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Neapel und Kampanien in der Literatur

Charles Dupaty und die fehlende Rationalität der Neapolitaner

Da sie ihre eigenes Empfinden nicht durch Gedankengänge anregen können, erwarten die Neapolitaner von allen Objekten Empfindungen. Man muß sie auf jeden Fall fühlen lassen, so wie man Kinder zum Gehen bringt.

Charles Dupaty, 1785 (aus dem italienischen von mir übersetzt)

Lettres sur l’Italie, das Reisebuch von Dupaty von seinem Aufenthalt in Italien

Charles Dupaty (geb. 1746 in La Rochelle, gest. 1788 in Paris) war Staatsanwalt und President à mortier der Parlaments von Bordeaux, dessen Position innerhalb der französischen Justiz des Ancien Régime sehr wichtig war. Neben seiner juristischen Aktivität war er auch als Schriftsteller anerkannt. Dupaty reiste nach Italien um die geltenden Justizsysteme und Strafverfahren zu studieren. Aus den aufgezeichneten Stichworten dieser Reise entwickelte er ein Reisebuch: die Lettres sur l’Italie. Das Werk konnte einen gewissen Erfolg in Frankreich innerhalb der Kunstszene und der Reiseberichte der Grand Tour verzeichnen. Die politischen Inhalte über Italien und die Abhandlung von sozial-politischen Thematiken über die dominanten Klassen brachten sein Werk auf den Index Librorum Prohibitorum, die Liste der verbotenen Bücher.

Dupaty berichtet aus französischer Sicht in einem interessanten Zeitraum, wenige Jahre vor der französischen Revolution, die er selber nicht mehr erleben wird, von Neapel als zweitgrößte Stadt Europas nach Paris, die er aber anscheinend sehr unterschiedlich empfindet. Charles Dupaty empfindet in Neapel wohl eine fehlende Rationalität und ein intuitives Handeln, wovon man auch heute noch Spuren im Charakter der Stadt finden kann. Die Stadt Neapel zieht seit Jahrhunderten Philosophen und Schriftsteller an und hat als große Universitätsstadt auch selber viele interessante und berühmte Persönlichkeiten hervorgebracht, während oft ein großer Unterschied zum damals noch analphabetischem Volk erkennbar war. Bis heute kann man in der Stadtstruktur Neapels eine fehlende Distanz, oft vorkommende Aufmerksamkeiten und viel Vitalität auf den Straßen und Gassen erkennen. Nicht zuletzt könnte auch der oft erkannte und beliebte Müβiggang der besser gestellten Neapolitaner Auswirkungen auf die Stadtatmosphäre gehabt haben. Man könnte sowohl ein Limit und als auch eine angenehme Besonderheit in ihr erkennen: eine geringere Rationalität und dadurch eine geringere Angst vor der Nähe.

Weitere Berichte und Zitate über Neapel und die Region findet ihr in meinem Blog.