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Die Geschichte Kampaniens und Neapels

Das frühe Mittelalter in Kampanien und die Langobarden

Das frühe Mittelalter in Kampanien ist von einer regionale Krise und dem Verfall des weströmischen Imperiums geprägt. Von einem wirtschaftlichen und demografischen Rückgang betroffen, verschlimmert sich mit den barbarischen Invasionen der Westgoten unter Alarich und den nordafrikanischen Vandalen, die im Jahre 456 Capua verwüsten. Schlimme Folgen hat auch der sich fast ausschließlich auf dem Territorium Kampaniens ausgetragene lange Krieg der Gothen mit den Byzantinern.

Die Byzanthinisch-langobardische Verbündung gegen die Goten

Das Inland Kampaniens und besonders die Gegend um Benevent werden von den Langobarden bevölkert, da sich die Byzanthiner zur Zeit der gotischen Kriegen mit ihnen verbünden. Der letzte König der Goten Teja fällt um 552 n. Chr. auf kampanischem Boden und die restliche Besatzung der Ostgoten versucht bei Conza im heutigen Irpinien letzten Widerstand zu leisten. Der byzanthinische General Narses wird von den Langobarden ausschlaggebend geholfen, um die Ostgoten endgültig zu besiegen. Auch aus Verteidigungsgründen ermöglicht Narses den Langobarden das Gebiet um Benevent zu besetzen: der Grundstein der Ansiedliedlung und der Geburt des Herzogtums von Benevent ist gelegt und Zotto wird um 568 n. Chr. erster Herzog von Benevent.

Langobardische Autonomie und Ausbreitung unter Zotto

Nach dem Sieg gegen die kaiserlichen byzanthinischen Truppen unter Baduar erreicht das Herzogtum der Langobarden unter Zotto in recht kurzer Zeit eine Autonomie von Byzanz. In nur 10 Jahren von 570-580 n. Chr. erobert Zotto das gesamte Inland Kampaniens, das die Byzanthiner durch weitgehend fehlende Verteidigungsmittel schwer verteidigen konnten. Das Herzogtum von Benevent erweitert den langobardischen Einfluß über weite Teile Süditaliens.

Kulturelle Trenung innerhalb der Region Kampanien

Die ehemalige römische Provinz Kampanien, die mittlerweile nur noch das Gebiet der Küste am Golf von Neapel beinhaltet, wird somit im Jahr 590 abgeschafft und durch die Herzogtümer von Neapel und Rom ersetzt. Weitere Stützpunkte werden von den Byzanthinern in Gaeta, Sorrent, Amalfi und Salerno gesichert. Nach Jahrhunderten der politischen Einheit innerhalb Kampaniens unter dem römischen Imperium entwickelt sich nun parallel eine italisch-griechische Kultur an der Küste und eine italisch-langobardische Kultur im Inland Kampaniens.

Die kulturelle Integration der Langobarden im Süden Italiens

Anders als in Norditalien erfolgt die Eroberung des Südens nicht durch eine Strategie oder einer Masseneinwanderung aus Pannonien. Es kommen vorüberwiegend Söldner und Krieger in den Süden, die durch Bandenbildung Raub und Überfälle tätigen, da sie ja ursprünglich von den Byzanthinern bezahlt wurden, um die gotische Plage zu beheben. Selbst Herzog Zotto könnte ursprünglich ein Bandenchef der langobardischen Söldner gewesen sein. Dadurch ist der langobardische kulturelle Einfluß zwar weniger intensiv als im Norden Italiens, andererseits ist die kulturelle Integration mit der in der großen Überzahl stehenden lokalen Bevölkerung wohl einfacher. Die Grabmähler der Longobardia Minor scheinen diese These zu bestätigen.

Die Herzogtümer von Benevent und Spoleto in Mittel- und Süditalien

Die von den Langobarden besetzten Gebiete in Mittel- und Süditalien werden mit dem Namen Langobardia Minor bezeichnet und beinhalten die Herzogtümer von Spoleto und Benevent. Während das norditalienische Langobardia Maior in verschiedene und wechselnde Herzogtümer und Gastale aufgeteilt wird, behält die Langobario Minor über den gesamten Zeitraum des langobardischen Reichs (568-774) in den beiden Herzogtümern von Spoleto und Benevent eine erhebliche istitutionelle Stabilität. Auch wenn sich die Herzogtümer von Spoleto und Benevent strukturell an das langobardische Reich von Pavia binden, wird in jenem Zeitraum eine weitreichende Autonomie gegenüber der Zentralregierung genossen (und von 574 bis 584 sogar eine komplette Unabhängigkeit).

Die Langobarden und Byzanz
Große Spannungen im 7. Jahrhundert mit Byzanz

Besonders zu Anfang ihrer Ausbreitung üben die Anfangs eher kriegerischen Langobarden enormen Druck auf die byzantinischen Küstenstädte aus. Zwar schaffen sie es nicht Neapel, Sorrent und Amalfi einzunehmen, doch fallen Capua, Nocera und im Jahre 630 sogar die erste Hafenstadt Salerno in ihre Hände. Selbst wenn man in Vergangenheit wohl den Einfluß der Langobarden meist als zu kritisch und negativ betrachtet hat, kann man heute kaum bestreiten das das sechste und das siebte Jahrhundert wohl zu den schwierigsten der Geschichte Kampaniens gehört.

Ein Herzog aus Benevent als König der Langobarden

Unter Grimoald wird im Jahre 662 sogar ein beneventanischer Herzog König der Langobarden, doch seine Herrschaft wird im Endeffekt eine erste starke Abhängigkeit Benevents gegenüber der zentralen Gewalt bedeuten. Unter Grimoald wird die Separation von Pavia und Benevent beibehalten und die beiden Throne an zwei seiner Söhne verteilt.

Die Konversion der Langobarden zum Christentum und das Aufblühen der benedektinischen Kultur

Erst gegen Ende des 7. Jahrhunderts entspannt sich der Druck zwischen den Byzanthinern und den Langobarden wohl Dank der Konversion der Langobarden zum Christentum durch den beneventanischen Bischhof Barbato. Die christliche Konversion bildet schließlich auch die Grundlage des Aufblühens des lokalen benediktinischen Mönchtums, des Wiederaufbaus des im Jahre 581 von Zotto, dem ersten langobardischen Herzog von Benevent, schlimm verwüsteten Klosters von Montecassino, als auch der Gründung der Abteien von San Vincenzo al Volturno im heutigen Molise und Santa Sofia in Benevent. Der kulturelle Einfluß der benedektinischen Mönche ist enorm: eindeutiges Zeichen hierfür ist die Erfindung der sogennanten Buchschrift Beneventana.

Die Abtei von San Vincenzo al Volturno
 
Die Rivalität zwischen der Londobardia minor und maior im 8. Jahrhundert

Nachdem das Herzogtum von Benevent den Byzanthinern im Laufe der vorherigen 150 Jahren große Gebiete entzogen hat und sich die Grenzen stabilisiert haben, entwickelt sich das das langobardische Reich Norditaliens und nicht mehr Byzanz zum neuen Hauptrivalen. König Liutprand versucht in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts mehrmals eigene Kandidaten auf die Throne von Benevent und Spoleto zu bringen. Sein Nachfolger Rachis erklärt die Herzogtümer von Benevent und Spoleto sogar als Fremdgebiete, die man ohne königliche Erlaubnis nicht mehr besuchen darf.

Der Einfluß der Franken in der langobardischen Kultur

Die langobardischen Herzogtümer Süditaliens (Longobardia minor) entwickeln sich im Laufe der Jahrzehnte immer unabhängiger von den Langobarden Norditaliens und der Hauptstadt Pavia, so daß Benevent unter Arich dem Zweiten im Jahre 774 zum Fürstentum aufsteigt. Das Herzogtum von Benevent bleibt somit selbst nach der Eroberung des langobardischen Reichs durch Karl dem Grossen im Jahr 774 noch in langobardischer Hand, auch wenn der Thron nun von Fürsten fränkischem Ursprungs besetzt wird.

Die Entwicklung der langobardischen Hafenstadt Salerno

Nachdem Arich II seinen Hof nach Salerno verlegt, entwickelt sich nun erstmals auch eine wichtige langobardische Hafenstadt mit einer veränderten Stadtstruktur, einer großen Burg und neuen Stadtmauer. Salerno wird die Langobarden zwar nicht zu einer Seemacht aufrichten, doch entsteht zumindest eine neue Rivalität zwischen ihr und der tradtionsbewussten und konservativeren Hauptstadt Benevent. Das langobardische Reich Süditaliens wird bei seiner weitesten Expansion fast ganz Kampanien, Molise, die Basilicata sowie Teile Apuliens und Kalabriens beinhalten. In Sizilien, Neapel, Gaeta und der amalfitanischen und sorrentinischen Halbinsel bleibt hingegen der byzanthinische Kultureinfluß erhalten.

Kultureller Wachstum und Geburt des Fürstentums von Salerno

Der einflussreichste Fürst von Benevent wird Sico I., Eroberer von Neapel, von wo er die Reliquien des heiligen Januarius rauben und nach Benevent bringen wird. Das 9. Jahrhundert wird trotz vieler Probleme kulturell das bedeutendste des Fürstentums von Benevent, in dem auch die beeindruckende Santa Sofia-Kirche noch unter Arich II errichtet wird. Zwar gibt es nach dem Königsmord an Sicard im Jahr 851 durch den Einfluß von Ludwig II dem Deutschen eine Trennung in zwei Fürstentümer: neben dem Fürstentum von Benevent wird das Fürstentum von Salerno geboren, das einen erheblichen Teil des zentralen und südlichen Gebiets des langobardischen Herzogtums von Benevent übernimmt und nun endgültig autonom wird. Dem neuen Fürstentum von Benevent hingegen bleibt ein erheblicher Teil Apuliens, die Region Molise und der Sannio erhalten.

Erhaltene Autonomie und Einfluss der beneventanischen Kirche

Interessanterweise bleibt nach dem Fall des langobardischen Reichs das Herzogtum von Benevent, später Fürstentum, faktisch das einzige langobardische Gebiet, das über fast 300 Jahre eine eigene Autonomie bewahren wird, trotz der Aufteilung einiger Gebiete im Jahr 851. Die kulturelle Autonomie der voherigen Jahrhunderte ist somit die Konsequenz der politisch-geographischen Situation jener Zeit. In der beneventanischen Kirche entwickelt sich als Gegenpol zum gregorianianischem Chor ein Gesang mit eigenem Stil und Rhythmus, der alsbeneventanischer Gesang bekannt wird. In diesem Kontext entwickelt sich auch die bereits erwähnte Schriftform “beneventana”, die für die Wiedergabe der lateinischen Sprache bestimmt ist und sich im langobardischen Süditalien stark verbreitet.

Die Schriftform „Beneventana“
Ansiedlung der Sarazener und Geburt des des dritten langobardischen Fürstentums Capua

Die Sarazenen entwickeln sich von ihrer Rolle als Söldner recht schnell zu einer autonomen Kraft und siedeln sich in Licosa (845), Agropoli (882) und am Garigliano (von 883 bis 915) an. Von hier aus planen sie regelmäßige Angriffe und machen große Teile Süditaliens unsicher. Die regional historisch wichtige Stadt Capua fällt in eine tiefe Krise und wird schließlich im Jahre 841 von einem Angriff der Sarazenen stark beschädigt. Erst im Jahre 856 wird Capua in einer neuen und sicheren Lage wieder neu aufgebaut (das antike Capua kennt man heute unter Santa Maria Capua Vetere) um sich im Laufe des zehnten und elften Jahrhunderts zu einem von Salerno und Benevent unabhängigen weiterem langobardischen Fürstentum zu entwickeln. Durch die andauernden Übergriffe der Sarazenen und die verschiedenen politischen Trennungsprozesse (wie im Falle von Salerno und Capua) beginnt im 9. Jahrhundert in Süditalien eine langsame Zergliederung der langobardischen Einheit, allerdings werden die drei Fürstentümer gemeinsam die kulturelle Identität der Langobarden in Kampanien noch bis zur endgültigen Übernahme der Normannen von Salerno im Jahr 1077 wahren.

Erscheinung der Normannen am Golf von Neapel

Um das Jahr 1000 erscheinen in Süditalien normanische Krieger, die je nach Bezahlung und Lohn von den Mächtigen als Söldner eingestellt werden um lokale Streitereien für sich zu entscheiden. Eine wichtige Persönlichkeit ist die Familie Hauteville unter Robert Guiskard, der die Fürstin von Salerno Sichelgaita heiraten wird. Im Jahre 1027 schenkt Herzog Sergius IV von Neapel dem Normannen Rainulf Drengot und seinen Söldnern die Grafschaft von Aversa, als Dank zu ihrer Unterstützung in einem der Kriege gegen das langobardische Fürstentum von Capua. In Aversa unweit von Neapel wird somit der erste normannische Vorposten Süditaliens geboren.

Übernahme von Benevent durch den Vatikan

Der Untergang des Fürstentums von Benevent wird im 11. Jahrhundert immer sichtbarer: im Jahr 1022 nimmt der Kaiser Heinrich II. die Hauptstadt Benevent ein, muss allerdings voreilig nach Deutschland zurückkehren. Durch den Einmarsch der Normannen kurze Zeit später ist das Ende des Fürstentums besiegelt. Robert Guiskard nimmt Benevent im Jahr 1053 ein und ordnet die ehemalige langobardische Hauptstadt dem Vatikan unter. Bis 1081 ernennt der Vatikan noch einige Fürsten, daraufhin wird das Fürstentum endgültig aufgelöst. Ab 1230 bis zur Vereinigung Italiens im Jahr 1860 wird Benevent dauerhaft vom Vatikanstaat regiert.

Italien im Jahr 1000
Das elfte Jahrhundert: goldenes Zeitalter von Salerno

Das Fürstentum von Salerno erhält über längere Zeit eine aktive Rolle. Guaimario IV, Fürst von Salerno von 1027 bis 1052, erweitert das Fürstentum weit über die bisherigen Grenzen: Amalfi, Sorrent, Gaeta und große Teile Apuliens und Kalabriens sind nun Teil des salernitanischen Reiches. Salerno träumt davon ganz Süditalien in seinem Fürstentum zu vereinigen und auf den hergestellten Münzen wird der Begriff Opulenta Salernum geprägt. Der Handel von Salerno erlebt im 10. und 11. Jahrhundert ein goldenes Zeitalter und auch die medizinische Hochschule von Salerno wird die berühmteste medizinische Einrichtung ganz Europas jener Zeit.

Ende des letzten langobardischen Fürstenturms von Kampanien

Doch auch Salerno muss sich mit den Normannen und Robert Guiskard messen. Die Stadt wird ab dem Jahr 1076 belagert, nach 8 Monaten eingenommen und im Jahr 1078 Hauptstadt des normanischen Reiches an Stelle der vorherigen Hauptstadt Melfi. Der letzte langobardische Fürst Gisulf II wird Salerno verlassen und nach Sarno (nach einer kurzen Flucht nach Rom) ins Exil geschickt. In diesen Jahren ersetzt die Namensgebung Terra Laboris (aus einem Dokument von 1092) nun den vorherigen Namen Campania, die auch unter den Normannen beibehalten wird.

Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens

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Neapel und Kampanien in der Literatur

Lambiase und Neapel als Wehrmachtslazarett

Schnell wird die Stadt für die Deutschen zum Kriegslazarett, auf halber Strecke zwischen Berlin und der afrikanischen Küste ideal gelegen, fernab der grossen europäischen Kriegsschauplätze. Abgesehen von ihrem Dreck ist sie aussergewöhnlich einladend, herzlich, ja geradezu dienstfertig. Bereits in den Jahren 1940-41 wimmelt es in der Stadt von deutschen Soldaten und Offizieren, es gibt eine Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Partei, eine Zelle der Hitlerjugend, eine italo-germanische Vereinigung, die im Bereich der Kulturpropaganda eine fieberhafte Aktivität entwickelt. Für Minister und Parteileiter des Reichs, die Italien besuchen, ist Neapel Pflichtetappe. Ihre Ausflüge nach Capri, Pompeji, Sorrent, usw. sind Teil einer touristischen Gepflogenheit, die mit Goethe ihren Anfang genommen hatte. So kommen alle in der stillschweigenden Absicht hierher, so lange wie möglich zu bleiben. Es wird heimlicher Wunsch zahlreicher deutscher Soldaten, zur Genesung, ja selbst zum Sterben nach Neapel zu kommen. Man errichtet eine Luftbrücke zwischen der kyrenäischen Front und der Stadt. Auf dem Flughafen finden die “Gäste” eine fahrbare Erste-Hilfe-Station vor. Wer Aussicht auf Gesundung hat, den lockt die Fata Morgana Capri oder Sorrent…In Capri werden die Kriegsversehrten äusserst zuvorkommend aufgenommen. Natürlich verleihen die Nazis dem Ereignis höchste Feierlichkeit, um den Rang zu unterstreichen, den sie der Insel nicht nur heute, sondern auch in Zukunft einzuräumen gedenken. Vor ihrer Rückkehr nach Deutschland besichtigen die Kriegskrüppel Pompeji. Auf Fotografien dieser Zeit zeigt sich die beinahe symbolische Beziehung, die die Deutschen zu ihrem Gastland haben. Keine Beziehung zu lebendigen, sondern eine zu “toten” Dingen: leere Strassen und herrliche archäologische Landschaften, auf denen die Augen des verstümmelten Offiziers auf der Tragbahre verweilen.

Sergio Lambiase, 1978

Die vier Tage von Neapel, Bild aus dem Film von Nanni Loy

Sergio Lambiase ist ein in Neapel lebender und arbeitender Schriftsteller, Journalist und Regisseur. Dieser Text ist ein Auszug aus seinem ersten bekannten Werk “L’odore della guerra” über die Jahre 1940 bis 1945 in der Stadt Neapel. Ab 1943 leidet Neapel stark an amerikanischen Bombardierungen und in den letzten 4 Tagen des Septembers des selben Jahres, den sogenannten 4 Tagen von Neapel, wird Neapel sich als erste Stadt Europas ohne Fremdhilfe von der Unterdrückung des Naziregimes befreien, obwohl Neapel zu der Zeit den Hauptstützpunkt der Wehrmacht darstellte. In dem ausgewählten Auszug von Sergio Lambiase wird unterstrichen das der Golf von Neapel wohl selbst für die Wehrmacht ein besonderes Ziel gewesen sei und wie der Aufenthalt von ihnen erlebt worden könnte.

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.

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Gastronomie in Kampanien

Die Kirschen Kampaniens

Lucullus und die Ausbreitung der Kirsche

Allen Anschein nach wurde der Kirschbaum (im neapolitanischen Dialekt “cerasa” genau wie im Lateinischen) in dieser Gegend von Lucius Lucullus eingeführt, der ihn im Jahr 74 vor Christus aus Ponto mitbrachte; von hier aus hat sich diese Obstsorte dann in ganz Europa ausgebreitet. Schon Plinius nannte einige charakteristische Biotypen und bezeichnete die kampanische Kirsche als die am meisten geschätzte und bedeutendste seiner Zeit. Seit dem 15. Jahrhundert lassen literarische Werke und Gemälde erahnen, wie weit verbreitet die Kirsche damals schon war.

Ciliegia della recca, typische Kirsche der Provinz Neapels

Die hartfleischige Ciliegia della Recca

Folgende Kirschensorten sind in Kampanien am weitesten verbreitet: zur Gruppe “Dure Nere” gehört die hartfleischige Herzkirschensorte “Ciliegia della Recca”, die ihre Bezeichnung von dem gleichnamigen Ort in der Nähe von Marano di Napoli erhält. Es handelt sich um eine mittelgroße, orange-rote Frucht mit einem weißen, leichtsäuerlichen, aber äußerst schmackhaften Fruchtfleisch, das sehr widerstandsfähig ist und deshalb sowohl gegessen als auch in verschiedenen Formen konserviert werden kann, zum Beispiel in Alkohol.

Es dient auch zur Zubereitung der typischen Obstkonserven, die in der Gegend hergestellt werden, um die Früchte auch im Winter zu geniessen, zum Beispiel als “ciliegie al forno”, wobei die gewaschenen und getrockneten Früchte bei mittlerer Temperatur in den Holzofen kommen und immer und immer wieder gewendet werden, bis sie ganz trocken sind. Nach dem Abkühlen werden sie dann in offenen Behältern aufbewahrt.

Das Kirschfest in Chiaiano

Jedes Jahr gegen Mitte Juni veranstaltet der Naturfreundebund von Chiaiano das traditionelle Kirschenfest, bei dem verschiedene Stände aufgebaut werden, an denen man auch die anderen typischen landwirtschaftlichen und gastronomischen Produkte der Gegend probieren kann.

Weitere Sorten Kampaniens

Zur Gruppe “Corvine” gehören die Sorten “Pagliaccio”, “Ferrovia” und “Malizia”. Die zuletzt genannte ist zwar nicht so weit verbreitet, deshalb aber nicht weniger hochwertig: sie hat eine große, dunkelrubinrote Frucht und ihr Fruchtfleisch ist rot, fest, saftig und aromatisch. Jedes Jahr im Monat Mai wird ihre Ernte durch ein Kirschlesefest, das von der örtlichen Slowfood-Abteilung organisiert wird, festlich begangen. Sie ist vorwiegend für den Frischmarkt bestimmt, wird aber auch von den Umwandlungsindustrien aufgrund ihrer intensiven Farbe sehr geschätzt.

Die beste Tafelkirsche der Region

Die Kirschensorte “ciliegia del monte”, die auch unter dem Namen “durona del monte” bekannt ist, stellt eine sehr ertragreiche aber spätreifende Sorte dar, die man zwischen Ende Mai und dem 20. Juni erntet. Sie wird als die beste kampanische Tafelkirsche betrachtet. Ihre Früchte sind groß, haben normalerweise auf der einen Seite eine gelb-rötlich, auf der anderen eine dunkelrote Farbe und einen angenehm säuerlichen Nachgeschmack.

Die Monsterkirsche der sorrentiner Halbinsel

Eine relativ unbekannte aber interessante Sorte ist die “Cerasa do mostr” aus dem an den Lattari-Bergen an der sorrentiner Halbinsel gelegenem Ort Pimonte kommenden Kirschen, die scherzhaft von den lokalen Bauern wegen ihrer überraschenden Größe Monsterkirschen getauft wurden. Diese spätreife dunkelrote Kirsche, die von Ende Juni bis Mitte Juli geerntet wird, hat ein festes und saftiges Fruchtfleisch und unterstreicht durch ihre Größe den süßen Geschmack der lokalen Kirschen.

Eine gesunde Frucht

Abgesehen vom für viele unwiderstehlichen Geschmack, ist die Kirsche auch eine sehr gesunde Frucht, die reich an Vitamin A und C, Kalium, Carbonsäuren, Calcium, Phosphor sowie Antioxidationsmittel wie Flavonoide und Anthocyane. Die neapolitanischen Kirschensorten sind von Mai bis Mitte Juli wegen ihrer besonderen Qualität eine der beliebtesten lokalen Fruchtsorten.

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Neapel und Kampanien in der Literatur

Goethe und das Blutwunder des Sankt Januarius

“Hier wissen die Menschen gar nichts voneinander, sie merken kaum, daß sie nebeneinander hin und her laufen; sie rennen den ganzen Tag in einem Paradiese hin und wider, ohne sich viel umzusehen, und wenn der benachbarte Höllenschlund zu toben anfängt, hilft man sich mit dem Blute des heiligen Januarius, wie sich die übrige Welt gegen Tod und Teufel auch wohl mit – Blute hilft oder helfen möchte.”

Johann Wolfgang von Goethe, Neapel, 1787

Sankt Januarius auf einem Bild mit den zwei Blutampullen

Goethe war einer der größten Schriftsteller und Dichter der Geschichte Deutschlands und ist auch international anerkannt. Goethe reist im Alter von 37 Jahren im Jahr 1786 über etwa 2 Jahre bis 1788 das erste Mal nach Italien. Die Epoche ist sehr glücklich für Neapel, die unter Karl III und Ferdinand IV einige interessante Reformen hervorgebracht und durch die wiedergefundenen antiken Stätten von Pompeji und Herkulaneum europaweit große Neugier erweckt hat. Neapel war damals nach Paris zweitgrößte Stadt Europas, der revolutionäre Geist der französischen Revolution war noch nicht ausgebrochen.

Dieser kurze Aufschnitt befaßt sich mit dem Blutwunder des neapolitanischen Schutzpatrons Sankt Januarius (San Gennaro): der Legende nach wurde die Lava des Vesuvs 1631 durch die Büste des heiligen Januarius aufgehalten und wurde erst circa 300 Jahre vorher Schutzpatron von Neapel, anstelle des römischen Dichters und Magiers Vergil. Goethe ist von den vielen Gegensätzen der Stadt überrascht und bezeichnet den Golf von Neapel oft als Paradies – mit höllischen Einflüssen. In Neapel war der Glaube das der Schutzpatron Hilfe gegen den Vesuv bringen könnte weit verbreitet und Goethe scheint es nicht zu überraschen, daß es hier durch das Blut des Sankt Januarius passieren soll.

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Gastronomie in Kampanien

Die Mortarella Haselnuß

Auf dem Gebiet um Palma Campania und dem Partenio-Gebirge entdeckt man eine außergewöhnliche Haselnußproduktion, die sich durch den Anbau der Mortarella Haselnuß kennzeichnet. Es handelt sich hierbei um eine Nußart, die sich sehr leicht an die niedrigen Temperaturen der Hügelklimen (bis zu 700 Metern über dem Meeresspiegel) anpasst und sich aus mittleren bis kleinen Früchten von länglicher Form zusammensetzt.

Nutzung und Geschmack

Man spricht hier von einer Nußart, die schon Mitte August reift und aufgrund ihres äußerst schmackhaften Kerns sowohl als Trockenfrucht für den weihnachtlichen Zeitvertreib, als auch geröstet für die Zubereitung von Süßspeisen, Eis und Nougatleckereien sehr beliebt ist. Sie besitzt einen sehr festen und aromatischen Kern und verliert selbst beim Rösten nicht ihre Außenhaut. Die Nuß hat eine elfenbeinweiße Farbe und geröstet schmeckt sie nach Brotrinde und Karamell.

Die Geschichte der Haselnuß in Kampanien

Es wird vermutet, daß diese Nüsse, die ursprünglich cupedia genannt wurden, schon zu römischer Zeit, als sie mit Honig verarbeitet wurden, einen wahrhaften Leckerbissen für die Neapolitaner darstellte. Einige Haselnußreste aus dem 6. Jahrhundert vor Christus wurden auch im Schlamm des Tempels der Göttin Mephitis in der Provinz von Avellino gefunden. Doch auch heute noch werden sie auf diese Art bei den Dorffeierlichkeiten angeboten und sind im Dialekt unter der Bezeichnung “cupeta” bekannt. Selbst in den Ausgrabungen von Herkulaneum wurden Wandfresken entdeckt, die diese Frucht abbilden, und einige verkohlte Nußreste, die aus verschiedenen archäologischen Ausgrabungen stammen, sind noch heute im Nationalmuseum von Neapel ausgestellt.

Die geschmackvolle Mortarella Haselnuß aus dem Inland von Neapel

Der Anbau und die Sorten

Im antiken Königreich Neapel war der Wal- und Haselnußhandel von so großer Bedeutung, daß in den Anfängen des 17. Jahrhunderts spezielle Ämter gegründet wurden, die sich der Qualitäts- und Quantitätskontrolle dieser Trockenfrucht widmeten. Selbst heute noch trägt Kampanien über ein Drittel der Haselnußproduktion Italiens bei und ist innerhalb des Landes das wichtigste Anbaugebiet wobei die Fläche des nationalen Anbaus sich in den letzten 60 Jahren mehr als verdoppelt hat. Dabei ist die Mortarella Haselnuß mit der Giffoni Haselnuß aus der Provinz von Salerno wegen ihrem Geschmack und der Verwenungsmöglichkeiten die beliebteste, weitere Sorten sind die Camponica-, die San Giovanni- und die Avellana-Haselnuß.

Besonderheiten

Die Haselnuß hat viele gesunde Fettsäuren, darunter auch Omega 3, und ist dabei reich an Vitaminen (E, B1, B6, B9 und B12) sowie Mineralsalzen wie Eisen, Kupfer, Calcium und Mangan. Da die Haselnuß viel Vitamin B12 enthält, ist sie besonders als Fleisch- und Fischersatz bei einem veganen oder vegetarianischen Lebensstil beliebt.

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