Kategorien
Gastronomie in Kampanien

Der Falerno del Massico Doc

Der Falerno war der beliebteste und teuerste Wein der Antike und vielleicht der erste Wein dem eine Herkunftsbezeichnung anerkannt wurde. Die antiken Römer schätzten diesen Wein sehr hoch ein und konservierten ihn in Anphoren, die mit einem Etikett (Pittacium) bedachten Verschluß gelagert wurden, auf der die Herkunft und der Jahrgang angegeben wurden. Vergil schreibt “Nec cellis ideo contende Falernis”, “auch dieser kann nicht mit dem Falerno mithalten”. Der Falerno gilt vielleicht als berühmtester Wein der antiken Literatur und wurde als Wein der Cäsaren bezeichnet.

Die rote klassische Variante des Falerno
Die Geschichte des antiken Falerno

Der Weinanbau im Gebiet des heutigen Falerno del Massico hat eine lange Geschichte und geht auf die griechisch-mykhenäischen Kolonien in Kampanien zurück, die den Impuls für eine Jahrtausende andauernde Weintradition des antiken von den Römern genannten Ager Falernus gegeben hat. Die Römer konzentrieren sich auf die Produktion des Falernum und bis heute sind in dieser Gegend noch archäologische Reste von antiken Landhäusern mit Weinkellern und Arbeitsgeräten zur Konservierung und Verarbeitung des Weines aufzufinden. Dieser Wein wurde damals je nach Höhe des Anbaugebiets in die Kategorien Caucinum, Faustianum und Falerno aufgeteilt und mit dem Geschmacksmerkmal austerum, dulce und tenue kategorisiert. Der Falerno wurde in alle Provinzen des römischen Imperiums ausgeliefert und mit einem antiken Etikett (Pittacium) versehen, auf dem das Herstellungsjahr, die Kategorie und dem Geschmacksmerkmal gekennzeichnet wurden. Normalerweise wurden die Exportamphoren ab den Häfen von Sinuessa, Gianola und dem Fluß Garigliano ausgeschifft. Die Amphoren des wohl beliebtesten und teuersten Wein der römischen Antike wurden in Manchester, Köln, Marseille, Nordafrika und dem gesamten Mittelmeerraum gefunden. In den letzten Jahrhunderten wurden die besonderen Charakteristiken des Falerno-Weines auch von Torquato Tasso und Sante Lancerio gepriesen. Doch erst in den letzten 40 Jahren wurde auf diesem Gebiet, Dank der Arbeit von einigen kleinen Winzern, die an den antiken Namen erinnerde Weinherstellung wieder aufgenommen und kann heute einige stolze Resultate vorweisen. Dennoch ist der heutige Falerno nicht mit dem antiken Wein zu vergleichen: einerseits weil den antiken Weinen oft Zusätze wie Honig, Gewürze und manchmal Meerwasser beigemischt wurde, andererseits weil wir nicht wissen wie weitläufig das Produktionsgebiet damals war und welche Rebsorten verwendet wurden.

Die Einrichtung der Herkunftsbezeichnung Falerno del Massico Doc

Dank dem neapolitanischen Anwalt und Winzer Francesco Paolo Avallone wurde im Jahr 1989 ein Doc-Areal des Falerno del Massico eingerichtet, das sich auf das Produktionsgebiet und die Tradition des antiken Falerno bezieht. Auch der Falerno hat wie andere europäische Weine an der Reblaus gelitten und wurde erst in den 70er Jahren wieder angebaut. Dank Avallone und seinem Betrieb Villa Matilde sowie weiteren kleinen Winzern aus der Gegend ist der Falerno del Massico heute wieder zu einem anerkannten Wein geworden.

Das Anbaugebiet

Das Produktionsgebiet des Falerno del Massico doc befindet sich im Nordwesten der Provinz von Caserta, dem antiken Areal des Ager Falernus und beinhaltet die 5 Gemeinden Sessa Aurunca, Cellole, Mondragone, Falciano del Massico und Carinola. Das Anbaugebiet beginnt an den Hügeln des massiven eingeschlafenen Vulkans von Roccamonfina, die die hügelige und flache Landschaft der Gemeinde Sessa Aurunca zwischen ihr und der Kalksteingebirgskette des Monte Massico einschließt. Das Anbaugebiet von Carinola, Falciano del Massico und Mondragone wird von eben dieser Gebirgskette von den kalten Tramontana-Winden geschützt. Das vom Vesuv und den Phlegräischen Feldern unabhängige große Vulkanmassiv von Roccamonfina hat besondere Charakterisktiken und beeinflußt den Geschmack der lokalen Produkte. Das Anbaugebiet der Herkunftsbezeichnung zählt heute nur knapp über 150 Hektar von der Küste bis zu einer Höhe von 350 Metern bei einer Produktion von weniger als 300.000 Flaschen (Daten aus dem Jahr 2010), wobei eine Vielzahl kleiner Winzer erst in den letzen Jahren neue Weingärten angepflanzt haben. Der Großteil der Produktion bezieht sich auf die roten Varianten des Falerno del Massico Doc.

Der Falerno innerhalb der Provinz von Caserta
Der Falerno del Massico Rosso und Riserva

Die traditionelle Version des roten Falerno del Massico rosso Doc wird aus zwei typischen lokalen Rebsorten der Region Kampanien hersgestellt: Aglianico (mindestens 60%) und Piedirosso (maximal 40%). Der Aglianico ist eine bereits in der Antike verwendete lokale Rebsorte, aus der auch die beiden Docg-Rotweine Taurasi und Aglianico del Taburno Kampaniens hergstellt werden. Der Piedirosso ist eine lokale Rebsorte, die besonders um Neapel und dem vesuvianischen Gebiet angebaut wird. Die Herkunftsbezeichnung erlaubt es auch eventuell bis zu 15% weiterer Rebsorten aus der Provinz von Caserta zu verwenden. Der Falerno del Massico rosso doc hat eine bedeutende Struktur und eine dichte und undurchdringliche rubinrote Farbe, die mit der Lagerung ins Granatrot tendiert. Sein Bukett erinnert an bittere rote Früchte und hat dabei eine leichte Würze. Der Wein hat eine ausgeglichene Säure, offenbart seine samtigen Tannine und sein Geschmack tendiert zu dunklen und intensiven Früchten wie Kirschen, Brombeeren und Himbeeren mit einem lang anhaltenden Rückgang. Den Falerno del Massico rosso gibt es auch die Variante des Riserva, der mindestens 3 Jahre lang und dabei ein Jahr in Holzfässern gelagert werden muß. Er sollte bei einer Temperatur von 16-18°C serviert werden und passt ideal zu roten Fleischsorten, zu gegrilltem Fleisch oder Nudeln mit deftigen Fleischsoßen.

Der Falerno del Massico Primitivo
Die weisse Variante des Falerno von Nugnes

Der Herkunftsbezeichnung erlaubt auch die Verwendung des Primitivo, der besonders in Apulien aber auch seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts in der Provinz von Caserta angebaut wird. Dieser Wein muß mindestens zu 85% aus der Rebsorte Primitivo bestehen und darf maximal einen Anteil von 15% aus Aglianico, Piedirosso oder Barbera enthalten. Das Bukett des Falerno del Massico Primitivo Doc erinnert an rote Früchte, kleine Waldfrüchte und hat eine leichte Würze. Sein Geschmack gibt eine starke Wärme und Strukter ab und beeindruckt mit intensiven und verführerischen Aromen. Auch der Primitivo sollte zu geschmacksintensiven und gegrillten Fleischsorten getrunken werden.

Der Falerno del Massico Bianco Doc

Die antike Tradition dieses Gebiets konzentrierte sich auf die Umwandlung von Rotweinen, während heute auch eine weiße Variante dieses Gebiets angeboten wird. Der Falerno del Massico Bianco muß zu 100% aus lokalen Falanghina-Reben bestehen. Die Farbe ist strohgelb mit grünen Reflexen, während der Geschmack voll und trocken ist. Er passt gut zu frischen Käsesorten wie einem jungen Caciocavallo, der Büffelmozzarella oder zu Krustentieren oder gegrilltem Fisch. Er sollte bei einer Temperatur von 7-8°C serviert werden.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien

Kategorien
Neapel und Kampanien in der Literatur

Alexander Herzen, Rom und Neapel im Vergleich

Welch schroffer Gegensatz, welch markante Antithese zwischen Rom und Neapel; sie gleichen einander sowenig wie eine strenge und würdevolle Matrone einer aufdringlichen und leichtfertigen Hetäre, wie das Rom der Punischen Kriege dem Rom von Tiberius und Nero, das eine Vorliebe für den neapolitanischen Himmel hatte. Rom mahnt an die Unbeständigkeit der Dinge, an Vergangenheit und Tod, an das ewige Memento Mori; Neapel dagegen atmet die berauschende Verzauberung der Gegenwart, das Leben, das Carpe diem. Rom ist der Vergangenheit treu wie eine Witwe. Es kann sich vom Friedhof nicht lösen, das Verlorene nicht vergessen, seine Ruinen sind ihm wichtiger als der Quirinal. Neapel frönt dem Genuss, der Gegenwart, es ist vom Dämon befallen und tanzt auf Herkulaneum, das letztlich nichts ist als ein Sarg. Der rauchende Vesuv mahnt, das Leben auszukosten, solange es gegeben ist.

Alexander Iwanowitsch Herzen, 1848
Neapel, Stadt am Meer und am Vulkan Vesuv

Alexander Iwanowitsch Herzen (geb. 1812 in Moskau, gest. 1870 in Paris) war ein russischer Philosoph, Schriftsteller und Publizist. Herzen lebte einige Zeit in Nizza und Rom und lernte unter anderem Garibaldi und Mazzini kennen, die intensiv an der Vereinigung Italiens beteiligt waren.

Ein interessanter Text über die Unterschiede von Neapel zu Rom, kurz vor der Vereinigung Italiens. Neapel kommt in jener Zeit auf über sechshunderttausend Einwohner, also mehr als doppelt so viele Menschen die zu jener Zeit in Rom lebten. Die Vergleiche zur Antike, als Rom zeitweise von der griechischen Kultur des Golfs von Neapel stark beeinflusste und sich dem Leben gönnte, werden auf das 19. Jahrhundert bezogen. Neapel als weiterhin von der Natur und dem Vesuv beeinflusstes Genuss-Gebiet, Rom als traurige Witwe einer verstorbenen Vergangenheit. Nur wenige Jahrzehnte später wird Rom erneut zur Hauptstadt ernannt und einen großen Boom erleben, während Neapel und der Süden in der Vereinigung Italiens eine marginale Rolle einehmen und verarmen wird. Eine interessante Stellungsnahme zum Lebensgefühl zweier sehr unterschiedlicher und faszinierender Städte, die bis heute beide als historische Kulturzentren Italiens gelten.

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.