Kategorien
Neapel und Kampanien in der Literatur

Reim Cervone und der Futurismus im Rione Carità in Neapel

Galvanisieren – Vitalität des Regimes: Tag für Tag beobachten wir den schnellen Abbruch vom Rione Carità – großes, hexenküchenartiges, widerliches Puffviertel im Herzen Neapels, muffige Krämerläden – Mäuselöcher anstelle von Türen, Brutstätte menschlichen Abschaums und architektonischer Missbildungen. Morgen wird alles eingeebnet sein.

Aus der Zone könnte ein herrlicher Flughafen werden. Doch wir sind für ein modernes Viertel, das den Geist der futuristischen Stadt von Antonio Sant’Elia atmet: Luft, Licht, Zweckmässigkeit, das ist das höchste in der Architektur. Kein Abklatsch der modrigen, jahrhundertealten Barackenwirtschaft. Was jetzt steht, soll zum Hohn des Denkmalschutzes dem Erdboden gleichgemacht werden. Die Architekten, die mit der Planung des neuen Stadtteils beauftragt sind, werden ihre Bauten mit kühner Freiheit, im Geiste der Funktionalität und bar künstlerischer Dogmen errichten. Sie werden die Umgebung dem Menschen und nicht diesen der Umgebung anzupassen haben. Aus ihren Entwürfen sollen Straßen entstehen, die sich den Erfordernissen von modernen Fahrzeugen und Geschwindigkeit anpassen, die in der Zeit des Temporausches weder durch winklige Kurven noch enge Gassen gehemmt werden darf.

Die Piazza Matteotti mit einer Architektur der 30er Jahre, links die Via Armando Diaz und rechts die Piazza Carità

Denn, meine Herren Architekten, nicht die Futuristen von heute werden eure Richter sein, sondern die zukünftigen, erbarmungslosen, rasenden Generationen Italiens: Um ihren Beifall müßt ihr euch bemühen.

Reim Cervone, 1933

Reim Cervone hebt in diesem Text den Geist der Zeit unter Mussolini im Italien und Neapel der faschistischen Zeit hervor. Die Texte und Theorien, unter anderem das angesprochene Buch Futuristische Architektur von Antonio Sant’Elia aus dem Jahr 1914, werden ab den 20er Jahren und besonders den 30er Jahren umgesetzt und dabei historische Stadtteile komplett abgerissen.

Der Rione Carità auf einer Karte von 1880 mit dem Teatro dei Fiorentini

Wer heute die Toledo entlang spaziert kann auf der rechten Seite von der Piazza Trieste e Trento kommend, ab dem großen Gebäude des Banco di Napoli über die Via Armando Diaz zur Piazza Matteotti bis zur Piazza Carità, die Stadterneuerung der Stadt Neapel zur Zeit des Faschismus betrachten. Auf der Schiavoni-Karte aus dem Jahr 1880 kann man noch den vorhandenen Teil der Altstadt sehen, in dem die florentinische Handelsloge gelebt hatte und eigentlich die berühmte Renaissance-Kirche San Giuseppe dei Fiorentini gestanden hatte. Das Teatro dei Fiorentini, nach der Kirche benannt, wurde 1618 gegründet und war das älteste und eines der erfolgreichsten lyrischen Theater der Stadt. Die Kirche wurde bei der Stadterneuuerung der 30er Jahre des Rione Carità entfernt, während das Theater nach der Beschädigung durch Bombardierungen des zweiten Weltkriegs in einer zweiten Phase der Erneuerung durch Wohngebäude ersetzt wurde.

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.

Kategorien
Gastronomie in Kampanien

Der Lacryma Christi del Vesuvio Doc

Das Prädikat für kontrollierten Anbau des Weines Lacryma Christi del Vesuvio kann nur für diejenigen vesuvianischen Weine verwendet werden, die, wenn sie zum Verkauf angeboten werden, einen Gesamtalkoholgehalt von mindestens 12% vorweisen können. Der Lacryma Christi wird aus Trauben hergestellt, die an den südlich gelegenen charakteristischen Weinbergen am Fuß des Vulkans Vesuv in 15 Gemeinden angebaut werden. Einen bemerkenswerten Beitrag liefert das gemäßigte Klima, das von milden Wintern, warmen Sommern und den häufigen Regenfällen im Herbst bzw. im Winter geprägt ist.

Weinberge am Vesuv
Die Legenden und Geschichten um den Namen

Die Legenden, die zu seiner ungewöhnlichen Bezeichnung geführt haben, sind sehr verschieden. Die bekannteste wurde von De Musset übernommen und besagt, daß der aus dem Paradies vertriebene Luzifer ein Stück Paradies mit auf die Erde gebracht hat, um damit den Golf von Neapel zu formen, ohne sich um die Jesus dadurch zugefügten Schmerzen zu kümmern. Die Tränen Jesus sollen auf die vesuvianische Erde gefallen sein und diese heiligen Weinreben entstehen lassen haben. Eine andere wiederum besagt, daß Christus bei einem seiner Besuche auf der Erde auf den Vesuv einen erlösten Einsiedler getroffen und dabei ein Wunder vollbracht habe, indem er ein ungeniessbares Getränk in einen hervorragenden Wein verwandelte. Historische Quellen erzählen auch, daß die erste Anzapfung des roten Lacryma Christi – dessen Most entstand, ohne die Trauben zu pressen, sondern indem man darauf wartete, daß sein Eigengewicht die wertvolle Flüssigkeit zum “Weinen brachte” – jedes Jahr nach Rom geschickt werden mußte, als Ausdruck der Ergebenheit gegenüber Seiner Heiligkeit, dem Papst.

Antike Weintradition am Vesuv

Der Weinanbau auf dem Vesuv geht jedenfalls auf sehr antike Epochen zurück. Laut Aristoteles pflanzten die Thessaler, ein antikes Volk Großgriechenlands, die ersten Weinreben, als sie sich im 5. Jahrhundert v. Chr. in Kampanien ansiedelten. Auch viele lateinische Dichter, wie Sallust, Plinius und Martial, haben Zeugnisse dieser Pflanzungen hinterlassen, indem sie häufig beschrieben, wie sehr der Vulkan mit Wein bewachsen sei und daß sich zwischen den Weinreben Landhäuser befanden, die von den Bauern bewohnt waren, die sich dem Anbau von Weinreben und der Weinherstellung widmeten.

Bacchus im Rebengewand vor dem Vesuv
Lacryma Christi Rosso

Der Lacryma Christi Rosso ist gut lagerfähig und gekennzeichnet durch seine volle, rubinrote Farbe mit violetten Reflexen, ein duftbetontes und sanftes Bukett – in dem man den Duft von Veilchen, Lakritzen und Edelholzen ausmachen kann – und einen weichen, aber trockenen und harmonischen Geschmack. Er wird bei Zimmertemperaturen (ungefähr 18°C) und zu traditionellen Gerichten – auf fleischbasis und zu gereiften Käsesorten – der kampanischen Regionalküche serviert. Der Lacryma Christi Rosso besteht aus mindestens 50% Piedirosso und nicht mehr als 30% Sciascinoso und maximal 20% Aglianico-Reben.

Die Trauben des vesuvianischen Piedirosso
Lacryma Christi Rosato

Der Lacryma Christi Rosato wurde von Dalmasso als der beste Rosèwein Italiens bezeichnet. Er ist zinnorberrot und vereint, dank seinem sanften, nach Kirschen duftenden Bukett, die Vorzüge eines Weißweins mit denen eines Rotweins: der Wein kann zu allen Gerichten getrunken werden, passt aber ganz besonders gut zu Fischsuppen, weißem Fleisch, Milchprodukten und frischen Käsesorten. Die Zusammensetzung der Reben entspricht dem Lacryma Christi Rosso.

Die Verdeca Traube – oft Inhalt des Lacryma Christi Bianco
Lacryma Christi Bianco

Der Lacryma Christi Bianco, aus dem auch Likörwein hergestellt wird, hat eine helle, strohgelbe und lebhafte Farbe, ein leichtes, nach Wiesenblumen (manchmal auch Veilchen, Hollunder oder Lakritze) duftendes Bukett, einen trockenen, samtigen, einheitlichen Geschmack, und wird jung getrunken. Er wird mit ungefähr 10°C serviert und passt zu Vorspeisen aus Fisch, Suppen, und Fischhauptgerichten mit hellen Soßen. Er besteht aus mindestens 35% Coda di Volpe, nicht mehr als 45% Verdeca und maximal 20% zwischen Falanghina und Greco-Reben.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien

Kategorien
Neapel und Kampanien in der Literatur

Goethe und die Ruhe in den lauten Strassen Neapels

Zwischen einer so unzählbaren und rastlos bewegten Menge durchzugehen, ist gar merkwürdig und heilsam. Wie alles durcheinander strömt und doch jeder einzelne Weg und Ziel findet. In so großer Gesellschaft und Bewegung fühl‘ ich mich erst recht still und einsam; je mehr die Straßen toben, desto ruhiger werd‘ ich.

Johann Wolfgang von Goethe, Neapel, 1787

Goethe war einer der größten Schriftsteller und Dichter der Geschichte Deutschlands und ist auch international anerkannt. Goethe reist im Alter von 37 Jahren im Jahr 1786 über etwa 2 Jahre bis 1788 das erste Mal nach Italien.

Das Leben in den Quartieri Spagnoli bedeutet oft eine Mischung aus Autos, Händlern und Menschen auf engem Raum

Dieser recht kurze Ausschnitt aus der italienischen Reise weist auf Goehtes Gefühl über die Widersprüche der Stadt Neapel hin. In der lebendigen und chaotischen Masse kann man manchmal das Gefühl bekommen ein einsamer Beobachter oder zum Zuschauer eines spontanen Theaterstücks zu werden. Das mediterrane Italien, mit dem offenen und lauten Leben auf den Straßen und den Plätzen, öffnet sich Goethe besonders in der süditalienischen Metropole Neapel.

Das Zitat von Goethe über die Neapolitaner und Sankt Januarius sowie weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.

Kategorien
Gastronomie in Kampanien

Die Zitrone aus Sorrent IGP

Heute ist die Zitrone aus Sorrent die am häufigsten angebauten Frucht der sorrentiner Halbinsel. Ab dem 17. Jahrhundert verbreitete sich der lokal so typische Terrassenanbau der Zitrone aus Massa “Femminello massese”, die auch Zitrone aus Sorrent “Limone di Sorrento” genannt wurde, auf der gesamten Halbinsel und weisen andere Charakteristken als die Zitronen der Amalfiküste oder den Zitronen aus Procida auf. Nur Zitronen, die auf der Halbinsel von Sorrent sowie auf der Insel Capri angebaut werden, dürfen seit 2000 mit der von der EU kontrollierten Bezeichnung Limone di Sorrento IGP verkauft werden und nehmen somit eine besondere Position zwischen den Zitronen des Kontinents ein.

Schutzkonsortium der Zitrone aus Sorrent
Der Anbau

Heute,wie früher auch, handelt es sich beim Agrumenanbau um eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit und die Landwirte sind gezwungen, die Früchte ihrer Arbeit andauernd gegen den salzhaltigen Wind und die nicht immer günstige Witterung zu beschützen. Sie bauen daher eine Art Laube, die ihrerseits geschützt werden muß, und zwar von “lebenden” (Reihen von Oliven- oder Haselnußbäumen) oder “toten” Windschutzvorrichtungen (Streifen und Gerüste aus Kastanienholz); sie werden auch rechtwinkelig in der Richtung des stärksten Windes ausgerichtet und oft zusätzlich rund um den bebauten Boden aufgestellt. Die Laube selbst besteht aus einer tragenden Struktur, die die sogenannten “pagliarelle” stützen muß, wobei es sich um Matten aus Schilfrohr oder Netze handelt, die durch Kastanienstreifen zusammengehalten und auf die Laube gesetzt werden, damit sich eine Struktur bildet, die annähernd der Form von Hütten ähnelt. Diese Konstruktionen kennzeichnen das Landschaftsbild der sorrentiner Halbinsel ganz wesentlich.

Die Ernte

Die Pflanze wird unter diesen Schutzvorrichtungen aufgezogen und gestatten den Landwirten, die Reifung der Winterfrüchte bis zu einem gewissen Grad zu verzögern, damit das Produkt das ganze Jahr über angeboten werden kann, aber vor allem zwischen Mai und September, wenn die Nachfrage auf dem Markt am größten ist. Die Schutzvorrichtungen für die Agrumenpflanzungen verringern die von den Pflanzen aufgenommene Lichtmenge, wodurch das Wachstum verlangsamt wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dadurch aber auch die zwar langsamere, aber wirkungsvolle Bildung für das ausgeprägte und durchdringende Aroma verantwortlichen Substanzen begünstigt, die für die Zitrone aus Sorrent charakteristisch sind.

Eine Zitronenlandschaft

Der Zitronenanbau hat einen engen Bezug zum Ambiente der sorrentiner Halbinsel aufgebaut: neben der Verwendung der Frucht trägt er auch durch den Terrassenanbau zur Festigung der Böden und zur Verschönerung der Landschaft bei, die so auch dem Turismussektor zu Gute kommt. Die Zitrone aus Sorrent ist die am weitesten verbreitete in Kampanien und stellt etwa einen Anteil von 40% des gesamten regionalen Anbaus an Zitronen. Die Zitrone aus Sorrent wird in allen Gemeinden der sorrentiner Halbinsel, von Vico Equense bis Anacapri, angebaut und verwendet.

Limoncello der sorrentiner Halbinsel
Besonderheiten der Zitrone aus Sorrent

Sie haben außerdem eine besonders ovale Form, ihre Schale weist eine typische wachsgelbe Farbe auf, unterscheidet sich durch ihre Süße und Saftigkeit von anderen Sorten und ihr Saft wird hierzulande auch pur getrunken, ohne Zucker beizufügen. Die Größe der Zitrone aus Sorrent ist mittel-groß und darf nicht weniger als 85 Gramm wiegen. Die Frucht ist reich an Vitamin C (38g pro pro 100g) und Mineralsalzen (Calcium, Phosphor, Eisen, Natrium, Kalium, Kupfer, Mangan, Magnesium, Zink) und hat, anders als die Sfusato-Zitrone aus Amalfi, einen recht sauren Geschmack, während die Schale mitteldick und reich an ätherischen Ölen ist.

Die Verwendung

Dank dieser besonderen organoleptischen Eigentümlichkeiten wird die Zitrone aus Sorrent in der Küche für die verschiedensten Varianten verwendet: einfach roh in Schreiben geschnitten, frisch gepresst, für die Getränke- und Marmelladenherstellung, als ideale Ergänzung für Salate verwendet und ist ein sehr begehrter Rohstoff zur Herstellung von Eis, Süßwaren und typischen Likören wie dem Limoncello der sorrentiner Halbinsel. In den Restaurants der sorrentiner Halbinsel und der Insel Capri wird die Zitrone auch oft für innovative und besondere Kreationen verwendet, die vom Antipasto bis zum Dessert oder teilweise sogar zum Espresso gehen. Die lokale Zitrone ist mittlerweile ein Muss in Verbindung mit den hier weit verbreiteten Fischspeisen oder Meeresfrüchten, die sowohl von den Einheimischen und auch den Turisten stark angefragt werden. Ein recht großen Erfolg genießen auch die neuen Varianten von Zitronendesserts wie die “Delizia al limone”, der Babà mit Limoncello oder auch das Zitronensorbet.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien

Kategorien
Neapel und Kampanien in der Literatur

Enzensberger und die Camorra

An dem Tag, da dieses Urteil gesprochen wurde, fragte die italienische Nation noch einmal nach der Camorra, nach ihrem Wesen und Unwesen, nach ihren Geheimnissen und nach Verfahren, die geeignet wären, sie auszurotten. Der Prozeß von Neapel hatte sie nicht zur Strecke gebracht. Aber wären die Reporter der Linkspresse statt Anklagen zu erheben und Mutmaßungen anzustellen, aufs Land gefahren und hätten ein paar Tomatenbauern gefragt, hätten sie sich nicht im Labyrinth der ergebnislosen Verhöre und der unbeweisbaren Gerüchte verloren, hätten sie die neoveristische Kulisse des Vasto-Viertels und des Corso Novara verlassen und sich dem Zentrum von Neapel zugewandt, der Via Caracciolo, der Piazza San Ferdinando oder den neuen Wolkenkratzern bei der Via Roma, so wären sie auf einen bemerkenswerten Sachverhalt gestoßen. Die Analyse, die da so eifrig vorgenommen wurde, war in Wirklichkeit eine Autopsie. Sie galt einem Leichnam.

Die finstere, die gefährliche, geheimnisumwitterte und mächtige Neue Camorra war in den vier Jahren, die seit dem dramatischen Kugelwechsel von 1955 verstrichen waren, ohne Razzia und Haftbefehl, ohne Sensationsprozeß und Skandal, lautlos zu Boden gegangen. Kein entschlossener Polizeipräsident hatte sie zur Strecke gebracht. Zehn Jahre lang hatte die Neue Camorra in Neapel geblüht, ein Anachronismus, eine Verbindung skrupelloser, aber altmodischer Amateure. Ihre Stunde schlug, als der Fortschritt nach Neapel kam, und der Fortschritt kam mit den Figuren des großen Kapitals. Die Zeit der kleinen Halunken und Mörder, der Pasqualones und Espositos, die Zeit des Melodrams, der Omertà, der edlen und der schmierigen Guapos war vorbei.

Wendige Manager, Juristen und Steuerfachleute erschienen, blitzende Verwaltungsgebäude wurden erbaut, an die Stelle der Knüppel und der Pistolen traten andere Waffen: Verträge und Wechsel, Kredite und Klauseln. Sie waren wirksamer. In unblutigen Hemden betraten die neuen Herren über Tomaten und Orangen die Szene. Sie verstanden etwas von Finanzierungen, hinter ihnen standen die Konservenfabriken und Exportbanken, die Industriellen des Nordens, und die Geldleute von Rom. Und sie schlugen die Camorra, indem sie ihr Werk fortsetzten, das Werk der Ausbeutung. Sie schlugen sie ohne Blutvergießen. Blutvergießen war antiquiert. Sie schlugen sie en gros, nicht en dètail. Polizei und Justiz hatten sie nicht gegen sich, Behörden und Regierungsstellen waren auf ihrer Seite. Die Neue Camorra war nicht neu genug. Die neueste hieß: Kartell. Der Krieg um die Tomaten dauerte nicht lange. Die Kartellstrategen führten ihn in zwei Etappen.

Hans Magnus Enzensberger, 1964

Hans Magnus Enzensberger (geb. 1929 in Kaufbeuren) ist ein deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber, Übersetzer und Redakteur. Der Auschnitt aus dem Essay “Politik und Verbrechen” aus dem Jahr 1964 gibt interessante Hinweise aus die Schwierigkeit die Camorra und das organisierte Verbrechen zu klassifizieren und sie unabhängig von den großen Interessen zu sehen. Auch heute noch wird die Camorra fast mit einer pyramidalen Struktur verbunden und gemeinhin als Mafia bezeichnet: die lokale hohe Arbeitslosigkeit hat zu verschiedenen Clans geführt, nach Interessengebieten und Ortschaften sortiert, die sich in verschiedenen Kämpfen praktisch bekriegt haben. Verstrickungen zwischen den Clans und Politik und Unternehmen sind auch heute noch sehr wahrscheinlich.

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.