistische, moderne Neapel und diese analphabetische alte Frau in dem prächtigen Palazzo delle Poste.

Jean-Paul Sartre, 1936
Die futuristische Architektur des Palazzo delle Poste in Neapel aus dem Jahr 1936

Jean-Paul Sartre (Geb. Paris 1905, Gest. Paris 1980) war ein französischer Philosoph, Dramatiker, Romancier und Publizist und die bekannteste Figur des europäischen Existentialismus. In Kampanien verbringt Sartre etwas Zeit in Neapel, mit einer großen Vorliebe zu Capri. Der Text ist ein Ausschnitt aus einem Brief an seine Liebhaberin und Schülerin Olga Kosakiewicz aus dem Jahr 1936. Ein interessanter Text über die Stadterneuerung Neapels unter Mussolini in der faschistischen Zeit der 1930er Jahre, in der die Anlegestelle am Hafen der Stazione Marittima, die Messe von Neapel, eine Erweiterung der Stadt in Richtung Vomero und Fuorigrotta sowie eine Erneuerung einiger antiker Viertel, speziell das Gebiet von der heutigen Piazza Municipio bis zur Piazza Carità, voranschreitet. Der Brief von Sartre bezieht sich auf das letztere Gebiet, denn die Via dei Fiorentini befand sich unweit der heutigen Via Diaz im ex Viertel der florentiner Handelslogen und nah der ehemals berühmten Handschuhfertigungen unter der Via Toledo. Aus heutiger Sicht haben sich die damals berechtigten Befürchtungen von Sartre nicht bewahrheiten können, da nur wenige Jahre später der Krieg ausbrach und die starken Stadtmodernisierungen innerhalb Neapels unterbrochen wurden. Sartre unterstreicht den Kontrast der analphabetischen alten neapolitanischen Dame innerhalb des modernen Palazzo delle Poste an der heutigen Piazza Matteotti, ein passendes Bild zum Zeitgeist der 1930er Jahre in Italien. Wer heute durch Neapel läuft, ist weiterhin von der großen Anzahl der Gassen und erhaltenen Viertel überrascht, die Neapel zur größten von der Unesco geschützten Altstadt macht und bis heute die Stadt auf viele Besucher faszinierend und ursprünglich, aber auch chaotisch und eng wirken lässt. Ein weiterer Artikel über die Stadterneuerung Neapels zur Zeit Mussolinis und der Idee des Futurismus von Reim Cervone findet ihr ebenfalls in meinem Blog.

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.