Welch schroffer Gegensatz, welch markante Antithese zwischen Rom und Neapel; sie gleichen einander sowenig wie eine strenge und würdevolle Matrone einer aufdringlichen und leichtfertigen Hetäre, wie das Rom der Punischen Kriege dem Rom von Tiberius und Nero, das eine Vorliebe für den neapolitanischen Himmel hatte. Rom mahnt an die Unbeständigkeit der Dinge, an Vergangenheit und Tod, an das ewige Memento Mori; Neapel dagegen atmet die berauschende Verzauberung der Gegenwart, das Leben, das Carpe diem. Rom ist der Vergangenheit treu wie eine Witwe. Es kann sich vom Friedhof nicht lösen, das Verlorene nicht vergessen, seine Ruinen sind ihm wichtiger als der Quirinal. Neapel frönt dem Genuss, der Gegenwart, es ist vom Dämon befallen und tanzt auf Herkulaneum, das letztlich nichts ist als ein Sarg. Der rauchende Vesuv mahnt, das Leben auszukosten, solange es gegeben ist.
Alexander Iwanowitsch Herzen, 1848
Neapel, Stadt am Meer und am Vulkan Vesuv
Alexander Iwanowitsch Herzen (geb. 1812 in Moskau, gest. 1870 in Paris) war ein russischer Philosoph, Schriftsteller und Publizist. Herzen lebte einige Zeit in Nizza und Rom und lernte unter anderem Garibaldi und Mazzini kennen, die intensiv an der Vereinigung Italiens beteiligt waren.
Ein interessanter Text über die Unterschiede von Neapel zu Rom, kurz vor der Vereinigung Italiens. Neapel kommt in jener Zeit auf über sechshunderttausend Einwohner, also mehr als doppelt so viele Menschen die zu jener Zeit in Rom lebten. Die Vergleiche zur Antike, als Rom zeitweise von der griechischen Kultur des Golfs von Neapel stark beeinflusste und sich dem Leben gönnte, werden auf das 19. Jahrhundert bezogen. Neapel als weiterhin von der Natur und dem Vesuv beeinflusstes Genuss-Gebiet, Rom als traurige Witwe einer verstorbenen Vergangenheit. Nur wenige Jahrzehnte später wird Rom erneut zur Hauptstadt ernannt und einen großen Boom erleben, während Neapel und der Süden in der Vereinigung Italiens eine marginale Rolle einehmen und verarmen wird. Eine interessante Stellungsnahme zum Lebensgefühl zweier sehr unterschiedlicher und faszinierender Städte, die bis heute beide als historische Kulturzentren Italiens gelten.
Die Weine der sorrentiner Halbinsel stellen neben den Tomaten, Zitronen, dem Olivenöl und den Walnüssen eine bedeutende landwirtschaftliche Pflanzung dieses Gebiets dar, auf dem er schon seit undenklichen Zeiten gegenwärtig ist. Die sorrentiner Halbinsel und die Insel Capri erzeugen heute verschiedene Weinsorten und erhielten zu unterschiedlichen Zeitpunkten das offizielle Prädikat für den kontrollierten Ursprung ihrer Weine.
Die Weinsorten
Trotz der so schwierigen natürlichen Gegebenheiten entstanden drei kleine Weinsorten mit großer kampanischer Tradition: der Lettere, der Gragnano und der Sorrento, deren Anbaugebiete heute als Sekundarterritorien der kontrollierten Ursprungsgebiete der sorrentiner Halbinsel anerkannt wurden.
Antiker Bezug zum Weinanbau
Die Weinrebe soll sich schon zur Zeit der ersten Ansiedlungen auf diesem Gebiet verbreitet haben und ihr Anbau soll sogar dazu beigetragen haben, daß die Gemeinden Lettere und Gragnano überhaupt erst entstanden, die seit dem 9. Jahrhundert urkundlich erscheinen. Schon ein Jahrhundert später muß der Weinbau eine große wirtschaftliche Bedeutung erlangt haben, wenn es stimmt, daß, nachdem das Dorf zur Diözese aufgestiegen war, 994 die Kathedrale von Lettere der Santa Maria delle Vigne (der Weinreben) geweiht wurde.
Genuss im Kloster
Auf diesem Gebiet, aber auch auf Capri und dem Vesuv, wurde die Verbreitung der Weinreben und die Weinerzeugung im Mittelalter von den religiösen Orden entscheidend gefördert. Das Egebnis der Begeisterung des Monsignor Molinari, Bischof von Lettere, wurde durch einen Satz zum Ausdruck gebracht, der heute zweifellos immer noch als wirkungsvoller Werbeslogan verwendet werden könnte: “Si vis vivere sanum, bibe Gragnanum”(wenn du gesund leben möchtest, dann trink Gragnano).
Die Weine der sorrentiner Halbinsel
Rückkehr zur Qualität
Der fragliche Wein ist derselbe, den Mario Soldati viele Jahrhunderte später in seinem „Vino al Vino” rühmte, wobei er sich allerdings über die Schwierigkeit, ihn aufzutreiben, beklagte. Heute ist das Gebiet als Sekundarterritorium in das kontrollierte Ursprungsgebiet der Weine der Sorrentiner Halbinsel DOC eingeschlossen, das 1994 als solches anerkannt wurde. Das “Prädikat für kontrollierten Ursprung” umfaßt einige Rotweine, die im folgenden beschreiben werden. Sie haben eine unrühmliche Zeit des zunehmenden qualitativen Verfalls hinter sich, der auf die Kurzsichtigkeit einiger Weinerzeuger zurückzuführen ist. Seit den 90er Jahren und der DOC-Auszeichnung gewannen sie ihr Image auf dem Markt langsam wieder zurück, weil sie mit den Charakteristiken der Leichtheit und des Wohlgeruchs ausgestattet sind, die von den aktuellen Tendenzen des Marktes begrüßt werden, der von den schweren Weinen ohne Persönlichkeit überdrüssig geworden ist.
Die Techniken zur Aufwertung
Aus diesem Grund lenkt die moderne Önologie ihre Aufmerksamkeit immer mehr auf Weinproduktionen, die die aromatischen Charakteristiken der Herkunftsreben hervorheben. Die modernen Techniken neigen dazu, die Gewinnung der für die Oxydationsveränderung verantwortlichen Substanzen einzuschränken und gleichzeitig die Löslichkeit der aromatischen Komponenten zu fördern. Diese Ziele werden erreicht, indem die Trauben leicht gepresst werden und der gepresste Saft mit den Schalen schnell auf eine Temperatur von 20 °C gebracht wird. Dann wird er bei immer gleichbleibender Temperatur einige Tage lang eingeweicht und die schwimmenden, festen Substanzen sedimentieren, bevor der Weinmost umgefüllt und bei kontrollierten Temperaturen zum Gären gebracht wird.
Der Gragnano mit seinem charakteristischen rot-violetten Schaum
Gragnano DOC
Der Gragnano DOC ist ein Wein, der diese Qualitäten am besten zu interpretieren weiß. Er ist frisch und lebhaft und weist eine leichte lieblich spritzige Note auf; seine Farbe ist rubinrot, das Bukett duftbetont und stark, in dem man den Duft von Himbeeren ausmachen kann. Sein Geschmack ist leicht und fruchtig. Der Alkoholgehalt beträgt ungefähr 11,5% und der Wein kann zu jedem Essen gereicht werden. Damit seine Lebhaftigkeit voll zur Geltung kommt, beträgt die ideale Serviertemperatur 8-12°C. Die für die Produktion von Gragnano verwendeten Weinreben sind Aglianico, Sciascinoso (hierzulande auch unter dem Namen Olivella bekannt) und andere lokale Rebsorten wie Palummina, Surbegna und Castagnara.
Lettere DOC
Der Wein Lettere DOC wird in den Gemeinden Lettere, Casola und Sant’Antonio Abate hergestellt. Für seine Erzeugung werden die Rebsorten Castagnara, Piedirosso (deren Anteil nicht unter 60% liegen darf, wovon mindestens 25% Piedirosso sein muß), Olivella und Aglianico verwendet. Er ist granatfarben, sein Geschmack ist trocken, fruchtig, frisch und leicht spritzig mit einem angenehmen, leicht bitteren Einschlag.Sein Bukett ist duftbetont und erinnert an Erdbeeren und verblühte Veilchen. Sein Mindestalkoholgehalt liegt bei 10%. Er wird wie der Gragnano kühl getrunken und erst dann verkauft, wenn er mindestens seit drei Monaten abgefüllt worden ist und passt hervorragend zu Pizza, frischen Milchprodukten und traditionellen neapolitanischen Nudelgerichten.
Sorrento rosso DOC
Der Sorrento rosso DOC wird aus den Rebsorten Piedirosso (Mindestanteil 40%), Sciascinoso und Aglianico hergestellt. Er hat eine mehr oder weniger intensive rubinrote Farbe, ein duftbetontes und ausgewogenes Bukett und sein Geschmack ist voll, trocken und harmonisch. Sein Alkoholgehalt beträgt ungefähr 11% und er kann nicht sehr lange gelagert werden. Mit einer Temperatur von 18°C wird er zu Gerichten der regionalen Küche serviert und passt ganz besonders gut zu Fleischspeisen.
Sorrento rosso frizzante DOC
Der Sorrento rosso frizzante Doc entsteht unter Anwendung der Charmat-Methode in der Autoklave und wird aus den Trauben der Rebsorten Piedirosso, Aglianico und Olivella erzeugt. Seine granatrote Farbe tendiert ins violett und er verströmt einen lebhaften Duft nach Wein. Er ist würzig und frisch und man kann einen leichten Einschlag von verwelkten Veilchen ausmachen. Sein Alkoholgehalt beträgt im allgemeinen rund 11% und gekühlt stellt er einen idealen Aperitif dar. Vor allem im Sommer wird er aber auch gern zum Essen serviert, wenn die Speisenabfolge vorwiegend aus leichten Gerichten besteht.
Sorrento Bianco DOC
Der Sorrento Bianco Doc besteht zu 40% aus den Trauben der Rebsorten Falanghina, zu 20% aus Biancolella und Greco und bis zu 40% aus Sannicola und anderen lokalen Weinstöcken. Er weist feurig strohfarbene Farbtöne auf und, damit sein delikates und wohlduftendes Bukett optimal zur Geltung kommt, wird er vorzugsweise jung getrunken. Sein trockener und harmonischer Geschmack gibt ihm eine persönliche Note. Der Alkoholgehalt variiert von 10 bis 12% und er wird sowohl als Aperitif, als auch zu frischen Salaten und regionalen Fischgerichten sehr geschätzt.
Die ursprünglich aus Skandinavien stammende Bevölkerung der Normannen (von Nordmännern) nutzen ihr Wissen im Schiffsbau um zu pilgern, zu handeln oder auch Raubzüge zu organisieren. Die Normannen sind in jener Zeit größtenteils bereits christlichen Glaubens und die erdrückende Feudalwirtschaft der Normandie führt zu starken Migrationen der Normannen in Richtung Ostsee, Nordsee, dem atlantischen Ozean und in den Mittelmeerraum.
Zur Jahrtausendwende als Söldner in Kampanien
In Kampanien und Süditalien werden normanische Pilger urkundlich zum ersten Mal in Salerno bei ihrer Rückkehr aus Jerusalem im Jahre 999 erwähnt. Die normanischen Krieger helfen Fürst Guaimar IV. Salerno vor einem Angriff der Sarazenen erfolgreich zu verteigen. Daraus folgte, daß einzelne Ritter oder Rittergruppen aus der Normandie nach Süditalien zogen, um hier als Söldner in die Dienste der verschiedenen langobardischen Fürsten oder byzanthinischen Herrscher zu treten.
Rückzug aus Apulien
Im Jahr 1016 reisen normannische Pilger zum Schrein des Erzengels Michael in Gargano und treffen dort auf den langobardischen Adligen Melus von Bari. Dort versuchen sie zusammen mit Melus Apulien von den Byzantinern zu befreien und beteiligen sich somit das erste Mal an einem geplanten Krieg. Die Schlacht von Canne im Jahr 1018 endet allerdings mit einer derben Niederlage und dem Tod von Rainulph Drengots Bruder sowie einem Rückzug der Überlebenden von Apulien nach Kampanien.
Die normannische Grafschaft von Aversa unweit von Neapel
Erster fester Sitz in Aversa
In Kampanien nutzt die restliche normanische Miliz unter Rainulph Drengot die Rivalität der langobardischen Herzogtümer aus und unterstützen zuerst Pandolph IV. von Capua. Weitere Raubzüge und Wechsel zu den meistbietendsten Auftraggebern folgen in den Jahren darauf. Nachdem Pandolph es zum ersten Mal schafft das Herzogtum von Neapel zu erobern, unterstützt Rainulph Drengot mit seinen normannischen Rittern allerdings überraschenderweise den neapolitanischen Herzog Sergius IV bei der Rückeroberung der Stadt. Zum Dank erhalten die Normannen durch Sergius IV. von Neapel im Jahre 1030 die Grafschaft von Aversa unweit von Neapel als Lehen und werden somit zum ersten Mal in Süditalien sesshaft.
Eroberung von Capua
Das Vorgehen von Drengot verärgert den deutschen Kaiser Konrad II., der das Fürstentum von Capua daraufhin erobert um es dem antibyzantinischen Fürsten Waimar IV von Salerno zu übergeben. In diesem Zeitraum bemerken die Normannen, daß weder die Langobarden noch die Byzantiner in Süditalien eine Zukunft haben werden, da sich sowohl der deutsche Kaiser als auch der Vatikan in die Interessen Süditaliens einmischen. Da keiner den Mut findet entschieden einzugreifen, erobern die Normannen das Fürstentum von Capua, mit öffentlicher Anerkennung von Konrad II., um zu einer der größten politischen Mächte im Süden Italiens heranzuwachsen.
Zweites normannsches Machtzentrum unter Wilhelm von Hauteville
Wilhelm “Eisenarm” von Hauteville erreicht mit seinem Bruder Drogo nach Anfrage von Rainulph Drengot um 1035 Süditalienum die Byzantiner bei der Rückeroberung Siziliens von den Arabern zu unterstützen. Nachdem das Ziel nicht erreicht werden konnte, schließen sich die Langobarden unter Waimar VI. und die Normannen unter Wilhelm Eisenarm zusammen um das byzantinische Apulien an sich zu reissen.
Die Hauteville in Melfi
Sitz der Hauteville in Melfi
Die ständig umkämpften Territorien führen zu einer erneuerten Allianz im Jahre 1042 zwischen Rainulph Drengot und Pandolph IV. von Capua um dem langobardischen Fürst Waimar IV. von Salerno zu bekämpfen, der allerdings seine Schwester Gaitelgrima mit Drogo verheiratet um seine Freundschaft und die Position der Normannen als seine Vassallen zu verstärken. Mit dem Plan gemeinsam Kalabrien zu erobern schenkt Waimar IV von Salerno dem Normannen Wilhelm Eisenarm von Hauteville dafür im Jahr 1044 die Stadt Melfi.
Benevent als Enklave des Papstes
Innerhalb weniger Jahrzehnte geraten somit die verschiedenen soliden und sekulären Kleinstaaten, die bisher in verschiedenen Formen einen eigenen intellektuellen und wirtschaftlichen Fortschritt erlangt hatten, in eine schwierige Situation. Benevent, die ursprüngliche Hauptstadt des langobardischen Herzogtums, fällt im Jahr 1051 unter den heiligen Stuhl des Papstes (und wird dieses auch bis zur Vereinigung Italiens im Jahre 1860 bleiben) und somit zu einer Enklave innerhalb des normannischen Reiches.
Verbündet mit dem Papst unter dem Zeichen des Christentums
Durch den Wunsch des Vatikans den Süden Italiens von den Byzanthinern zu befreien, erhalten die Normannen vom Papst den Konsens ein katholisches normannisches Königreich zu erschaffen.Im August des Jahres 1059 kommt es zur Synode von Melfi: Papst Nikolaus II. bestätigt nicht nur die Gebietsansprüche der beiden Fürsten Richard von Capua und Robert Guiskard, sondern macht sie offiziell zu seinen Lehnsleuten.
Vertreibung der Byzanthiner und die Eroberung Siziliens
Ein weiterer Vorteil stellt der gemeinsame Kampf mit den Genuesern und Pisanern gegen das von der Arabern beherrschte Sizilien dar. Robert de Hauteville geht diese Aufgabe an und erobert 1072 Palermo in einer überraschenden Invasion, im Jahr 1073 Amalfi und im Jahre 1076 Salerno. Im Laufe weniger Jahre fällt eine sizilianische Stadt nach der anderen, bis 1091 mit der Stadt Noto auch das letzte arabische Bollwerk unterliegt. Durch die Eroberung von Bari im Jahre 1071 wird außerdem den Byzanthinern die letzte militärische und politische Präsenz im Süden Italiens genommen. Erst als die Normannen dem Papst den Molise entreissen kommt es zum Konflikt zwischen Gregor VII und den Normannen. Durch die starke militärische Macht der Normannen unter Robert Guiskard akzeptiert die Kirche im Jahr 1080 allerdings einen Friedensvertrag.
Der Aufstieg von Salerno
Die medizinische Schule von Salerno, Miniatur aus dem Kanon von Avicenna
Salerno steigt in den Jahren von 1077 bis 1130 zur Hauptstadt des kontinentalen Süditaliens auf und wird, auch dank ihrer berühmten Scuola Medica (die medizinische Schule), ihren wohl bisher ruhmvollsten historischen Zeitraum erleben. Die Scuola Medica von Salerno wird in jenem Zeitraum wohl das wichtigste Studienzentrum des christlichen Westeuropas. Die Stadtstruktur von Salerno erneuert sich ebenfalls: Eine neues Königsschloß wird gebaut, das Castel Terracena, sowie der beeindruckende Dom, der unter Robert Guiskard im arabisch-normanischen Stil errichtet wird. Der Dom wird von Papst Gregor VII eingeweiht, der im Exil in Salerno unter normannischem Schutz lebt (und heute begraben liegt) und die verehrten Reliquien des Apostels Matthäus konserviert.
Der erste christliche Kreuzzug
Nach einem missglückten Angriff auf den Orient stirbt Robert Guiskard im Jahr 1085 in Kefalonia, wenige Jahre nachdem er Papst Gregor VII aus Rom von der Haft durch Heinrich IV. befreit und nach Salerno bringt. Im Jahr1096 startet nach einem Hilferuf des byzanthinischen Kaisers mit Unterstützung der Franzosen der erste Kreuzzug auf die islamische Bevölkerung, der sich jedoch auch auf Konstantinopel selbst und die jüdische Bevölkerung ausweitet.
Vereinigung Süditaliens unter der normannischen Krone
Gegen Ende des 11. Jahrhunderts haben die Normannen mit Ausnahme der päpstlichen Enklave Benevent und dem Herzogtum von Neapel bereits den gesamten Süden Italiens erobert. Die Invasion von Kaiser Lothar III. in Italien führt zu harten Kämpfen zwischen den Normannen und der römisch-deutschen kaiserlichen Armee und einen kurzweiligen Verlust einiger Territorien. Nur kurz nach der Abreise Lothars III. aus Italien im Jahr 1137 erobern die Normannen unter König Roger II. Salerno, Avellino, Benevent und Capua zurück und außerdem zum ersten Mal auch das Herzogtum von Neapel. Das Königreich der Normannen beinhaltet nun ganz Süditalien von Sizilien bis nach Gaeta im Süden Roms.
Die Familie Hauteville, Melfi
Erster moderner Beamtenstaat Europas
Nach vielen Jahrhunderten politischer Trennung werden die Städte Kampaniens unter der normannischen Krone vereint und ein Modell für ganz Europa was die Effizienz und Moderne der politischen Verwaltung betrifft. Nach arabischem Vorbild wird der erste moderne Beamtenstaat Europas in Süditalien gegründet. Ein Beispiel hierfür ist die Verfassung der sogenannten Assisen von Ariano (das heutige Ariano Irpino in der Provinz von Avellino), einer umfassenden Verwaltungs- und Justizreform aus dem Jahre 1140, bei der religiöser von königlicher Macht getrennt und die wachsende Macht der Barone gehemmt werden sollen.
Lateinisierung der süditalienischen Kirche
Durch die Normannen kann der Vatikan auch die Lateinisierung der griechischen Kirche in Süditalien fortführen. Die Normannen akzeptieren die kirchliche Authorität des Papstes über alle lokale Bischöfe, ob griechischen oder lateinischen Kults, sowie die Vormachtstelltung der lateinischen Bischöfe über jegliche Kulte anderer Sprachen. Den Normannen begnügen sich damit das die lateinischen Priester vorzugsweise normannischer Herkunft sind.
Verlust der lokalen Autonomien
Das normannische Reich bedeutet allerdings auch eine schwer zu überwindende Blockade für die Autonomien der Städte Kampaniens und der Entwicklung ihrer Verwaltungen. Der wirtschaftliche Wohlstand von Zentren wie Amalfi wird gemindert, da ihre Position im internationalen Handel nicht mehr so zentral und autonom wie zuvor ist. Interessanterweise gibt es im Süden Italiens bis zur Ankunft der Normannen kein wirkliches Feudalsystem, das von den herrschenden Dynastien abhängig gewesen wäre. Die große Anzahl von Gemeinden und Dörfern waren relativ autonom und riskierten nur Raubzüge der Langobarden oder hohe Steuerabgaben an die Byzanthiner. Durch die Organisation der Langobarden als oft miteinander verwandter Volksstamm und der Byzanthiner als bürokratisch-militärischen Systems eines ethisch-religiösen Reiches entwickelt sich somit lediglich eine Steuererhebung an die verschiedenen Volksgruppen, Familien und Gemeinden Süditaliens.
Hyrarchisches Militärsystem in der Verwaltung
Die Normannen tendieren zwar zu einem zentralisierten staatlichen System, allerdings unter verschiedenen Hyrarchien, bei denen die Untergeordneten meist Vassallen der wirtschaftlich und militärisch mächtigeren Oberschicht sind. Selbst die Religion ist nur Instrument um besser regieren zu können und theologische Diskussionen sind praktisch kaum vorhanden. Die Normannen bedienen sich eigenen Funktionären um staatliche Güter zu kontrollieren und somit eine wirtschaftliche und politische Autonomie aufzubauen. Die normannischen Herrscher können die historisch und sprachlich pluralistischen Kulturen schwer unter einen Hut kriegen, daher versuchen sie einen zentralisierten Staat mit militärischer Gewalt aufzubauen, der auf klare Hyrarchien zwischen Über- und Untergeordneten basiert und die lokalen Landwirte und Bauern unterdrückt.
Die Abhängigkeit vom König
Im sogenannten “Katalog der Barone” aus dem Jahr 1153 werden alle Pflichten der Ritter, Barone und den neuen Grundbesitzern aufgeführt, die wie im normannischen England alle vom König abhängig sein müssen. Der König bleibt exklusiver Inhaber aller Feudalwirtschaften des Reiches und dies garantiert ihm einen immensen Reichtum und eine von den Baronen unabhängige Entscheidungsfreiheit. Somit sind alle, von der Kirche über den Adel bis zum Bauern, in irgendeiner Form an den normannischen König gebunden.
Roger II, normannischer König Süditaliens
Eweiterung in Richtung Afrika
Die normannischen Könige legen viel Wert auf territoriale Eroberungen. Nach der Gründung des süditalienischen Reichs unter der normannischen Krone erweitern Roger II, Wilhelm I und Wilhelm II das Königreich in Richtung Afrika von Tripolis bis Tunis. Im Jahr 1156 konkurriert das Reich von Sizilien in militärischer Macht und Reichtum mit Frankreich und England und stipuliert Abkommen mit Papst Hadrian IV. über wichtige Städte wie Capua, Neapel, Amalfi oder Salerno aus.
Das normannische Reich von Sizilien
Die Entwicklung der süditalienischen Gemeinden
Die Einführung der strengen Feudalherrschaft durch die Normannen hat schlimme Folgen auf die Einheit und die Verbindungen zwischen Stadt und Umland: die feudalen Systeme führen zu einem politischen Partikularismus und zerschlagen das Fundament der von den Normannen selbst versuchten staatlichen Einheit. Durch das mangelnde Interesse an einer autonomen Entwicklung der lokalen Bauern, Händler und Gemeinden organisieren sich viele Bewohner in “universitas” genannte Gemeinden um eigene Interessen besser verteidigen zu können. Der normannische Verwaltungsapparat hingegen ist fair und effizient, da die Justiz von staatlichen Funktionären und nicht von den Baronen ausgeführt wird.
Roger II. Tochter Konstanze als neue Königin mit Heinrich VI. als Mann
Doch die Einheit zwischen Vatikan und Normannen bricht mit der Heirat von Konstanze von Hauteville mit Heinrich VI. Da Wilhelm II. keine Kinder bekommt und bei den Normannen nicht unbedingt ein Mann das Königreich regieren muß, schafft es Konstanze, Tochter von Roger II, den jungen Wilhelm III zu entthronen und nach einem Krieg gegen die mit dem Papst allierte Armee von Tankred neue Königin von Sizilien zu werden.
Abgabe des Königreichs und dem Sohn Friedrich an Papst Innocenz III.
Konstanzes Ehemann Heinrich VI. läßt sich von Papst Coelestin III. als Kaiser krönen, bleibt aber wegen seinem überraschenden Tod im Alter von 32 lediglich drei Jahre auf dem Thron des Königreichs von Sizilien. Konstanze beendet die Dynastie der Normannen indem sie Papst Innocenz III sowohl ihren jungen Sohn Friedrich als auch das Königreich in Obhut gibt. Friedrich wird als Erwachsener den Kampf gegen den Vatikan allerdings fortführen und einer der bis heute bekanntesten Könige Europas werden.
Die Könige Siziliens (inklusive dem Süden Italiens) der Hauteville-Dynastie von 1130-1198
Roger II, 1130-1154 schafft es den gesamten Süden Italiens zu erobern und zu einem Zentralstaat zu vereinen, der als einziger in Italiens Geschichte 700 Jahre überdauert;
Wilhelm I, der Böse, 1154-1166, Sohn von Roger II;
Wilhelm II, der Gute, 1166-1189, Sohn von Wilhelm I;
Tankred 1189-1194, Sohn von Roger III. von Apulien, dem ältesten Sohn von Roger II;
Wilhelm III, 1194, Sohn con Tankred, Thronfolger im Alter von 9 Jahren unter Aufsicht seiner Mutter Sybille;
Konstanze von Hauteville, 1194-1198, nach dem Tod von Roger II. geborene Tochter, die sich mit dem Staufen Heinrich VI., Sohn von Friedrich I. Barbarossa, verheiratet und den legitimen Nachfolger Wilhelm III absetzt um das Königreich von Sizilien zu regieren. Nach dem Tod von Heinrich im Jahr 1197 regiert die Witwe im Namen des Sohns Friedrich II., zukünftiger König von Sizilien, Deutschlands und des heiligen römischen Reichs.
In den letzten Jahren der Republik und in der Kaiserzeit wurde Neapel zur Stadt der Vergnügungen und des Müßiggangs. Ihr griechischer Charakter unterschied sie von allen anderen Städten der ehemaligen Magna Graecia, die zu kleinen Orten provinziellen, eintönigen Lebens herabgesunken waren. Die Nähe zu Rom lockte reiche Müßiggänger in ihre gesegnete Landstriche…Es kam, wer Abstand vom ermüdenden Leben der Hauptstadt suchte sowie Künstler und Gelehrte, die von der griechischen Sprache und den Bräuchen der kampanischen Stadt besonders angezogen waren.
Das griechisch-römische Neapel. Im Hintergrund der Vesuv
Giovanni Pugliese Carratelli, 1956
Giovani Pugliese Carratelli (geb. in Neapel, 1911, verst. in Rom, 2010) war ein italienischer Historiker der römischen Antike. Bei seinem Aufenthalt in Rodi kommt er mit Archäologen wie Halbherr in Kontakt, während er in Neapel mit dem berühmten Philosophen Benedetto Croce kollaboriert. In diesem Text bezieht sich Carratelli auf die stark erhaltende griechische Identität der Stadt Neapels, die nach einigen Berichten auch noch zur Zeit der römischen Kolonialisierung Kampaniens stärker als woanders vertreten sein soll. Einer der wichtigsten Hinweise auf die erhaltene griechische Identität Neapels ist die Wahl von Kaiser Nero sich bei seinem Auftritt in griechischer Sprache im Theater in Neapel auf seine Reise nach Griechenland vorzubereiten, da hier das griechische Publikum als besonders anspruchsvoll galt.
Vermutlich ist die Pastiera zusammen mit dem Babà und der Sfogliatella die berühmteste von allen neapolitanischen süßen Köstlichkeiten, deren Herkunft sich in der Vergangenheit verliert, so daß sie bis auf die Legende der Sirene Parthenope zurückgeführt wurde: an einem wunderschönen Frühlingstag entschied sie sich, von der Schönheit dieser Orte beeindruckt, im Golf von Neapel ihren Gesang anzustimmen.
Die Legende
Fasziniert von ihrem Liebreiz bot das Volk ihr einige Produkte aus diesem Gebiet an und sieben Jungfrauen überbrachten der Sirene diese Gaben: Mehl, Symbol des Reichtums; Ricottakäse, Zeichen der Üppigkeit; Eier, Sinnbild der erneuten Produktion; in Milch gekochter Weizen, als Symbol der Vereinigung des Tier- und Pflanzenreiches; Orangenblütenwasser, die Düfte der kampanischen Landschaft; Gewürze, mit denen die Völker der Sirene ihre Ehrerbietung bezeigten; Zucker, so süß wie ihr Gesang. Während der Geschenkübergabe vermischten sich die Erzeugnisse, wodurch zufällig eine unvorstellbar genussreiche Süßspeise entstand, die schließlich Parthenope zum Bleiben im Golf von Neapel überzeugte.
Der traditionelle Osterkuchen Neapels: die Pastiera
Verbreitung durch die Nonnen von San Gregorio Armeno
Die heutige Variante wurde wohl erstmals von den Nonnen im San Gregorio Armeno Kloster kreiert, um die Wiederauferstehung Christi durch die Vereinigung vom Orangenduft des Konventgartens mit den weiteren symbolischen Zutaten des Rezepts zu zelebrieren. Seitdem galten die Nonnen von San Gregorio Armeno als wahre Meisterinnen der Konditorei und verkauften an jedem Osterfest große Mengen der neapolitanischen Pastiera an lokale Adlige und die Oberschicht.
Vom Osterkuchen zum Klassiker
Eine klassische Süßspeise für Festtage, die sehr gut aufbewahrt werden kann (10 bis 15 Tage, obwohl ihr Teig alles andere als trocken ist), ist eng mit dem Osterfest und dem Frühjahr verbunden, da einige ihrer Zutaten gerade zu dieser Zeit und auf fast symbolische Weise wieder auftauchen. Ihre Zubereitung wurde jedoch in jüngster Zeit auch auf andere Festtage, insbesondere auf die Weihnachtszeit, verlegt. In den neapolitanischen Konditoreien findet man die Pastiera wegen der großen Nachfrage heute über das ganze Jahr verstreut.
Die Vermischung der Zutaten
Dieser Kuchen wird in runden Formen von unterschiedlichster Größe angerichtet, in denen die noch flüssige Füllung und das Aroma der Orangenblüten bilden die Charakteristiken, die mehr als alle andere diese Süßspeise einzigartig machen. Einige Tage nach der Zubereitung, wenn sich der Wohlgeschmack dieser Zutaten vollkommen “vermischt” hat, ist dieser Kuchen noch genussreicher.
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