Die vesuvianische Aprikose

Eine historische Verbindung: der vesuvianische Boden und die Aprikose

Die Eigenheit und die besondere Beschaffenheit des Bodens bringen im vesuvianischen Gebiet eine Reihe von landwirtschaftlichen Produkten mit außerordentlichen Charakteristiken hervor: sie reichen von Obst und Gemüse über Weine bis zu einer breiten Palette von Blumen, die sowohl auf freiem Feld als auch in Glashäusern gezüchtet werden. Neben dem Wein und der Piennolo-Tomate ist die vesuvianische Aprikose wegen der besonderen Beschaffenheit des vesuvianischen Bodens das bekannteste und charakteristische Produkt dieser Gegend, deren Ernte Ende Mai beginnt und zusammen mit spätreifen Sorten gegen Ende Juli endet.

Die Aprikose in der Antike

Es ist nicht ganz sicher, ob zur Zeit Plinius auf dem Vesuv schon Aprikosen angebaut wurden, denn er bezieht sich auf das Wort “chrysomela” und schreibt von einer starken Verbreitung dieser goldenen Frucht in Neapel (von der das seltsame neapolitanische Wort “crisommole” stammen soll, mit dem die Neapolitaner diese Frucht bezeichnen), aber in den Werken Palladiums aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. wird von den armenie gesprochen, die aller Wahrscheinlichkeit nach diesen Früchten entsprechen, da der Grieche Discoride (1. Jahrhundert n. Chr.) die auf dem armenischem Gebiet reichlich angebauten Aprikosen mailon armeniacon genannt hat.

Urkunden aus dem 16. Jahrhundert

Spuren über den Anbau auf vesuvianischem Gebiet finden sich jedenfalls schon im 1583 von dem neapolitanischen Wissenschaftler G.B. Della Porta verfassten Werk Suae Villae Pomarium. Er unterteilte die Früchte in zwei große Gruppen: die “bericocche” mit runder Form und weißem, weichen Fruchtfleisch, das eng um den Kern anliegt, der eine bittere Mandel enthält, und die schon von Plinius angesprochenen “chisomele” , die er als hochwertiger und geschmackvoller bezeichnete und die unterschiedliche Stückgrößen aufweist. Der Kern liegt nicht so dicht am Fruchtfleisch an und hat einen milden Geschmack; außerdem weisen sie eine volle Farbe auf.

Starker Zunahme seit dem 19. Jahrhundert

Der Aprikosenanbau am Vesuv nimmt besonders am Anfang des 19. Jahrhunderts stark zu, zeitgleich mit der Krise des Weinanbaus und der Zunahme des Konsums von frischen Früchten. Mitte des 19. Jahrhunderts leiden viele Weinreben an Krankheiten und werden somit durch Aprikosenbäume ersetzt, doch von 1860-1870 leidet ein Großteil der vesuvianischen Aprikosenbäume an Vermoderung, so daß daraufhin verschiedene Aprikosensorten neu angebaut werden. Die Einnahmen waren am Ende des 19. Jahrhunderts so hoch, das sie mit den berühmten Zitronen aus Sorrent und der Amalfiküste mithalten konnten. Dies ist auch der Grund, warum bis Mitte des 20. Jahrhunderts sich viele lokale Landwirte auf die Aprikose konzentrierten und ein spezialisierter Weinanbau erst nachher hier wieder Fuß fassen konnte.

Die Aprikose und der Vesuv

Die Aprikosen, im Hintergrund der Vesuv

Die außergewöhnliche Verbindung zwischen diesen Sorten und dem vesuvianischen Boden, der ganz besonders für den Aprikosenanbau geeignet ist, entstand im Laufe der Zeit und hat eine breite Palette von Ökotypen ins Leben gerufen, die allesamt mit hochwertigem Aroma, Geschmack und Duft ausgestattet sind. Der Frischmarkt stellt vor allem für die größeren Früchte den hauptsächlichen Bestimmungsort dar; die kleineren Aprikosen hingegen werden insbesondere von den Umwandlungsindustrien aufgekauft, die daraus Marmeladen, Säfte und qualitativ hochwertige Jogurtfüllen herstellen. Bis auf wenige Ausnahmen wachsen die Aprikosenbäume vermischt mit anderen Früchten oder Wein, wahre Aprikosenplantagen sind eher eine Ausnahme.

Die berühmtesten Sorten

Unter den bekanntesten vesuvianischen Aprikosensorten sollen folgende genannt werden:

-die “boccuccia liscia” hat eine flache und längliche Form, mittlere Stückgröße und einen süßsauren Geschmack; die “boccuccia spinosa” hat eine nicht ganz glatte Schale, eine ähnliche Form wie die zuerst genannte (aber nicht so flach), ist ein bißchen größer und schmeckt süß. Beide werden gegen Ende Juni reif.

-die “vitillo” wird im Juni reif und verdankt ihren Namen der Ortschaft, aus der sie stammt; sie ist groß und rund und hat einen charakteristischen säuerlichen, leicht bitteren Geschmack.

-die “carpone” ist klein und rund, nicht sehr süß und wird im Juni geerntet.

-die “pollastrella” ist groß und süß, hat eine ovale Form und wird im Juli reif;

-die “cafona” reift gegen Mitte Juni und ist eine interessante frühreife Sorte, weil die Früchte die vom Handel gefordeten Merkmale aufweisen.

-die “pellecchiella wird als beste Sorte betrachtet aufgrund des ganz besonders süßen Geschmacks und ihres außerordentlichen Duftes; sie ist länglich, hat eine dünne Schale, ist mittelgroß und reift im Juli.

Die beliebteste Aprikose in Italien

Andere geschätzte Aprikosensorten sind die monaco bello, die prete und die palummella, insgesamt schätzt man das mindestens 70 verschiedene Aprikosensorten am Vesuv wachsen.

Noch heute ist die vesuvianische Aprikose die beliebteste des Landes und fast 20% der italienischen Aprikosen wachsen am Hang des Vesuvs. Ein Teil davon wird frisch auf dem lokalen Markt verkauft, fast 80% wird ausgeliefert oder in Säfte oder Marmeladen umgewandelt. Auch die Tradition Aprikosen auf Holz unter der Sonne trocknen zu lassen, wird von vielen lokalen Bauern weiterhin beibehalten. Es läuft momentan ein Verfahren um der vesuvianischen Aprikose das Prädikat IGP zu geben um sie auf europäischer Ebene zu schützen.

Weitere Infos findet Ihr in meinem Blog zur Gastronomie in Kampanien

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