Den letzten Studien zufolge erhalten die Orte Kampaniens im 4. und 5. Jahrhundert eine relativ stabile Stadtstruktur, während im 6. Jahrhundert auch in Kampanien die allgemeine Krise des weströmischen Reiches mit dem Verfall des römischen Imperiums einsetzt und der Ruf der Campania Felix der Antike verloren geht. Die Grundbesitzer bleiben auf einem mittlerem und kleinem Niveau und ermöglichen den Provinzstädten noch ein geregeltes Leben.
Die Malaria in der Sele- und Volturnoebene
Besonders schlimme Folgen hat die Rezession in den Gegenden des Volturno- und Seledeltas, wo sich über Jahrhunderte lang die Malaria ausbreitet und zwei bis ins 20. Jahrhundert entvölkerte und krisengeschüttelte Gebiete bildet. Schon Strabon berichtete das Paestum bereits im 1. Jahrhundert unter der Malaria litt, in recht kurzer Zeit verfiel und von der Bevölkerung verlassen wurde, die sich daraufhin in den naheliegenden Bergen bei Capaccio ansiedelte. Die Orte Elea, Liternum und Volturnum werden wahrscheinlich von einem ähnlichen Schicksal getroffen.
Starke Veränderung in der Landwirtschaft
Am Ende des 4. Jahrhunderts liegen etwa 130 tausend Hektar Ackerland brach und der Verzicht auf eine Grundsteuer bezeugen den Einbruch der in der Vergangenheit als einzigartig geltenden regionalen Agrikultur. Sehr selten sind hingegen die privaten “Massae” wie in weiten Teilen Italiens jener Zeit: Großgrundbesitzer, die sich auch auf den Export der eigenen Produktion konzentriert. Kampanien hingegen, trotz archäologischer Hinweise auf ein reges und vitales Handelsnetz, wird sich auf eine differenzierte und kleine lokale Produktion konzentrieren und somit kaum Agrarprodukte exportieren. Durch den Bericht aus dem Jahr um 360 n. Chr. Expositio totius mundi über die Provinzen des römischen Imperiums wissen wir, das Kampanien im 4. Jahrhundert wirtschaftlich und ernährungstechnisch selbststandig sowie politisch stabil ist. Allerdings liefert Kampanien weder Getreide noch Wein in die Hauptstadt und ist somit kein wichtiger Handelspartner mehr.
Schwierige Voraussetzungen
Diese Jahrhunderte sind auch stark von Naturkatastrophen und Problematiken betroffen: Zwei starke Erdbeben um 346 und 375 n. Chr., der Vesuvausbruch um 472 n. Chr und eine große Problematik der Versumpfung und Bewässerung der Felder, die vielleicht auch durch einen Ausbruch des Vesuvs verursacht werden und den Wasserlauf des Flusses Clanis verändern, verursachen große Schwierigkeiten. Auch das Grundniveau der Phlegräischen Felder sickert durch den lokalen Bradisismus in dieser Phase stark ab und die Küstenstädte in diesem Gebiet werden langsam überschwemmt, wie heute noch im versunkenen antiken Baia zu sehen ist. Während des 4. Jahrhunderts wird es auch Veränderungen in der regionalen Geographie geben: Benevent wird Teil Kampaniens, während das Samnium als eigene Region Autonomie bekommt und Salerno nun zur Region Lucania gehört.

Die Invasion der Goten
Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten fügen sich noch die barbarischen Einwanderungen zu, die das Funktionieren der Verwaltungsstrukturen erschweren. Im Jahr 410 rauben die Goten unter Alarich Rom und viele Orte Kampaniens aus (Neapel schafft es sich zu retten). Mit der Verfall des Weströmischen Reiches wird die Provinz Kampanien weder von den Herulern noch den Ostgoten abgeschafft, doch nur formal vom Kaiser des Orients verwaltet. Interessanterweise wird der letzte Kaiser Roms Romulus Augustulus zu seinem Schutz ins byzanthinische Neapel relegiert und hier seinen Tod finden. Unter dem Ostgoten Teodorich wird es Frieden innerhalb der Region geben, doch seine Ausbreitungspläne fordern einen hohen Steuertribut bei geringen Investitionen und auch der Vesuv hat eine Mehrzahl von Ausbrüchen.

Der gotisch-byzanthinische Krieg
Unter dem Ostgoten Totila wurden zudem viele lokale Senatoren als byzanthinische Verräter angesehen und enteignet, andere flüchten in die Hauptstadt Konstantinopel. Auch wenn Kampanien nicht zu den Regionen gehört, die am meisten unter dem gotischen Krieg leiden, wird es nie zu einer wirklich stabilen Lage kommen. So werden in den Jahren von 535 bis 553 grosse Teile Italiens von der oströmischen (byzanthinischen) Armee unter General Belisar besetzt. Der letzte Widerstand der Ostgoten unter Teja wird in Kampanien wenige Kilometer vom heutigen Pompeji gebrochen und die Goten komplett aus Italien verdrängt. Nachdem Belisar Neapel und Kampanien einnimmt, zieht er nach Rom wo er im Triumph einziehen wird. Kampanien wird somit wieder effektiv eine Provinz des oströmischen Reiches und mit dem bevorstehenden Einzug der Langobarden eine neue historische Phase erwarten.
Weitere Infos finden Sie in meinem Blog zur Geschichte Neapels und Kampaniens

